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Anerkannte Veränderungen

Ich war nie der Meinung, dass ich sonderlich eitel wäre. Und dann nahm mir Krankheit die Schönheit ...

CN: Krankheit, Bewertung von Äußerlichkeiten, Depression, Thematisierung von Mobbing, Alterungsprozess, Ernährung, Selbsthass, Medikamente

Schon früheste Erinnerungen handeln davon, wie Leute mir (ungefragt) sagten, dass ich ein hübsches Mädchen wäre. Mein eigener Umgang damit war mir daher selbstverständlich vorgekommen. Als jüngstes Enkelkind, als einzige Tochter im Haus – es erschien mir normal, wenn ich gehätschelt und komplimentiert wurde.
Dann impfte mir Erziehung Demut ein, die Pubertät brachte ihre beste Freundin Unsicherheit mit, ab der 7. Klasse war ich plötzlich nicht mehr unter Leuten, die ich schon seit der Krabbelgruppe kannte und die nicht müde wurden, mir zu verdeutlichen, dass ich hässlich wäre. So ward ich 14, glaubte ihnen und hasste Fotos, hasste den Spiegel, sah, blickte ich in mein eigenes Gesicht, die Pickel, die Rötungen, die Augenringe. Es verschobenes Paket des Gesamten, das an sich keinen Sinn ergab und auf keinen Fall attraktiv sein konnte.
Mein 18. Geburtstag stand ins Haus und ich hatte von heute auf morgen die Nase voll davon, mich so zu fühlen. Denn mir wurde klar: Willst du dich echt den Rest deines Lebens hässlich finden?

Seitdem herrschte eine seltsame Mischform des Findens, des Sich-selbst-Empfindens, vor. Menschen, die mich mochten, sagten mir oft, wie schön ich wäre, doch ich tat es damit ab, dass sie es ja mussten, vor allem wenn sie mit mir schlafen wollten.
Leute, die mich hassten, sagten mir, ich sei hässlich, auch das tat ich ab mit: Das müssen sie ja denken, ich fand sie ja auch hässlich.
Und so verbrachte ich die Jahre, fand mich manchmal unwiderstehlich, meistens nach einer durchschriebenden (oder durchtriebenen) Nacht, meistens aber durchschnittlich.
Heute weiß ich, dass ich privilegiert und attraktiv genug war, dass es mir egal sein konnte, wie ich aussah. Dass ich meistens gut behandelt wurde, weil ich normschön genug war. Mein Anblick erfreute die meisten, die mich betrachteten, ein Gedanke der die Feministin in mir hätte zum Kotzen bringen können – wäre ich nicht zu sehr damit beschäftigt gewesen, im Patriarchat möglichst unbeschadet davon zu kommen.

Dann kam die Krankheit. Oder besser, das, was vermutlich seit meiner Kindheit in mir schlummerte, ließ sich nicht mehr unterdrücken. Es zerstörte mein Immunsystem, meinen Stoffwechsel, die Fähigkeit meiner Zellen überhaupt Nährstoffe aufzunehmen. Zum Glück fand ich Hilfe, Mediziner*innen, die davon schon einmal gehört hatten, die Geräte und Methoden hatten, um in meine Zellen zu sehen. Und mir zu sagten, wie ich all das aufhalten könnte. Vielleicht.
Ich bekam ein halbes Jahr lang Tabletten und Präparate, die meinen Zellen halfen. Die es nicht egal machten, ob ich am Tag nur 1 Salatkopf aß oder 3 Tafeln Schokolade. Anfangs waren es fast 30 Tabletten am Tag. Und so war ich auch: hoch dosiert, ein betäubtes Ding, das wenig mitbekam und nach drei Stunden lesen eine Pause brauchte, vom Etwastun.

Um meinen 34. Geburtstag herum, als ich auf zehn Tabletten am Tag runter war, sah ich in den Spiegel und wusste, was mein Arzt damals gemeint hatte, als er von vorzeitiger Alterung sprach, von Verfall und Veränderungen, die wir mit der Therapie aufhalten wollten. Mein Gesicht zeigte mir, wie knapp ich Schlimmeren entkommen war, oder besser: ich war endlich fähig, es zu erkennen.
Krankheit hatte nicht gefragt, was sie anstellt. Sie hat Schönheit geraubt, sie hat Haut von Knochen gelöst, sie hat Spuren hinterlassen und zum ersten Mal konnte ich sehen, wirklich sehen, wie schön ich einmal gewesen sein musste.

Ich wollte nie zu diesen Frauen gehören, die mit Mitte dreißig ihrem zehn Jahre jüngeren Ich nachtrauerten oder besser ihrem drei Jahre jüngeren Aussehen. Ich hatte früher meine Denkfalte schön gefunden, mich nicht an meinem kleinen Hängekinn gestört, machte es mich schließlich ein bisschen weicher, nahm es dem herzförmigen Gesicht und der starken Nase etwas die Schärfe. Aber nun, in dieser Form, die mich dort aus müden Augen anblickte, war es nicht auszuhalten. Ich war wieder 14 und hasste das Bild von mir - ein Gefühl, dass ich doch nie wieder erleben wollte.

Mit wem sollte ich darüber sprechen? Meine Familie, meine Freund*innen – sie würden mich nicht ernst nehmen, mich für verrückt halten, das wusste ich. Das müssen sie ja; immerhin lieben sie mich und finden mich immer schön. Vorsichtig schnitt ich das Thema dennoch an - es kam, was ich erwartet hatte: vehementer Widerspruch! »Du hast dich gar nicht verändert.« »Du bist immer noch schön.« »Du hast doch echt keinen Grund, dich zu beschweren.«
Doch ich habe mich verändert! Aufgedunsenheit, vorzeitige Alterung meiner Zellen und Haut, Sorgenfurchen, Todesangst ... mein Gesicht hat sich sehr verändert!
Ich hatte keine Lust, diesen Fakt zu diskutieren.

Zum Glück hatte ich auch eine Freundin, eine Endzwanzigerin, die so schön ist, dass es ihr egal sein kann, wie sie aussieht, die von sich behauptet, nicht eitel zu sein, die mich sehr an mich selbst mit 27 erinnert. Und die mich einfach reden ließ. Und sich sagen ließ: »Ich dachte früher genau wie du. Aber als es dann weg war, war ich schockiert, wie sehr es mir fehlt. Und es stürzte mich in eine Krise. Und ich hasse es, dass ich es hasse. Ich will mich nicht so fühlen. Ich dachte immer, ich stünde darüber. Aber nun weiß ich, dass ich einst schön genug war, um über solchen Dingen zu sehen. Seitdem sie fort sind, weiß ich erst, was ich an ihnen hatte.«
Und sie verstand und hatte Verständnis für mich. Das tat gut.

Wie ging es weiter? Ich erkannte an, dass ich eitel bin. Dass ich mir etwas daraus mache, wie mein Gesicht aussieht.
Und als ich mir diese Gefühle erlaubte, erlaubte ich mir auch, nach Lösungen zu suchen, ich erlaubte mir, Investitionen zu unternehmen, um das Bild zu verbessern, um meine Schönheit zu erhalten, das, was davon noch übrig ist. Ich erlaube mir, darüber zu reden, darüber zu schreiben.
Auch wenn es unwichtig sein sollte, es ist es nun mal nicht. Noch bin ich krank, vielleicht werde ich niemals körperlich gesund. Ich versuche, damit zu leben, dass man mir mein Kranksein immer ansehen wird, vor allem wenn man mich von früher kennt.
Dass ich nicht mehr die stark-aussehende Amazone bin, die Beschützerin. Dass mir alle meine Schwäche, meine Verletzbarkeit ansehen.

Ich erlaube mir, darauf zu handeln, mehr Zeit für mich zu investieren, mich tageweise zurückzuziehen, mich auszuruhen. Es ist ein Überlebensinstinkt. Dass ich nach diesen Vorkehrungen besser aussehe, ist ein willkommener Nebeneffekt.

Clara & Rosa

Clara Zetkin und Rosa Luxemburg waren ziemlich dicke miteinander – vielleicht sogar Besties. Ihre Gespräche drehten sich um Politik, Philosophie, sie lasen gegenseitig ihre Texte und Reden Korrektur, Zetkin besuchte Luxemburg auch regelmäßig im Gefängnis.
Aber dann verliebte sich Luxemburg in Zetkins Sohn. Sie hielt es vor ihr geheim. Vermutlich sprachen sie über alles – nur nicht über Sex.

Zetkin bekam es heraus. Erst ließ ihr weiblicher Instinkt es sie wohl erahnen, dann ließ dieser Verdacht sie einen Brief Luxemburgs an ihren Sohn öffnen. Damit wusste sie es. Und hielt es vor ihr geheim.

Monatelang quälte sie sich, schämte sie sich. Weil ihr der Gedanke, dass Luxemburg mit ihrem Sohn schlief, nicht behagte. Dass sie ihnen offenbar das Glück nicht gönnte, der Altersunterschied offensichtlich ein Problem für sie war. Dass sie die Privatsphäre ihres Sohnes missachtet hatte. Dass sie nicht mit ihrer Freundin darüber sprechen konnte.
Sie konnte es monatelang nicht. Sie hielt sich kurz, fand Ausflüchte, warum sie nicht nach Berlin zu Luxemburg fuhr. Suhlte sich in ihrem schlechten Gewissen.

Vermutlich merkte Luxemburg, dass ihre Freundin sich seltsam verhielt. Vielleicht wusste sie, warum. Aber auch sie sagte nichts.

Ich frage mich, warum. Und wie hätte es anders laufen können? Hätte Luxemburg „vorher“ fragen sollen, wie Zetkin es fände? Ich befürchte, es gab nicht die Gelegenheit. Dass Zetkin-junior und Luxemburg sich einfach gefunden hatten, das es „einfach“ passiert war. Damals wie heute, passiert sowas eben. Und dann war es zu spät.
Zum einen wird sie verliebt gewesen sein, und wäre wohl uneinsichtig, die Beziehung zu beenden, für den Fall, dass ihre Freundin nicht einverstanden gewesen wäre. Zum anderen hätte die Freundschaft so oder so einen Knacks gehabt – es war zu spät!
Und über solche Dinge redeten die Leute eben nicht so wirklich – damals wie heute …

Diese beiden Legenden, stark, hochintelligent und gefürchtet von den Gefürchteten. Ohne sie dürfte ich als Frau vermutlich nicht mein eigenes Geld verdienen, ohne sie wäre das Leben in diesem Lande wohl noch unerträglicher für mich.
Aber sie hatten auch das Problem, dass sie unangenehme Themen und ihre Gefühle schwer mit ihrer Freundin besprechen konnten.
Vor einem Saal vor reichen Männern das patriarchale Großkapital verteufeln, Arbeiterinnen Tipps zur Verhütung und zur Gehaltsverhandlung geben, Buhrufe und Morddrohungen ignorieren – ja.
„Ey, ich weiß, du schläfst mit meinem Sohn – können wir bitte darüber sprechen?“ – nein.

Sie haben es Monate später wieder hinbekommen. Weil Zetkin Luxemburg so sehr vermisste, dass sie sich am Riemen riss und ihre Gefühle in preußischer Manier unterdrückte – ihre Freundin war ihr wichtiger als ihre Scham. Wenn du nicht über deine Gefühle reden kannst, ignorier sie. Bevor sie dir alles kaputtmachen.
Sicher eine sehr ungesunde Einstellung, aber damals war es wohl ohnehin die Frage, wie lange das Gefühlsleben auszuhalten war, wenn der potenzielle Tod ohnehin immerzu in der Nähe war: Krankheit, Hunger, Krieg, Nazis – Letzteres riss Luxemburg wenige Jahre später gewaltsam aus Zetkins Leben. Wenigstens hatten sie bis dahin noch ein paar schöne Zeiten.

Bild: wikimedia
Bild: wikimedia

Noch etwas Neues: Zimazans

Es ist so weit! Zimazans erhält eine 2. Auflage. Nach fast sieben Jahren!

Ihr erinnert euch?
Stillstand war nie Sinn der Evolution. Der Homo Pennatus, Mensch mit Flügeln, erhebt sich über den Homo Sapiens, den Untermenschen. Unweigerlich wandelt sich das Aussehen der gesamten Welt. Vier urbane Metropole existieren noch auf der Erde. Eines davon ist Zimazans.

Ich habe mich dazu entschieden, das Buch, ursprünglich im Verlagshaus el Gato erschienen, neu aufleben zu lassen, jetzt da ich Selfpublisherin bin, die Rechte für Zimazans zurückhabe und mit ‚Luna von San Trijato‘ eine weitere Geschichte aus dem Pennatus-Universum erscheint.

Ich habe mich dagegen entschieden, das Buch intensiv zu überarbeiten. Zum einen wurde nicht nur mein Stil in den sieben Jahren geschliffen, auch die Prämisse wie ich ein Buch schreibe und meine komplette Sicht auf die Welt haben sich schlicht gewandelt ... Ankaris Geschichte habe ich mit süßen 19 Jahren entwickelt, als ich 26 war, kam das Buch raus. Ich würde heute ein völlig anders Buch schreiben.
Es wäre weniger hetero, der (zugegeben coole) Bösewicht wäre nicht als einziger Charakter queer, ich würde auf den male-gaze verzichten, mit dem ich Frauen beschreibe, ich würde die Geschichte völlig anders enden lassen ...
Was ich aber für die 2021er Version geändert habe: ich habe die beiden Szenen, in denen ich Vergewaltigung zeige, weniger plastisch dargestellt. Mit 20 dachte ich noch, bestimmte Dinge müsste ich eben in Bücher beschreiben. Erst ein paar Jahre nach der Veröffentlichung von Zimazans erkannte ich, dass ich erstmal gar nichts muss. Es ist mein einziges Werk, in dem ich krasse sexualisierte Gewalt zeige (Betonung auf zeigen, thematisieren tue ich sie in fast all meinen Romanen).
Außerdem habe ich einige ableistische Beleidigungen abgeändert.

Dann habe ich den Änderungsprozess abgebrochen  – ich hätte sonst nicht aufhören können und ein völlig neues Buch geschrieben. Vielleicht mache ich das eines Tages auch ...

Die 2021er Version hat überdies ein paar mehr Zeichnungen und außerdem zwei Seiten Hinweise auf sensible Inhalte (Triggerwarnungen). Den Umschlag für das neue Format hat mir in einer Nacht- und Nebelaktion die junge Grafikerin Andrea Witte angepasst, die ich bei meiner Arbeit für die Anthologie ‚Fantastische Fragmente‘ kennengelernt habe.


Da alles sehr fix ging, konnte ich die Daten bereits hochladen und die Zimazans‘ Neufassung wird pünktlich zu Ostern zusammen mit ‚Luna von SanTrijato‘ in der Anthologie erscheinen!

nebenbei: neue (kleine) Veröffentlichung

Lieber Leser:innen,

ich bin mit J. B. Fletcher und ihren Krimis aufgewachsen. Eine blitzgescheite, entwaffnend höfliche Dame, gespielt von Angela Lansbury, löst Mordfälle und schreibt nebenher Bestseller ... und andersrum. Als ich Heranwachsende war, trat Ministerin Angela Merkel in mein Alltagsgeschehen. Sie müssen wissen, meine Familie war immer hochpolitisch - von kleinauf war es für mich normal, dass wir abends die Tagesschau und öfter Polittalkshows guckten. Mit 15 hatte ich eine politische Meinung (die damals der meiner Eltern widersprach). 2009 war die Regierung so freundlich, die Bundestagswahl ein Jahr vorzuziehen, sodass ich gerade 18 geworden, wählen konnte. Angela Merkel wurde am selben Tag Kanzlerin, als ich meine PKW-Fahrerlaubnis erhielt. Es war ein großer Tag für Deutschland.

Ich habe Angela Merkel nicht gewählt, aber ich bin froh, dass ein ostdeutscher Bücherwurm bisher mein ganzes Erwachsenenleben mein Heimatland regiert. Auch lese ich selten Krimis, müssen Sie wissen. Wenn doch, dann ist es eher zufällig und das Buch enthält Elemente meiner Lieblingsgenre, etwa Dark Fantasy oder Deutsche Geschichte. Die Krimis von J. B. Fletcher, und wie sie mit Geduld und Unaufgeregtheit Morde und andere Rätsel löst, entsprechen jedoch dem, was ich als abendfüllendes Entspannungsfernsehen betrachte. Je mehr ich mich mit der Figur beschäftigte - als Autorin sah ich natürlich Parallelen - desto mehr stellte ich Ähnlichkeiten zu meiner Kanzlerin fest. Vielleicht liegt es am Vornamen?!
Wenn Sie schon ein paar meiner Romane gelesen haben, wird Ihnen aufgefallen sein, dass ich ein Faible für Heldinnen habe, deren Vornamen mit A beginnen. Als ich beschloss, mich an einem fletcheresken Krimi zu versuchen, lag die Idee nahe, meine Protagonistin Angela zu nennen. Einige Monate zuvor hatte ich eine Dokumentation über die ländlichen Regionen Lettlands geschaut. Daher entschied ich, dass der Story hier ein realer Schauplatz geliefert wird, denn wo sonst in Europa hätte meine Kanzlerin die Chance, nicht erkannt zu werden?
Die Geschichte spielt in nicht allzu ferner Zukunft, die Heldin Angela hat sich zur Ruhe gesetzt. Dies deutet wohl sehr darauf hin, dass alles frei erfunden ist. (Vielleicht ist das meine Art, jetzt schon einen Umgang damit zu finden, dass sie sich bald zur Ruhe setzen wird ...) Ebenfalls habe ich die Hintergründe und ihren Lebenslauf etwas verfälscht, um deutlicher zu machen, dass all dies meiner Fantasie entspringt. Und auch bei Sabiedrība, der Gemeinde in der Annas Haus steht, das sie Angela vermietet, habe ich meine Vorstellungskraft genutzt. Wer den Googleübersetzer bemüht, wird feststellen, wie einfallslos ich dabei war.
Was mich am meisten bei diesem Projekt reizte, war eine unaufgeregte, analytische, ältere Rätsellöserin zu schreiben. Inwieweit mir die Hommage an Angela geglückt ist, werden Sie selbst entscheiden müssen ...

Das eBook erschien am 25.12.2020 und ist mittlerweile in allen Shops verfügbar.

zB. bei thalia -> https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/ID150554464.html

 
Viel Freude beim Lesen, Ihre Claudi Feldhaus

Etwas Neues

Nachdem mein Buch `Seine sensible Seite´ wieder frei ist, und über es verfügen kann, geht es mir mental wesentlich besser. Ich habe seit fast fünf Tagen (seitdem ich die frohe Botschaft bekam) gute Laune und auch Energie für neue Projekte oder schlicht konstruktive Arbeit.


Vielleicht ist das nur »normale Laune« und ein »verhältnismäßig mittelmäßiger Energiepegel«. Nach Jahren der Depression und der herben Rückschläge kann ich das nicht beurteilen.

Was ich aber spüre, ist, da ich nun überhaupt Kraft und Muße habe, wie wenig mein Körper mitkommt. Die Stoffwechselstörung und die vermutlich schon vor zehn Jahren begonnene Schädigung meiner Gefäße und Körperfunktionen fordern merklich Ruhe.


Ich hatte in der Zeit meiner Krankschreibung vereinzelt gute Tage, an denen ich merkte, dass ich schnell an meine Grenzen stieß. Darum habe ich mich darin geübt, meine Arbeitsphasen zu kürzen, einzuteilen, viele Pausen zu machen und aufzuhören, bevor es schön ist. Depression war hier einmal mehr meine Freundin, denn sie betäubte meine Wahrnehmung. Jetzt da mir ein Mühlstein vom Herzen gefallen ist und eine himmelschreiende Ungerechtigkeit vorüber, die mir jedes Mal, wenn ich nur daran dachte, Stress und Panik bereitete, bin ich offenbar mental bessergestellt. Und nun fällt mir auf, wie krank mein Körper ist.


Ich schleiche wie ein Geist durch die Straßen, nehme Reize unheimlich wahr (auch positive), ich muss Mittagsschlaf machen oder zwischen zwei Besorgungen sitzen und in die Luft starren, ehe ich wieder dazu in der Lage bin, weiterzulaufen. Ich spüre das Herzrasen, den Schwindel, das langsame Blut. Ich schwitze, ich friere, meine Beine sind dick und tun weh. Und trotz allem: Ich habe ekelhaft gute Laune.
Offensichtlich ist es wieder an der Zeit, etwas Neues zu lernen ...

Bild vpn pixabay

Welttag des Buches 2020: Joan Aiken

Ich bin vor zehn Jahren in einer Bibliothek sehr zufällig über Joan Aiken gestolpert. Bis dahin wusste ich überhaupt nicht, dass ich ‚Regency‘ (Period Novels) mag.

Die englische Schriftstellerin lebte 1924-2004, schrieb Gedichte, Zeitungsartikel und etwa 50 Romane für Kinder und Erwachsene. Ihr Stil geht ins lyrische, vor allem ihre Regency Romane haben eine märchenhafte Note, die wörtliche Rede und die inneren Monologe wahren einen Feinsinn und bergen dennoch einen überraschend gar medisanten Unterton.

Ihre immer wiederkehrenden Themen: Feminismus, Frauenfreundschaften und vielfältige Lebensmodelle im viktorianischen England.

 

Wollte ich so zu schreiben lernen, musste ich einfach alles von ihr lesen und mich wieder und wieder von ihren Regency-Frauen verzaubern lassen.

Ich weine selten beim Lesen, aber wenn ich Aiken lese, fließen die Tränen - weil es so schön ist. Das Entzücken, das die Magie ihrer Romane dieses Genres in mir auslöst, war dermaßen beflügelnd, dass ich eine für mich damals riesige Barriere in Angriff nahm: Ich begann, Bücher auf Englisch zu lesen.

 

‚The Girl from Paris‘ (Das Mädchen aus Paris) war das erste, es folgte ‚Jane Fairfax‘. Jawohl: ‚Emma‘ aus Sicht der »Gegenspielerin«.

 

Einige ihrer Bücher würden wir heutzutage stolz Jane Austen Fanfictions nennen.

 

Dank Ms Aiken gelang es mir, das Lernfenster in meinem Hirn aufzubrechen, welches ich bis Mitte 20 als zugenagelt betrachtet hatte.

Sie hat mir die (aktuelle) Weltsprache zugänglich gemacht, mir, die sich damals für einen hoffnungslosen Englischfall hielt. Dabei hatte ich offenbar einfach nur das richtige Lehrmittel gebraucht.

 

Heute stellt es für mich kein Problem mehr dar, Bücher auf Englisch zu lesen und die ganz eigene Magie dieser Sprache genau wie die meiner Muttersprache zu ergründen, zu vergleichen und damit zu spielen.

 

Joan Aikens Schreibzimmer, eine kleine Laube in ihrem geliebten Garten, kann man heute noch in Sussex besuchen. Ihr literarischer Nachlass und einige Notizen werden von ihrer Tochter Lizza Aiken verwaltet und betreut. Es ist auf jeden Fall ein Traum von mir, eines Tages dorthin zu reisen und hoffentlich ihren Geist nachzuspüren.


http://www.joanaiken.com/

Ein Pandemie-Tagebuch

Unter https://eldergoth.home.blog/ schreibe ich mit meiner Lektorin Bettina Bergmann und anderen Autorinnen ein bisschen aus dem Alltag im Ausnahmezustand.

Über Pokémon, virtuelle Kaffeehaustreffen und den Hintern hochzukriegen, obwohl der eh wieder auf dem Sofa landet.

 

Lest vorbei! :)

Frühlingsgejammer

Die Bäume blühen wie bekloppt, die Luft wird täglich wärmer und der Park vor meiner Haustür riecht schon verdächtig nach Frühling.
Es ist Mitte März, als ich vor fast vier Monaten eine dauerhafte Krankschreibung bekam, dachte ich, dass ich im März wieder ins Büro arbeiten gehen könnte.
Dann zog sich alles hin, dann lautete meine Diagnose doch noch härter, als ich zu glauben gewagt hätte und dann kam die Coronaepidemie. Mit ins Büro gehen geht gerade ohnehin nicht viel.

Und so richtig rausgehen und den Frühling genießen ist auch nicht, da wir das einmal nicht sollten und andererseits meine neuen Medikamente mich dermaßen müde machen, dass ich am Tag nur etwa drei Stunden zu irgendwas zu gebrauchen bin. Ganz wie im Dezember.
Mein Torso gleicht einem eckigen Schwamm, meine Beine sind dick, meine Haut ist porös und glänzt, ich bin langsam und fühle mich alt.

Wenn ich tagsüber etwas tun kann, dann schreibe ich ein bisschen, pflege Kontakte oder gucke nach meinem neuen Buch (bitte eBook, komm endlich in den Shops an, du willst es doch auch ^^).

 

Ich bin froh, dass ich zwischendurch eine Phase hatte, in der ich - zwar mit Pausen, aber immerhin - insgesamt gut 7 Stunden am Tag arbeitsfähig war und es für den Handel vorbereiten konnte. So war ich mich wenigstens produktiv, ehe der Knock-out wieder einsetzte.

 

Wegen der Epidemie wird sich meine Therapie verschieben, da das Sanatorium nun erstmal Patient*innen betreut, bei denen es um Leben und Tod binnen der nächsten 4 Wochen und nicht »nur« um Bewegungslosigkeit vor dem 50. Geburtstag geht.

 

So läppern sich die Wochen und ich befürchte, vor dem Sommer keinesfalls wieder arbeitsfähig genug zu sein, um in meinen Job zurückzukehren. Ich vermisse meine Kolleginnen, ich vermisse das Miteinander und das Gefühl, Teil der Lösung zu sein. Sogar meine schrulligen Chefs fehlen mir manchmal!


Zum Glück schlafe ich viel, sodass ich die meiste Zeit nicht merke, wie sehr mir mein Leben fehlt.

Foto by pixabay

Die Güte des Goldes - Rückentext

Bald geht es looos! Annegold steht in den Startlöchern!

Blonde Betrachtungen

Als ich das Zeug auf meinen Kopf schmierte, hatte ich mit zwei oder drei Nuancen gerechnet, die es meine von Natur aus kastanienbraunen Locken aufhellen würde. Aber es waren dann doch etwa 17 und jetzt bin ich zum ersten Mal seit 30 Jahren blond.

Wenn ich in den Spiegel schaue, schaut eine ungewohnt helle Erscheinung zurück. Aufgrund meiner Krankheit lebe ich derzeit das Dasein einer übermüdeten Künstlerin - kupferblond mit dunklen Ansätzen passt daher einfach auch besser zu meinem verspielt-verwirrten Gemütszustand, als dies elegante Brünette. Nach 3 Tagen ist es immer noch zu neu und seltsam und doch irgendwie richtig.
Vielleicht habe ich den astrologisch passenden Tag zum Haarefärben benutzt? War die Venus im 2. Haus und der Saturn hat von oben gesagt: »So machen wir dir mal wirkungsvoll und die trashige Autorin so blond, wie sie sich gerade benimmt.«
Ich probiere das mal.
Blonde Haare, die herausfallen, fallen übrigens nicht so auf und so wirkt meine Wohnung auch gleich etwas ordentlicher. ^^

Männer, die uns Angst machen

Ich habe mich kürzlich mit einer meiner besten Freundinnen um Politik, genauer Flüchtlingspolitik gestritten. In Momenten wie diesen, wenn mich die Wut überkommt, wird mein Kopf übervoll, und die Argumente fallen mir alle gleichzeitig ein, sodass ich gar nicht schnell genug hinterherkomme. Es ging um ein furchtbar rechtes Bild, dem sie anheimgefallen war, also wurde ich natürlich emotional und hatte echt Probleme mich auszudrücken. Wir hatten es dann doch noch irgendwie hinbekommen, das Gespräch im Guten zu verlassen, ich hatte ihr ein paar Dinge und Zusammenhänge erklären können. Einiges war ihr offenbar völlig neu gewesen, denn sie ist eigentlich klug, und hätte das Muster durchschauen können.

Der Streit beschäftigte mich drei weitere Tage, sodass ich entschied, alles was ich ihr hätte erzählen wollen, in einen Text zu fließen lassen. Das hilft mir buchstäblich, meine Gedanken zu ordnen. Eigentlich ist dieser Text nur für sie. Aber  vielleicht will ja die eine oder der andere von euch beim nächsten Mal darauf zurückgreifen.

Ich werde sehr schnell wütend, sobald ich rassistische Glaubenssätze höre. Fallen meine engsten Freund*innen darauf herein, fühle ich mich fast schon verraten. Wenn ihr Argument gelautet hätte, »meine Kollegin hat Angst davor, dass Männer ihren Töchtern etwas antun«, wäre das eine nachvollziehbare Stellungnahme. Aber zu behaupten, sie könne die Angst speziell vor geflüchteten Männern aus Syrien nachvollziehen, weil die ja bekanntermaßen respektlos gegenüber westlichen Frauen seien, finde ich kurz- und absolut rassistisch gedacht.

Dass Gewalt gegen Frauen ein importiertes Problem sei, ist wohl der faulste Mythos überhaupt!

 

Wir haben den weltweiten Missstand alltäglicher Gewalt gegen Frauen. Femizide sind sowohl in Kriegsgebieten als auch in Deutschland tägliche Realität.

Jeden Tag versuchen etwa fünf deutsche Männer ihre (Ex-)Partnerin umzubringen. Jeden zweiten Tag gelingt es einem.

 

Deutsche Männer belästigen, vergewaltigen, bedrohen und schlagen Frauen in Deutschland, zumeist jene, diejenigen die mit ihnen das Bett teilen oder ihnen anderweitig nahestehen.
Belästigung auf der Straße ist alltäglich, fremde Männer machen unflätige Bemerkungen, fotografieren Frauen unter den Rock, werden körperlich übergriffig. Die Pornoindustrie, die weibliche Darstellende entmenschlicht oder sogenannte Pick-up-Artist Kurse, in denen Männer lernen, wie sie Frauen psychologisch irreführen und so sexuell ausbeuten können, florieren. In Film, Fernsehen und Zeitungen stellen toxische Maskulinität, Eifersucht und Stalking als normal, gar romantisch dargestellt. Die Liste geht immer weiter.

Weltweit und seit Jahrtausenden ertragen Frauen diesen Missstand. Es ist in unseren Genen, wir teilen das kollektive Trauma, wir empfinden Angst vor der Gewalt die Männer uns antun, noch bevor wir je in Berührung damit kommen.
Also erzählt mir nicht, die Gewalt, die eventuell von syrischen Männern ausgeht, sei schlimmer als die, die von deutschen Männer ausgeht! Nicht Ausländer belästigen Frauen, Arschlöcher belästigen Frauen! 

Das rassistische Argument der importierten Gewalt, dass so weit geht, dass (in diesem Fall) alle syrischen Männer ausgesperrt werden sollten, weil Gewalttäter unter ihnen sind, beinhaltete, dass wir uns auch jene entgehen lassen, die sich dazu entschieden haben, anständige Menschen zu sein.


Männliches arschiges Verhalten wird weltweit nachweislich unterstützt und nur selten juristisch belangt.  Es ist egal, in welcher Kultur du aufwächst: Dass alle Menschen gleichberechtigt sind, Respekt und Unversehrtheit verdienen, ist eine Geisteshaltung, die jede*r lernen kann. Warum sonst sollten Männer, anständig  sein, wenn nicht aus schlichtem Anstandsgefühl und Sinn für Gerechtigkeit?

Es ist nur die Frage, ob man sich dazu entscheidet ein Arschloch zu sein oder nicht.

Würden deutsche Männer Frauen respektvoll behandeln; wäre es normal, dass wir in in Sicherheit lebten, dass Medien und Gesellschaft ein Bild der Gleichberechtigung transportieren, herrschte diese Energie vor und auch Arschlöcher von außerhalb dieser Landesgrnzen würden es nicht wagen, Frauen zu belästigen. Sie würden merken, dass ihr Verhalten scheiße und strafbar ist, dass sie diejenigen wären, die ihre Ehre verlören. Ihnen würde klar, dass sie verfolgt und bestraft würden, wenn sie Gewalt ausüben.

 

Syrische Männer, die Frauen auf der Straße nach Sex fragen, wie meine Freundin als Anekdote anzubringen wusste, haben sich das höchstwahrscheinlich bei deutschen Männern abgeguckt.

Ich wurde auf der Straße von Männern jeder Kultur, Hautfarbe, jeden Alters und Alkoholpegels belästigt. Meine Freundinnen und weiblich aussehende Enbys teilen dieses Schicksal, einige haben weit schlimmeres erlebt. Ich kenne nicht eine Frau, die nie eine Form von Gewalt von einem Mann ertragen hat! Ergo kann mir leider einfach nicht vorstellen, dass die Kollegin meiner Freundin noch nie Gewalt durch deutsche Männer erlebt hat, warum also hat sie speziell vor syrischen Männern Angst?
Das Argument, dass Geflüchtete Gewalt importieren, ist billig und rassistisch, funktioniert die Tage aber sehr gut, um die Massen aufzupeitschen. Dabei reicht es doch, wenn frau eine Minute Revue passieren lässt, wer sie schlecht behandelt. Wer pöbelt uns auf der Straße an? Von wem werden wir im Internet bedroht? Wer betatscht uns im Vorbeigehen? Mit wem führen wir Gaslightning-Beziehungen, wer drängt uns zum Sex, uns deutsche Frauen? 

Gewalt gegen Frauen ist universell und vielfältig, und nur weil Geflüchtete sich vielleicht anders respektlos verhalten, als Menschen, die hier geboren sind, sollen deutsche Männer überhöht und von ihrer Schuld freigesprochen werden? Indem das Bild propagiert wird, dass deutsche Frauen speziell vor geflüchteten Männern Angst haben, passiert nämlich genau das: Die statistisch viel wahrscheinlichere Gewalt, die Frauen hierzulande von deutschen Männern erleben, wird negiert.

 

Wir lösen Gewalt gegen Frauen nicht auf, indem wir nur bestimmte Gruppen dafür verurteilen. Es muss ein ureigenes Verständnis entstehen, die körperliche und seelische Unversehrtheit von Frauen und Mädchen zu gewährleisten. JEDE Gewalttat muss verfolgt und bestraft werden; erst wenn Männer erkennen, dass ihr arschiges Verhalten Nachteile für sie mit sich bringt, werden sie sich ändern. Erst wenn eine Vorbildfunktion greift, werden heranwachsenden Generationen, respektvolles Verhalten gegenüber allen Menschen leben.

Zur Sache ...

Ihr merkt vermutlich, dass ich aktuell verhältnismäßig viel online bin und teile. Das liegt daran, dass ich gerade kaum etwas anderes machen kann, als mit meinem A ... zuhause zu bleiben und mich innerhalb eines bestimmten Aktivitätenradius‘ zu bewegen. Meiner Gesundheit zuliebe und damit ich irgendwann wieder normal - oder mehr - arbeiten kann, musste ich äußerst einschneidende Entscheidungen treffen.
Die beinhalten, dass ich dieses Mal nicht nur den Fuß vom Gas nehme - das reicht nicht mehr - ich muss bremsen und für eine Weile stehen bleiben. Ganz toll für jemanden, die sich nur nützlich fühlt, solange sie »fährt«. So, genug Sinnbilder ...

Neben anderen Aktivitäten wie politischem Engagement und meiner Erwerbstätigkeit musste ich mein Pensum in der Literatur drosseln. In der Zwischenzeit wird sehr auf mich aufgepasst, da ich das alleine anscheinend nicht kann.
Unterm Strich heißt das für euch, dass ich mir für die Veröffentlichung meines neuen Buches länger Zeit lasse. Dass ich es »schon« fertig geschrieben habe, grenzt an ein Wunder und ist, wie ich schmerzlich feststellen musste, Verstärker des ganzen Problems gewesen. Auch positiver Stress ... stresst!

Ich bin wild entschlossen, an der #LBM2020 zu partizipieren, zumal für dieses Jahr ohnehin aufgrund meiner pfiffigen Organisation ein echt entspannter Aufenthalt möglich ist ^^ Ihr werdet dort ein bisschen was von Annegold aus #DieGüteDesGoldes kennenlernen, denn ich plane Gimmicks mitzubringen, die ihr am Stand vom #Nornennetz abholen könnt. Und natürlich ist meine Ankari aus #Zimazans wieder dabei!
Ich hoffe, mich bis dahin so weit sortiert zu haben, dass ich eine Aussage zu einem Veröffentlichungstermin treffen kann.
Dass ich mich auf die kommenden Monate freue, kann ich wirklich nicht behaupten. Mehr als, das Beste daraus zu machen und meine Zeit so gut es geht, zu genießen, kann ich aber auch nicht tun - all dies wird mir niemand abnehmen. Ich muss selbst den Hintern hochkriegen und im wahrsten Sinne des Wortes einfach mal sitzen bleiben.

Die Feder der Dichterin

 

Diese wunderschöne Feder werdet ihr nun öfter sehen. Ich habe mich vor zwei Jahren in diese Grafik verliebt und mir nun eine Lizenz dafür geleistet.

 

Mika M. Krüger hat mir eine Logo-Version davon für meine Webseite erstellt. Es wird außerdem für meine kommenden Werke neue Lesezeichen und Gimmicks geben, wo ich sie verwenden möchte und ich denke sogar darüber nach, mir die "Feder der Dichterin" als Tattoo stechen zu lassen!

trügerisch faul

Die Angst als faul zu gelten, ist in unserer Gesellschaft tief verwurzelt. Und ein Instrument, damit der Kapitalismus, so wie er ist, funktioniert. Es sind jene Denkweisen, dass wir nur wert sind, was auf unserer Gehaltsabrechnung oder im Bankkonto steht; dass wir etwas leisten müssen, um etwas bedeuten zu dürfen, die uns und das System in dem wir leben krank machen. Wem kommt diese Einstellung eigentlich zugute?

Wenn du in dieser Leistungsgesellschaft nicht klarkommst, und dich keine sichtbaren körperlichen Dysfunktionen davon abhalten klarzukommen, bekommst du den Stempel FAUL. (Manchmal gelten auch Personen mit visualisierbaren Behinderungen als FAUL, denn etwas tun, muss der Mensch doch!) Um eklatantes Arbeiten zu beschreiben, mag ich das österreichische Wort »hackeln« ganz gerne. So vieles ist Arbeit, was aber nicht als solche anerkannt wird.

Das Pensum an Energie ist bei jeder Person unterschiedlich. Manche Leute sind nach einem Termin mit sozialen Interaktionen erschöpft und müssen zuhause auf der Couch Kräfte sammeln, andere blühen unter Menschen auf und gehen nach dem Meeting noch mit den Kolleg*innen tanzen.

Die eine steht mit den Lerchen auf, die andere ist am kreativsten, wenn es draußen dunkel wird.


Er benötigt, um ein Regal an die Wand zu schrauben, Vorbereitung, Ordnung und Ruhe. Sie baut derweil ohne Anleitung im Nebenzimmer einen Schrank  auf, überlegt sich einfach, während sie den Inbus dreht, welches Teil wohin gehört und was diese Plastikdinger sein sollen.

Hat, weil ihr Ergebnis mehr Raum einnimmt, sie in der gleichen Zeit mehr gearbeitet als er?

Ich bin der Überzeugung, dass ein Mensch grundsätzlich arbeiten will. Das Klischee des herumliegenden Faulenzers hat sich meiner Erfahrung nach noch nie erfüllt. Menschen, die ihre Tätigkeit nicht schaffen, sind oft zu sehr mit anderen Arbeiten beschäftigt, die vom Fertigwerden abhalten. Oder sie visualisieren, wie viel noch zu tun ist und kapitulieren vor dem sinnbildlichen Berg an Arbeit.


Diese Kapitulation vor dem Leistungsdruck macht sie krank, sie bekommen überdies den Stempel »FAUL« aufgedrückt und resignieren völlig. Von Schuldgefühlen zerfressen schaffen sie es oft nicht einmal mehr, das zu sortieren, was ihnen gut tut, die Arbeit zu tun, die sie erledigen könnten. Oder ihre getane Arbeit ist nicht sichtbar, der Erfolg für andere nicht erkennbar, so fühlt es sich für sie auch nicht so an, dass sie etwas geschafft haben.

Hinzu kommt, dass in unserer Gesellschaft, viele essentielle Tätigkeiten nicht als »Arbeit« gelten. Künstlerische Prozesse oder Care-Aufgaben sind da wohl die prominentesten Beispiele.

Um nicht als faul zu gelten, vor sich oder anderen, hackeln manche Menschen weiter an merkbaren Ergebnissen.

 

Was die anderen sehen, gilt als getane Arbeit, ich zähle als fleißig oder zumindest als nützlich!

 

Ihre Gesundheit bleibt dabei auf der Strecke, sie bekommen neben den vorhandenen seelischen Leiden ebenso körperliche. Sie können ihre Freizeit nicht mehr als solche genießen, weil sie im wahrsten Sinne erschlagen sind von ihrer Lebensweise.

 

Auch ich habe eine unsichtbare Krankheit; Jahre, in denen ich Angst hatte, als faul zu gelten, als Schmarotzerin, haben mich davon abgehalten, die Arbeit oder den Job ruhen zu lassen und gesund zu werden. Mir die Zeit zu nehmen, das Problem zu durchschauen, mich auf das zu konzentrieren, das mich glücklich macht. Bloß nicht anderen auf der Tasche liegen! In der Folge wurde meine Krankheit schlimmer, machte sich immer häufiger auch körperlich bemerkbar. Ich bekam ein chronisches Erschöpfungssyndrom, eine Stirnhöhlenentzündung, und immer wieder fiebernde Infekte, die mich für ein paar Tage von einem Alltag als fleißige Arbeiterin oder Person mit sozialen Kontakten abhielten. Nur halb genesen trieb es mich zurück ins Büro - hackeln! Ich wollte nicht als faul gelten.

Eine Freundin von mir gilt als faul, weil sie, anstatt ihre Wohnung sauber zu halten und schlank zu werden, lieber Videospiele spielt und sich Träumereien hingibt, wie ihr Leben laufen würde, hätte sie viel Geld und eine Person, die sich um sie kümmert. Sie flüchtet sich nachgerade in eine andere Welt. Dass sie das tut, weil die Realität sie überfordert, weil sie anders funktioniert als es dem System, in dem sie lebt, nützt, sehen die Menschen nicht. Sie sagen ihr nicht, dass sie einen Leitfaden braucht, dass sie sich Hilfe suchen darf. Sie erklären ihr, dass sie einfach nur faul ist, sich zusammenreißen und einen anderen Job annehmen soll.

Obdachlose Personen gelten als faul, als Systemversager*innen. Als ob sich diese Menschen dazu entscheiden, auf der rauen und kalten Straße zu leben, weil sie es geil fänden. Als würden sie freiwillig von Rauschgiften abhängig. Sie flüchten sich in eine andere Welt! Die Bestehende funktioniert für sie nicht, sie finden keinen Platz mit ihren Fähigkeiten. Sie resignieren so sehr, dass sie das System so weit wie möglich verlassen.

Eine andere Freundin unterrichtet an einer Sonderschule überwiegend Kinder von Hartz IV Empfänger*innen. Dass diese einerseits strukturell in dieser »Kaste« gehalten werden, ist ein Fakt. Sie erzählen meiner Freundin, dass sie keine Pläne für die Zukunft machen, außer dass sie Sozialgeld beantragen wollen, wenn sie groß sind.
Meine Freundin sagt, sie seien so dumm und faul.
Ich sage, wie sehr müssen sich diese Kinder vom System verlassen fühlen, dass sie jetzt schon wissen, dass für sie kein Platz darin ist? Dass sie entmutigt sind und, da ihre Familie aufgrund der finanziellen Situation nie Pläne schmieden konnte, sie es auch nie gelernt haben.

 

Als mein Stiefvater in Rente ging, langweilte er sich schon am dritten Tag so dermaßen, dass er fast durchgedreht ist. Er hat sich dann doch wieder einen Job gesucht und außerdem angefangen, im großen Stil Modeleisenbahnwelten zu bauen. Er war fleißig, er hatte eine Aufgabe - die menschliche Natur. Er hat buchstäblich bis zu seinem Tod gearbeitet.

Noch eine Freundin von mir: Sie ist Rollstuhlfahrerin, kann ihre Beine gar nicht und ihre Arme kaum bewegen. Tippen mit dem Smartphone oder einer Tastatur auf dem Schoß geht. Also tut sie das. Sie schreibt, sie ist online unterwegs, sie liest Korrektur, sie tröstet, sie ist da. Sie arbeitet hart, oftmals genauso viel wie ich, die ich einen funktionierenden Körper besitze, aber ihre Arbeit ist für viele nicht sichtbar. Dennoch tut sie, was sie kann, auch wenn es ihr schadet.
Die menschliche Natur ist schlicht darauf ausgelegt, Dinge zu TUN. Langweile und Monotonie auszuhalten ... nichts TUN zu wollen, ist immer ein Symptom von einer seelischen Dysfunktion.


Ich kenne nicht einen Menschen, der aus »Niedertracht« faul ist. Es sind unsichtbare Faktoren, die als faul Geltende davon abhalten, sichtbare Arbeit zu leisten.

Die vielen verschiedenen Bedürfnisse vieler verschiedener Menschen wurden ignoriert, als die Schablone »fleißig = nützlich« kreiert wurde. Die Leute, die von alledem am meisten profitieren, sind mehrheitlich tatsächlich jene, die physisch am wenigsten arbeiten. Aber da ihr Bankkonto eine übergroße Zahl aufweist (und ein Mensch ungefähr so viel wert sein soll, wie der von diesem Menschen besessene Geldwert), werden sie nicht als faul deklariert.

Erst wenn wir anerkennen, was jede einzelne Person leistet, wenn Arbeit nicht gleich Job bedeutet, und unsere Existenzberechtigung nicht mehr durch Zahlen festgelegt wird, kann unsere Gesellschaft gesund werden.

Lasst uns dieses Wissen verinnerlichen und weitertragen:
Du bist wertvoll! Du hast deinen Platz! Du allein definierst, wer du bist!!

Fotos by pixabay

Sternchen verteilen

Bei einigen Worten übe ich mich noch darin, das * mitzusprechen. Beim Schreiben meiner Texte bin ich bei manchen Begriffen nicht sicher, ob es dorthin gehört oder nicht (im Zweifel immer: ja!) Zu meinem Glück habe ich Enbys und Transpersonen im unmittelbaren Umfeld, die sich gerne mit mir darüber austauschen.

Genderneutrale Bezeichnungen zu finden, erfordert nur etwas Kreativität und Geschick, die deutsche Sprache ist eigentlich sehr vielseitig! Es gibt für fast alles Begriffe, die sämtliche Identitäten mitmeinen, für den Rest der Zeit ist das * eine total bequeme Lösung. Es fordert mich als Autorin jedoch mehr heraus, Alternativen zu suchen.
Wir haben im Deutschen nun mal eine wörtliche Unterscheidung und das Problem des generischen Maskulinums als allgegenwärtiges Symptom des Patriarchats. Mit ein bisschen Übung ist niemand dazu gezwungen, es zu benutzen und alle Gender aktiv miteinzubeziehen, auch wenn man das * nicht benutzen mag.

Letzte Überarbeitungen bevor es zur Lektorin geht: Die Güte des Goldes erscheint im Feb. 2020
Letzte Überarbeitungen bevor es zur Lektorin geht: Die Güte des Goldes erscheint im Feb. 2020

(Wobei ich nun nicht finde, dass das eine Frage des Mögens darstellt. Sucht jemand Testleser, fühle ich persönlich mich nicht angesprochen - warum sollte ich dann noch weitere Existenzen ausschließen wollen?)

 

Mein Urban Fantasy Roman funkelt nur so vor * und geschickt Eingefädeltem. Irgendwann werde ich meine älteren Werke neu auflegen und * einbringen. Für meinen historischen Roman habe ich eine Zwischenlösung gefunden: das * wird von der allmächtigen Erzählerin (mir) benutzt, wörtliche Rede der Figuren findet Alternativen oder gelegentlich in binärer Sprache statt.

 

Ich bin gespannt, was ich in den kommenden Jahren für Erkenntnisse mitnehmen und was für Menschen ich noch kennenlernen werde, die meine Sicht auf die Welt in so erfreulicher Weise erweitern.

Der Traum vom Orientexpress

Die große Agatha Christie
Die große Agatha Christie

Die englische Autorin Agatha Christie ist durch ihre Bücher reich und erfolgreich und verkehrt nur in den besten Kreisen. Doch sie ist auch seit wenigen Wochen eine geschiedene Frau. Ihr Liebeskummer und die Art, wie Bekannte ihr nach der Scheidung begegnen, machen ihr zu schaffen.

 

Auf der Suche nach Aufmunterung erinnert sich daran, wie gerne und viel sie als Kind und sehr junge Frau mit ihrer Mutter reiste und beschließt, sich eine Fahrt erster Klasse im legendären Orientexpress zu gönnen.

Christie 1925
Christie 1925

November 1928. Es ist bei weitem nicht Christies erste Reise in den Nahen Osten, wohl aber die erste in einem dermaßen luxuriösen Zug.

Sie beobachtet die Mitreisenden, spürt einmal mehr die Blicke auf sich – einer alleinreisenden Frau – und macht sich Notizen für ein neues Buch. Die erste Idee für einen weiteren Krimi erwächst, der belgische Detektiv Poirot in der Hauptrolle.

 

Doch Christies erste Fahrt ist zu aufregend, als dass die Geschichte tiefere Wurzeln schlägt. Die Idee wird von dem Nil, der riesigen Wüste, fremden Kulturen, einer anderen Geschichte und schließlich einem jungen Mann verdrängt, und schlummert  somit fast 3 Jahre im Herzen der großen Autorin.

Ende 1931 unternimmt sie - mittlerweile ist es ihr fast schon zur Gewohnheit geworden - eine weitere Fahrt im Orientexpress. Mitten in einem Unwetter hält der Zug wegen einer Gleisüberschwemmung. Die Weiterfahrt ist für fast 24 Stunden unmöglich, keine Zivilisation weit und breit.

Die Reisenden machen das Beste daraus, genießen die Annehmlichkeiten des Zuges, das Essen, das Miteinander. Reichere und nur weniger gut Betuchte als die Autorin selbst, versammeln sich im Salon und im Speisewagen, Menschen aus allen europäischen Ländern. Christie macht auch das Beste daraus: ein Buch!
Sie ist allein an ihrem Tisch mit ihren Gedanken und der Geschichte aus dem Orientexpress. Sie sitzt stundenlang im Restaurant. Bei starkem Orientkaffee und feinen Speisen, entwickelt sie den Krimi um einen grausamen Mord an einem gefürchteten Mann während ein Unwetter den Zug zum Halt zwingt. Und mit ihm viele Tatverdächtige aus vielen europäischen Ländern.

Buchcover 1934
Buchcover 1934

Mord im Orientexpress wird ihr berühmtestes Werk, (Spoiler!) der Plot um einen kollektiven Mord aus kollegialem Zusammenhalt war neuartig und ist mittlerweile tausendfach kopiert.

Das Buch wird in 300 Ländern verkauft, bleibt ein Kassenschlager, egal in welches Medium es übersetzt wird. Der Zauber des Orientexpresses ist in der Popkultur eng verwoben mit Christies Krimi; die Reise in den Luxuswaggons mit exzellentem Personal und dem hochtrabenden Publikum.

Beim Lesen glaubte ich, selbst auf samtenem Polster zu sitzen und im Takt der Fahrt leicht zu schaukeln. Große Autor*innen können das.

Christie hat den Traum einer jeden Autorin gelebt: Bei Kaffee an einem eigenen Tisch einen Roman geschrieben, der sie unsterblich gemacht hat.

 

Bildquellen:

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d4/Agatha_Christie_in_1925.jpg;

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/c/c0/Murder_on_the_Orient_Express_First_Edition_Cover_1934.jpg;

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cf/Agatha_Christie.png

Nobelpreisträgerin 2019

Olga Tokarczuk | Bild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c5/02019_0292_%283%29_Olga_Tokarczuk.jpg
Olga Tokarczuk | Bild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c5/02019_0292_%283%29_Olga_Tokarczuk.jpg

»Olga Nawoja Tokarczuk ist eine polnische Psychologin und Schriftstellerin. 2019 erhielt sie rückwirkend für 2018 den Nobelpreis für Literatur, der 2018 nicht vergeben worden war.«

Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Wikipedia, friss das! Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. Olga Tokarczuk gewann 2019 den Nobelpreis für Literatur. !!!!!!!!!!!!!

Wenn Frauen zusammenarbeiten, ist Unglaubliches möglich

Die Autorinnenvereinigung Deutschland e.V. ist die größte Versammlung professionalisiert deutsch-schreibender Frauen, mit dem hohen Ziel, Autorinnen sichtbarer zu machen, ihnen eine Stimme und ihren verdienten Platz in der Welt der Schreibenden zu geben. Das Nornennetz ist das größte Netzwerk deutschschreibender Fantastikautorinnen, das sich dafür einsetzt, speziell phantastischen Autorinnen Visibilität zu verleihen, ihre Arbeit zu würdigen und auf dem hart umkämpften, männlich dominierten Fantasy-Markt zu bestehen. Dabei sind es doch Frauen, die Romane lesen, die Bücher kaufen.

Und so viele von ihnen schreiben Romane und Bücher, so viel vielfältiger als das, was den Markt dominiert.

Sie sind als Schreibende unterrepräsentiert, finden häufig keinen Verlag, kämpfen sich durch den harten Weg des Selfpublishing - trotzdem auch sie es sind, die meistens nicht viel Geld über haben. Sie werden seltener besprochen oder gar mit Preisen gewürdigt. #Frauenzählen hat uns mit Zahlen belegt, was wir seit Jahrzehnten beobachten. Und immer noch werden die Leistungen der Frauen* in allen Sparten nicht anerkannt oder ordentlich dokumentiert; die Geschichtsschreibung bewusst verfälscht, um das Bild der weniger begabten, aber hübsch anzusehenden Frau aufrechterhalten. Damals wie heute.

Mir als Mitglied beider Frauenversammlungen, sowohl der Autorinnenvereinigung (AV) als auch des Nornennetzes konnte dabei nur auffallen, dass sie sich beide das gleiche auf die Fahnen geschrieben haben: Schriftstellerinnen in ihrem Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung zu unterstützen.

Genau diesen hochtalentierten Schreiberinnen lassen sie die nötige Hilfe und Aufmerksamkeit zu kommen und dafür haben sie wunderbare, wichtige Ideen, die uns allen bereits geholfen haben. Man siehe nur den Goldstaub oder das Lexikon deutschsprachiger Fantastikautorinnen ...

Auf der Jahrestagung der AV habe ich mich also selbst in die Rolle einer Botschafterin begeben und den Grand Dames der AV von den Autorinnen des Nornennetzes erzählt.

Nachdem ich die Autorin des Jahres und die Siegerinnen des Goldstaubs - große Lyrikerinnen - kennengelernt hatte, wir politische Zusammenhänge der vergangenen und kommenden Monate besprochen und die Entwicklung für weibliche Schreibende diskutiert hatten, planten die Dichterinnen, Biografinnen, Romanschreiberinnen, Historikerinnen, Journalistinnen und ich das Jahr 2020. Es war ein guter Zeitpunkt dazu, das Nornennetz vorzustellen.
Von unserem ständigen Austausch über Artikel, Informationen, Vernetzung und gemeinsamen Projekten zu berichten. Was wir schon erreicht hatten und wo wir auf harten Widerstand treffen und wie wir nicht aufgeben. Meine glühenden Wangen waren ansteckend - »O, da müssen wir uns aber kennenlernen!«
Ich erzählte ihnen von der kommenden Buch Berlin, von all den lieben jungen Frauen, die ich bisher im Nornennetz kennengelernt hatte und bald persönlich treffen sollte. Von unseren Projekten, auch von unserem Kampf mit den Incels von Wikipedia - »Das ist ja arg niederträchtig!«
Die Grand Dames waren schlicht hingerissen von uns, dem Nornennetz und natürlich lag es nahe, dass wir uns zusammentun konnten - nein mussten - »Schwesternschaft!«

Die Rätinnen des Nornennetzes und die Vorständinnen der Autorinnenvereinigung wollen sich bald kennenlernen. Wie immer der gemeinsame Weg aussehen wird, vielleicht ist er nur kurz, eventuell doch lang, nebeneinander her oder wenigstens gegenseitig gestützt ... auf jeden Fall geht er in die gleiche Richtung.
When women support each other, incredible things happen. (Lisa Shaw)
Wir dürfen gespannt sein.


Alle Links:

https://autorinnenvereinigung.eu/

https://www.nornennetz.de/

http://www.frauenzählen.de/

https://phantastik-bestenliste.de/2019/09/die-siegerin-schrieb-nicht-die-geschichte-von-nora-bendzko/

http://innenansicht-magazin.de/2019/08/17/wikifueralle-frauenfeindlichkeit-wikipedia/

https://autorinnenvereinigung.eu/goldstaub/

https://www.nornennetz.de/lexikon/liste-deutschsprachiger-fantastik-autorinnen

Diagnose: Müde!

Meine Arbeit für Reconquista Internet ist anstrengend. Nötig, natürlich! Aber anstrengend.

Will ich die Kommentarspalten doch nicht den organisierten Nazen überlassen, auf dass es bald so aussähe, als sei solch hasszerfressenes Gebrabbel in irgendeiner Weise vertretbar oder würde gar den Geist der Gesellschaft abzeichnen. Also schaue ich immer mal, was es so Neues gibt; wo wieder irgendein Trottel gegen Frauen* und Geflüchtete hetzt und dann gebe ich anständig Senf dazu. Alles für die still mitlesende Mehrheit, für das Protokoll der Geschichte. Hashtag nie wieder.

Meine Arbeit für Reconquista Internet hat mich mit sehr vielen, sehr anständigen Menschen zusammengebracht. Solche, die mit mir zusammen kommentieren, sich mit mir aufregen über diesen untragbaren Zustand, diesen ebenso nicht hinnehmen, mich aufbauen. Sie sind da und zeigen mir täglich, wie viele wir sind, dass es sehr viele liebe Menschen gibt, die sich nicht verarschen lassen und die Entwicklung nicht erdulden. Hashtag wie sind mehr.
Auf mein Smartphone zu schauen und nach den Rechten zu gucken, ist Geißel und Flügel zugleich. Denn ich treffe all diese wunderbaren Menschen, weil sie auf furchtbare Menschen reagieren. Licht und Schatten, Anstand und Abgrund so dicht beieinander. Das eine nicht ohne das andere. Es ist anstrengend in alle Richtungen.

Ich bin so müde. Ich bin froh. Ich bin traurig. Und müde.
Ich weiß noch nicht, wo ich anfangen kann, Abstriche zu machen.
Das Internet, Sie wissen schon, diese Erweiterung unserer Welt, der Teil unserer Gesellschaft, wo Sodom und Gomorra herrscht. Regulierung? Fehlanzeige. Weil es für unsere Regierenden noch immer Neuland ist. Dabei sind wir mittendrin, - die großen Entscheidungen werden in diesem Teil der Realität mindestens geebnet, wenn nicht besiegelt. Wer nicht dabei ist, verpasst den Anschluss!

Und was aus Menschen wird, wenn sie sich unbeaufsichtigt fühlen, sehen wir hier ganz genau. Wie schnell sie jeglichen Anstand ablegen, wenn sie glauben, im realen Leben geltende Gesetze könnten sie hier nicht erreichen.
Dagegen müssen wir unsere Stimme erheben. Nicht weil es Spaß macht, sondern weil es das Richtige ist.
Und eine Auszeit davon zu nehmen und all diese lieben Menschen damit allein zu lassen, fühlt sich falsch an, auch wenn sie mir sagen »Mach ne Pause, wir übernehmen für dich.«

Ich muss den Spagat noch wagen, weniger Einfluss auf etwas nehmen zu wollen, das so viel Einfluss auf mich nimmt. Etwas das mich verschlingt, ob ich dabei bin oder nicht.
Meine Arbeit für Reconquista Internet lässt mich täglich den Glauben in die Menschheit verlieren. Und wiedergewinnen.
Die Nazen würden auch Scheiße im Internet labern, wenn ich nicht für Rec-Int arbeiten würde. Und als Mensch, die einmal eine Kommentarspalte unter einem Nachrichtenmagazin angesehen hat, ist mir das bewusst. So wie ich weiß, dass zum Beispiel Kinder in Indien nicht aufhören werden, zu hungern, nur weil ich sie ignoriere. Dass Kinder hungern und Nazen Scheiße labern, sind Fakten, die mir klar sind und mich stressen, egal ob ich mich ihnen zuwende oder nicht. Bei Geldsammlungen zu helfen oder Nazis zu widersprechen, sind dabei schlicht Methoden, mich demgegenüber nicht völlig machtlos zu fühlen. Das Gefühl, die Kontrolle nicht durchweg in die Hände derer zu legen, die hier auf ganzer Linie versagen.
Aber das kann ich eben nicht immer tun, bzw. nicht in der Form, in der ich es derzeit verfolge.

 

Denn seit heute Morgen liegt mir die Diagnose 'Erschöpfungssyndrom' vor. Das was sonst berufstätige Mütter  kriegen, das was mit meiner Lebensplanung ursprünglich ich vermeiden wollte. Um sich zuständig zu fühlen und die Welt nicht völlig den Bestien zu überlassen, muss frau offensichtlich nicht einmal eigene Kinder produzieren.

Wie bei einer berufstätigen Mutter muss da also ein Stundenplan her:  wann trete ich Nazen, wann lasse ich den PC aus, wann gehe ich einfach heim und mit Buch und Katze aufs Sofa? 

(Und wann schreibe ich meinen Roman, wann gehe ich meinem Vollzeitjob nach, wann kümmere ich mich um meine Mama, wann treffe ich meine Freund*innen, wann mache ich Sport, wann füttere, wasche und ziehe ich mich selbst an und wann muss ich Wartezeit im öffentlichen Nahverkehr einplanen und wie viele Stunden vom Tag habe ich eigentlich zu vergeben?)


Meine Arbeit für Reconquista Internet zwingt mich dazu, ein Stück erwachsener zu werden, den Teil mit der inneren Balance zu trainieren, in mich zu horchen. Das nimmt mir nuneinmal niemand ab, weder die Regierung noch ein Lieblingsmensch. Ich bin da frei - das ist anstrengend und das ist schön.

 

 

:) Falls jemand nicht weiß, worum es geht: https://www.bedeutungonline.de/reconquista-internet/

Braunrechtsverziert

Alles was Wir
Frauen,
Kinder,
Schwule,
Armen,
Schwachen,
Kranken,

in den letzten 70 Jahren
in mühevoller
politischer
Kleinstarbeit
erreicht haben,
wollt ihr zunichtemachen.
Und warum?

Weil ihr euch bedroht seht.
Von Uns
Frauen,
Kindern,
Schwulen,
Armen,
Schwachen
Kranken.
Weil ihr Uns immer weniger beherrscht.

Selbst wenn ihr wie Wir seid:
Frauen,
Kinder,
Schwule,
Arme,
Schwache
Kranke.
Dennoch glaubt ihr,
Alte,
Reiche,
Männer
seien die Lösung für eure Probleme.

Jene
alten
reichen
Männer,
die unsere Weltgeschichte so vergiftend steuern,
sie in den Abgrund fahren,
und uns alle mitreißen werden,
wenn Wir sie nicht aufhalten!
Wir wollen auch euch retten.

Ihr seid nicht
das Volk.
Ihr seid nicht
besorgt.
Ihr seid auch nicht
zu blöd.
Wollt ihr Unseren Untergang wirklich zulassen?

Es tut mir leid

Entschuldige ich mich, mache ich mich angreifbar.
Ich entschuldige mich, weil ich mein Gegenüber zuvor angegriffen habe.
Indem ich mich entschuldige, nähere ich mich der Position an, in die ich diese Person gebracht habe.
So befinden wir uns beide auf einer Ebene, in der wir unsere Differenzen begleichen können.


Das zeugt nicht von Schwäche. Das ist Verantwortung für mein Handeln übernehmen!

Zweiundreißig

Zum 32. Mal jähren sich die grausamsten Wehen und schlimmster Blutverlust wie aus dem besten Splatter. Aber meine Mutter erklärt mir jedes Mal, dass das alles vergessen war, als sie ihr Töchterchen auf dem Arm hielt.

Ein Mädchen war ihr sehnlichster Wunsch gewesen - zum Glück, hatte sie das beim zweiten Versuch bekommen. Ich befürchte nämlich, sonst hätte sie es weiter versucht. Aus irgendeinem Grund kriege jedoch ICH zu diesem Jubiläum Geschenke, Besuch und Glückwünsche und nicht sie. Doch ich beschwere mich nicht, denn ich mag Geschenke, Besuch und Glückwünsche. Dafür kaufe ich dann auch Kuchen und putze mein Haus, damit mich meine Gäst*innen für eine verantwortungsvolle Thirty-something halten.

 

Mal gucken, was das neue Jahr bringt. Einen Kurzroman? Eine epische Dilogie? Ich bin genauso gepannt wie ihr ^^

Kreuzt ihr mir eure Fingerchen? Drückt die Däumchen, betet, rollt die Zehen ein oder was immer in eurer Kultur Glück bringt? Denn ich mag nicht nur Geschenke, Besuch und Glückwünsche, ich mag es auch, wenn Menschen an mich glauben. Das überrascht alle jetzt sicher total ;)


Seid herzlichst gegrüßt, ich hab euch lieb!

Die Tanne im Garten

Ich hatte mich hier eigentlich nie zuhause gefühlt. Wenn man bedenkt, dass ich dieses Bett sieben Monate lang mit Henry geteilt, an diesem Tisch jeden Morgen mit Tina meinen Kaffee getrunken, und auf diesem Sofa fünf Abende in der Woche mit ihnen und Rufus die Tagesschau angesehen habe ...

Seufzend wende ich meinen Blick ab und streife zurück in Henrys Schlafzimmer. Ich schaue noch einmal in den Schrank, aber ja, alle meine Slips und Socken sind raus und in meiner Tasche verstaut. Im Bad steht seine Zahnbürste allein im Becher, einzig die roten Haare im Abfluss erinnern an mich. Rufus hat schon angekündigt, dass ein Großreinmachen ansteht, bevor das Baby kommt und dann wird auch mein letzter Dreck entfernt.
Ich schlurfe zurück in den Flur und greife nach meiner Tasche. Unten höre ich die Tür gehen. Scheiße, sie wollten doch erst in zwei Stunden nach Hause kommen! So war es abgemacht. Ich sollte meinen Schlüssel in den Briefkasten werfen und für immer aus ihrem Leben verschwinden. An den Stimmen höre ich, dass es Annika ist. Annika, die von Anfang an gegen mich gewettert hat. Annika, die in ihrer pubertären Unbarmherzigkeit laut gelacht hat, als Henry ihnen vor drei Tagen eröffnet hatte, dass ich aus- und Sarah einziehen werde.
Ich möchte ihrem Blick entgehen, aber wenn ich das Haus verlassen will, muss ich die Treppe runter durch die Diele. Oder ich springe aus dem Fenster und hangle mich an der Tanne im Garten hinunter. Ich fasse all meinen Mut zusammen und benutze die Treppen. Nun sehe ich, dass Annika nicht allein ist. Sie und ihre Begleiterin stieben auseinander, als sie mich bemerken.
»Was machst du denn noch hier?«
»Keine Sorge, ich bin am Gehen.«
»Bist du Sarah?«, fragt mich ihr Gast, die offensichtlich nichts von den Aggressionen zwischen der kleinen Schwester meines Ex und mir mitbekommen hat.
»Nee, das ist nur Friederike«, antwortet Annika für mich.
Im Gesicht ihrer Freundin spiegelt sich die Erkenntnis.
Nur Friederike. Die, die den Mann nicht halten konnte mit ihrer Gewöhnlichkeit. Ich war nicht gut genug, für einen arbeitslosen Zweiundzwanzigjährigen, der noch bei seinen Eltern lebt. Die, die hätte wissen müssen, dass sein Schwanz zu wundervoll ist, als dass nur ich ihn genießen dürfte. Und dann ist eine mit Schwangerschaftsfolge von ihm angebumbst worden und hat die ganze Sache zwischen ihnen offizieller gemacht, als ich, die nur mit bei seiner Familie wohnte und auf Kondome bestanden hatte.
Und nun stehe ich hier und werde für meine Vorsicht mit den Blicken zweier Fünfzehnjähriger bestraft. Ich drehe mich einfach um und gehe wieder hinauf.

Ewigkeiten sitze ich auf dem Bett. Ich kann nicht verschwinden. Natürlich werde ich zu meiner Mutter zurück, wie die letzten beiden Nächte, und Theresa hat gesagt, dass auf ihrem Sofa immer Platz für mich sei. Aber die zwei haben mir vor einem drei viertel Jahr davon abgeraten, hier einzuziehen. Und nun muss ich mich neben meinem gebrochenen Herzen damit auseinandersetzen, dass sie recht hatten. Warum tust du mir das an, Henry? Was habe ich dir getan?
Ich stelle mir vor, dass ich dieses Zimmer nicht auf meinen Beinen verlassen werde. Wenn dann werden sie mich hinausschleppen, mich rauswerfen müssen. Sie sollen sehen, was sie mir antun.
Ich habe ihre Spitzen ertragen, hielt Henrys Launen aus, tröstete ihn, wenn die nächste Absage kam, füllte brav den Kühlschrank und mähte den Rasen. Und als sie mir steckten, dass er sich in der Nachbarschaft amüsiere, solange ich im Café war, belächelte ich sie. Ich hatte es wirklich nicht geglaubt. Was habe ich dir getan?
Ich war ein erbärmliches Frauchen, das ihren Mann glücklich sehen wollte. Dann konnte ich auch bis zum Schluss erbärmlich bleiben!
Hinter der Wand vernehme ich die Stimmen von Annika und ihrer Freundin. Offensichtlich denken sie, ich sei gegangen.
Und ich höre draußen das Auto. Ich bin bewegungslos. Türen klappen. Sarah kommt! Nebenan wird es nun ganz still. Als Nächstes geht die Haustür.
In wenigen Minuten werden sie mich finden, und ich ihnen eine Szene machen. Gleich wird Sarah sehen, in was für eine herzlose Familie sie einheiratet. Was für Gene das Wesen in ihrem Schoß in sich trägt ...
Ich kann es nicht! Ich will nicht. Ich will gehen. Ohne dass sie mich noch einmal sehen. Ich höre Annika nach unten gehen, Gelächter. Ich muss an ihnen allen vorbei, wenn ich hinaus will. Oder ich springe aus dem Fenster, klettere die Tanne hinab. Zuerst die Tasche auf den Rasen werfen, den ich lange nicht gemäht habe, dann vorsichtig hinaussteigen, die Äste hinunter. Als Kind bin ich oft Bäume hinauf- und hinabgeklettert, es ist nicht schwer und ich bin es auch nicht.
Und manchmal, im Sommer vor wenigen Wochen, habe ich am offenen Fenster mit Henry gesessen und Witze darüber gemacht, dass wir über die Tanne vor seinem Fenster verschwinden könnten. Abhauen von hier, weit weg.
Ich höre Schritte auf der Treppe.

Am Tor

Hinter dem Tor spürten sie sie kommen. Wie sich Zeulanis mächtige Tatzen in die rote Erde krallten und sich den Weg immer weiter hinein in die andere Welt bahnten. Dann hörten sie ihre geflüsterten Stimmen. Zeulani, die zwei Menschen auf ihrem Rücken trug.
»Gute Seelen?«, raunte Nema.
»Besser als das, was sonst zu uns kommt«, kicherte Ranes dunkel, der sich am weitesten an das Tor herangewagt hatte. Er schnüffelte durch seine stierartigen Nüstern, »Ein Mädchen und ein Junge. Aber keine Jungfrauen.«
»Liebende?«, verlangte ein anderer herannahender Dämon zu erfahren.
»Spielende«, grinste Ranes lustvoll.

Zeulani kam ein paar Schritte vor dem steinernen Durchgang zum Stehen.
»Ab hier müsst ihr allein gehen.«

Anina stieg ab, und sobald ihre schlanken Füße die Erde berührten, schien Zeulani Meros Gewicht nicht mehr zu ertragen. Doch ehe sie ihn unsanft abschütteln konnte, war er schon geschickt hinabgesprungen.
Anina wagte sich ein paar Schritte nach vorn. Schaudernd blickte sie auch die staubigen dunkelroten Steinformationen um sich herum. Gewahr die Kälte in der Luft trotz des heißen Bodens unter ihren Schuhen.
Sie schüttelte sich und wandte sich an die Tigerin, um ihr einmal mehr zu danken. »Zeulani, dass du uns hierher getragen hast ...«
»Du hast dich bereits erkenntlich gezeigt, Anina. Nun geh, du hast nicht mehr viel Zeit.«
»Wirst du auf uns warten?«
»Das überlege ich mir« und ihr Maul umspielte ein Schmunzeln.
Mero kam neben ihr und sie fasste seine Hand. »Danke, dass auch du bei mir bist!«, sagte sie gefasst. Er lächelte und sie gingen ein Stück weiter dem Tor entgegen.
Als er sicher war, dass sie aus Zeulanis Hörweite waren, flüsterte er: »Ich frage mich nur, wozu du mich brauchst, wenn du dich mit allen Bestien anfreundest, die unseren Weg streifen.«
Anina blickte zu ihm auf. Es war der gänzlich unpassende Zeitpunkt, doch wie so oft auf dieser Reise klopfte wieder die Begierde an ihre Pforte. Wenn er nur wüsste, auf welche Art er ihr eine Hilfe war ...
»Wer da?«, donnerte plötzlich eine Stimme aus dem nichts.
Mero stellte sich instinktiv vor sie.
Nirgendwo erschien ein Besitzer dieser gegrollten Frage und so rief er dem steinernen Tor entgegen: »Ich bin Mero vom Seevolk, Sohn der Besa und dies ist Anina, Tochter der seligen Rana der Großen.«
Beim Namen ihrer Mutter krampfte Aninas Herz, aber sie kämpfte gegen die Tränen an. Wieder musste sie tapfer sein. Für sie, für sich.

Nema, der Dämon der Unterwelt, verzog sein vernarbtes Gesicht zu einem Grinsen: »Ich nehme den Jungen.«
Ranes, der Dämon der Verderbnis, raunte zurück: »Das Mädchen gehört mir!«

»Was ist euer Begehr?«, dröhnte nun die Stimme.
Ehe Mero etwas sagen konnte, stellte sich Anina neben ihn. »Ich rufe die Götter des Todes um Gnade für meine Mutter an. Die Stammesbewohner wollen ihr natürliches Sterben nicht anerkennen und sie nicht neben ihrer Familie begraben. Sie akzeptieren nicht, dass unser Häuptling Hilfe zum Tod hatte.
»Und wer hat ihrem Sterben geholfen?«, rief die Stimme böse.
Anina schluckte und entgegnete mutig: »Ich. Ich habe sie von ihrem Leid erlöst und ihr ein Mittel gegeben.«
Im nächsten Moment schwangen die Türen des Steintores auf und vor ihnen wirbelte eine mannshohe Wolke aus rotem Staub. »Anina vom Seevolk. Bist du bereit die Prüfung anzunehmen?«
»Ja!«, sagte sie daraufhin fest und kam ein paar Schritte auf die Gestalt zu.
Als sich noch immer kein Körper geformt hatte, die Staubkörner aber langsamer tanzten, wagte sie sich durch das Tor hindurch, näher an die hohe Figur heran. Sie spürte Mero hinter sich, der sein Messer erhoben hielt. Sie wandte sich ab und bedeutete ihm, es herunterzunehmen.
Dann brach die Gestalt einer jungen Frau aus der Wolke heraus. Sie trug eine prächtige Blumenkrone, ein schweres blutrotes Gewand und ihre Haut war noch dunkler als die von Anina.
Sofort erkannte die beiden Seevolk Bewohner sie. Es konnte sich nur um Lani handeln, die Göttin des Lebens, Beschützerin der Neugeborenen. Ihre Gestalt erschien gebärenden Frauen, spendete ihnen Kraft und ermutigte sie, durchzuhalten. Im Frühling brachte man ihrem Schrein Opfergaben dar und feierte die ersten Krokusse und Weidenkätzchen mit einem vier Nächte währenden Fest des wieder erwachenden Lebens. Und nun war sie hier erschienen. In der Unterwelt bei den Göttern und Dämonen des Todes.

»Ein schwerer Test!«, stellte Nema trocken fest.

»Anina vom Seevolk«, rief Lani, »ich habe vernommen, dass du das Leben deiner Mutter frühzeitig beendet hast, nur weil sie Schmerzen hatte. Das Leben ist voll Schmerz und Leid und dennoch feiern wir es. Wie kommst du dazu, es ihr zu nehmen?«
Genau mit diesen Worten hatte das Seevolk es abgewiesen, ihrer Mutter zu helfen.
»Das Leben meiner Mutter war und ist mir zu kostbar, als dass ich ihr diese Bürde noch weiter antun konnte. Sie flehte uns an, es zu beenden und ich war die Einzige, die sie erhörte.«
»Du gibst also zu, dass du egoistisch gehandelt hast?«, donnerte Lani nun.
»Egoistisch?«
»Du konntest ihr Leid nicht mehr mit ansehen und hast dich deiner Aufgabe frühzeitig entledigt.«
»Nein!«, schrie Anina sofort, »ich habe sie erlöst. Meine Mutter hat ihr Leben tapfer verbracht, hat uns Kinder zu guten Kriegerinnen erzogen, hat unseren Stamm geeint und den Hass geheilt. Sie hatte es nicht verdient, noch monatelange dahinzusiechen. Das hätte niemand. Leben nur um des Lebens willen, ist kein Leben!«
»So kommst du also, weil du ein schlechtes Gewissen hast? Weil du genau weißt, dass du falsch gehandelt hast!«
»Ich habe ein schlechtes Gewissen, ja«, sagte Anina fest und spürte Meros Hand in ihrer. Sie drückte sie kurz und ließ dann los. »Aber ich weiß, dass ich das richtige getan habe. Und nun bin ich hier, Lani, Göttin der Lebensspenderinnen, um dich um dein Einsehen zu ersuchen.«

»Nun will ich auch das Mädchen!«, grinste Nema.

Lani lächelte, doch ihr Mund verzog sich schnell zu einem wütenden Grinsen. »du meinst, ich könnte dein schlechtes Gewissen heilen? Könnte dir nehmen, was du angerichtet hast?«
»Nein!«, rief Anina nun voller Inbrunst, »ich bin für meine Mutter gekommen. Ich hoffe, dass sie irgendwo ist und es ihr gut geht. Oh, ich vermisse sie schrecklich. Ich bin für sie gekommen, damit du ihren Tod anerkennst, damit man ihren Körper in Frieden ruhen lässt. Mein schlechtes Gewissen kannst du mir nicht nehmen, Lani. Das kann niemand. Ich werde damit leben, in dem Wissen, dass es nicht halb so furchtbar ist, wie das was ich meiner Mutter erspart habe.«
Lani lächelte nun und sah daraufhin auf den Boden. Als sie wieder aufblickte, trug sie ein anderes Gesicht. Das Gesicht Ranas vom Seevolk.
»Hast du.«
Dann löste sich die Gestalt auf und ein Amulett blieb zurück. Es trug das Zeichen von Yindalu, der Urmutter und Göttin des Schicksals. Vorsichtig hob Anina es auf und eine Flüsterstimme drang in ihr Ohr. »Nimm es und lass es ihren Leichnam tragen. Niemand wird sich dir in den Weg stellen, wenn du deine Mutter zu Grabe trägst. Sie werden nicht vor dir stehen, sie werden hinter dir laufen und deine Tapferkeit feiern.«

Zweitausendsiebzehn

Ich bin im Lück‘s, das in 2017 zu meinem zweiten Zuhause wurde. Es ist Weihnachten und ich darf beim Lück‘schen Weihnachtsbuffet den Kuscheltisch ganz für mich haben um zu schreiben. Das darf ich, weil die Lücks mich mögen und sich freuen, dass ich Weihnachten auch bei ihnen verbringe. So sitze ich bei veganem Weihnachtsbraten und meinem obligatorischem Wasser (be water my friend) und schreibe meinen Jahresrückblick.

Was ist alles geschehen?
Ich bin 30 geworden, habe mein 3. Buch publiziert - mein 4. nur fast - ich war fast verlobt, manchmal verliebt und oft verknallt gewesen. Vor allem aber habe ich neue Freund*innen gefunden.


Die Beziehung zu meiner Mutter ist noch tiefer und inniger geworden. Wir sind jetzt beide in dem Alter, in dem Mütter und Töchter bestenfalls zu Gefährtinnen werden, und ich glaube, das haben wir geschafft. Ebenfalls habe ich die Bindung zu meiner Oma vertieft. Sie ist natürlich traurig, dass ich mich nicht verlobt habe, das aber vor allem, weil sie einfach zur Abwechslung gerne mal eine Enkelin vor dem Altar gesehen hätte. »Meine Enkelsöhne sind mit Frauen verheiratet, meine Enkeltöchter mit ihrer Arbeit.«


Zusammen mit meiner besten Freundin habe ich wieder sehr viel gelernt. Sie war mir Stütze, ich war ihr Dolmetscherin, und umgekehrt.
Eine Freundin habe ich in 2017 verloren, die in 2016 noch gleich nach der Besten kam. Doch das verbuche ich mittlerweile als Segen, bedenke ich, wie viel Energie mich diese Freundschaft gekostet hatte.
Dafür habe ich drei neue Freundinnen, die in 2018 und in den Folgejahren hoffentlich an meiner Seite bleiben werden. Ich möchte ihnen eine gute Kumpanin zu sein.


Die größte Niederlage war dieses Jahr ganz klar für mich, dass meine 4. Publikation nicht geklappt hatte. Allerdings hatte sie es nicht, weil ich mich für mich und für die Geschichte entschieden hatte, und gegen den Verlag und gegen das Marktdiktat. Aus diesem monatewährenden Konflikt habe ich einiges an Selbstschutz und Erfahrung mitgenommen und muss unbedingt wieder lerne, nur noch für mich schreiben. Wie es mit den Publizieren weitergeht, möchte ich dann nächstes Jahr irgendwann entscheiden.


Ja, es gab viel Romantisches in den letzten zwölf Monaten. Wenngleich ich die maskulinen Leiber an sich immer begehren werde, sind mir Männer an sich weit nun noch weniger wichtig geworden. Ich gehe entspannter an Bekanntschaften ran und habe in erster Linie den Schutz meiner Seele im Hinterkopf als den Reiz des Abenteuers. Das wird mich in Zukunft sicher vor einigen unnötigen Enttäuschungen bewahren.


Im Großen und Ganzen bin ich wohl stärker und besser aus diesem Jahr hervorgegangen - was anderes bleibt Frau auch nicht übrig, wenn sich der Rest der Welt (politisch) verschlechtert.


Auf ein Gutes Neues, liebe Mitstreiter*innen!

 

25.12.2017

Das tapfere Schreiberlein schreibt wieder ... bald!

Du musst nur an dich glauben, dann kannst du alles erreichen.
Sei du selbst. Alle anderen sind schon vergeben.
Kreiere das, was deinem Geschmack entspricht. Wenn du mit dem Herzblut dabei bist, werden es andere Menschen auch lieben.

So wurde ich erzogen. Dann kam ich in die Schule. Dann das Studium. Und je älter ich wurde, und umso mehr fremde Personen ich traf, die mein Leben mitgestalteten, desto klarer wurde es:

Individualität als unwiderstehlicher Magnet ... das ist Bullshit!

Menschen wollen Schubladen! Sie haben Angst vor Unbekanntem. »Eeeh, das kenne ich nicht, also mag ich es erstmal nicht!« Sehr viele Menschen sind sehr, sehr dumm. Zirka 12,6% allein in Deutschland.

»Dann mache es wie J.K. Rowling und kreiere einen neuen Trend.« Jaaa, genau so mache ich das! Haha, hab ja sonst nichts mit meinem Leben vor.
Ich hab mir wirklich Mühe gegeben. Durchgehalten. An mich geglaubt, an mein Talent. Dachte, ich muss nur noch härter arbeiten, nur weitermachen. Immer wieder aufstehen ...

Doch irgendwann auf dem Weg - der so etwa die letzten sieben Jahre meines Lebens bedeutet und mit etwa dreißig Absagen nach tatsächlichen Vertragsanbahnungen einherging - verließ mich die Energie.

Ich saß vor dem Bildschirm, und während ich schrieb, und dann schließlich nur noch versuchte zu schreiben, fragte ich mich Dinge wie: »Wird sich das verkaufen?« »Wer wird das mögen?« »Was ist die Zielgruppe?« »Werde ich das im Lektorat nicht ohnehin umschreiben müssen, um die Marktchancen zu verbessern?«
Ich weiß nicht, wie es anderen Schriftstellerinnen geht, aber mir hat das ziemlich die Leidenschaft vergräzt.

BF nannte es treffend: »Du wurdest offensichtlich in deiner Schreibpersönlichkeit erschüttert.«

Irgendwann starrte ich das weiße Blatt an und nichts ging mehr. Meine neue Heldin mit einem halbfertigen Plot stand in den Startlöchern, doch ich fragte mich, ob sie wirklich so wundervoll war, wie ich sie fand und immer noch finde.
Ein fertiger Roman lag zeitgleich im Ordner. Publizierbar, aber nur wenn ich das zuvor abgesegnete Konzept komplett umstoße und nicht mehr die Geschichte erzähle, die ich erzählen wollte.

Das war es. Das war das Ding, das zu viel war. Ein K.O. Ich  blieb liegen ...

Ich war so traurig.
Traurig, weil ich nicht schrieb.
Nicht schrieb, weil ich traurig war.
Dabei ist Schreiben das, was mich als Einziges in der Welt richtig glücklich macht. Ein Teil von mir - viel mehr das, was ich bin - war dabei zu zerbrechen.
In meiner Traurigkeit zog ich die Reißleine.
Letzter Ausweg: alles anders ...

Für wen schreibe ich? Für Verlage? Für Leser*innen? Für den Verkauf?
Ich bin Schriftstellerin, ich lebe, weil ich schreibe. Also musste die Frage lauten: Für wen lebe ich? Für mich! Damit hatte schließlich einst alles angefangen.
Ich konnte noch nicht mal schreiben, da habe ich schon geschrieben – Geschichten erfunden, Wörter gebaut, Heldinnen geschaffen. Weil es mich glücklich macht. Ich schreibe für mich. Und so soll es bleiben.
Besser gesagt: So soll es wieder werden, denn ich bin dabei meine Schreibpersönlichkeit wiederzufinden. Ein Schritt war, aus dem Buchvertrag rauszukommen.
Schön ist anders, wie ihr euch vorstellen könnt, doch ich habe auch das geschafft.
Ein nächster Schritt wird sein, mir Reaktionen auf: »Wie viel verkaufst du?«, zu überlegen. Aber das versuche ich ohnehin schon seit Jahren, nicht an mich ranzulassen.
Vermutlich ist Glücklichsein eine ganz gute Basis, um sich ein dickes Fell wachsen zu lassen .

Ich will nicht für den Markt schreiben.  Nicht mehr.
Ich will feministische Liebesromane schreiben, und eine Fantasy-Anthologie über Kaiserinnen, und Grimms Märchen in der nicht allzu fernen Zukunft, und … ach soviel so viel, von dem ich jetzt schon weiß, dass Verlage mir sagen werden: »Mimimimimi. Das verkauft sich aber nicht!«
Dann werde ich es ihnen nicht anbieten! Ich werde MICH nicht mehr anbieten.

Ich bin Autorin - ich will doch nur schreiben :)

Claudi Feldhaus | Autorin
Vor 5 Jahren ... Zum ersten Mal als Autorin auf der LBM

Vegane Waffeln - Outtakes 10

Der Epilog. War aus Karinas Sicht gewesen. :) Etwas Feelgood gefällig?

Welcher Tag ist heute? Zum Glück hat Aileen für mich da ein System erkoren: ich führe einen Kalender. Wenn es meine eigene Schrift ist, weiß ich, dass es wahr ist. Was habe ich gestern gemacht? Aileen erinnert mich jeden Tag daran, meine Stichpunkte zu machen. Ach so, Geburtstag. 75. Wie alt ich denn schon bin. Ich gluckse ein wenig darüber.

Ron hat eine runde Sitzbank in die Mitte der Schwestern gebaut. Jetzt im Sommer verbringe ich hier jeden Morgen.
Und heute ist die Feier, meine Feier. Aileen will mir Waffeln backen! Die Familie ist im Garten. Frederick schleppt Stühle. Du meine Güte, er ist so schlank geworden. Ich bin sicher, er hat mir vor einem halben Jahr gesagt, dass er für sie abnehmen will.
Cúc steht auf der Leiter und hängt Lampions in den Kirschbaum. Nils lässt sie nicht aus den Augen.

Da kommt Aileen, den Schlüssel von meinem Z4 am linken Daumen. Hoffentlich werde ich nie vergessen, wie sie mir um den Hals gefallen ist, als ich ihr den BMW zum 28. Geburtstag geschenkt habe. Jetzt braust sie damit durch die City und schindet mächtig Eindruck bei ihren Kunden - ich weiß ja, wie wichtig das Image heutzutage ist. Schnurstracks kommt sie auf mich zu, ungeachtet dessen, dass jeder ihren Blick einfangen, etwas von ihr will – allen voran Frederick.
»Möchtest du mir helfen?«, fragt sie, »oder spielst du die Geburtstagskindkarte aus?«
Ich erhebe mich schweigend und nehme ihr Gesicht in meine Hände. Ich könnte sie immer nur ansehen.
»Mensch Oma«, sie macht sich zaghaft von mir los, »du machst das ganz oft, mein Eichhörnchengesicht vergisst du schon nicht.«

Im Haus nimmt Silke mich kurz zur Seite. »Ich habe die Unterlagen.«
Verständnislos blicke ich sie an, daraufhin erklärt sie geduldig: »Ich sollte dein Testament anpassen lassen, bleibt es dabei?«
Nils kommt vorbei.
»Kommst du mal? Diene als Zeuge.«
Offenbar weiß er, worum es geht.
Ich überlege weiter, während sie die Bürotür hinter uns schließt.
»Karina, ich bin nicht sicher, vielleicht hast du es vergessen«, Silke reicht mir das Schreiben. Ich lese, dass meine Enkelin Aileen Vastner nach meinem Ableben das Haus erben wird. Spätestens dann wird Vegane Waffeln zwei Standorte haben. Ja, das will ich unbedingt. Offenbar jeden Tag auf’s Neue! Ich nehme Silke den Füller ab und unterschreibe.
Nils unterschreibt auch, dann drückt Silke dem Ganzen einen Notarstempel auf.

Ich finde mich in der Küche wieder, wo Aileen am Waffeleisen steht; das herzförmige für besondere Anlässe. Frederick lehnt an der Arbeitsfläche, sie lässt ihn kosten. »Störe ich?« Er schnellt zurück, sie lacht ihn aus. »Komm her Oma, schau mal, ob da noch Zucker drangehört!«

 

Bild: inmasuren.eu

Vegane Waffeln - Outtakes 9

Pamis Geständnis (Seite 246) musste aus perspektivischen Gründen komplett geändert werden. Hier habt ihr das sehr viel hormongesteuertere Original.

»Kannst du dir das nicht denken?«
»Sicher, er war hübsch. Aber er war auch so ein fieser Unmensch. Ich dachte in der Schule immer, du hasst ihn.«
»Hab ich ja auch. Auch danach noch. Also, nachdem ich im Praktikum gemerkt hatte, dass er nett sein kann, wenn er will.«
Sie hatte damals versucht, mit mir darüber zu reden. Doch ich war mit 16 und frei jeglicher Verliebtheitsgefühle schlicht nicht in der Lage, zu verstehen, was sie durchmachte. Sie hatte diese widersprüchlichen Gefühle mit sich allein ausmachen müssen.

»Ich hatte, als wir abgingen gedacht, es wäre vorbei. Du siehst ihn nicht wieder und dann warst du ja auch mit Til zusammen.«
»Ja ... aber etwa ein halbes Jahr nach der Trennung von Til, traf ich Ronny.«
Ich überschlug kurz, wann das gewesen war.
Wir schreiben das Jahr 2005, die 17-jährige Pami war im zweiten Lahrjahr zur Konditorin und jobbte nebenher als Bäckereifachverkäuferin in einem Backshop des neu eröffneten Eastgates. Um 19 Uhr hatte sie an diesem Tag Feierabend. Für September war es kühl. Auf den Gängen und vor den Toren dieser nagelneuen Shoppingmall waren Masse von Leuten unterwegs. Natürlich, das Eastgate war hip und lockte Menschen aller Schichten an. Schon einige bekannte Gesichter aus ihrer Schul- und sogar Kindergartenzeit hatte sie hier gesehen.
Sie lief zum Ausgang und auf die S-Bahnbrücke, wenn sie sich beeilte, würde sie die S7 um `16 nach erwischen.
»Pami?«, rief auf einmal eine tiefe Stimme, die ihre Nackenhärchen aufstellte.
Noch ehe sie sich umdrehte, wusste sie, wer es war.
»Ron! Was zur Hölle willst du von mir?«
Sie blickte ihn an. Er trug noch immer eine Glatze, nur seine obligatorische Bomberjacke hatte er irgendwo anders abgelegt.
»Können wir redn?«
Pami wich zurück: »Nein, verpisst dich!«
»Warte doch mal. Ich muss dir etwas sagn.«
»Solange du mir nicht sagst, dass du deiner kranken Gesinnung abschwörst und nie wieder Menschen verletzt, haben wir beide nix miteinander zu schaffen.«
Sie lief weiter und er ihr nach und sprach mit ihrem Rücken.
»Doch das habn wir. Ich bin nich blöd, Pamela!«
»Doch das bist du Ronny Strunke. Du bist ein saublödes Nazi-Arschloch.«
»Und warum hast du mich dann gern?«
Nun stoppte sie und funkelte ihn an.
»Ich dich gern? Wovon träumst du nachts, Fascho?«
Er holte sie ein und stand so dicht vor ihr, dass sie ihn riechen konnte. Ein Duft, der sie hätte würgen lassen sollen, der sie aber leider in alberne Wallung geraten ließ.
»Willst du wirklich wissn, wovon ich nachts träume, Pami?«
Sie schluckte. Einer der seltenen Momente, in denen Pamela Crusq sprachlos war.
»Ich hab dich keinen Tag seit unserm Praktikum vergessn ...«
2 Jahre also.
»Und als ich dich heute in der Backstube gesehen habe ...«
»Halt dein dummes Maul, kommt eh nur Scheiße raus!«, schlug sie ihm entgegen und rannte, ungeachtet der entgegenkommenden Menschen, über die Fußgängerbrücke. Sie alle sahen im Augenwinkel nur eine schwarze Frau vor einem kahlen Typen mit Springerstiefeln weglaufen und ließen sie gütlich gewähren. Dann kam die S7, zum Glück eine Minute zu spät, so dass Pami hineinspringen und ihr wild klopfendes Herz wegtragen lassen konnte.

Dummerweise sah sie ihn im Frühling 2006 wieder. Sie hatte ihre Mutter in der Arbeit beim DRK besucht und lief auf die Sella-Hasse-Straße Richtung Bürgerpark Marzahn und Trambahnstation. Da erkannte sie Ronny schon von weitem. Er hockte in der Baugrube zwei Straßen weiter. Sein nackter Oberkörper wurde nur von der knallorangefarbenen Weste verdeckt, er stand vor Sand und frischen Schweiß. Schon in der Schule war er sehr athletisch gewesen. Der 18-Jährige Ronny Strunke war ein verdammtes Muskelpaket. Pami spürte, wie die Lust aus ihrem Schoß emporkroch und ihren ganzen Körper erfüllte, ihre Zunge befeuchtete. Erst als er sie erblickte, als dicke Rohr fallen ließ, dass er bis eben gehoben hatte und sein dummes, hübsches Gesicht zu strahlen begann, erinnerte sie sich. Sie musste ihn hassen. Mit diesen Händen hatte er so viele unschuldige Menschen verprügelt, sie waren nicht dazu geschaffen, ihre zarte Haut zu streicheln. Sie entfernte sich, so schnell sie konnte. Aber offenbar folgte er ihr, denn dank seiner kräftigen Beine holte er sie wenige Straßen weiter ein.
Noch ehe er etwas sagen konnte, zischte sie: »Hau ab!«
»Das werd ich sofort. Aber erst will ich dir etwas gebn.« Entgegen allem, was sie erwartet hätte, reichte er ihr eine Visitenkarte von der Baufirma seines Vaters.
»Wenn du mich je erreichn willst ...«
Er beendete den Satz nicht, sondern machte auf dem Absatz kehrt und ging lässig davon. Pami wollte die Karte zerreißen, in den nächsten Müll schmeißen, sie niemals ansehen, nicht wissen, wo sie ihn treffen könnte, niemals dort hin gehen. Nichts von dem tat sie.
Stattdessen gab sie voller Selbsthass dieser Versuchung nach. Wochenlang.
Und sie wollte so oft Schluss machen. Wenn sie ihn für die NPD Flyer verteilen sah. Als sie ihn vor dem Flüchtlingsheim protestieren sah, dem sie nicht verkaufte Backwaren brachte. Als er sich Made in Germany in Fraktur auf seinen Unterbauch tätowieren ließ.
»Ich bin genauso krank wie du«, warf sie ihm vor, »ich sollte vernünftig sein, dich hassen und in die Wüste schicken, anstatt mich von dir ablecken zu lassen!«
Er sah auf und flüsterte: »Das hier ist heißer als die Wüste!«
Der Hass befeuerte sie. Wie kein anderer verstand er es, sie zu befriedigen und war dabei auffallend zärtlich und ausdauernd. Von keinem bekam sie fulminantere Liebeserklärungen. Niemand vermisste sie schon zwei Stunden, nachdem sie sein Bett verlassen hatte, und teilte es ihr in heimlichen SMS mit, wie sehr. All das verheimlichte sie vor den Menschen in ihrem Leben, auch vor mir. Gerade das musste es für Pami so viel verbotener und heißer machen. Das erfüllte sie so dermaßen, dass sie monatelang ihren Kopf ausschalten, ihr Herz verraten und ihrem Geschlechtsteil folgen konnte. Sie strahlte wie das blühende Leben, grinste grundlos vor sich hin, summte oft und lachte beherzt, wenn man sie fragte, was sie denn so glücklich machte.

Pami atmete durch. Scham befeuerte ihre Tränen. Ich nahm sie in den Arm.
»Hasst du mich jetzt?«
»Nein. Außerdem bist du doch zur Vernunft gekommen.«
»Nicht von selbst. Ich musste erst spüren, dass diese Affäre ein zu gewichtiges Resultat nach sich zieht.« Verhallten lachte ich und Pami fuhr fort: »Da wusste ich, ich muss es dir sagen. Und dass ich es beenden würde. Das gar nichts anderes ging. Dieses Kind hatte es nicht verdient in Doppelmoral aufzuwachsen, wenn es schon in Doppelmoral gezeugt wurde.«
Ich strich über ihr volles, weiches Haar, ihr Rotz kleckerte auf mein Oberteil.
»Und du warst so verständnisvoll ...«, flüsterte sie.
»Naja«, gab ich zurück, »auch ich musste erwachsen werden, als klar war, dass ein Kind unterwegs ist.«

Vegane Waffeln - Outtakes 8

Diese folgende Szene hätte sich um Seite 244 zugetragen. Mädelstrip im BMW!

Frederick brach schon früher, am 17. Dezember auf. Zum Abschied kam er in die Küche, als Karina noch bei Finn war. Er grinste verschmitzt.
»Meine Mutter gibt dir das Geld für das Taxi zurück, wenn ihr einkaufen fahrt, oder?«
»Ja, ich darf es bei ihr abrechnen, wenn wir sowieso die Einkäufe durchgehen.«
Er trat dichter an mich heran und sagte geheimnisvoll: »Ich hab sie darauf gebracht, dass du sehr gut Auto fahren kannst. Ich hoffe, du hast nichts dagegen, auch mal für sie zur Reinigung zu fahren.«
Ich verstand nicht. »Das verstehe ich nicht.«
»Sie ist in der Endphase ihres Buches. Gut möglich, dass sie über Weihnachten und die nächsten Wochen im allgemeinen nicht wegen Kleinigkeiten rauswill. Vielleicht ergibt sich da für dich etwas mehr Spielraum.«
Er zwinkerte mir geheimnisvoll zu, drückte dann zärtlich meine Hand zum Abschied und verschwand durch die Tür.

Mir war schon aufgefallen, dass Silke in letzter Zeit umnachteter aussah, vom vielen Sitzen etwas krumm lief und genervt reagierte, wenn sie das Haus verlassen musste, zum Beispiel, weil sie einen Termin beim Arzt hatte. Einzig ihr morgendliches Joggen und die Wochenendausflüge mit Karina machten ihr noch Freude, sonst klebte sie an ihrer Tastatur.
Trotz dieses Wissens und Fredericks Art von Vorwarnung fiel ich aus allen Wolken als Silke am Freitag nach dem Essen zu mir kam und mir den Schlüssel für den BMW Z4 gab. »Wenn Sie wollen und Lust haben für mich ein paar Sachen zu holen, können Sie ihn fahren. Ron hat Winterreifen draufgezogen, er kriegt nur Super.« Sie sah mir tief in meine weitaufgerissenen Augen. »Trauen Sie sich das zu?«
»Klar!«, hauchte ich angetan.
Frau Doktor seufzte, als könne sie es selbst kaum glauben: »Ich vertraue Ihnen meine beste Freundin und mein Auto an.«
»Ausfluuuuug!«, freute sich Karina, die an der Ecke gelauscht hatte.

In Berlin Auto zu fahren ist so eine Sache für sich. Immer von Vorteil ist eine angeborene Arschruhe, Ortskenntnis sowieso, ganz wichtig ist aber, den Verkehr vorausschauend einzuschätzen und rechtzeitig auf seine Abbiegespur zu wechseln. Das ist eigentlich die halbe Miete. Dann kommt es darauf an, was für ein Auto du fährst und welches Nummernschild es trägt. Stell dir Autofahren in Berlin wie ein Computerspiel vor. Das härteste Level wäre es etwa eine junge Frau in einem ranzigen Renault mit einem Barnimer Kennzeichen zu sein. Vergleichbar oft wird ein Mercedesfahrer aus München angefeindet, vor allem wenn er in den 60er-Zonen 50 fährt. In einem klappernden Kastenwagen vorsichtig über die Straßen zu schleichen, weil sich im Laderaum zerbrechliche Torten türmen, ist ein ebenso hartes Schicksal. Heute probierte ich ein leichtes Level aus: Ich brauste mit schnurrenden Motoren aus dem Wohnviertel, eine hibbelige Karina neben mir, die Schildhornstraße hinunter und lenkte das geile Gefährt dann auf die A103. Spätestens jetzt bemerkte ich, wie anders sich die übrigen Verkehrsteilnehmer verhielten. Näherte sich mein Sportwagen ihnen nur etwas, nahmen sie Abstand. Die Sonne glänzte auf dem nachtblauen Lack, mein Hintern wurde von der Sitzheizung unter den hellen Ledersitzen gewärmt. Ich setzte Silkes stylische Sonnenbrille auf, die auf der Armatur lag, und ordnete mich schließlich auf die Überholspur ein. Zum ersten Mal wollte Karina den Einkauf im Veganz schnell hinter sich bringen, um wieder im Auto zu sitzen und den gleichen Spaß auf der Rücktour zu genießen. Nur leider wurde daraus nichts, denn wir landeten in der ersten Welle des Feierabendverkehrs. Für einen Weg von nicht einmal 20 Minuten 55 zu brauchen und dabei noch gut weggekommen zu sein, nervte dann doch ziemlich.
Silkes hatte uns überdies gebeten, für sie in die Reinigung zu fahren, und ihr Kleid für Silvester abzuholen. Damit es nicht knitterte, hatte Karina vorgeschlagen, das auf dem Rückweg zu erledigen und es auf ihren Schoß zu nehmen. Zum Glück konnte sie sich an dieses Angebot erinnern, als ich in die Albrechtstraße einbog.

Vegane Waffeln - Outtakes 7

Dies hätte sich nach Seite 158 zugetragen

Erst einmal galt es sowieso, mein Patenkind vom Bus abzuholen!
Lina hatte die Woche Herbstferien und kam heute aus dem Wing Tsun Camp zurück, für das Pami und ich ein halbes Jahr gespart hatten. Nun standen wir am Bushafen Marzahn und sahen den weißen Kleinbus anrollen.

Die beiden Haupttrainer saßen vorne, alle hinteren neun Plätze waren mit zappelnden Sprösslingen zwischen acht und zehn Jahren besetzt. Ich sah im Augenwinkel wie Pamis Antlitz erst zum Muttergesicht und schließlich zu einem breiten Grinsekuchen wurde, als sie ihren Ableger entdeckte. Wenngleich sie die Woche genossen, viel geschlafen, aufgearbeitet und auch ein bisschen gedatet hatte; heimlich und arg vermisst hatte sie die kleine Lina schon. Und obwohl ich in diesem Gefühlschaos steckte und mit dem Kopf an und für sich immer bei Karina war - Lina wiederzusehen, versetzte auch mir einen süßen schmerzhaften Freudenstoß. Sie drängelte sich an den anderen aussteigenden Kindern vorbei, sofort fiel mir ihre noch geradere Haltung und ihr flinker Lauf auf. Eindeutig: die vier intensiven Trainingstage hatten sich bezahlt gemacht!
»Mamiiii!« Lina landete in Pamis Armen und die nahm sie hoch und setzte sie sich auf die Hüfte. Das machten sie nur noch in Ausnahmen, denn eigentlich war das Mädel viel zu groß dafür geworden. Pamis Rücken bog sich unter ihrem Gewicht durch, dennoch näselten sie eine Weile zärtlich miteinander. Ohne abgesetzt zu werden, flog Lina als Nächstes in meine Arme und ich drehte mich zweimal mit ihr. »Wing Crusq ist wieder da!«, rief ich und die lachte.


Dann nahmen wir sie in unsere Mitte, ich nahm ihr rotes Rucksäckchen, Pami trug die Tüten mit dem Kuchen und wir fuhren zum Helene-Weigel-Platz, wo Lucrecia und Rhys ein großes Wiedersehensessen abhielten. Das bedeutete, sie hatten so viel gekocht, als kämen wir drei von unserem Dienst bei der Fremdenlegion nach Hause. Lina quasselte wie ein Wasserfall, und noch ehe wir uns setzten, missbrauchte sie ihre Onkel, uns ein paar der neu gelernten Griffe zu zeigen. Es ist schon beeindruckend, wenn eine Neunjährige einen 18-Jährigen blitzschnell auf die Bretter schmeiß. In mir kroch ein wohliges Gefühl auf: Lina war groß und stark, konnte sich selbst beschützen. Sie war unbesiegbar!

Vegane Waffeln - Outtakes 6

Diese Szene entfiel von Seite 141. Aili und Pami waren den Abend zuvor feiern und sind nun ein bisschen verkatert. Die eine mehr, die andere noch mehr :)

Das Aufwachen am nächsten Morgen war grauenvoll. Ich merkte, dass Pami über mich hinwegkletterte und recht fidel wirkte.
»Bleib liegen, ich mach die Lieferung!«, flüsterte sie und schlüpfte in ihre Stoffhosen.
»Hast du kein Kopf?«, brachte ich hervor.
»Nee, hast du nicht gemerkt, dass ich nach Mitternacht nur noch Wasser und alkoholfreie Cocktails getrunken hatte?«

»Ich bin froh, dass ich überhaupt ins richtige Bett gefunden habe!«
»Aber auch nur mit meiner Hilfe!«, kicherte sie und knöpfte sich die Bluse über ihrem Hemdchen zu. Deutlich zeichneten sich ihre prallen Brüste, groß wie Apfelsinen darunter ab.
»Du hast echt prächtige Titten!«, brummte ich ins Kissen.
»Danke, deine neckischen Möpschen gefallen mir auch!«
»Jupp, sie sind fest und niedlich!«
Pami band sich das Haar zusammen und verschwand im Bad. Zähneputzend kam sie zurück und sortierte einhändig ihre Wäsche von gestern. Ich ruderte komisch mit den Armen herum und versuchte mich umzudrehen. Es klappte nicht, ich verlor die Orientierung in meinem eigenen Bett. Alles drehte sich, ich brauchte einen Moment, damit ich nicht kotzen musste. Weit weg hörte ich Pami im Bad gurgeln, pinkeln und schließlich ihr Gesicht waschen, ehe sie von meinem Deo nahm. Die fruchtige Duftwolke flog bis ins Schlafzimmer, mir wurde wieder schlecht. Ich nuschelte irgendwas, das aber mehr wie ein Würgen klang und sofort eilte Pami herein und öffnete das Fenster. Kalte, feuchte Morgenluft erfrischte den Raum und ließ meinen dicken Kopf abschwellen. Geräusche aus der Küche, Kühlschranktüren, die auf- und zuklappten. Kaffeeduft stieg in meine Nase. Nach etwa zwanzig Minuten kam sie zurück und schloss das Fenster, damit der graue Oktober nicht die ganze Wohnung abkühlte.
»Du bist die beste, schönste, tollste und überhaupt ... und deine Brüste erst!«, grinste ich labil.
»Und du bist betrunken!«, erwiderte Pami mitleidig lächelnd und machte sich auf den Weg.

Vegane Waffeln -Outtakes 5

Diese komplette Szene entfiel vor Seite 71 :(

In den nächsten Tagen sprachen Pami und ich viel darüber, was zu tun sei. Wir wogen das Für und Wider ab, analysierten Kundenkreise, fragten uns, ob wir das wirklich nötig hätten, kamen zu dem Schluss, dass unser Unternehmen noch zu jung war, um alles zu riskieren, also ergründeten wir neue Kundenkreise.
»In drei oder vier Jahren, wenn Gras über die Sache gewachsen und wir uns einen Namen gemacht haben, ist es vermutlich egal, was so ein Endvierziger über uns erzählt. Bis dahin stürzen wir uns auf Familienfeiern, mittelgroße Firmen und Kleinunternehmergruppen.«
»So machen wir das!«, lächelte Pami, doch ich spürte, dass es arg an ihr nagte, diesen tollen Kunden verloren zu haben und sie nirgends mit ihrer Wut hinkonnte, wenn nicht zu mir.

Dank der Lieferung in die Montessori Schule waren zwei Bestellungen für Kindergeburtstage reingekommen und wir hatten Anfragen einiger kleiner Cafés erhalten, ihnen zuzuliefern. Es war nicht viel, aber das und etwas Erspartes würde die nächste Miete decken.

»Diesen Monat können wir euch leider keine Rate zurückzahlen«, gestand Pami am Kaffeetisch der Crusqs.
Lucrecia und Rhys nickten verständnisvoll, doch es war zu sehen, dass sie das Geld bereits eingeplant hatten und nun umdisponieren mussten.
Voll schlechtem Gewissen schleppte ich in meinen Sonntag. Eine Woche war es nun her, dass ich zuletzt von meiner Mutter gehört hatte. Nachdem sie mir auf meine liebestrunkene Nachricht nicht geantwortet hatte, hatte ich mich auch nicht getraut, am Mittwoch Laut zu geben. Ich kramte meinen Mantel hervor, wickelte mir einen Schal um und machte einen Spaziergang, um den Kopf freizukriegen. Die Sonne schien, kalter Wind pfiff um meine roten Ohren. Trotzdem lief ich weiter. Ich besuchte das Grab meiner Oma Susi auf dem Parkfriedhof. Doch bei dem Wetter waren dort so viele Menschen, dass ich keine Ruhe fand. So marschierte ich bis zum Bürgerpark Marzahn. Dort pflanzte ich mich auf eine Bank in der Sonne und stierte vor mich hin. Andere Spaziergänger kamen des Wegs. Verhutzelte Pärchen, die noch immer Händchen hielten, Jogger, eine Frau führte ihren Hund Gassi, auf die Bank neben meiner setzte sich ein Deutschvietnamese und las den neuen Tsokos, während KIZ in seine Ohren schrien. Ich rutschte tiefer in meinen Schal und lauschte dem Wind. Dann spürte ich meinen Magen knurren und beschloss mir Kekse zu kaufen. Ich lief den Bürgerpark hinunter, an dem stillgelegten Springbrunnen vorbei zu dem kleinen Asia-Shop, der sonntags bis 18 Uhr aufhatte. In der Tür wäre ich fast mit zwei Glatzen zusammengestoßen, die sich mit Frischeiwaffeln und Bier versorgt hatten und wie einem Klischee entsprungen dreckige Thor-Steinar-Pullover trugen. Ich war Anhängerin des Dönerverbots-für-Nazis - sie beim Vietnamesen zu sehen, passte also genau so wenig. So hielt ich mir demonstrativ die Nase zu und drückte mich an ihnen vorbei an den Tresen; sie guckten doof, schulterten ihr Feldgepäck und verschwanden endlich. Hörbar atmete der Verkäufer aus, als die Tür hinter ihnen zufiel. Ich lächelte ihm zu und holte mir eine Packung Kekse. Beim Bezahlen wurde mir klar, dass dieser Laden nun seit Jahren bestand und die Menschen, die ihn betrieben, gewiss vor krasseren Widrigkeiten gestanden hatten als ich. Das gab mir etwas Kraft für meinen weiteren Weg. Pami und ich würden das schon irgendwie schaffen, dieses Weitermachen!

Vegane Waffeln Outtakes 4

Diese Szene musste leider auch rausfallen, dabei mochte ich sie echt. Etwas männliche Wankelmütigkeit in Reinform gefällig? :) (Ihr kennt die abgeänderte Form von den Seiten 69/70)

Mit laut klopfendem Herzen bestieg ich am Mittwoch den Fahrstuhl zum Immobilienbüro Lindner. Doch ehe ich mehr als drei Schritte in den Empfangsbereich getan hatte, sprang mir Chris entgegen.
»Geben Sie her, ich mach das. Am besten gehen Sie gleich wieder ...«
Ich sah sie verständnislos an, während sie mir den Karton abnahm und hektisch nach dem Lieferschein griff.
»Aileen!«, rief es in diesem Moment vom langen Flur herauf. Sam stand auf der Höhe seines Büros, die Tür geöffnet, als hätte er mir aufgelauert.
Im Augenwinkel nahm ich Chris‘ unterdrückte Fluchtriade wahr.

»Aileen, wenn Sie einen Augenblick für mich hätten«, betonte er und verschwand in seinem Zimmer.
Sein Ton war undefinierbar, jedoch für alle zu hören. Ich schluckte und ging zu ihm. Er lehnte an seinem bombastischen Schreibtisch, die Arme verschränkt und fixierte mich.
»Schließ die Tür!«, bestimmte er.
»Nein danke!«, erwiderte ich.
Wie immer, wenn man ihm nicht gehorchte, zog er die Stirn kraus. Ich musste noch acht Schritte zurücklegen, um sein großflächiges Büro zu durchqueren. Dann stand ich eine Hünenlänge von ihm entfernt.
»Du weißt wohl wieder sehr genau, was du nicht willst«, stellte er fest und nickte zur sperrangelweit geöffneten Tür.
Sam streckte seinen Rücken durch, nahm vor mir Haltung an und kam einen Schritt näher. Instinktiv wich ich zur Seite, mein Körper spannte sich an, bereit jederzeit einen Verteidigungsgriff durchzuführen.
»Oh was, hast du Angst, ich falle über dich her?«, lachte er verächtlich, »ganz schön eingebildet, für so ein sprödes Ding.«
»Was willst du?«, gab ich zurück, ließ meine Betroffenheit nicht blicken.
»Ich wollte dir persönlich sagen, dass ich es mir anders überlegt habe. Es wäre doch ein Jammer, wenn wir uns ständig sähen und in Versuchung geführt würden, denkst du nicht?«
»Ich habe dich nie verführt, Sam, vergiss das mal nicht!«
Er schnaubte und grinste doof.
»Du willst den Vertrag also doch kündigen?«, schlussfolgerte ich.
»Erraten. Hast du ein Glück, dass dir wenigstens ein bisschen Grips mitgegeben wurde.«
Ich ging gar nicht darauf ein und erwiderte: »Die Lieferungen für diesen Monat wurden schon bezahlt, also werden wir die vornehmen.«
»Lass das besser. Ich will nichts in meinen Räumen haben, was mich an deine schlabbrigen Stelzen erinnert.«
Er spielte offenbar auf unsere Käsekuchen-Muffins an. Dem verwöhnten Jungen wurde ein Spielzeug vorenthalten und nun bockte er. Ich konnte mich nicht zurückhalten und konterte: »Um deinen dünnen Schwanz jederzeit hart zu machen, gereicht es offensichtlich ein bisschen Cellulitis.«
Auf dem Flur polterte es, jemand hatte vor Schreck einen Ordner fallen lassen. Mir fiel dann erst auf, dass sämtliche Stimmen aus den Nachbarbüros verstummt waren. Auch Sam wurde klar, dass wir belauscht wurden, was ihm die Stirn so krauszog, dass er an einen Faltenhundewelpen erinnerte.
»Das war‘s Aileen«, zischte er leise, »ich dachte, wir könnten das vernünftig klären, aber mit dir ist ja nicht zu reden.«
»Ach ...«
Ich verstand: Er hatte vor, die Wut über seine Mitarbeiter und die Demütigung, die er sich selbst zuzuschreiben hatte, an mir auszulassen. Das war natürlich eine sehr bequeme Lösung.
»Ich will dich nie wieder sehen. Und wenn ich jemals mitkriege, dass euer Unternehmen einen meiner Bekannten beliefert ...«


Mehr musste er nicht sagen. Trotz all der Wut über diese Ungerechtigkeit gelang es, mir darüber klar zu werden, dass sich sein Bekanntenkreis in etwa auf die gesamte obere Schicht dieser Stadt ausbreitete. Alle Immobilienunternehmen, Vermietungsbüros, Großgrundbesitzer, Fabrikeninhaber und deren Zulieferer. Ich schluckte schwer. Wie gerne hätte ich ihm jetzt seine perfekte Nase gebrochen. Stattdessen drehte ich mich um und verließ sein Büro. Draußen wäre ich fast mit Chris und den Assistentinnen zusammengestoßen. Auf der anderen Seite des Flurs lauerten einige Makler. Alle sahen mich mitleidig an. Mein Gesicht brannte vor Zorn und Beschämung. Den Blick geradeaus marschierte ich den langen Flur hinunter zur Tür.

Vegane Waffeln - Outtakes 3

MINI-SERIE: Diese Szene kennt ihr von Seite 49 bis 50. Nur mit viel weniger Sex ;)

 

Sam glaubt an uns!, dachte ich. Wie gerne hörte ich diese Worte nach den Einwänden von all den Zweiflern – meiner Mutter, Klaus, Pamis Eltern, die zwar einverstanden waren, aber niemals auf die Idee gekommen wären, unsere Pläne euphorisch zu unterstützen. »Wenn sie uns nicht tadeln, heißt das, sie loben uns«, hatte Pami gescherzt. »Nimm’s nicht so schwer, my Dear! Hauptsache, wir glauben selbst an uns!« Sie hatte ja recht, das hätte mir reichen sollen. Sams Lob war mir trotzdem so willkommen, dass ich meine sonstige Vorsicht völlig vergaß. Dieser fünfzehn Jahre ältere Millionär fand mit seinen Worten den Weg in mein Herz – und in meine Hose. Ich wurde süchtig nach Gesprächen mit ihm, nach seinen Tipps, die uns, zugegeben, einige Unannehmlichkeiten mit Kunden und Ämtern ersparten. Ich himmelte ihn an.

Als ich ihm eines Tages nach einer Lieferung im Parkhaus begegnete und er mich stumm an sich zog, fühlte ich mich trunken vor Glück. Dass dieser bewundernswerte Kerl mich attraktiv fand – mich hässliches Entlein! –, dass er mich schelmisch lächelnd auf die Rückbank seines Porsche Geländewagens legte und nach allen Regeln der Kunst durchvögelte, dass er mir danach schmeichelhafte SMS schickte: Das alles war mir unbegreiflich.


Auch dass er mir am nächsten Mittwoch auflauerte, um mir genau diesen Service ein weiteres Mal zu bieten. Das wiederholte sich ein paar Mal und blieb unser süßes kleines Geheimnis. Ich hatte nicht einmal Pami von dieser Liebschaft erzählt, denn wir wollten ja nichts mit Kunden anfangen. Und ich hatte zu viel Angst vor ihrer Reaktion, das ausgerechnet ich mich in so ein Abenteuer stürzte. Aber dann verliebte ich mich leider ernsthaft in ihn.
Als ich eines späten Abends Tarte und Waffeln für eine Veranstaltung lieferte, tauchte Sam hinter mir auf.
»Komm mit«, flüsterte er und ich dummes Huhn gehorchte.
Er ging allen Ernstes mit mir ins Ritz gegenüber. »Nahe dran, ich kann nicht warten, dich auf seidene Daunen zu legen!«
Wir trieben es auf einem sündhaft teuren Teppich, auf dem irdenen Waschbecken im Bad, stehend vor dem Fenster mit Blick über den nächtlich beleuchteten Potsdamer Platz. Ich lernte auch hier so viel von ihm. Viel mehr als ich den in zwei festen Liebesbeziehungen meines Lebens gelernt hatte.

Zu Hause konnte ich mich dann eines breiten Grinsens einfach nicht mehr erwehren, und Pami fragte unwillkürlich: »Wie heißt er?«
»Sam.« Ich lächelte noch breiter.
»Welcher Sam?«, rief sie daraufhin erschrocken aus.
»Du weißt, welcher Sam!« Ich drehte mich allen Ernstes um mich selbst und tanzte in der Küche herum, ehe Pamis schockiertes Gesicht in mein Blickfeld geriet. »Es tut mir leid, es ist einfach passiert. Und es fühlt sich so gut an. Nun guck nicht so, du müsstest das doch verstehen!«, entgegnete ich.
Käme jetzt ein Vortrag darüber, dass man nicht mit seinen Kunden schläft? Gerade von ihr, die der verbotenen Liebe auch gefrönt hatte?

Nix

 

Wie ich diese Zeit hasse. Kreative Wüste. Ich höre, dass alle Autor*innen diese Phasen des Nicht-Schreibens durchleiden und dass sie sich ebenso fühlen wie ich. Dass sie befürchten, alles bis hierher Geschaffene, war ein Zufall, ein Geschenk, ein glücklicher Irrtum. Mehr als das wird es nicht geben und ich werde nie wieder eine brauchbare Zeile schreiben. Und jede Phase fühlt sich so an, wie die schlimmste, denn wie schrecklich es wirklich ist, da drin zu stecken, vergessen wir, küsst uns Frau Muse denn erst wieder. Aber ich bin mitten drin. Ich erdulde. Ich reiße mich am Riemen und suche nach Inspiration. Doch Holzweg. Voller Splitter und barfuß. Pustekuchen. Mit ohne Kuchen und Puste ging schon lange aus. Ich lese also. Werke von den anderen. Sollen wir ja und macht mir auch Spaß. Obwohl ich mich dabei immer wieder frage: „Oh mein Gott, werde ich jemals etwas so schönes schaffen?“ Irgendwie nicht gerade hilfreich. Ich bin so unkreativ, ich habe nicht mal eine ordentliche Pointe für euch.

Vegane Waffeln - Outtakes 2

NEUE MINI-SERIE: Teil 2

Der allerersten Kürzung vor dem eigentlichen Lektorat fielen ganze Szenen zum Opfer. Ich habe sie aber natürlich aufgehoben und werde euch ein paar davon vorstellen.

Die folgende fluffige Kinderei hätte sich zwischen Seite 52 und 53 zugetragen ;)

 

 

Am Morgen des Freitages stand ich mit Pami in der Küche, um eine Bestellung für einen Kindergeburtstag vorzubereiten. Eine Cupcaketorte mit Lieferung direkt in die Schule war gewünscht.
Also verbrachten wir drei Stunden damit, flache Muffins zu backen. Dunkelbraune für Schoko, karamellbraune für Zimt, helle für Zitrone und superhelle für Vanille. Pami befreite sie vorsichtig aus den Papierröckchen und ich stapelte sie mit Hilfe von Zuckerguss als Klebstoff zu einer runden Pyramide auf. Dann buken wir kugelige Muffins für die Fassade. Die wurden mit reichlich Puddingcreme, Streuseln und buntem Zucker verziert. Wir waren sehr stolz auf unser Werk.

Das Monstrum bestand aus fünfzig Cupcakes und war so hoch, dass wir es zu zweit anheben, auf das Vehikel stellen und eine von uns die Kiste festhalten musste, während die andere es zum Auto schob. Wir verluden es in den Transporter, fixierten die Kiste zu gut wir konnten, doch nichts konnte uns die Angst vor einer Muffinlawine nehmen. So also fuhr Pami den Wagen vorsichtig auf dem direkten Weg über Biesdorf und Mahlsdorf nach Köpenick und ich saß in der Ladefläche und hielt die Kiste fest. Da sie auch schön langsam fuhr und sich von den Hupern nicht aus der Ruhe bringen ließ, brauchten wir über vierzig Minuten von Helene-Weigel bis zur Köpenzeile.

Die Mutter des Geburtstagskindes wartete wie besprochen vor der Schule und wollte das Werk sehen, ehe wir es reinbrachten. Unser Plan war aufgegangen: Die Torte war heil und bombastisch. Über meine Mitfahrt im Kofferraum, um das Zuckerwerk festzuhalten, verlor die Dame kein Wort der Verwunderung.

Wir hoben das Riesending zu zweit an, platzierten es auf dem Vehikel, das wir geistesgegenwärtig mitgenommen hatten, und schoben es hinter ihr her. Ich war das erste Mal im Inneren einer Montessori Schule und musste mich zusammenreißen, nicht dumm herum zu starren.
Im Essenraum, in dem das Geburtstagsmädchen überrascht werden sollte, herrschte friedliches Durcheinander, die Kinder waren aufgeregt und verfielen in ein erstauntes Schweigen, als wir mit der riesigen Kiste hereinkamen. Dann hoben wir vorsichtig die Platte unter der Kiste auf einen Tisch und auf ein Kommando öffneten wir die Seiten, sodass die Torte in epischer Manier zum Vorschein kam. Sofort erfüllte Gejubel den Raum, das Geburtstagskind wurde besungen und durfte sich den Cupcake von ganz oben nehmen. Die Mutter wurde zum Dank geherzt und grinste über alle Backen: Sie hatte ihre Pflicht, die tollste Mama zu sein, erfüllt – für heute jedenfalls.

Und auch wir waren Helden. Die Lehrer fragten uns gar nach Flyern, die sie im Lehrerzimmer verteilen wollten. Als sich alle bedient hatten, war die Torte genug abgegrast, sodass wir die Platte vorsichtig unter dem Karton wegziehen und uns zum Gehen wandten.


»Lina wird bald 10«, sagte Pami, als sie auf den Beifahrersitz plumpste, »meinst du, wir schaffen es noch, sie vor ihrem Abschluss auf so eine Schule zu schicken?«
»Wirklich? Du musst zugeben, dass sie doch ziemlich gut mit dem klassischen Bildungssystem zurechtkommt.«
»Vielleicht würden die ja ihr Stottern in den Griff kriegen.«
Ich schwieg dazu und startete den Motor. Während wir die Köpenicker Straße hinauffuhren, dachte ich darüber nach. Wenn wir mit dem Kind bei der Logopädin waren, bestand sie alle Übungen mit Bravour. Auch Gedichte und Lieder rezitierte sie fehlerfrei. Pami, typisch Mutter, suchte immer wieder neue Wege, Lina zu helfen und war wegen ihres Sprachfehlers vermutlich verkrampfter als wir alle zusammen. Sie griff nach jedem erdenklichen Strohhalm, las alles, was sie in die Finger bekam und gab sich nicht damit zufrieden, dass sich das Stottern vielleicht von ganz allein geben würde. Ich glaubte, sie machte ihre Tochter dadurch wahnsinnig und blockierte somit den Erfolg. Doch das konnte ich ihr wohl kaum sagen!

 

Vegane Waffeln - Outtakes 1

NEUE MINI-SERIE: Teil 1

Der allerersten Kürzung vor dem eigentlichen Lektorat fielen ganze Szenen zum Opfer. Ich habe sie aber natürlich aufgehoben und werde euch ein paar davon vorstellen.

Aileen geht zum Wing Tsun: Diese Szene kennt ihr in stark verkürzter Form von  Seite 15 und 16 ^^

Im Auto lag immer eine gepackte Sporttasche bereit, mit Handtuch, kurzen Hosen, Shirt und Wing Tsun Schuhen; spezielle Slipper mit Stoffsohle.

Vor fünfzehn Jahren besuchten meine Freundin und ich zum ersten Mal eine Kung-Fu-Schule und wurden in einem Schnupperkurs auf Wing Tsun aufmerksam. Pami war aber schon immer gut darin. Erstens hatte sie als schwarzes Mädchen umgeben von Faschos erheblicheren Ansporn, Selbstverteidigung zu beherrschen, zweitens scheint ihr so gut wie alles zu liegen. Insofern nahm ich ihr also nicht viel weg, als sie mich heute mit der Sporttasche in der Meeraner Straße aussetzte, sie ihr Kind einlud und zu mir nach Hause fuhr, um die Einkäufe auszuladen. Sie würde sie in den Raum stellen, der früher das Wohnzimmer war, nun aber unser Lagerraum. Wenn meine Oma Susi das noch erlebt hätte!
Ich lief die schmale Treppe nach oben, begrüßte den Trainer am Schreibtisch im Eingangsbereich und andere Schüler mit dem speziellen Wing Tsun-Handschlag. Diesen Geheimgruß fand ich immer schon besonders cool. Wenn ich einen von meinen Mitschülern auf der Straße traf und wir uns lässig in unseren Schlag verknoteten, dachten Passanten bestimmt, wir würden zu einer Gang gehören.
Ich trollte mich in die Umkleidekabine und zog mich um. Pami und ich teilten uns die Sportsachen, da wir aus organisatorischen Gründen selten zusammen an einem Kurs teilnehmen können. Obenrum bin ich recht schlank, von meinem kleinen Bauch abgesehen. Ihr Körper ist viel kurviger und aufregender als meiner, deswegen schlabberte das Oberteil an mir. Aber die Shorts passten leidlich, denn meine Hüften und Schenkel sind fast so fett, wie Pamis Körperschwerpunkt prall und weiblich ist. Und wir tragen die gleiche Schuhgröße.
Nach der Erwärmung übten wir ein paar Befreiungsgriffe, dann knüppelten wir mit unseren Fäusten auf Schutzkissen ein, die ein Partner festhielt. Ein paar Mal boxte mein Gegenüber so kräftig gegen das Kissen, dass es hochsprang und mich am Kinn traf. Doch die Angst getroffen zu werden, verliert man ziemlich fix. Heute war eine Neue dabei, die später bei den Angriffsübungen einem kurz geratenen Typen zugeteilt wurde. Er sagte ihr nur, immer wieder, dass sie es falsch machte, kam aber nicht auf die Idee ihr überhaupt zu zeigen, wie es richtig ging. Ich konnte mir das nicht mehr anhören und tauschte, sodass ich mit ihr trainierte. Dankbar blieb die Neue den Rest des Unterrichts bei mir, ich erzählte ihr die Legende von der Nonne und dem schönen Mädchen namens Yim Wing Tsun, die heiterte Frauen meistens auf.
»Du bist eine viel bessere Lehrerin als er«, flüsterte sie mit Blick auf den Kurzen.
»Kleine Männer sind eben manchmal so drauf ... Zu mir war der am Anfang auch so. Dabei bin ich ja nun nicht so groß wie du!«
»Du bist so 1,70 oder?«
»1,74«, gab ich zurück. Ich wusste, dass ich durch meine fetten Schenkel gedrungener aussah.
»Na da hab ich ja gut geschätzt! Wenn du gerade laufen würdest, sähest du auch so groß aus.«
»Nein danke«, erwiderte ich höflich.
Sie war nicht die Erste, die monierte, dass ich mich kleiner machte. Aber warum nicht? Ich musste nicht gesehen werden.
Nach dem Training folgte das Cool down, ruhige, dem Atem angepasste Bewegungen. Der eigene Schweiß kühlte die erhitzte Haut und die geschundenen Körperstellen. Ich kam runter, entspannte mich und spürte das wohlige Vibrieren meiner Muskeln und Gelenke.

Nach dem Wing-Tsun-Training, als die anderen Kursteilnehmer noch in eine Bar weiterzogen, steuerte ich die Tram an und bestieg an der Kreuzung Rhinstraße / Allee der Kosmonauten die M 8. [...]

Hashtag Autorinnenzeit Extra - 30 vor 30

30 Autorinnen (und ihre Bücher), die dich sicher auf deinem Weg zum 30. Geburtstag begleiten.

1. Astrid Lindgren (Pipi Langstrumpf, Ronja Räubertochter)
2. Lucy Maud Montgomery (Anne auf Green Gables)
3. Federica de Cesco (Melina und die Delfine)
4. Mirjam Pressler (Bitterschokolade)
5. Rumiko Takahashi (Ranma ½, Rumiko Theater)

6. J.K. Rowling (Harry Potter)

7. Ann-Marlene Henning & Tina Bremer-Olszewski (Make Love - Ein Aufklärungsbuch)
8. Emmy von Rhoden (Der Trotzkopf)
9. Else Wildhagen (Trotzkopfs Brautzeit)
10. Jordis Lank (Raukland Trilogie)
11. Jane Austen (Stolz und Vorurteil)
12. Marie Nejar (Mach nicht so traurige Augen, weil Du ein Negerlein bist)
13. Ann-Kathrin Karschnick (Phoenix-Trilogie)
14. Naoko Takeuchi (Sailor Moon)
15. Suzanne Collins (Die Tribute von Panem)
16. Marjane Satrapie (Persepolis)
17. Anne Brontë (Agnes Grey)
18. Virginia Woolf (Ein eigenes Zimmer)
19. Simone de Beauvoir (Das zweite Geschlecht)
20. Joan Aiken (Das Mädchen aus Paris, Die jüngste Miss Ward, Die Fünf-Minuten-Ehe, ...)
21. Maria Sveland (Bitterfotze)
22. Noëlle Châtelet (Das Sonnenblumenmädchen, Die Klatschmohnfrau)
23. Nina George (Der Weg der Kriegerin, Das Lavendelzimmer)
24. Charlotte Brontë (Jane Eyre)
25. Kim Freeman (Über den Himmel hinaus, Der Wind der Erinnerung)
26. Sara Tuvel Bernstein (Die Näherin)
27. Jhumpa Lahiri (Das Tiefland)
28. Antje Schrupp (Kleine Geschichte des Feminismus im euro-amerikanischen Kontext)
29. Alison Bechdel (Fun Home)
30. Siri Hustvedt (Der Sommer ohne Männer)

 

Außerdem:
+ Maeve Binchy (Der grüne See)
+ Elisabeth Elo (Die Frau die nie fror)
+ Mary Shelly (Frankenstein)

 

Weitere Ergänzungen werden gerne entgegen genommen ;)

Hashtag Autorinnenzeit Teil 5 - Marjane Satrapi

Marjane Satrapi. Die iranisch-französischen Einflüsse ihrer Graphic Novelles sind zauberhaft, horizonterweiternd und oftmals soooo romantisch!

Die Verfilmung ihres Klassikers "Persepolis" lege ich euch übrigens allen ganz besonders ans Herz!

Hashtag Autorinnenzeit Teil 4 - Rumiko Takahashi

Takahashi-sama!

Mit dreizehn bekam ich das Manga Ranma ½ in die Jung-Mädchen-Griffel und war vom obskuren Plot, dem skurrilen Humor und der abgedrehten Handlung mit ihren verrückten Figuren überwältigt.

Ganz klar hat mich diese Geschichte in meinem Verständnis von der Welt verändert, meine Lesegewohnheit erschüttert, meine Neugier beflügelt und meinen Verdacht bestätigt, wie blöde klassiche Rollenbilder der Gesellschaft sind. Und mit den Werken Inuyasha und Kyokai no Rinne wiederholt Rumiko Takahashi auf neue Art dieses Erlebnis.

Jepp, sie hat zwei Doppelregale bekommen! =^.^=

Hashtag Autorinnenzeit Teil 3 - Nina George

Bei Nina George hatte ich das große Glück, sie en natura kennenzulernen und sie als das zu erleben, was ihr Bild durch ihre Bücher und öffentlichen Auftritte zeichnet, und die Illusion bestätigt zu wissen. Wie dankbar bin ich für diese Erkenntnis!

Wenn ich mich früher hoffnungslos fühlte, half es mir, mir ein You-Tube-Video anzusehen, in dem sie einer Meute Autor*innen Mut macht und konstruktive Ratschläge gibt, wie unsereins sich helfen und helfen lassen kann. In dieser Zeit war mir ihr Trost unabdingbar, sonst hätte ich mich vermutlich von meiner Traurigkeit auffressen lassen.


Außerdem hat die große George mir unter anderem im Lavendelzimmer beigebracht, dass man das Wort Schwanz melodisch in einen Textfluss einarbeiten kann. Als Autorin und libidinöse Lebensform hat mich das einen großen Schritt weitergebracht.

Hashtag Autorinnenzeit Teil 2 - Kimberly Freeman

An zweiter Stelle nenne ich die australische Autorin Dr. Kimberly Freeman aka Kim Wilkins (in Deutschland). Ihr Stil, ihre Klarheit und ihre Themen reißen mich -gleich, welches Genre sie wählt- mit. Oftmals bewege ich mich sogar im Strudel der Eifersucht über so viel Talent! Schon ihr Debüt, das sie mit Anfang Zwanzig gegeben hatte, ist einfach nur perfekt! Mein belletristisches Verlangen werden von Ihren Texten auf einer Ebene befriedigt, für die mir die Adjektive fehlen.

Sie schreibt Thriller in Romantik, Historie, Horror und Fantasy - an letztere Bücher ist hierzulande jedoch echt schwer ranzukommen.
Dank Facebook erlebe ich ihre Person aber wenigstens ab und an, jedenfalls das, was sie teilen will. Wie ich ist sie depressiv und hat  offensichtlich gelernt, ihre in ihrem Fall manische Depression zu kanalisieren, ihre Schöpfungsphasen auszukosten und großen Erfolg zu erlangen. Und was unsereins von ihr mitbekommt, ist so herzensgut und süß, dass ich mich noch mehr für meinen Neid schäme.

Ich versuche, meine negativen Gefühle als Antrieb zu verwenden, ganz wie ein braves Schreiberlein das machen sollte, um mich selbst stetig zu verbessern!


Ich hoffe, ihr eines Tages persönlich zu begegnen und ihr zu sagen, wie sehr ich sie bewundere.

Neue Abenteuer des tapferen Schreiberleins - Sport frei!

by Claudi Feldhaus | Autorin
by Claudi Feldhaus | Autorin

Hashtag Autorinnenzeit Teil 1 - Joan Aiken

Zur Autorinnenzeit erzähle ich euch, was mich mit meinen Lieblingsautorinnen verbindet. Ja, es sind mehrere - unmöglich sich für eine zu entscheiden!

 

Teil 1
Joan Aiken ist nach wie vor meine Lieblingsautorin. Ihre Regency Romane und Austen-Fanfictions -geschrieben in einem ausgesprochen melodischen Stil- sind für mich das Paradebeispiel der Belletristik. Sie versteht mit weichen Worten und einem süffisanten Unterton, die Gesellschaft zu erklären. Ihre Art ist eine, an der ich mir ein Beispiel nehmen will, sowohl im Schreiben als auch im Sprechen.
Ich liebe ihre Bücher so sehr, dass ich mir vor einigen Jahren die englischen Originale vorgenommen habe - das war damals noch ein großer Schritt für mich. Sie öffneten mir jenes Lernfenster, das viele Englischlehrer*innen in meinem Leben regelrecht zugenagelt hatten! Dank ihr bin ich so viel sicherer im Umgang und kann manche Texte genießen wie meine Muttersprache.

Hashtag Autorinnenzeit Teil 0

Zur Autorinnenzeit diesen Mai habe ich einmal mehr bewusst darauf geachtet, welche Charaktere, Personen und Bücher in meinem Leben eine Rolle spielen.
Ich sehe auf meine Vorbilder: starke Frauen!
Mein Bücherregal, ungezählt weiß ich: überwiegend Autorinnen.
Meine Geschichten: 90% Heldinnen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: ich habe grundsätzlich nichts gegen Männer, auch nicht gegen männliche Autoren. Bei mir findet offensichtlich dennoch eine Art umgekehrter Sexismus statt. Ich finde nur wenige Geschichten von Männern interessant, ihren Schreibstil oftmals nicht so fesselnd und ihr Augenmerk meistens langweilig. Natürlich gibt es Ausnahmen, wie immer. Jasper Fforde zum Beispiel. Der schreibt über Thurday Next eine starke Frau die ... Ups, Sie erkennen ein Muster. Oder Ralf König. Aber auch hier finde ich jene Graphic Novelles am attraktivsten, die Heldinnen darstellen. Hempels Sofa oder Elftausend Jungfrauen - göttlich!
Ich bemühe mich jedoch vorsätzlich um Vielfältigkeit in meinem Lesen. Suche bewusst nach Büchern, die mal nicht von weißen, gebildeten Frauen handeln oder geschrieben wurden. Nicht jeder kann eine Kimberly Freeman, Nina George oder Joan Aiken sein, ich weiß.

Ich bin mir dessen bewusst, und am Ende will ich meinen Stil feilen, von der Konkurrenz lernen. Also suche ich nach anderen Blickwinkeln, auch die der weißen, alten Säcke, auf. Oft ist es schwer zu ertragen, vor allem ihr Frauenbild. Aber dann lese ich Hera Lindt und ertrage ihr Menschenbild fast noch weniger. Also lese ich Pletzendorf, Carvner, Leine. Ich las und lese Kehlmann, Brussig, Borchers, Flix, Hettche, Dickens, Schätzing und Jacobs. Viel davon mochte ich. Einiges fand ich unverzeihlich. Das passiert mir bei Autorinnen einfach nicht so oft, vielleicht bin ich hier auch toleranter? Wieder ist ein Muster erkennbar.


Trotzdem oder gerade, weil es für mich sehr einfach ist, werde ich die Autorinnenzeit nutzen, um über meine Lieblingsautorinnen zu sprechen!
Wir beginnen mit Joan Aiken, reisen dann nach Australien zu Kim Freeman, dann nach Hause zu Nina George, schließlich nach Japan zu Rumiko Takahashi und dann zu Marjane Satrapi nach Frankreich bzw. in den Iran. Und mal gucken wer dann noch kommt. Ich freue mich!

 

#Autorinnenzeit. Hier zur Aktion von Sven Hensel

Bingo! #Autorinnenzeit by AutorSvenHensel
Bingo! #Autorinnenzeit by AutorSvenHensel

Die Freuden des Lektorats (Teil 269)

Claudi Feldhaus | Autorin
und in meinem feministischen Liebesroman "LuxusSchneid" gibt es JEDE MENGE Sex ...

Pamis Geschichte

Pamis Eltern Lucrecia und Rhys Crusq kamen Mitte der 80er als frischverheiratetes Paar, beide gerademal 19, als angeworbene Vertragsarbeiter aus Mosambik einem der sog. „Sozialistischen Bruderstaaten“ in die DDR. Ihr erstes Kind Pamela »Pami« wurde ein Jahr später geboren, ihr folgten zwei Söhne und kurz nach der Wende eine Tochter. Zuhause wurde Portugiesisch gesprochen, doch die offenherzige Pami freundete sich schnell mit den anderen Kindern in der Krippe und im Kindergarten an und lernte so rasch Deutsch. Mit sechs Jahren brachte sie die blasse Aileen ins Haus Crusq, die als beste Freundin für immer bleiben sollte. Aili, wie sie genannt wurde, wich ihr nur selten von der Seite, bewunderte und beschützte Pami unermüdlich.

Pamis fröhliche Art, ihre große Klappe und ihre außergewöhnliche Schönheit machten den Alltag in der nach der Wende immer rassistischer werdenden Gegend von Marzahn-Springpfuhl etwas leichter. Sie hatte viele Freunde, die auf sie aufpassten. Man wusste, wenn jemand Pami dumm kam, hatte man automatisch das kampfbereite Mauerblümchen Aileen, Pamis Brüder und außerdem ein Arsenal an anderen Bewunderern zum Feind. Ein Risiko, das nur die echten Krawallbrüder eingingen. Außerdem lernte sie als kleines Mädchen schon, zurückzuschlagen. (Eine Maßnahme, die sie auch ihrer eigenen Tochter früh beibrachte.)
Schon immer hatte Pami einen Faible für Jungs und Männer des nordischen Typs. Mit 18 wurde sie schwanger; wer der Vater ist, blieb ein Geheimnis - Einzig Aileen vertraute sie sich an, die ihr wie immer unerschütterliche Unterstützung zusicherte.
Die kleine Paulina »Lina« Crusq wuchs unter dem Schutz der beiden Freundinnen, allen Freunden und der große Familie Pamis auf. Ihr fehlt es nicht an Liebe. Dennoch ist sie natürlich neugierig, wer der schöne Prinz war, der ihrer Mutter damals den Kopf verdreht hatte ...

Lina aus Vegane Waffeln
Lina aus Vegane Waffeln

Vorbereitung einer Lesung und nächtliches Gesichter-Üben (Heute: Handlungsträger aus Vegane Waffeln)

Ein Gedicht für alle Frauen

Frau
Sein

Du hast das Recht, dich hübsch zu machen
Oder dich gehenzulassen
Stöckelschuhe dürfen wichtig sein
Auch Lippenstift
Du darfst nackt sein
Und dich sicher fühlen
Du hast jedes Recht, Nein zu sagen
Und zurückzuschlagen
Wir können über alles reden
Auch über die anderen

 

Liebe, wen du willst
Respektiere jeden
Auch wenn er es manchmal nicht verdient
Toleriere
Mitgefühl
Sei für sie da
Für Gefangene
Befreie
Akzeptiere Grenzen
Auch deine eigenen
Du musst nicht nehmen, was du kriegst.
Bemüh dich um eigenes Geld
Eigene Macht
Ein Zimmer für dich
Zeit für dich
Auch wenn das einstweilen Abstriche bedeutet


Achte auf dich
Gesundheitlich
Liebe deinen Körper
Und jene, mit denen du ihn teilen willst
Zähle nicht nach
Was bedeuten schon Zahlen?
Außer im Haushaltsbuch ...
Streichle
Betätige dich handwerklich
Faulenze
Singe, wann immer dir danach ist
Tanzen gehen nicht vergessen!
Iss, was dir schmeckt
Achte die Kleinen
Sei Madonna, sei Hure und alles dazwischen.
Rede mit deiner Mutter
Solange du kannst
Hab eine beste Freundin
Mindestens eine


Steh auf der Seite der Frauen
Und für jene ein, die für sie stehen
Lache
Ganz viel
Lies
Bücher!
Schlaf
Trage bequem
Und so, dass du schön für dich bist.
Dann erst für die, für die es dir wichtig ist.
Wasch dein Gesicht gründlich
Vor dem Zubettgehen
Träume
Groß
Sonnenschein
Regen
Warme Füße!
Wache Augen
Sensibles Herz
Auch wenn es manchmal wehtut


Tanke auf
Bei deinen Liebsten
Frisches Wasser
Süßigkeiten!
Reise
Überschreite Horizonte
Erweitere
Liebe deine feminine Seite
Achte die maskuline
Was immer das heißt ...
Kichere
Sprich
Laut
Pfeifen macht einen Kussmund
Koste das Leben
Aus.

Es waffelt in Berlin!!

Bahnhofsbuchhandlung Ludwig Friedrichstraße
Bahnhofsbuchhandlung Ludwig Friedrichstraße
Thalia "Alexa" Alexanderplatz
Thalia "Alexa" Alexanderplatz
Thalia "Das Schloss" Steglitz
Thalia "Das Schloss" Steglitz

30.

Es klingt auf jeden Fall seriöser. Vielleicht sollte ich mich dann auch so verhalten. Dachte ich. Dann wurde meine beste Freundin 30 und sie sagte: „Nope, nichts anders.“

 

Ein paar Tage später torkle ich mit ihr durch Amsterdam. Wir giggeln, konsumieren mehr oder weniger freiwillig hier nicht-illegale Rauschmittel, stopfen uns mit holländischen Süßkram voll, vor dessen Qualität uns niemand gewarnt hat. Ich bringe ein Food-Baby aus Käse mit nach Hause. Noch 3 Tage bis 30.

 

Kontrolliere mein Gesicht auf Falten. Sind seit dem letzten Jahr wieder weniger geworden. Mit ist bewusst, dass das in diesem Leben nicht mehr oft der Fall sein wird. Noch 1 Tag bis 30.

 

Gucke Coldmirror Synchronisationen. Lache über die selten flachen und dummen Vulgärsprüche. P.C. ade. Es ist furchtbar, aber ich bin entspannt. Rechne ernsthaft damit, Schlag Mitternacht zu denken: "Gott, wie kindisch!" Dann lache ich so doll und sehe erst wieder 0:02 Uhr auf die Uhr. Ich habe die 30 verpasst.

„Nope, fühle mich nicht anders.“ Auch nicht seriöser.

 

Morgens Gratis-Dom. Magisch. Und die Sonne scheint. In dieser Zeit kommen wie durch Zauberei auch keine Anrufe.

Später Büro: Geschenke, dumme Sprüche und Umarmungen von Kollegen. Mein Arbeitsplatz ist mit Zone-30 Schildern dekoriert. Ich freue mich wie ein Kleinkind.

Stolpere verplanter als sonst durch den Tag.

 

Abends: Freunde! Alle da, mich zu feiern, trotz Jobs und Baby.

 

Baggere ungeschickt den Kellner an. Flirten kann ich immer noch nicht. Schwebe nach Hause.

 

Wenn Erwachsen-sein so geht, dann gerne.

Guckt mal, wer da (schon) ist!

Nachdem meine ersten beiden Bücher dank der schlampigen Druckereien zu spät ausgeliefert wurden, habe ich es mir ja auch verdient, dass meine Drittgeborene ein Frühchen ist!
Sie ist wunderschön und wohlriechend, die Aileen.

Cover Premiere: Vegane Waffeln

Vegane Waffeln - Ein bissiger Berlin-Roman (Februar 2017)
Eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und das Verschwinden der herkömmlichen Familie.
Die junge Berlinerin Aileen hat sich einen Traum erfüllt: Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Pami hat sie ein Cateringunternehmen für vegane und vegetarische Backwaren gegründet.
 
Beide Frauen könnten unterschiedlicher kaum sein. Aileen, aus verkorksten Marzahner Verhältnissen stammend, ist introvertiert und zurückhaltend, Pami hingegen eine schwarze Schönheit, die sich des Lebens, ihrer warmherzigen Eltern und ihrer süßen Tochter Lina erfreut. Dass die Neunjährige ohne Vater aufwächst, meistern die beiden Freundinnen jedoch gekonnt.
 
Auch in Aileens Leben gibt es keinen Vater. Bis ihr eines Tages ein mysteriösen Brief überbracht wird. Stimmt es gar nicht, dass ihr Erzeuger in den Wirren der deutschen Wiedervereinigung umgekommen ist? Entschlossen begibt sie sich auf die Suche nach der eigenen Vergangenheit …
 
+++Claudi Feldhaus überrascht mit einem jugendlich-spritzigen Roman, der durch seinen frechen und doch auch gefühlvollen Erzählton überzeugt. Sie nimmt den Leser mit auf eine Reise durch das bunte Berlin, in dem einem so manche fragwürdige Figur begegnet.+++

Claudi hilft

Ich beteilige mich bei AUTOREN HELFEN und habe ihnen überdies meine Stimme für Toleranz geliehen!

 

Von der Webseite:

Initiative

„Autoren helfen“ ist eine Initiative von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die ihre kreativen Kräfte bündeln und sich für humanitäre und soziale Anliegen einsetzen wollen. Erdacht wurde „Autoren helfen“ von fünf Autorinnen und Autoren im September 2015.

Plattform

„Autoren helfen“ will eine Plattform sein, auf der sich jede Autorin und jeder Autor auf die eigene Weise einbringen kann. Sei es mit Texten, sei es mit Aktionen und Projekten jeglicher Art für den guten Zweck. Unter dem Motto „Autoren unterstützen Flüchtlinge“ sagen die Initiatoren der ersten Kampagne dieser Plattform sehr bewusst Nein zu Rassismus und Ja zur Integration von Asylbewerbern. Auch und gerade in den Tagen nach Köln versteht sich „Autoren helfen“ als Plattform und Unterstützung für jene, die alle ihre Kräfte dafür einsetzen, dass Integration gelingt und Menschlichkeit möglich bleibt.

 

Für die Initiative werde ich insg. 25 Exemplare von meinen bisher publizierten Werken spenden. :)

 

 

Sneak Preview!

Mein 3. Roman erscheint Ende Februar 2017!

Hier seht ihr einen Vorgeschmack auf das Cover von Vegane Waffeln :)

Es ist sooooo blau! <3

Das vollständige Cover darf ich euch in der 2. Januarwoche 2017 zeigen!

Neues aus der Zone

Claudi Feldhaus | Autorin
Zone: krass intensive, hier "End"-Phase des Romanschreibens (manchmal aber auch ehemaliges Gebiet der DDR)

Männer, die nach Seitenzahlen fragen

Erzähle ich einem Mann, dass ich einen Roman publiziert habe, kommt zu 80% zurück: »Wie viele Seiten hat dein Buch?«
Auch bei der 4. Publikation ist das noch so und wird vermutlich so bleiben. Seit 4 Jahren also frage ich mich, was es damit auf sich hat. Stelle ich jenen Männern (es sind ausschließlich Männer gewesen) die Frage, warum sie das wissen wollen, wissen sie das nicht. »Fällt mir halt als Erstes ein.«

Ich kleine Grüblerin, der mir das keine Ruhe ließ, hatte mir dann eine eigene Theorie zurechtgelegt. Vielleicht ist das Hirn derer, die als erstes eine Seitenzahl brauchen, so analytisch, dass sie Zahlen, Nummern und Größenangaben mögen, um die Welt um sich herum zu ordnen. Ihre Frage ist keinesfalls wertend gemeint, sie kaufen Bücher nicht nach der Dicke oder Anzahl der Wörter. Sie brauchen einfach eine Zahl, um es irgendwie einordnen zu können. Ihnen ist bewusst, dass nur weil ein Buch 200 Seiten hat, das noch lange nicht heißt, dass sie es sofort durchlesen können. Dass Schrift, und Format unterschiedlich groß sein, dass Illustrationen sich darin befinden könnten oder schwere Wörter. Dass sie die Information, das Buch hat so und so viele Seiten eigentlich keinen Deut weiterbringt, es einzuschätzen. Es ist einfach nur eine Zahl.
Ich glaube, mit der Einschätzung lag ich nicht so verkehrt und Männern, die ich diese darlegte, fühlten sich damit wohl und meinten: »Joa, könnte sein, dass ich deswegen gefragt habe.«
Soooo ... vor ein paar Tagen entschied sich mein von je her analytisches, älteres Brüderchen dazu, mich anzurufen und mal zu fragen, was so abgeht. Und als ich ihm sagte, dass im Februar mein 3. Buch kommt und im Sommer das 4. fragte er: »Und wie viele Seiten haben die jeweils?«
Ich lachte getroffen und gegenfragte ihn, warum er das wissen wolle.
Da dachte er nach und entgegnete: »Ich habe die Vorstellung, und als Programmierer ist mir irgendwie bewusst, dass dies vermutlich absurd ist, aber ich stelle mir vor, dass die Seitenzahl in Relation, dabei weiß ich, dass Recherche, Editing usw. nicht dazugehört, doch dass die Anzahl der Seiten ein Verhältnis zum reinen Arbeitsaufwand des Schreibens aufweisen.«
Ich war baff. Das machte ja sogar Sinn. War man so absolut nicht in der Arbeit, könnte man die Vorstellung haben, Autorinnen setzen sich hin, schreiben hintereinanderweg und irgendwann ist das Buch fertig. Ich konnte ihm also versichern, dass er richtig vermutete. »Du vermutest richtig! Die Seitenzahl steht absolut nicht in Relation zum Schreibaufwand. Nimm nur meine ‚VEGANE WAFFELN‘: Das Buch hat in der Printversion 320 Seiten, musste seinerzeit nach dem Erstentwurf zweimal hart umgeschrieben und dann gekürzt und schließlich nochmal umgeschrieben werden, ehe es überhaupt erst ins Lektorat ging. Und wie du schon sagst: Recherche, Plotten, Biografien der Charaktere - das und noch viel mehr kommt arbeitstechnisch obendrauf. Also nein, 320 Seiten stehen in keinem Verhältnis. Kann man vielleicht mal innerhalb eines Jahres runtertippen, also so eine dreiviertel Seite am Tag, aber ich arbeite schon mal nicht so.«
»Ja, das verstehe ich auch.«
Ich bin indes ziemlich begeistert, dass er mir eine neue Sicht auf die Welt eröffnet hat und mir dabei half, eine Sache, die mich echt umgetrieben hat, ruhen zu lassen.
Wenn mich das nächste Mal jeman(n)d nach der Seitenzahl fragt, kann ich sagen: »Die Reinschrift und inklusive aller gelöschter Zeichen etwa 1200, in die Printversion kommen dann 320 Seiten!«
Die werden gucken! ^^

Nachts sind alle Katzen grau (geschrieben von Kakaobuttermandel am 23.12.2010)

Paris. Ich war im letzten Leben eine graue Katze und lebte in Paris. Meine Straße war eng, gepflastert mit rutschigen Wackersteinen. Auch an ihnen gingen die Zeichen der Zeit nicht vorbei. Die Häuschen der Menschen waren klein und dicht an dicht gebaut. Meine Augen sind gelb.


Ich bin ein Streuner. Habe einige Familien, zu denen ich gehe, wenn der Wind stark weht oder Schnee fällt. Mein bester Freund ist ein dreibeingier Hund. Er ist ein Freund, weil er kein Feind ist.

Ich mag Regen, wie die wenigsten Katzen. Regen jagt die Leute hinein. Sie lassen ab und zu Güter fallen, oft was zu essen. Manchmal auch etwas das glitzert. Nach dem Regen spiegele ich mich in den Pfützen. Ich bin ein schmales wendiges Tier.

Ich mag keine Kinder. Vor allem die in den feinen Kleidern nicht. Sie sind unberechenbar. Streicheln mich falsch. Dann werde ich von ihren Gouvernanten verscheucht, weil ich mit Krankheiten übersät sei. Frechheit.

Mein Lieblingsmensch war ein feiner alter Mann, aber er lebt nicht mehr hier. Ich fand ihn in einem prächtigen Haus an der Seine. Mit seiner wunderschönen Mätresse. Sie wollten mich bei sich behalten, mich baden und mir ein Halsband umlegen. Ich erwürgte mich fast lieber, da nahmen sie es schnell wieder ab. Manchmal gehe ich zu ihnen. Doch jedes Mal wird der Alte kränker. Ich muss bald zu ihnen und an seinem Bett wachen. Danach muss ich nicht mehr kommen.

Oft habe ich Kater. Sie mögen mich, weil ich so schön bin. Einmal war ich tragend, dann geriet ich unter eine Kutsche. Kurz darauf gebar ich. Sie waren alle tot und mein Becken gebrochen. Meine Kinder wurden von Ratten gefressen. Ich schlief viel in einer Dachrinne in der Zeit. Die Sommersonne wärmte meinen Pelz. Ich wurde wieder schlank und gesund. Eigentlich humple ich seitdem, aber wie würde das denn aussehen?

Ich jage nachts. Wenn der Mond scheint und die Mäuse hypnotisiert. Ich müsste nicht jagen, aber ich will. Ich fresse keine Mäuse. Ich spiele sie zu Tode. Schaue ihnen zu, wie sie ausbluten. Das ist ein Fest.

Ich wünsche mir manchmal, ein Mensch zu sein. Eine Frau. Aber dann will ich nicht hier und jetzt leben. Später und woanders. Irgendwo wo es nicht so stinkt. Menschenfrauen sind schön.

Ich dürste danach, mich von schönen jungen Männern streicheln zu lassen. Ich besuche manchmal einen Künstler. Einen Bildhauer. Er schlägt riesige Skulpturen aus hellem Stein. Haucht ihnen Leben ein. Meistens sind es Frauen mit wehenden Haaren.

Seine Finger sind rau und lang. Ich liebe seine Hände. Wenn ich auf seinem Schoß ruhe, das Feuer im Ofen neben uns, so wünsche ich mir doch im Hier und Jetzt eine Menschenfrau zu sein. Und mit ihm nur einmal die Dinge zu tun, bei denen ich ihn oft mit Frauen störe. Diese Sehnsucht schmerzt dann in meiner Brust. Ich verstecke mich und beobachte sie.

Sobald sie schlafen, verpasse ich der Frau eine Schramme ins Gesicht. Eine dünne, damit sie nicht aufwacht. Und ihm eine weitere in seinen breiten Rücken. Eine tiefe, damit er mich bemerkt.

Dann lächelt er und schenkt mir süße Sahne. Die Frau schickt er fort. Ich bin die, die immer bleiben darf.
Weil meine gelben Augen leuchten.

Juwelchen
Juwelchen

 

Die neue Katze im Katzenmusikcafé "Zur Mieze" sieht genauso aus wie die, über die ich vor 6 Jahren einen Text schrieb. Das brachte mich zu dieser Zeitreise. Was ich seitdem nicht alles gelernt habe ...

Es ist eine Vier!

Ich habe mit 25 geschworen, dass ich mit 30 vier (4 ist von jeher meine Glückzahl) Bücher publiziert haben werde.

Und scheiße: genau das wird passieren!!


Der Verlag Bookshouse war ganz doll angetan von meinem Exposé zum zeitgenössischen Liebesroman mit dem Projektnamen »Luxus Schneid« und hat mir einen Termin für den Spätsommer 2017 angeboten.

 

Ich bin megastolz und grinse im Kreis. :)))))))

Andere wollen bis 30 verheiratet sein, ein Haus gebaut oder ein Kind gemacht haben. Ich wollte immer nur Romane schreiben und herausbringen.
Ja, ich arbeite noch fleißig daran und ich denke, bis Januar wird der Round Draft fertig sein.

Einen megaromantischen Titel haben wir übrigens auch schon. Der ist mir an einem besonders besinnlichen Abend eingefallen!

Im Herzen bin ich tatsächlich ein romantisches Kind, aber ich glaube, ebenjenes Herzchen ist zu oft verletzt worden, um seien wahren Gefühle auch immer zu zeigen. Ich bin außerdem so ein krasser Kopfmensch und Pragmatiker, dass es mir echt schwerfällt, schwärmerische Texte zu schreiben. Glaubt mir, die Arbeit mit Austen und Alexander war oft nicht leicht. Ich brauchte immer lange, um in Stimmung zu kommen. Und eine männliche Bezugsperson, die mir hätte ein bisschen rosa  Brille zur Inspiration bieten können, war irgendwie auch selten da.

Dennoch macht es Spaß, wenngleich es schwer ist. Auf jeden Fall lerne ich viel und schreite diszipliniert voran. Auf dass ihr euch dann eine großartige (natürlich feministische) Schnulze auf euren eReader runterlanden könnt. Wenn sich das Werk gut verkauft, wird es eine Printversion geben.

So, Schreiberlein tapfer - Schreiberlein geht zurück in den Roman!
Habt einen feinen Abend und eine noch feinere Wartezeit in der Gewissheit, dass nächstes Jahr 2(!) Romane von mir erscheinen.

Alle Sommer wieder

Die Sonne scheint wärmer. Menschen sehen schöner aus, inklusive dir selbst. Alle sind plötzlich nett und lächeln.

Die Musik klingt besser, überall hörst du die Lovesongtexte und findest sie überhaupt nicht unglaubwürdig.

Dir fallen freundliche Hunde auf, die du völlig selbstverständlich streichelst.

Du brauchst für lange Bahnfahrten kein Buch, auch nicht wenn du sitzt und irgendwo wartest. Nicht mal dein Smartphone als Unterhaltung.

Denn du bist viel zu beschäftigt damit, wie ein Vollidiot zu grinsen, und dich über jeden Scheiß zu freuen.

Sobald dir sogar das Glitzern des Asphalts neben den weggeworfenen Zigarettenstummeln in der Sonne auffällt - herzlichen Glückwunsch: Du bist verknallt!
Willkommen im Tal der Deppen; der Wolke sieben, wo die anderen Arschgeigen wie du hängen. Genieße es!
Das meine ich ganz ernst.

Und sogar der sich sonnende Hund fällt dir auf ...
Und sogar der sich sonnende Hund fällt dir auf ...

Du kannst nichts dafür

 

»Kann ich doch nix für!«, schreist du und meinst das, was die Nazis in den 40ern taten. Oder, dass die Anderen wegschauten. Dass deine Großeltern höchstwahrscheinlich einer dieser beiden Gruppen angehörten.
Du kannst nichts dafür, dass die Erde auf der wir gehen, wieder und immer wieder vom Blut unserer Ahnen durchtränkt wurde. Dass unsere Ahnen diejenigen waren, die das taten.
Ich sage gar nicht, dass du etwas für diese ganze schreckliche Geschichte kannst.

Wenn wir Menschen eines aus der Geschichte lernen, dann, dass wir Menschen aus der Geschichte nichts lernen.

Aber du kannst auch nichts dafür, dass du einfach Glück hattest. Dass deine Eltern sich entschieden haben, auf deutschem Boden zu vögeln. Dass du mit deiner Geburt innerhalb deutscher Grenzen gewisse Rechte erhältst, von deinen Millionen Menschen auf diesem Planeten träumen. Dass du in einer verhältnismäßig sicheren Zeitspanne aufgewachsen bist. Dass in deiner Kindheit kein Krieg herrschte. Dafür kannst du nichts!

Du kannst nichts für die kulturellen und geistigen Errungenschaften derer, die auch nur zufällig innerhalb der gleichen Grenzgebiete wie du geboren wurden. Dessen Lebensumstände ihnen genug Sicherheit zugestand, sich zu bilden und selbst zu verwirklichen. Um dann Großes für ihre Heimat zu vollbringen, sie zum Land der Dichter und Denker machten. Du teilst dir zum Glück mit ihnen die Nationalität. Dafür kannst du nichts.
Worauf also bist du stolz?

Schämen für die schlechte Seite der Vergangenheit dieses Landes willst du dich nicht.

Verständlich, weil du ja nichts für sie kannst.
Warum aber bist du stolz auf die gute Seite unserer Vergangenheit?

Unverständlich, weil du ja nichts für sie kannst.

 

Du kannst etwas für das, was du tust.
Wofür du dich entscheidest, dafür kannst du was. Wovon du deine Entscheidungen abhängig machst, dafür kannst du was. Ob du dich informierst, ehe du dich entscheidest, auch dafür kannst du was.
Komm aus der Ecke heraus, in die du dich gestellt fühlst. In die Nazi-Ecke. Komm heraus und beweis uns das Gegenteil.
Nutze dein Geburtsrecht auf Sicherheit und Bildung und verwirkliche dich.
Sieh was die Geschichte dieses Landes dir erzählt. Mach es besser als deine Vorfahren. Denn dafür kannst du was.
Gestalte dein Leben, verbessere es für andere. Nutze die Freiheit zu entscheiden, wie du deinen Tag verbringst; was du mit dem unternimmst, was dir geschenkt wurde.

Denn mehr ist es nicht. Ein verdammtes Geschenk. Du hast das Glück, dein Leben als Geschenk ansehen zu dürfen. Weißt du, wie viele Menschen davon träumen?
Ob du mit diesem Geschenk das Leben anderer bereicherst – dafür kannst du was.
Und dann lernst du den Unterschied kennen. Fühlst Stolz, auf den du stolz sein kannst.
Du glaubst ja nicht, die nichtig Nationalstolz dagegen noch wirkt.


Laufen wie ein Mädchen

»Lauf!«

Und ich laufe und laufe. Der Befehl kam aus mir heraus.
Ich atme ruhig, mir ist heiß. Ich spüre meine Muskeln, wie sich meine Oberschenkel unter dem Stoff immer wieder anspannen.
Die eine Sohle trifft den Waldboden, dann die andere. Drei Schritte - einatmen, drei Schritte - ausatmen.
Vögel singen, die Luft ist unglaublich. Rein nach dem Regen.
Musik im Ohr. »Work Bitch!«, brüllt Britney mir ins Ohr und das tue ich. Immer weiter.

 

Ich sehe mich selbst vor 20 Jahren.
Klein-Claudi sitzt als Letzte auf der Bank, als die Mannschaften für Völkerball gewählt werden.
Claudi, die als letzte ins Ziel läuft, die es nie schafft, die Stange hochzuklettern, die schuld ist, wenn ihre Gruppe beim Staffellauf verliert. Die für ihre ungelenken langen Glieder belächelt wird. »Dünn und groß«, betitelte mich der Sportlehrer, »Ausdauer und Kraft hat Se halt keine.«
»Muße ja auch nicht«, erwiderte die Klassenlehrerin und sah mich mitleidig an, »is eben n Mädchen!«

Das Mädchen von damals hat heute definierte Oberarme. Das Mädchen, dessen Beine mehr als ihr Eigengewicht wegstemmen.
Wie gerne würde ich meinen Lehrern von damals auf die Schnauze hauen. Ihnen zeigen, was ich beim Body-Combat und Wing Tsun gelernt habe. Seitdem mir meine Lehrer endlich Antrieb geben, mich ermuntern auszuprobieren. Und mich dann nicht stoppen wollten.

 

Das Mädchen, das die Bücherkisten in den 4. Stock schleppt.
»Sieht man dir gar nicht an, dass du so anpacken kannst«, sagen die andern Umzugshelfer.
»Warum nicht?«, frage ich gereizt und vermute schon, weil ich ein Mädchen bin.
»Du siehst eher wie so ne Intellektuelle aus. Aber is doch geil, wenn de beides kannst!«

»Lauf!«, erklingt es wieder und ich laufe.
Meine Muskeln brennen aber ich laufe weiter - laufe wie in Mädchen. Zielgerichtet, ausdauernd, den Schmerz ignorierend. Ja, das ist schon ein bisschen geil.

Marshmallow

 

Als eine der vielen Symptome von PMS erfreuen sich Frauen auch an Mastodynie, deren Namen ich erst seit Kurzem benutze und der ich diesen Artikel widme. Denn aus Gründen habe ich mich in den letzten Tagen im Selbstversuch intensiv mit meiner beschäftigt.


Alle paar Wochen überrascht mein Körper mich mit einer grundlegenden Veränderung. Er wird weich, aufgedunsen, schwer, empfindlich. Mache ich normalerweise eine schlanke, agile Figur, bremst mich diese Zeit doch arg aus.
Ich verhüte u.a. mit der Hormonspirale, Nebenwirkungen des weiblichen Zyklus bleiben mir also weitestgehend erspart. Ich will gar nicht wissen, wie sehr die Mastodynie mich heimsuchen würde, wäre ich all naturell unterwegs!

Richtig bewusst wurde sie mir erst nach und nach, seitdem ich Sport mache. Denn es fällt schon auf, wenn der Körper - sonst sportlich und straff - plötzlich zum Marshmallow anschwillt. Wir reden von 3-7 Kilo Wassereinlagerungen, die sich fröhlich in Schenkeln, Füßen, Fingern, Brüsten und Bauch sammeln. Die einfach passieren, egal wie brav ich bin. Dafür sorgen, dass ich mir meine Lieblingsklamotten nicht passen. Dass ich meinen Ring nicht anstecken kann. Dass sich Zysten im Brustgewebe bilden, anschwellen und sehr schmerzhaft ausstrahlen. Dass meine Brüste schwer sind und immer wehtun vor allem bei Berührung, so dass ich eigens für diese Tage größere und superbequeme BHs anschaffen musste. Und in die ich abends Kühlpackungen packe, um mich wenigstens kurz zu entspannen.

Ich konsultierte meine Ärztin diesbezüglich vor fünf Jahren zum ersten Mal. Sie empfahl mir Tröpfchen. Und aushalten.
Die Tröpfchen (Mastodynon) halfen nur in einem gewissen Grad. Ich belas mich selbst und stieß irgendwann auf die Erkenntnis, dass es einigen Frauen hilft, in dieser Zeit Genussmittel wegfallen zu lassen. Ich, die schon keine Tiere isst, nicht raucht, nicht säuft, sollte nun also auch noch auf Schoki und Kaffee verzichten. Einen Versuch war es wert. Ich ließ meine beiden besten Freunde weg und ... wurde knatschig, fraß haufenweise Gummitiere als Ersatzhandlung, aber das Symptom trat tatsächlich schwächer auf. Dennoch hielt es so zwei Wochen lang an.


Genervt kaufte ich, als es das nächste Mal kam, Entwässerungsdragees. Die, die es in der Drogerie gibt. Stärkere wollte mir die Apothekerin ohne Rezept nicht geben. Außerdem trank ich massenweise Brennnesseltee. Doch es half nichts, trotzdem ich ständig aufs Klo rannte.
Meine Ärztin erzählte mir wieder nur was vom Aushalten, so schlimm kann es schließlich nicht sein. Normalerweise ist sie ziemlich cool und fortschrittlich, darum enttäuschte mich ihre Sicht an der Stelle schon sehr.

Ich ging also zu meinem Hausarzt, der immer mal ganz gute Ideen außerhalb der Schulmedizin hat, der gerne über den Tellerrand schaut. Als ich ihm von den Entwässerungskuren erzählte und dass ich gerne ein Rezept für eine stärkere hätte, erlitt er fast einen Herzkasper. Sofort wurde mein Blutdruck gemessen, der ohnehin stets niedrig ist. Dann wurde ich etwas gerügt. Eine Frau meiner Statur bringe sich ernsthaft in Gefahr, wenn sie auch künstlich noch entwässert.
Die Oberschwester nahm mich an die Seite, befühlte meine Schienbeine und sagte: »Schauen Sie, hätten Sie Entwässerung nötig, wären die ganz dick. Elefantenbeine. Bei Ihrem Blutdruck und Ihrer Figur sind wir doch so froh, dass Sie ausreichend trinken. Brennnesseltee erlaube ich Ihnen. Aber bitte keine Dragees mehr, ja?«
Mit hängenden Ohren verließ ich die Praxis, die Dragees liegen seitdem unangetastet in der Medizinschachtel.

Letzten Sonntag merkte ich, dass es wieder losging. Ausgerechnet in meiner Urlaubswoche sollte es keinen Kaffee und keine Schoki geben!
Für den nächsten Tag war ich mit Katja bei Ikea zum Frühstück verabredet. Ich verzichtete also brav auf den Gratiskaffee und die Schokoeierkuchen, nahm nach unserm Einkauf in dem schicken Café im Gewächshaus keinen Milchkaffee und fühlte mich heldenhaft. Stattdessen konsumierte ich die anderen Süßspeisen vom Frühstück und sehr viel lecker Rührei.
Zuhause begann ich dann die eingekauften Möbel aufzubauen, meine Heizung in ein Vintage-Kunstwerk zu verwandeln, Fenster zu putzen, rumzurennen. Was ich eben im Urlaub so mache. Doch als ich nicht mal die Hälfte der geplanten Arbeiten geschafft hatte, erschlug mich die Müdigkeit.
Sie ist ein weiteres Symptom von Mastodynie. Ich beobachte, dass ich in dieser Zeit sehr behände vorankomme, vieles zu schnell zu anstrengend wird, ich oft schwitze. Zu dem Zeitpunkt war meine Statur aber recht normal. Bis auf meine schweren Brüste und den kleinen Bauch hatte ich gedacht, ich habe es im Griff, weil ich doch ganz brav auf Kakao und Koffein verzichte.
Ich ließ die Arbeit Arbeit sein und bettete mich für ein Schläfchen aufs Sofa. Die Katze kam dazu, alles war schön. Als ich drei Stunden später erwachte, war ich der Blob.

Mein Körper war so schwer und starr, dass ich Probleme hatte, aufzustehen. Meine Klamotten waren komplett durchgeschwitzt, mein Bauch aufgebläht wie ein Wasserballon, jedes Glied tat weh. Ich schleppte mich ins Bad, was ich im Spiegel sah, war einfach nur krass.
Während ich mir Frauen-Balance-Tee und Brennnesseltee kochte, konsultierte ich Frau Google. Diesmal fragte ich sie nach den Symptomen, sie spuckte mir die Begriff Mastodynie aus, den ich ab dann erst als Wort auch benutzte. Ich las innerhalb von einer halben Stunde etwa zehn Fachartikel, die ich in der Konstellation aus Begriff und Symptomen fand. Sie alle unterschieden sich etwas, in Hinsicht auf die Tipps zu Besserung.

Doch was sie alle einten: Viele, etwa sechs von zehn Frauen leiden darunter. Es gibt keine Pille dagegen. Die Damen werden darum gebeten, auszuhalten.
Wie so oft ist es die Aufgabe der Frau, zu erdulden. Ich stellte mir kurz vor, wie das wäre, wenn dies ein typisches Männerleiden wäre. Seit Jahren wäre irgendein geiler Chemiecocktail auf dem Markt, der mir ermöglicht, mein normales Leben in meinem normalen Tempo fortzuführen. Dank dem ich z.B. ganz einfach laufen gehen kann und nicht wegen zu schmerzender Brüste verzichten muss.

Die Artikel wiesen neben den sogenannten Genussmitteln jeweils auf andere Nahrungsmittel hin, die das Symptom verschlimmern.
Ich möchte hier nun keine Quellenangaben erbringen müssen, denn was ich mir zusammenschusterte, habe ich den Rest der Woche ausprobiert und bei mir hat es funktioniert.
Ich bekam nämlich raus, dass es wohl das süße Frühstück bei Ikea war, das mich so zugerichtet hatte. Denn bitteschön tierische Eiweiße und Weißzucker wirken sich zusammen mit Mastodynie ganz schlecht aus.
Der nächste Artikel riet überdies vom Konsum salziger Speisen ab.
Ballaststoffreich dürfte die Ernährung sein, wenn es um Reis geht. Reistage sollte ich einlegen, aber bitte auf Mehl, also Brot verzichten. Ich könnte nun weiterhin aufzählen, was frau* alles nicht dürfen soll. Doch ich selbst dachte etwa bei Artikel Nummer 6: »Okay, ich merke mir jetzt nur noch, was während Mastodynie gut ist.«
1. Kräutertee
2. Reis
3. Obst und Gemüse
4. Sport (bei dem die Brüste nicht wackeln)
Das war‘s!

Da ich auch nichts Gebratenes essen durfte, dämpfe und koche ich mir also seit sechs Tagen Reis mit Gemüse und esse Obst dazu. Zum Glück gibt es gerade Wassermelone, die verschlinge ich statt Süßigkeiten. Ich salze wenig, scharf ist offensichtlich ebenfalls nicht gut. (Stellte ich fest, nachdem ich in einem vegetarischen Lokal Reis mit gedämpften Pilzen gegessen habe. Aber vielleicht war einfach Ei in der Soße?)


Ja, die kleine Claudi macht ihren Haremshosen und dem Hipsterpüppel (Dutt) alle Ehre, denn sie ist gerade als Hardcore-Veganerin unterwegs. Wenn irgendwo Milch dran war, meldet sich meine Mastodynie pünktlich wie ein Uhrwerk!
Im Selbstexperiment also liebe Damen und Sternchen konnte ich herausfinden, dass es funktioniert!
Wenn mich die Mastodynie das nächste Mal heimsucht, wenn ich im Büro bin, muss ich mir morgens Reis kochen und Gemüse dämpfen und das dann zum Mittag mitnehmen, statt mir einfach lecker Nudeln zu holen oder mir ein Brot zu schmieren. Selbstmitgebrachtes Essen ist für die Kollegen immer sehr interessant, aber ich denke, sobald ich denen sage, dass das Zeug nicht gesalzen ist, werden sie mich in Ruhe lassen.

Heute geht es mir übrigens besser, offensichtlich ziehen sich die Hormone zurück, meine Schenkel straffen sich, die Zysten in den Brustdrüsen schwellen ab, Brüste und Bauch werden wieder klein. Da für den Abend etwas Romantik geplant ist, passt mir das ganz gut.
Ich hoffe, ich kann morgen dann auch endlich wieder laufen gehen!

Übrigens versuche ich dieses Symptom nicht als meinen Feind zu sehen. Ja, es bremst mich aus, es schwächt mich. Oder ich könnte sagen: es entschleunigt mich, bringt mich dazu, auf mich zu achten. Natürlich ist es nervig und ich will schreien, vor allem wenn ich mitten in einer arbeitsreichen Zeit Mastodynie kriege. Doch lerne ich nach und nach, damit umzugehen.
Mastodynie zwingt mich zu einer langweiligen, aber sehr gesunden Ernährung, dazu mal durchzuatmen und fünf Gänge runterzuschalten. Vielleicht kann ich ihr eines Tages dafür dankbar sein.
Das wird in etwa der Tag sein, an dem ich Kaffee über habe und Schokolade mir nicht mehr schmeckt ...

Es ist zum Schweigen - ein Aus-Kotz-Blog

 

Schweigen als Antwort ist offensichtlich zu einer gesellschaftlich anerkannten Norm verkommen. Ich frage mich an dieser Stelle: Wem macht das eigentlich Spaß? Wen verletzt es nicht?

Was ist passiert? Mindestens zum 4. Mal wurde ich von einem Verlag um die Vorstellung eines Projektes gebeten und am Ende enttäuscht. Wohl gemerkt: Ich war durch Stilsicherheit und Fleiß aufgefallen und DIEjenigen kamen auf MICH zu! Also habe ich mich extra hingesetzt, die Idee ausformuliert, ein Konzept erstellt und es kurz präsentiert. Darauf kam auch dieses Mal eine überaus positive Rückmeldung und das Interesse auf Details wurde schlicht euphorisch geäußert. Ich sah mich demnach ermutigt, jenem Verlag ein Exposé zu schreiben und fast 100 Seiten Fließtext zu verfassen, um eine Leseprobe zu haben. (Dieser Blog berichtete.) Das war vor sechs Wochen.
Darauf kam wieder einmal: Nichts.

Nachdem mir dieser Verlag die Wochen und Monate zuvor auf jede noch so kleine E-Mail innerhalb von zwei Tagen geantwortet hatte, erhielt ich diesmal nicht mal eine Eingangsbestätigung.
Gutmensch-Claudi war aber natürlich zu blöd, die Zeichen zu deuten. Das hatte sie Verlagen gegenüber nicht zum ersten Mal gemacht. Wie gesagt, schon zum 4. Mal verwechselte ich Geduld mit Gutglauben, hielt mich brav zurück, wartete. Als Autor hört man schließlich immer wieder: »Nachfragen kommen ungut, die melden sich dann.« Wie erwähnt: ICH wurde um eine Präsentation gebeten. Es handelte sich keinesfalls um ein unaufgefordert eingereichtes Manuskript. (Obwohl ich hier die Nicht-Reaktion ähnlich verwerflich finde.)

Es ist nicht so, dass es mir nur mit Verlagen so geht. Oder ich die Einzige wäre. Andauernd berichten mir Freunde von ihren Odysseen in Bewerbungsverfahren oder gar auf der Partnersuche, dass der Hang zum Schweigen, sobald das Interesse verlorengeht, beängstigend verbreitet ist. Erinnert auch an das sehr hippe Konzept des Ghostings.

Man bleibt allein mit der Erkenntnis, dass all die Mühe, all das Hoffen vergebens war. Wie sich das anfühlt? Ziemlich scheiße.
Talent, Liebenswürdigkeit, ja der eigene Wert als Mensch wird bezweifelt. Hatte man die Zeichen falsch gedeutet? Wo lagen die Fehler? Ja, was zur Hölle habe ich falsch gemacht, dass ich offenbar eine solche Behandlung verdiene?
Es fühlt sich beschissen und falsch an!
Und ich frage mich: Ahnt die andere Seite denn gar nicht, was sie damit anrichtet? Hatten er oder sie dieses Gefühl nie? Kann diese Angst vor der absoluten Falschheit nicht von jedem nachvollzogen werden? Tut man sowas gerade darum anderen an?
Es ist zum Schreien, zum Weinen.
Und ja, ich schreie und weine deswegen. Irgendwo muss dieses falsche Gefühl hin. Ich fühle mich äußerst menschlich: fehlgeleitet, fehlbar, lernfähig.

Und dann? Ihr seht es, oder? Reden hilft.
Ihr seid nicht allein mit diesem Eindruck von euch. Freunde helfen. Auch sie scheiterten, haben sich zu dem gemausert, was sie heute sind: wertvolle, kaputte Persönlichkeiten, die verstehen und Verständnis zeigen. Das hilft unheimlich und wärmt.
Ich weiß nicht, wie viele sonst an dieser Hürde scheitern. Sich verkriechen, die Flinte ins Korn werfen ...

Rückschläge mitten in die Fresse gehören leider dazu, wenn du den Weg des Erfolges beschreitest. Und das Schöne: je weiter du bist, desto härter werden die Schläge, irgendwann kommen sie mit der Faust. Und du kletterst höher, die Leiter hoch, den Berg hinauf der steil und steinig ist. Und wisst ihr, was dann passiert? Ihr könnt stürzen, wenn ihr geschlagen werdet, also fallt ihr. So oder so. Vielleicht nicht tief, aber es tut weh und ihr müsst aufstehen und den ganzen scheiß Weg nochmal laufen und ausweichen an der Stelle, wo der Schlag euch traf. Den nächsten seht ihr vermutlich wieder nicht kommen, netterweise kommt er mit dem Baseballschläger. Ich versuche mir einen Helm einzupacken und höre jetzt mal auf mit den Metaphern.

Ich bin lernfähig. Die letzte Woche war ich zu traurig zum Weitermachen, jetzt bin ich zu wütend zum Aufhören!
Ich versuche künftig meine hart erlernte Geduld nur noch anzuwenden, wenn es gerechtfertigt ist. Jemand der mich wirklich will, sei es ein Verlag, der eine talentierte Autorin; ein Mann, der eine starke Frau an seiner Seite haben oder eine Firma die eine ehrgeizige Angestellte möchte - die werden meine Geduld nicht herausfordern. Offenbar musste ich wenigstens schriftstellerisch viermal geschlagen werden, bis ich das kapiert habe ...

Ich bin froh, dass wir die Silbe Deut wiederhaben. Ohne klingt es eben als würden alle »Schloch!« brüllen

 

Des Weiteren beobachte ich dies alles mal wieder so weit von außen, wie es möglich ist. Die Energie während eines Spiels geht jedoch auch an mir nicht vorüber, nicht nur in Form all der Menschen, die auf meinem Heimweg unsere Flagge tragen.
Zuhause, mit dem Blick über die Stadt, in der ungefähr eine Million Menschen Fußball gucken, spüre ich die Vibration, die über allem hängt. Dann das Summen und Wummen gepaart mit ihrer Nervosität das ihre Stimmen in einem geschlossenen »Wuuuuuuuuuu« verhallen lassen und entweder entfleucht als nächstes Millionen Menschen »Aaaaaaah!« oder manchmal auch ein sehr lautes »Jaaaaaaaaaa!«
Kurz darauf trompetet es zu tausenden, Knaller und Feuerwerk wird entzündet. Die Anspannung entladen. Woran erinnert mich das bloß?

Die Leiden der jungen Autorin

Exposé-Schreiben
Zur Vorbereitung:
60% jammern, dass ich es machen muss, dass es nötig ist, überhaupt dass ich die ärmste Sau im Stall bin und dass Exposés ganz doof sind und stinken
30% meine Freunde mit meinem Gejammer wahnsinnig machen und mentale Unterstützung erheischen
10% sich selbst in den Arsch treten und irgendwie anfangen

Zum Schreiben:
70% Fluchen
30% etwas halbwegs Sinnvolles zuwege bringen

Überarbeiten:
30% Fluchen
10% das wenig Sinnvolle irgendwie gut klingen lassen
60% sich selbst in den Arsch treten und irgendwie weiter machen

Hilfe und Zweitmeinung:
Ich: Meeeeh!
Freundin: Soll ich es mir nun ansehen oder nicht?
Ich: Ja, doch ... hier ... Nein, meeeh!
Freundin: Was soll das jetzt wieder?
Ich: Das ist bestimmt ganz doof!
Freundin: Das sehe ich ja dann.
Ich: Aber du wirst enttäuscht und sauer sein.
Freundin: Das werde ich gerade schon!
Ich: WIE KANNST DU DAS SAGEN??
Freundin: Nun gib mir schon.
Ich: Mimimimimimimi!

Dieses Prozedere hat eine lange stolze Tradition im Hause Feldhaus und ist nötig, um am Ende immer die allertollsten Exposés hervorzubringen.

Tun

 

Schweigen

Zusammen frühstücken

Kuss auf die Stirn

Umarmungen von hinten

Nebeneinander gehen

Hände verknotet

Erzählen

Duften

Nacken pusten

Strahlen

Aufwachen

Ins Ohr flüstern

Loslachen

Anschmiegen

Lippen beißen

Spontan anrufen

Durchs Haar fahren

Naschen

Rücken kraulen

Mitbringen

Füßeln

Essen

Glücklich

Vorlesen

Schoß sitzen

Musik hören

Vermissen

Richtige

»Mit dem Richtigen wirst du Kinder wollen«, haben sie gesagt.
Ich habe den, oder einen, Richtigen gefunden. Er ist sanftmütig, mansplaint wenig bis gar nicht, jedenfalls erinnere ich mich nicht an eine bestimmte Geste, durch die ich mich übergangen fühlte. Er unterbrach mich nie, hörte sich ebenfalls bei hitzigen Kontroversen meine Argumente an und hatte kein Problem dreimal mehr um Entschuldigung zu bitten, wenn er meine Verletzung, war sie auch noch so gering, spürte. Mit ihm führte ich also nie Machtkämpfe, die die Gorillas unter dem Mannsvolk gerne ausfechten; solche, die in ihrem Y-Chromosom irgendeine Berechtigung sehen, mich zu bevormunden. Nein, er glich eher einem Leitwolf, manchmal einem Leitwelpen, kuschlig und respektvoll an meiner Seite. Und wenn ich erst richtig aufdrehte, mich in Theorien meines Hau-auf-die-Fresse-Feminismus verrannte, da schien er sich keineswegs bedroht zu fühlen. Seine blauen Augen strahlten und er lächelte einfach selig. War stolz neben einem so starken Temperament zu stehen, sich an meinem Feuer zu wärmen.
Nicht einmal wenn ich nackt unter ihm lag, fühlte ich mich unterdrückt.

Und dieses wundervolle Wesen hat nun den dringenden Wunsch, seine verständigen, gut gebauten Gene zu vererben. Ich konnte nicht anders, als ernsthaft darüber nachzudenken, ob sie vielleicht recht hatten, die Erwachsenen.
»Mit dem Richtigen wirst du Kinder wollen«, haben sie immer, andauernd gesagt.
Wie ich mein ganzes bewusst erlebtes Leben vermutet habe, ist das ... ausgemachter Bullshit!
Noch klarer, in strahlenderen Farben und lauteren Tönen vermittelte mir mein Innerstes: »Nein. Nein. Nein. NEIN!«
Angst, Empfängnis, Schwangerschaft, Gebären, Mutterschaft, Stillen, Sorgen, Verantwortung, Liebe, die tiefer geht, als alles andere, es nur falsch machen können, keine Dankbarkeit erwarten dürfen, Sorgen, Lektionen, Schmerzen, Sorgen, Sorgen, Sorgen. NEIN!
Auch mit oder für ihn nicht.

Ich habe den (oder einen) Richtigen gehen lassen, eine Frau zu finden, die seinen Kinderwunsch teilt.
Ihr Zweifler, ihr Mutterschaftsfanatiker, ihr Kern-Familienmenschen, seid ihr nun überzeugt, dass es mir ernst ist? War es wenigstens dazu gut?
Es gibt mir etwas Genugtuung, das muss ich zugeben, während ich »Geboren um zu leben« und »Dernière Danse« in Endlosschleife höre. Mich absurden und bemitleidenswerten Fantasien hingebe, in denen er zu mir zurückkommt und mir sagt, er brauche kein Baby, ich wäre seine Familie.
Wenigstens hatte ich recht. Wenigstens war ich fair zu uns beiden. Meine Aufrichtigkeit bleibt mir. Und die Gewissheit, dass ich einmal so dicht an dem Richtigen war. An dem, was sich einfach nur richtig anfühlt. Wie meine Entscheidung gegen Mutterschaft.
Auf die Fresse, ihr Zweifler!

Blog: Sparkle Unicorn Party bei Feldhaus

 

Die letzte Verlosung erfreute sich großer Beliebtheit und einige süße Ideen kamen bei mir an. Manch einer wollte die gesamte Skyline von Zimazans, einige wollten fliegende Pennatus und Exoten wünschten sich Ankari, die Endo stemmt.

 

Neben all diesen witzigen Vorschlägen musste ich jedoch über Marnies am meisten lachen: „Ich will ein Einhorn. Mit Glitza! Das seinen Hund Gassi führt!!“

Soviel Entschlossenheit muss belohnt werden!

Ich habe extra für sie Flüssigkleber gekauft und mein Augenlidglitzerpuder rausgekramt. Dann habe ich zum ersten Mal ein Einhorn gezeichnet, Glitzer auf ihm, unweigerlich auch auf meiner Katze und dem Teppich und überall in meiner Wohnung verstreut (Sparkle-Party!) und fühlte mich fabulös.

 

Ich hoffe, Marnie, du hast daran auch so viel Spaß wie ich. Würde mich freuen, wenn du mir für Zimazans eine Rezi schreibst ;)

 

Tauche ein in München, kleines Spreekind!

Mein älterer Cousin wohnt in München. Sie wissen schon, diese Stadt da unten, die jetzt auch ein Oktoberfest hat.
Die Feldhausens, in all ihren Facetten, sind eine im Land verstreute Familie; verkopfte Arbeitstiere, die verhältnismäßig selten zusammentreffen. Ich kann das so sagen, denn mehr als die Hälfte habe ich seit über zehn Jahren nicht gesehen. Grund genug, den Saupreiß in Minga zu mimen.

DNS-Test überflüssig ... ^^
DNS-Test überflüssig ... ^^

Als Spreekind weiß ich um das doch eher komplizierte Verhältnis zwischen Berlinern und Münchnern. Oder Berlinern und Hamburgern. Oder Berlinern und dem Rest von Deutschland. Und ich wusste auch, dass München für Bayern etwa das ist, was Berlin für Deutschland ist - mitten dabei, aber doch irgendwie extra und speziell.
In Bayern hatte ich dereinst schon mal Urlaub gemacht. Bin angeeckt!

Nun also setzte ich mich mal mit der Münchener Kultur auseinander, übte mich im Umgang mit non-bookish People, wobei ich mich gar nicht so blöde anstellte.

Und ich schaffte es überdies auf faszinierende Weise, mich in dieser völlig fremden Welt nicht nur zurechtzufinden, sondern sogar zu entspannen!


Aber davon will ich hier nicht weiter berichten, es wird viel genereller!

Sehr gechillt ...!
Sehr gechillt ...!

Der 1. Abend

Als Erstes fiel mir die Leopoldstraße auf. Kann man sich ungefähr wie einen Mix auf Ku-Damm und Unter den Linden vorstellen. Schickeria, Beleuchtung, einkaufende Menschen. Abends Partey-machende Menschen.
Zwei Straßen weiter lag ich Samstag um 4 Uhr morgens in meinem Bettchen und hörte genau: NIX! Keine wummernden Bässe, keine Trambahn, keine grölenden Nachteulen, ja nicht mal Motorengeräusche! Verwirrt erhob ich mich, öffnete die Balkontür und spähte in die Nacht hinein. Wind umschmeichelte meine Nase, trug den Duft nach Baumblüten herüber, dann flogen ein paar Vögel empor. Hätte ich irgendwo im Wald mein Zelt aufgeschlagen, es hätte nicht stiller sein können!! So starrte ich ins Dunkel und wartete auf den Schlaf.

Ich bin für diese Fotos auf Berge und Türme geklettert, also genießt sie! ^^
Ich bin für diese Fotos auf Berge und Türme geklettert, also genießt sie! ^^

 

München, so White.

Seine Wohnung ist in Schwabing und was ich davon gesehen habe, war eine sehr weiße und gefegte Version von Hipsterhain/Charlottenburg. Hier fiel mir denn dann auch gleich mal wieder auf, wie viel »chiquer« der Münchener Kleidungsstil als in Berlin ist. Will es mal so sagen: In der Muddastadt kratzt sich keine Sau dran, ob du fix mal in Schlafanzughosen Schrippen und Club Mate zum Frühstück holst. In München-Schwabing würden die Herrschaften vermutlich nicht einmal auf die Idee kommen, so etwas zu tun.


5 Zonen MVV für das Zonenkind

Und sogar U-Bahn bin ich gefahren! Ich musste mich zum Glück nicht mit dem Zonensystem, dem Ticketkauf oder den Fahrplänen beschäftigen, denn ich habe mich vor dieser Komplexität einfach eingerollt und wurde als die kleine Cousine an die Hand genommen. Sonst hätte ich garantiert irgendwas falsch gelöst, wäre als Schwarzfahrerin entlarvt worden, und hätte Buße, mindestens in Form von Geldzahlung, tun müssen. Ich will gar nicht wissen, wie oft irgendwelche Touristen von dem Münchner Verkehrsverbund angekackt und dann abgezogen werden, weil sie das unnötig komplizierte Tarifsystem nicht kapiert haben.

Idee, warum diese Stadt so reich ist? Hätte da eine Theorie ...

 

Da war übrigens schon Sommer. Ich stand bei 28°C unter Blütenbäumen!
Da war übrigens schon Sommer. Ich stand bei 28°C unter Blütenbäumen!

 

Voll mit Apfelschorle, denn es gibt dort einfach keine kleineren Gläser als 0,5l, wurde ich in der Stadt herumgeführt. Ich bestieg den Peter, sah das Rathaus, die stehende Welle und fand auch das gut versteckte, vegane Gericht in den Speisekarten.

Und dann wurde ich in den Englischen Garten gebracht, der zugegeben riesig ist! Kann man sich quasi wie eine Mischung auf Treptower Park und Tiergarten vorstellen. Viele junge Menschen dort, liegen auf ihren Robbenbänken, manchmal zeigen sie auch etwas Haut, aber anders als im Treptower Park oder im Tiergarten, könnte man hier wohl keine Schmuddelfilmchen drehen. Ich lasse das einfach mal so stehen.

Hier bekam ich dann eine weitere riesige Apfelschorle, die in Bayern mit lecker natürtrübem Saft serviert wird, freute mich über das drollige Münchner-Deutsch all dieser chique angezogenen Menschen und ruhte meine Füßchen vom Laufen aus.

 

Auf die Gefahr hin, dass ich als Berlinerin damit Hochverrat begehe, kann ich nur sagen: Ich mag die Stadt und die Leute dort sind sehr nett. Warum mögen wir die nochmal nicht?

 

Claudi vor der Uni
Claudi vor der Uni

Schriftstellerchens Tipps 2

Nachdem ich ein paar Datingtipps gegeben habe, bin ich so frei und teile auch eine Pflegeanleitung für AutorInnen mit.

Ich weiß, wie anstrengend, es für die gleichberechtigte Hälfte des Schreiberleins sein kann, wenn gerade ein Buch geboren wird. Ihr habt mein vollstes Mitgefühl und meine Bewunderung ... So! Jetzt muss ich aber wieder weiterarbeiten, ja?


Wenn du eineN AutorIn Zuhause hast:
- Frage niemals, NIEMALS wie es vorangeht. Wenn es gut vorangeht, wird man es dich wissen lassen. Wenn nicht, machst du es nur schlimmer, wenn du fragst.
- Störe auf keinen Fall in den sehr emotionalen Schreibphasen, davon wird es einige geben. Irgendwann wirst du merken, wenn dein Bu sich in der ZONE befindet - störe dann mit Sicherheit Never EVER!!


- Wundere dich nicht über Tränen, Wutanfälle, Lachkrämpfe, umherfliegende Gegenstände und laute Telefonate. Solange kein »Schaaaaaatz« oder vergleichbare Kosenamen durchs Haus krakeelen, bist du nicht gemeint.


- Bringe ihm zwischendurch gesunde, mundgerechte Snacks, z.B. Apfelviertel, Möhrchen. Bedenke bei der Wahl nicht nur die Nahrhaftigkeit, sondern auch den potentiellen Krümel- und Kleckergrad. Alles, was die Tastatur verstopfen könnte, könnte unter Umständen auch zwischen euch stehen. Und erwarte in dem Moment, wenn du es (leise) servierst, keinen großen Dank. Vermutlich wird AutorIn nur unterbewusst wahrnehmen, dass gerade Essen kam, unterbewusst davon nehmen - doch am Ende sehr bewusst wissen, dass sich liebevoll gekümmert wurde.


- Sorge dafür, dass AutorIn genug zu trinken hat. Auch hier kannst du dezent die Teekanne neu füllen oder einen schönen Saft hereinbringen. Alles, was AutorIns Wohlsein guttut, tut der Geschichte gut und das ist wiederum sehr gut für eure Beziehung!

Habe gehört, Kaffee (auch Autorentinte genannt) sei bei dem schreibenden Volk recht beliebt!
Habe gehört, Kaffee (auch Autorentinte genannt) sei bei dem schreibenden Volk recht beliebt!

- Sprich in einer ruhigen Stunde mit AutorIn ab, ob du künftig mit auf Pausen oder Feierabend achten sollst. Vereinbart konkrete Zeiten, notfalls schriftlich und achte darauf. Hole AutorIn zur Pause und vor allem beim Feierabend vom Schreibtisch weg. Eventuell versucht AutorIn jetzt zu feilschen, verliere dabei nicht die Geduld. Berufe dich auf die Absprachen und darauf, dass ein Werk noch besser gelingt, wenn AutorIn ausgeruht ist. Sei dabei geduldig aber nicht herablassend. Je nach Phase lasse AutorIn gewähren. Vermutlich erkennst du (wie gesagt eh schon), sobald du den Raum betrittst, ob sie/er gerade in der Zone ist - noch einmal: störe dann auf keinen Fall!! Sitzt AutorIn jedoch nur vor dem Bildschirm und versucht krampfhaft das Blatt zu füllen, hole sie/ihn auf jeden Fall da raus.


- Kümmere dich um Freizeitaktivitäten! Schlage AutorIn einen schönen Spaziergang oder Stadtbummel vor, bringe sie/ihn raus, locke notfalls mit gutem Kaffee und Kuchen in einem Lokal. Geht zusammen ins Kino, Theater oder auf Ausstellungen. Sei verständnisvoll, wenn irgendwo ein Buchladen auftaucht! Ermuntere AutorIn zusammen etwas Schönes zu kochen, verabredet euch dazu.


- Interessiere dich für die Recherche! AutorIn hat sich in ein neues Thema verbissen? Großartig, lass sie/ihn schwadronieren, schlage vor, Ausstellungen zu dem Thema zu besuchen. Beschäftige dich mit dem Material, dass AutorIn zusammenträgt (ohne es durcheinanderzubringen!!). Frage von dir aus, ob sie/er Unterstützung braucht.


- Wenn das Buch fertig ist:
Zumeist liefert AutorIn das Manuskript beim Verlag ab, der sich dann einige Tage/Wochen nimmt, es durchzusehen. Zum Beispiel diese Zeit ist perfekt geeignet für einen Urlaub! Entführe AutorIn in ein Spahotel im Umland oder zum Ausspannen ans Meer oder zum Wandern in die Berge. Hier hast du Gelegenheit mehr von deinem schreibenden Schatz zu haben, als nur den raubtierhaften Sex, den es während einer heißen Schreibphase immerzu gibt, um AutorIns Stress abzubauen. Hier könnt ihr mal wieder über etwas anderes reden, als das Thema des aktuellen Werkes. Erzähle, was du so gemacht hast. Zeige, wie stolz du auf AutorIns Arbeit bist.

Und dass du neben all dem Chaos und der Unsicherheit, all den Dämonen die im Kopf des Schreiberleins herrschen, ein ruhender Pol bist, der sie/ihn immer wieder anziehen wird.

Schriftstellerchens Tipps

 

Ich habe vor einiger Zeit wieder angefangen, zu daten (Frühling und so) und überlege, ob ich diese Liste künftig einfach vor der 1. Verabredung versende … Da ich auch um die Bedürfnisse meiner Kollegen weiß, stelle ich diese Zeilen gerne zum Weiterverbreiten zur Verfügung!

 

 

Lieber Empfänger,

ein Schreiberlein ist offenbar so von dir begeistert, dass es sich von seinem Schreibtisch wegbewegt hat, um dich in aller Öffentlichkeit zu treffen. Du bist so toll, dass es gerade vor dir sitzt, kein Buch zwischen euch aufgeschlagen hält und dich fasziniert anlächelt. Vermutlich warst du auch klug genug, diese possierliche Art Mensch nicht mit Äußerungen wie: „Naja, mit Literatur hab ich’s nicht so“ oder „Ich lese ja eher wenig und wenn dann nur Internetartikel“, zu vertreiben! Dann kommen hier ein paar weitere Regeln, die zu beachten sind. Denn wenn du wirklich landen, bzw. generell mit AutorInnen anbändeln willst, frage niemals:

 

„Kann man davon leben?“

Ich meine, was erwartest du, was ich darauf erwidere? Soll ich meinen eigenen Puls fühlen und dann sagen: „Sieht so aus!“

 

„Wie lange schreibt man denn so ein Buch?“

Eeeeeh!

 

„Wie viel verdient man denn damit so?“

Eeeeeeeeeeeh!

 

„Wie viele Seiten hat denn dein Buch?“

Der Sinn dieser Frage hat sich mir noch nie erschlossen. Beeinträchtigt das deine Kaufentscheidung oder in dem Fall auch ob du mich weiterhin treffen willst, wenn es unter 300 Seiten hat?

 

„Wie geht es mit dem Buch voran?“

Never ever ask this!!! GLAUB MIR!

 

„Schenkst du mir ein Exemplar?“

 

„Wann kommt dein nächstes Buch raus?“

 

„Ich schreibe ja selbst immer mal ein bisschen. Wenn ich mehr Zeit habe, beende ich mein Buch auch. Gibst du es dann deinem Verleger und legst ein gutes Wort für mich ein?“

 

„Ist das autobiografisch?“

Die Klassikerfrage der Nichtschreiber bzw. Menschen, die mich niemals verstehen werden. Spätestens jetzt weiß ich, dass uns Welten trennen und ich dich, auch wenn du sehr hübsch bist, nie wieder sehen möchte!

 

 

(Im Übrigen rate ich allgemein davon ab, solcherlei Dinge zu einem Autor respektive Künstler zu sagen, wenn man sich wiedersehen will.)

 

 

Foto: Writers Write
Foto: Writers Write

Und Bonus:

„Oh, ein weiblicher Autor. So wie die, die 50 Shades geschrieben hat?“

Blog: Einfach alles

 

Ein Buch unterm Arm, die Schlüssel in der einen Hand, die Mitgliedskarte zwischen den Lippen, öffne ich mit der anderen Hand die Tür zum Fitnessstudio. Heute das neue Manuskript abgeliefert. Was als Nächstes? Tausend Ideen im Kopf. Flyer erstellen? Schon mal Verlage für ein neues Projekt anschreiben? Und sollte ich mir nicht besser jetzt Gedanken, zu dem Buchtrailer machen? Und wie wäre es, einfach mal ein neues Buch zu schreiben?
Fräulein Feldhaus immer auf Trapp, immer gehetzt. Mama muss noch angerufen werden, vergiss nicht die Maße, die Kira wollte. Und wann geht es morgen im Büro nochmal los? Ah, normal um 12 - dafür abends bis 22 Uhr! Vorher zur Prophylaxe; die Zähnchen müssen auf der Buchmesse funkeln! Katzenfutter muss ich dann übermorgen früh holen vor der Arbeit. Dann die Lektorin anrufen. Zwischendurch die Fenster putzen. Und lesen-lesen-lesen! Dieses Jahr mindestens 60 Titel. Das schult mich in meinem Stil. Und was war das nochmal mit dem neuen Buch? Idee ist da, nun muss ich recherchieren. Aber vorher ein paar Kilo abnehmen! Normales Programm im Kopf von Fräulein Feldhaus, die "unermüdliche Feldmaus".

Aber heute ist Mittwoch, das heißt Entspannung. Mittwochabend geht es zum Bio-Yoga bei Eric.
Eric, der gesündeste Mensch den ich kenne. Veganer, 1,93 groß, niemals krank. Nur letzte Woche hatte er eine kleine Zehrung. Kein Problem - ging mit Gymnastik weg. Mit Übungen, die er selbst entwickelt hatte. Schon konnte er abends wieder die Powerkurse geben. Von ihm habe ich so viel über Ernährung, Atmung und Haltung gelernt. Ich konsultiere ihn seit fast 3 Jahren, dank ihm habe ich nie Rückenschmerzen, bin auch nach einem 6-stündigen Schreibmarathon noch beweglich. Einmal hier gespannt, einmal da gedehnt, dazu grüne Biogurke und wenig Salz am Essen. Fertig ist die Schlangenmenschin unter den Autoren. Und überhaupt: Sehnscheidenentzündung, Maushand? Hatte ich seit einem Jahr nicht mehr!
Fräulein Feldhaus hat keine Zeit, krank zu werden. Nichtmal ein Jahr, bis ich 30 werde, ich habe doch Ziele bis dahin! Es muss weitergehen, es muss laufen.

Svetlana kommt mir entgegen, Erics feste Freundin. Blass sieht sie aus, obwohl sie offenbar gerade den Powerkurs gegeben hat.
»Wo haste denn deinen Mann?«, grinse ich.
»Im Krankenhaus!«, erwidert sie stumpf.
Unter mir tut sich der Boden auf.

Zweifacher Bandscheibenvorfall, zwei Bandscheibenwölbungen. Eric kann sich nicht bewegen. Svetlana gibt erstmal seine Kurse. Mal sehen, ob er überhaupt wiederkommen kann. Aber selbstständiger Trainer kann er nicht mehr sein, die Powerkurse sind für ihn nie wieder zu machen. Eric ist 37.
Er kann nie mehr seiner Leidenschaft frönen und Selbstverteidigung unterrichten oder Menschen an ihr Limit der Ausdauer, an das Maximum ihrer Muskeln zu treiben. Nie wieder beweisen, was für ein kraftvolles Wunderwerk der menschliche Körper ist.

Ich sinke auf der Bank in der Umkleidekabine in mich zusammen. Alles ist auf einmal ganz weit weg. Ein neues Buch zu schreiben, ehe das aktuelle im Lektorat war. Auf der Buchmesse erneut 1000% Prozent zu geben, und am nächsten Tag wieder Vollzeit arbeiten zu gehen. Und müssen die Fenster wirklich diese Woche geputzt werden? Eventuell lasse ich mir noch zwei Monate Zeit, bis ich den BMI von 20 zurückhabe. Und vielleicht, nur vielleicht, sind drei Publikationen bis 30 nicht auch richtig, richtig toll?

Alles ist toller, einfach alles, als mit Ende 30 nicht mehr schreiben zu können!

Mein Messebericht: LBM 2016

Ratet, wer jetzt pipi muss.
Ratet, wer jetzt pipi muss.

 

Für diese Leipziger Buchmesse hatte ich mir persönlich Großes vorgenommen, nachdem ich spitzgekriegt hatte, dass meine deutsche Lieblingsautorin Nina George zugegen sein würde.

Doch am Morgen meines ersten Messetages, den Samstag, kam dann alles anders, als ich geplant hatte. Aus Gründen hatte ich die zwei Nächte zuvor wenig bis gar nicht geschlafen und gönnte mir mit etwas Trödelei die nächstspätere S-Bahn von Halle nach Leipzig zu nehmen.

 

Darin sah es in etwa so aus:

 

 

Am Messegelände begrüßte mich der Himmel grummelig, zum Glück hatte ich schon einen halten Liter Milchkaffee intus und ließ mir von diesen dicken Wolken kein schlechtes Omen andichten.

 

Ich flitzte mit Jacke, Gepäck und meinen wollenden Socken in den Winterstiefeln durch die Glashalle, schlängelte mich um die kunterbunten Cosplayer und drängelte mich durch den Flur in Halle 5 hinein. Und da stand sie dann plötzlich vor mir. Nina George. Sie sammelte ihre Unterlagen nach ihrer Veranstaltung zusammen, lachte mit ihren Kollegen und atmete ganz so, als sei sie ein normaler Mensch. Klein-Claudi erstarrte zu ihrer persönlichen Fan-Girl-Salzsäule.

Frau George drehte sich um, erblickte diese Hülle meines Selbstbewusstseins und begrüßte mich (MICH!!!).


Der restliche Verlauf dieser Begegnung ist vermutlich etwas für meine Biografie ...

Nina George & Claudi Feldhaus | Autorin
Ich mit Nina George auf der LBM2016: Stellt euch im Hintergund Glitzer-Regenbogen und konfettipupsende Einhörner vor!

 

Geflasht nach diesem Erlebnis entschwebte ich in Halle 2 zum Verlagsstand El Gato, wo sich die Kollegen erstmal um mich kümmern mussten, bevor ich wieder fähig war, mit Menschen über Bücher zu reden.

Lucie Müller - Kriegssinfonie & Claudi Feldhaus | Autorin
Lucie Müller - Kriegssinfonie & Claudi Feldhaus | Autorin

 

Ganz besonders süß war die wundervolle Lucie Müller, Geek genug meine Situation zu verstehen.

 

Das Finale der Trilogie Kriegssinfonie feierte auf dieser Messe Premiere. Wir alle waren mir ihr natürlich mächtig stolz auf diesen Meilenstein.

Jonathan Philippi - Mary Island & Claudi Feldhaus | Autorin
Jonathan Philippi - Mary Island & Claudi Feldhaus | Autorin

 

Auch Jonathan Philippi war wieder mit von der Partie. Mit ihm gab es Fachgespräche und einen Austausch über unsere neuen Projekte.

Susanne Leuders - Entenya & Claudi Feldhaus | Autorin
Susanne Leuders - Entenya Saga & Claudi Feldhaus | Autorin

 

Und selbstverständlich war auch die Powerfrau schlechthin dabei.

Susanne Leuders, die gleich 2 Lesungen für ihren Jugend-Thriller Angels Fall hielt!

Und nun zu mir: für meine Romantasy Zimazans hatte ich ja eine kleine Überraschung vorbereitet. In den Leseprobenheften gab es 2 neue Illustrationen, die ich extra für die Messe gezeichnet hatte. Die Hefte gingen weg wie warme Semmeln und Samstagnachmittag hatten wir nur ein Exemplar von der romantischen Dystopie Zimazans übrig!

 

 

Jonathan Philippi hatte die Idee, dass ich dort hinein doch etwas zeichnen könnte, um damit einen wahren Fan noch glücklicher zu machen. Nachdem er mir sogar einen Bleistift organisiert hatte, setze ich mich also hin und skizzierte eine Figur aus dem Roman.

 

Ich glaube, zu erraten, wer das ist, kann nur ein aufrichtiger Fan ...

Dieses Exemplar wollte ich dann unbedingt nur einem Lesefreund und Otaku der Superlative anvertrauen. Sonntagvormittag war es so weit:

 

Einem megasüßen Mädchen - das mich in ihrem Gebaren so völlig an Teenager-Claudi erinnerte - explodierte das Lächeln als ich, nachdem ich ihr etwas über das Buch erzählt hatte, auch noch die Skizze zeigte.

 

 

 

 

 

Ihr glaubt nicht, wie schön es für AutorInnen ist, das Buch nicht nur zu verkaufen, sondern zudem zu wissen, dass es in ein liebevolles Zuhause kommen wird!

Außerdem bekam ich selbst Besuch am Stand vom Verlagshaus el Gato.

Zum Beispiel von der wunderbaren Elena vom Zeilenzauber und der Autorin Nadja Losbohm.

Bücherwurm-Zusammenkünfte könnt ihr euch in etwa so vorstellen:

Nadja Losbohm - Die Jägerin & Claudi Feldhaus | Autorin
Nadja Losbohm - Die Jägerin; Claudi Feldhaus und Elena Ernst auf der LBM2016

Danach ging ich selbst schmökern und Bücher kaufen. Besonders hatte ich es natürlich auf Nina Georges neues Baby abgesehen.

Meine beste Freundin Rey liest das Traumbuch :)
Meine beste Freundin Rey liest das Traumbuch :)

 

Ich besuchte selbstverständlicherweise den Jaron Verlag in Halle 5, für den ich meinen neuen Berlinroman Vegane Waffeln schreibe und dann noch den Stand der Autorenwelt, wo ich Jasmin Zipperling einmal persönlich treffen konnte.

 

 

Am Nachmittag endlich bekam ich neben einem hierfür-gibt-es-kein-Adjektiv Gespräch mit Frau George Das Traumbuch mit Signatur.

Ich hatte die Nacht von Samstag auf Sonntag übrigens wieder nicht geschlafen, darum entschied ich mich schon am selben Abend nach Berlin zurückzufahren, und nicht nochmal zu meiner Schulfreundin nach Halle zurückzukehren. Ich musste dringend in mein eigenes Bett!
Und stellt euch vor, ich habe ganze 7 Stunden wie ein Stein durchgepennt!

Frauchen ist wieder da!
Frauchen ist wieder da!

 

Und wie immer kommen jetzt die Best-of Zitate der Buchmesse:


1: »Na das Cover muss mich halt überzeugen!«
Ich: *auf Zimazans zeig* »Wie finden Sie denn dieses?«
1: »Einfallslos!«

2: »Nein es ist nett, dass sie mir das erklären. Heutzutage kann man ja von keinem erwarten, dieses Wort zu kennen. Welcher absolute Fanatiker der deutschen Sprache weiß schon, was Dystopie bedeutet.«
Frank: *auf mich zeig* »Die da!«

Ich, zu einem etwa 11-jährigen Mädchen: »Was liest du denn gerne?«
Mädchen: »Eigentlich nicht viel. Bücher sind nicht so meins.« *dennoch stehen bleib*
Ich: »Okay!« *wegdreh und zu keinem weiteren Gespräch bereit sei* (mit solchen Menschen will ich einfach nichts zu tun haben)

Nina George: »Hallo!« *Hand reich* »Ich bin Nina George!«
Claudi: *Stimme wie Butter* »Ich weiiiiiiiß!«

Schriftstellerchens Abenteuer 2

Mimi, Zippora und Vanessa sitzen mir gegenüber, sie killen eine zusammen Flasche Sekt.

Sie reden über ihre Techtelmechtel. Es geht um gebrochene Herzen, eigene und männliche. Um mehrere Eisen im Feuer. Um Anziehungskräfte. Um Dinge, die mal gar nicht gehen. Und je leerer ihre Gläser werden, desto tiefer lassen sie blicken; desto detaillierter wird es. Stehvermögen von Mittzwanzigern, betrunkenen Fehlentscheidungen, zwei Wochenenden in Folge, an denen man überraschend denselben Typen mit nach Hause nimmt.
»Aber das Jahr ist ja noch jung - mal sehen, was ich erlebe, wenn erst Frühlingsgefühle um sich schlagen!«, endet eine von ihnen und die Drei lachen.


Ich sitze da, halte mich mit beiden Händen an meiner Tasse Kräutertee fest, fühle mich wieder wie die Jungfrau zwischen den Ballköniginnen und sage leise: »Für ich läuft es auch gut ... zum Beispiel die Reading Challenge ... ich habe in 2016 schon 15 Bücher gelesen!«

Schriftstellerchens Abenteuer

 Als ich letztens zufällig an Frau Merkels Telefonnummer kam, und sie anrief, um mit ihr Stabreim zu schreiben, sprangen vermummte Mannen durch das geschlossene Fenster, fingen mich ein und schleppten mich in den Hubschrauber, der vor dem Fenster segelte.

 

Wenige Stunden später fand ich mich im Kerker des Bundeskanzleramtes wieder, neben mir Blogger, Street Art-Künstler und S-Bahn-Musikanten. Letztere sorgten unentwegt für Beschallung.

 

Die Rettungsaktion durch meine besten Freunde scheiterte kläglich, da sie sich vom Glitzer der Überwachungskameras ablenken ließ und er vom Wachmann direkt vor meiner Zelle. So saßen sie neben mir und sie beteuerte, dass sie es doch wirklich fast geschafft hätten und er hockte an den Gitterstäben und schnalzte dem Wachmann zu.

 

Ich sah mich schon auf ewig eingesperrt, ohne Schokolade, Bücher und W-Lan, als wir einen lauten Knall vernahmen. Im nächsten Moment stand der Zellentrakt in dichtem Nebel, jemand streckte den Wachmann mit einem Schlag nieder und sprengte dann unsere Tür.

 

Ein Ninja in schweren Tretern schwang herein, warf mich über die eine Schulter, meinen Freund über die andere und steckte meine Freundin unter den Arm und rannte mit uns hinaus. Kurz darauf fanden wir uns in einem Motorboot auf der Spree wieder und brausten in die dunkle Nacht. Der Ninja nahm die Maske ab und enthüllte das Gesicht meiner Lektorin. Böse funkelte sie mich an und sagte: „Frau Feldhaus, für so einen Unsinn ist keine Zeit - Sie haben eine Abgabefrist!“

so ein Katzenleben

Trinchen sein, ist schön!
Ich würde auch gerne als Allererstes von meinem Mitbewohner gefüttert werden, sobald er nach Hause kommt.
Ich würde ja total gern aufs Sofa hüpfen, mich ankuscheln; gestreichelt und auf den Schoß genommen werden.
Ich würde auch super-gerne nach dem Weckerklingeln mit unter die Bettdecke kriechen und mit meinem beruhigenden Geschnurre davon abhalten, pünktlich aufzustehen.
Und wie gerne würde ich maunzend hinter jemandem herrennen, wenn mir irgendetwas nicht passt und ihn damit wahnsinnig machen!

Ich helfe beim Kreativprozess, siehst du das nicht?!
Ich helfe beim Kreativprozess, siehst du das nicht?!

29

Zeit für eine neue Bilanz.


28 bis 29: bewegend, verstörend, erkenntnisreich.


Die zarten Falten, die an meinem letzten Geburtstag meine Stirn schmückten, sind verschwunden. Nicht, dass ich bewusst etwas dafür getan; ich dieses Jahr mit weniger Lachen, Denken, Weinen verbracht hätte. Das kann nun niemand behaupten. Ich habe unheimlich viel geweint. Und gelacht.


Ich war oft so wütend, dass ich es nicht aushalten konnte. Sehr oft.
Bin abgrundtief enttäuscht worden. Mehr als oft.
Ich war für ein paar Wochen törichtdoll verliebt. Auf die erbärmliche, wundervolle Art, die ich gerne meinen Charakteren andichte. Jetzt weiß ich, dass es geht.
Alles Recherche.


Ich genieße Zeit, die ich mit meiner Mutter oder meinem Vater verbringe. Ich erkenne, wie sehr sie mir Pfeiler und Stütze sein könnten, wenn ich sie bräuchte. Und dass sie  schätzen, wie selten ich sie brauche.


Sehe ich heute in den Spiegel, blickt mich noch immer eine erwachsene Frau an. Älter sieht sie nicht aus, aber klüger, belesener. Und vielleicht ein kleines bisschen ruhiger als letztes Jahr.

Sie gefällt mir immer besser.

Buch Berlin 2015 - mein Messebericht

Hach ja, wieder einmal komme ich von zwei sehr intensiven Buchmessetagen nach Hause. Es waren einmal mehr viele, liebe Verrückte an unserem Stand - sowohl Leser und als auch Kollegen und solche, die es werden wollen.
Vielen Dank für die tollen Stunden am Stand, Andrea el Gato, Frank Selle und tadaaa: Claudia Gabriele Meinicke - ja ich habe eine weitere Claudia kennengelernt, wie zu erwarten, ist sie ziemlich awesome ^^

Ich habe außerdem fleißig meine und fremde Bücher verkauft!

Schade, Susanne Leuders, dass du nicht da warst; dein neues Baby und ich mochten uns so sehr, dass ich es reihenweise weggegeben habe!

 

Claudi Feldhaus | Autorin
Hoher Besuch am Stand: Luna vom Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz Berlin (Klick: http://www.indulgenz.de/)

 

Außerdem habe ich mich gefreut Miriam Stephanie Reese,

Ann-Kathrin Karschnik und

Elena Ernst wiederzusehen & überdies Schwester Luna Emilia Ospi,

Evelyn Barenbrügge, Michael Rau und Björn Bedey einmal persönlich zu treffen - ich hoffe, die Zukunft hält für uns viel Schönes bereit.


...


Nun könnte ich hier allerhand skurrile/lustige/denkenswerte Begegnungen und Gespräche wiedergeben, aber ich habe mir vorgenommen, euch nur ein Best-of zu präsentieren:


Platz 3:
»Guten Tag.«
»Hallo, ich glaube, bei Ihnen finde ich nichts!«
»Oh ... was lesen Sie denn?«
»Na eigentlich alles ... außer Fantasy!«
»Nun, wir haben ja nicht nur das. Wie wäre es mit einem Thriller?«
»Nee, das kann ich gar nicht ab!«
»Dann vielleicht ein lockerer Liebesroman?«
»Oh Gott nein, das mag ich auch nicht.«
»Vielleicht etwas Historisches?«
»Nee, auf keinen Fall.«
»Dann lesen Sie von Allem also doch nicht alles. Welches Genre passt demnach zu Ihnen?«
»Ich mag nur Sachbücher!«


Platz 2:
»Guten Tag!«
»Tag ... warum ist denn bei euch auch Fantasy? Die ist doch nur oben bei der Homoerotik!«
»Wie du siehst, ist dem nicht so. Außerdem haben die meisten Kollegen im Raum auch Fantasy auf ihren Tischen.«

(Ich bemerke hier, dass wir in der hinteren Ecke des Raumes waren, d.h. der gute Mann ist an mindestens 3 fantasylastigen Ständen vorbeigekommen)
Er: »Ich HASSE Fantasy!«
Ich: »...«
»Ich lese nur Sience Fiction und Fantasy *wie ein Schimpfwort aussprech* verdrängt die Sience Fiction.«
»...«
»Sience Fiction ist logisch, sie baut auf darauf auf, dass wir einen Fall annehmen, von dem aus sich das ganze Universum entspinnt.«
(Ich bemerke hier, dass er das bei weitem nicht so eloquent ausgedrückt hat.)
»Fantasy *wie ein Schimpfwort aussprech* ist einfach nur Rumgespiele, in dem keine Regeln gelten. Im letzten Moment zieht immer einer ein Flammenschwert aus der Wand ...«
Ich: »STOPP!« *mittlerweile ziemlich sauer* »Sind Sie hier, um zu pöbeln oder wollen Sie jetzt wirklich mit uns Fantasyautoren über Logiken in guter Literatur streiten?«
Er guckt mich groß an. »Ich will ja niemanden angreifen ...«
»Warum kommen Sie dann auf eine Buchmesse, stellen sich mitten in den Raum und halten Vorträge über Logik, die ihrer eigenen Logik *wie ein Schimpfwort aussprech* nicht gehorcht?«
Er wiegelt weiter ab, doch ich unterbreche ihn.
»Nach Ihrer Logik ist hier alles auf dem Tisch Sience Fiction und keine Fantasy, denn all diese Bücher gehorchen logischen Regeln. Das von Ihnen dargelegte Flammenschwert aus der Wand ist ein ähnliches Mittel, wie es der schlechte Krimiautor nutzt, der im letzten Kapitel eine neue Person aufführt!«
Er nimmt schließlich mein Buch Zimazans und liest den Rückentext. »Das hier ist ja keine Fantasy, das ist ja Fantastik!« Dann nimmt er sich einen Zimazansflyer und geht davon.
(Teilweise ist das anders passiert. Vermutlich hatte auch ich mich vor Wut nicht so eloquent ausdrücken können. Aber so oder so: ich hab gewonnen!)

Claudi Feldhaus | Autorin
Claudi Feldhaus auf der Buch Berlin 2015

 

Platz 1:
»Guten Tag!«
»Hi!« *auf Zimazans zusteuer* *angrapsch* »Daaaaaas lese ich gerade auf dem Kindle!«
»Ach so?!«
»Die Geschichte ist ja echt gut, aber ich sage dir .... die Illus sind megahässlich!«
»...« *leise schluck*
»Dabei ist das Cover so toll - es ist so bunt! Ich wollt' mal gucken, ob die Zeichnungen im Print schöner sind.« *blätter* »Nee, sind die gleichen. Guck' mal: Das sind ja nur Striche, die zusammengenommen ein Bild ergeben.«
»Ergeben Striche, die zusammenkommen, nicht oftmals ein Bild? Ich dachte, das sei der Sinn einer Zeichnung.«
»Nee, so is das voll hässlich! Das Cover ist schön, die Geschichte auch. Die Bilder hätten bunt sein müssen, dann wären sie okay!«
»Du kannst sie ja ausmalen!«
»Haha, nee lass mal. Wie auch immer, die Autorin sollte lieber nur beim Schreiben bleiben, das kann sie besser!«
»Wenn du meinst ... aber ich denke, sie wird weiter machen, was sie will.«
»Denke ich auch - mache Leute checken‘s halt nicht.«
(Mein Namensschild hatte ich kurz vorher irgendwo verbummelt - darüber war ich dann zugleich froh und enttäuscht ...)

klein-Claudi probiert was Neues!

Claudi Feldhaus | Autorin
Erst Verlag finden, dann Buch schreiben ... mal gucken, ob das klappt ^^

Mein eigener Kopf

Der Zug um den Mund ... die Augen ... unverkennbar! ^^ Claudi Feldhaus | Autorin um 1997
Der Zug um den Mund ... die Augen ... unverkennbar! ^^ Claudi Feldhaus | Autorin um 1997

Papa fand dieses Foto von mir beim Aufräumen und fragte mich, wann das gewesen sein mochte. Er tippte auf 1999, wo ich schon 12 war.
Anhand der Frisur erkannte ich aber, dass ich da gerade in die vierte Klasse gegangen sein musste. Denn ich trug diesen Bob mit der einzelnen langen Strähne, als ich noch auf die Clara-Zetkin(!)-Grundschule ging - Sie können sich vorstellen, was so eine Frisur um 1997 auf dem Land für ein Ding war!
Ich hatte mir gar nichts dabei gedacht, als ich der Friseurin eine Locke wegnahm und rief: »Die nicht!«
Mama stand dahinter und meinte erst: »Kind, das geht doch nicht!«
Die Friseurin aber kam mir zu Hilfe und sagte in etwa: »Ach lassen Sie ihr Ihren Kopf - in die Strähne können Sie Perlen reinflechten!«
Das überzeugte meine Mutter offenbar.
Perlen trug ich darin mal so 5 Minuten, die restliche Zeit wurde ich gefühlt für diese innovative Frisur bewundert und relativ gleichzeitg schief angeguckt. Doch bald gewöhnten sich alle daran. Außer mir. Ein paar Wochen später nervte sie mich dann sehr, also kürzte ich die Strähne selbst mit einer Nagelschere auf eine Länge mit dem Rest.

Papa gab sich erstaunt, als ich ihm erklärte, aus welchen Gründen ich auf diesem Bild höchstens 10 bin. Zitat: »Du guckst da schon seeeehr wissend!«
Mir wurde offenkundig ja auch früh mein Kopf gelassen!



PS. Und ja, damals habe ich bereits geschrieben und gezeichnet. Ich glaube, das war die Zeit, als ich an meinem "ersten" Roman arbeitete. Es ging um Delfine, einsame Inseln, Schätze, Piraten und ein kluges Mädchen, das mit den Tieren sprechen kann. Habe diese Arbeit nie beendet und weiß heute auch nicht, wo sie abgeblieben ist ... -.-

Katz'n'Roll

dann war 5 Minuten Ruhe ... Claudi Feldhaus | Autorin
dann war 5 Minuten Ruhe ... Claudi Feldhaus | Autorin

Ein Jahr

Gestern las ich "Das Lavendelzimmer" von Nina George aus.

Die Geschichte von Vic und Max hatte es mir besonders angetan und ich habe mir vorgestellt, wie das so war, als er ihr ein Jahr lang den Hof machte. Wollt ihr es auch wissen? Dann warne ich alle, die das Buch noch lesen wollen (UNBEDINGT!) und ein sehr gutes Gedächtnis haben - der Text enthält jede Menge Spoiler!

Hab das übrigens schnell runtergeschrieben. Für die Richtigkeit des Französischen und allen Buchdetails, kann ich also nicht wirklich garantieren (weil das Lavendelzimmer zuhause ist, ich aber nicht).

Bild: http://www.winerist.com/tours/provence
Bild: http://www.winerist.com/tours/provence

Madame betrat den Taubenverschlag und fand Maxens Bett wie jeden Morgen verschwitzt, zerwühlt und leer. Das krisselige Laken, das platt gerollte Kissen, die verknotete Bettdecke zeugten von seinem allnächtlichen Kampf – der eines liebestrunkenen Mannes. Sein Schreibtisch: voll mit halbvollen Notizzetteln, Kaffeetassenrändern, Tränen. Überall Spuren von seinem gebrochenen Herzen -wohl eher einseitiger Zuneigung, aber er verstand es gut, zu leiden- aber keine Spur von Max.

Madame seufzte schwer, konnte nicht anders als wenigstens die Bettdecke aufzuschütteln und ein für alle Mal zu beschließen: Der Junge braucht Ablenkung!

Noch vor dem ersten zartrosa Sonnenstrahl über den Weinbergen war Max Jordan aufgebrochen, die Steigen hinaufmarschiert, die allmählich auch seine Waden muskulös werden ließen und in die Victoria Hänge gepirscht. Von weitem hörte er schon ihren Traktor. Der morgendlichen Kühle trotzend trug Vic die sonnengebleichten Shorts, das fleckige bordeauxrote Top von gestern und ihre Gummistiefel. Der Rest ihres starken, gebräunten Körpers lag frei. Noch klemmte ihr Basecap zwischen ihren strammen Schenkeln, ihr langes dunkles Haar flatterte im Wind. Behände lenkte sie das Ungetüm von Fahrzeug um die Ecke, grinste als sie ihren Serviettenbenutzer erblickte, spukte den Kaugummi vor seine Füße und bremste dann den Traktor. Die Muskeln ihrer Oberarme kamen noch mehr zum Vorschein, als sie die Handbremse anzog, und Max aufspringen ließ. Vor einer Woche noch hatte er Glück, wenn sie wenigstens langsamer fuhr, damit er hinaufklettern konnte. Aber dann war er gefallen, hatte sich das Knie aufgeschrammt und das hatte sogar ihr leidgetan.

„Bonjour ma belle Vic!“, sülzte er grinsend wie ein Sonnenkönig

„Salut Stadtkind“, lächelte sie und warf den zweiten Gang rein. Der Erste klemmte. Sie gab Gas und fuhr an, sodass es beide ruckartig nach hinten zog. „Ich muss das mal reparieren“, befand sie.

Sie fuhren den Pass hinauf, Vic parkte den Traktor an der gleichen Stelle wie jeden Morgen, und sie liefen die letzten Meter zu Fuß. Auch heute bot Max ihr an, den Rucksack mit dem Frühstück zu tragen und Vic verneinte. Den schmalen Weg mussten sie hintereinander gehen. Max betrachtete verstohlen ihre Rückansicht, die dicken Waden, den kleinen Po, ihr definierter Rücken unter dem Top, die breiten Schultern. Vic war un peu größer als er und ihr Kreuz breiter, ihre Oberarme dicker, die Haut braungebrannt von 21 Jahren provenzalischer Sonneneinstrahlung. Vorgestern hatte er sie gesehen, wie sie mit einem Jungen, der das Pendant zu ihr bildete, rumgeknutscht hatte. Natürlich hatte es ihn verletzt, aber er hatte kein Recht, sie danach zu fragen. Natürlich nagte es an seinem maroden Herzen und er musste sie unbedingt danach fragen. Sie setzten sich nebeneinander auf die kleine Holzbank, sahen über die Weinberge ins Tal, genossen den morgendlichen Wind.

„Was hast du denn?“, fragte Vic mitten in ihr schönes Schweigen hinein.

„Was? Ich bin wie immer.“

„Non, du bist heute anders leise als sonst.“

Max sah sie an. Erst einen halben Sommer und dennoch kannte sie ihn so gut! „Was ist das mit dir und Raoul?“, fragte er unvermittelt.

„Machst du dir Sorgen?“, sie wunderte sich gar nicht, dass er davon wusste.

„Ja. Ja, Vic, ich mache mir Sorgen!“

Anstatt dass ein Wortgemenge zwischen ihnen aufkam, statt Vic ihm vorwarf etwas von ihr zu verlangen, was ihm nicht gehörte, anstatt er laut befürchtete, er müsse etwas teilen, was nicht mal im Ansatz seines war ... Dass sie so wäre wie Manon, aber er nie wie Luc oder Jean. Stattdessen sah er sie einfach nur an und sie sah zurück.

„Mach dir keine Sorgen!“, sagte sie ernst. Dann lächelte sie und wiederholte: „Mach dir keine Sorgen.“

Sie wich seinem Blick aus, und holte dann das Frühstück hervor. Beherzt biss sie in das warme Croissant, er nahm einen rotweißen Apfel aus dem Rucksack, teilte ihn mit ihrem Taschenmesser und reichte ihr die Manonhälfte.

Ohne zu zögern versenkte sie ihre Zähne darin, Blätterteig und Fruchtsaft hingen an ihren trockenen Lippen.

„Maman hat mir meines und ihr Leben geschenkt, Max. Ich koste es aus. Ich werde es nutzen, ich werde es lange, lange genießen. Es ist zu wertvoll, doppelt wertvoll, als dass ich mich festlege.“

„Ich weiß, Vic“, flüsterte er.

„Ich will … ich brauche meine Zeit.“

„Ich werde warten.“

Den Weg zurück lief er voran. Sie betrachtete seine schmalen Schultern, die hellen Ränder, die unter seinen T-Shirt Ärmeln hervorlugten. Überhaupt seine weißen, weichen, dünnen Arme. Eine Hand umklammerte den leeren Rucksack. Seine Klavierhände. Seine schlanken, wunderschönen Finger. Er war so ganz anders als die provenzalischen Jungen!

Vic fuhr zur Arbeit, Max lief wieder zurück zum Taubenverschlag. Heute, heute endlich würde er ein paar Seiten schreiben, anstatt nur wirres Zeug, Ideenklumpen auf fleckige Blätter zu schmieren. Doch Madame erwartete ihn am Gartentor.

„Hätten Sie wohl einen Augenblick mir zu helfen, mon cher? Schauen Sie dort, der Fensterladen ist schon lange lose. Mein Mann tut sich so schwer auf der Leiter …“

„Reden Sie nicht weiter, ma chére Madame!“, versicherte Max freundlich und holte die Leiter und den Werkzeugkasten aus dem Schuppen. Von dort oben sah er den Dreck in den Regenrinnen, dann ein paar morsche Schindeln und oben auf dem Dach, dass ein Ziegel im Schornstein fehlte. Und so wurden aus dem Augenblick Hilfe ein fester Bestandteil seines Alltages. Er schaffte vormittags für seine Gastgeber, Unkraut jäten, den Pool reinigen, die Obstbäume beschneiden. Alles wozu Monsieur sich zu betagt vorkam, bzw. seine Frau ihn einschätzte. Wenn die große Nachmittagshitze herrschte, zog er sich in sein Zimmer zurück, schuf Tag für Tag brauchbareres Material und war abends so müde, dass er endlich wieder Schlaf fand. Das tat ihm gut. Der Schlaf, die Arbeit, die Ablenkung. Es hielt ihn davon ab, zu grübeln, Vics Traktor nachzulaufen und grau zu werden.

Vic fiel seine Veränderung bald auf. Aus dem blassen Pariser Schriftsteller mit den Augenringen wurde bald ein goldener, fröhlicher Alleskönner, der von Madame in den höchsten Tönen gelobt wurde und manchmal ihre morgendlichen Frühstücke auf dem Weinberg verschlief - sich aber mit feinen, kleinen Texten, die er bis spät in die Nacht verfasst hatte, zu entschuldigen wusste. So ging das den Herbst, den Winter, wo sie sich ab und an im Café oder auf dem Gut ihrer Eltern trafen, und bis zum Frühjahr.

Dann stand er eines Tages stolz wie ein Spanier vor ihr auf dem Hof, als sie gerade den Luftdruck der Traktorreifen nachbesserte, ein Manuskript in den Händen. „Es wäre mir eine Ehre, die Erste zu sein, die es liest. Aber sag, Max Jordan, bin ich die Richtige?“

„Ich habe mich entschieden!“, erklärte er.

Sie gingen ins Haus und setzten sich ins große Wohnzimmer, Vic hatte sich sogar die Hände gewaschen, ehe sie das Papier berührte.

Ein Kinderbuch also. Sie begann gierig zu lesen, erkannte Worterfindungen, Metaphern und überhaupt überall Max wieder. Der saß erst ungeduldig vor ihr und hibbelte. Dann entdeckte er das Klavier und fragte: „Etwas musikalische Untermalung gefällig?“

Vic nickte nur, war in Gedanken ganz im Buch.

Max griff in die Tasten und spielte eine kleine Nachtmusik. Unweigerlich verbanden sich Noten und das gelesene Wort für Vic, ihre Beine wippten versonnen. Farben, Bilder, die ganze Geschichte spann sich ohne weiteres in ihrem Kopf aus. Mit Max war das einfach. Als sie zu Ende gelesen hatte und aufsah, war er noch immer ganz im Spiel versunken. Er sah so glücklich aus, er spielte so schön, war er schon immer so hübsch gewesen?

Klavierhände. Schriftstellerfinger. Wortzauberer durch und durch.

Ich werde warten, hatte er gesagt und: Ich habe mich entschieden.

Sie wusste noch nicht, ob er ihr reichen würde, ob sie ihn denn niemals satt haben könnte. Oder er sie. Dennoch stellte sie sich zum ersten Mal vor, wie es wäre, den weiteren Weg mit ihm gemeinsam zu gehen.

„Wunderschön, Max Jordan!“, sagte sie dann fest.

Er lachte. „Was gefällt dir am besten?“

„Mir gefällt alles. Das Warten hat sich gelohnt.“

„Ja, die Muse ist mir wieder hold. Ich werde das Manuskript noch heute meiner Lektorin schicken!“

Vic fragte sich, ob er denn wirklich dachte, sie hätte nur das Buch gemeint.

 

Nachtrag:

Die Adaption der Figuren und die Veröffentlichung dieses Textes wurden mir freundlicherweise von der wundervollen Nina George erlaubt.

Tacheles!!

Ihr Lieben, manch einer von euch hat es wohl schon vernommen: Fräulein Feldhaus hat Dinge ausgeheckt und hervorgebracht.

Es geht genau um mein Traumprojekt »Rosenduft & Orchideen«, einem historischen Liebesroman, den ich als Trilogie angelegt habe.

Sehr lange hatte ich mit mir gerungen und verschiedene Möglichkeiten für mich abgewogen. Vor einiger Zeit bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich diesen meinen Herzenswunsch völlig kompromisslos und frei durchziehen will, ohne mir zwischenher von jemandem reinreden zu lassen.

Herausgekommen ist dabei das: http://www.rosenduft-und-orchideen.de/

Schaut es euch in Ruhe an und habt Teil an dieser großartigen Sache!

Es gibt extra für das Buch auch eine Facebook-Seite: www.facebook.com/rosenduft.orchideen

Bitte liked, teilt und unterstützt diese und ebenso mein Projekt, wenn es euch gefällt.

Auf der Webseite ist alles erklärt und über Neuigkeiten werde ich natürlich prompt berichten.


Ihr könnt sicher sein, dass ich mir all das wirklich sehr gut überlegt habe und mich unheimlich darauf freue, mein neues Bücherkind auf diesem Weg zur Welt zu bringen - im wahrsten Sinne des Wortes!!

Alvine, der Blaustrumpf aus Rosenduft & Orchideen von Claudi Feldhaus
Alvine, der Blaustrumpf aus Rosenduft & Orchideen von Claudi Feldhaus

Seelig

Als ein Körper geschaffen wurde, stellte sich eine kleine Seele vor ihn, besah ihn als gut und fragte: „Und? Was hat dieses Menschenkind für eine Aufgabe im Leben?“
„Sie soll geduldig und voll Liebe sein!“, sprach es, „und daraus wird sie großen Erfolg ernten.“
„Oh, was eine schöne Aufgabe. Das übernehme ich gerne. Aber sag doch Gott/Universum/Allmutter/Übergewissen, das klingt so einfach. Ich kenne dich, wo ist der Haken?“
„Nun, sie wird auch analytisch sein, klug und ansehnlich.“
„Das soll eine Krux sein? Wer fühlt sich denn von intelligenten, schönen Frauen bedroht?“
„Sieh in die Geschichte, kleine Seele, sprach es.“


Die kleine Seele tat wie ihr geheißen, verstand, was gemeint war, und dann sagte sie: „Ja gut, nun denn wird sie sich denen nicht zuwenden. Du gibst ihr doch eine recht vorteilhafte Nationalität, in einer guten Zeit, lässt sie in einer wohlwollenden Familie aufwachsen, machst ihr Bildung und eigenes Geld zugänglich. Da braucht sie doch keine von jenen … du weißt schon: Männer. Sie wird sich einfach nur auf Frauen einlassen.“
Es lachte perfide und sodann sprach es: „Sie wird aber Männer lieben. Sie wird von ihnen angezogen und fasziniert sein. Wird sich sowohl körperlich als auch geistig zu ihnen hingezogen fühlen und das so stark, dass sie sich eines Tages dazu entscheiden wird, sie nicht zu hassen, trotzdem Männer ihr bis dahin allen Grund geben werden, es zu tun.“
„Hergottsack!“, stieß die kleine Seele aus, „hast du einen bösen Humor!“
„Nun“, sprach es, „lautet die Frage, kleine Seele: Willst du dieses Leben dennoch führen?“
Die kleine Seele ward aufgestachelt. Von jeher fühlte sie sich von schwierigen Aufgaben angezogen, scheute keinen Wettbewerb, strebte nach Ruhm. Und war nicht Erfolg das Ziel dieses Menschen? Und so sagte sie: „Natürlich übernehme ich das!“
„Also darfst du deinen Kampfgeist mit dir nehmen“, sprach es und dafür war die kleine Seele dankbar. Der würde ihr im rechten Moment noch gute Dienste erweisen. Er würde sie dazu bringen, auf ewig strebsam zu bleiben.

Aber etwas bange wurde ihr dann doch, als sie sah, dass sie fast 30 Jahre lang von Vaterfiguren, Brüdern, männlichen Freunden, Lehrern und Bezugspersonen im allgemeinen, und später Liebhabern immer wieder enttäuscht werden würde. 30 Jahre sind eine lange Zeit, zumal es die ersten, die prägendsten sind.
Die kleine Seele hatte schon in Körpern gewohnt, hatte Schlachten geschlagen, wurde verbrannt, geschändet, kannte Hunger, Vergeltungsdurst, hatte Königreiche untergehen sehen, hatte Familien verloren und neue gegründet. Doch all diese Erinnerungen würden ihr auch in diesem neuen Leben nicht zur Verfügung stehen. Sie musste alles neu lernen und all das würde furchterregend für sie sein, fremd und unvorhersehbar.
Sie sah schon die vielen verzweifelten Stunden dieses Menschenkindes, in denen es sich verlassen fühlte, verraten, dumm und wertlos. In denen ihre Bedürfnisse, ihre Person nicht ernst und angenommen wurde, in denen ihre Träume verlacht, ihre Erfolge verkannt wurden. In denen ihre Liebe nicht erwidert wurde.

Aber sie sah auch all die Kunst, die Schöpfung, die sie hervorbringen würde. Sie sah die Momente mit den wenigen, treuen Freunden, die ihr zur Seite gestellt werden würden. Sie sah, dass unter diesen Weggefährten ebenfalls Männer sein würden. Und sie sah, dass sie trotz alledem ihr Ziel nicht aufgeben würde und das Ziel auch sie nicht. Auf den Erfolg orientiert.
Ja, dazu braucht es Geduld und Liebe, dachte die kleine Seele. Ich werde klug sein, ich werde verstehen lernen, dass ich nur ernte, was ich säe. Dass es mir besser gehen wird, wenn ich mein Herz und meine Augen offen und dennoch meine Ellenbogen angewinkelt halte. Für diese Erkenntnis, nein, da sind 25 oder 30 Jahre nicht viel. Das lernen andere Seelen gar nie!

„Aber warum denn Männer? Warum denn immer die Männer? Wird ihr Leben nicht ausgefüllt und ihr Alltag geschäftig genug sein? Wird sie nicht genug andere Dinge zu tun haben? Künstlerische, schöpferische, selbsterfüllende?“
„Ja, wird sie! Wie verrückt sogar. Und dennoch wird ihr immer etwas fehlen. Denn dies Menschenkind wird überaus romantisch werden und Männer als Projektionsfläche wollen, weil sie Männer so sehr liebt. Sie wird sie so sehr haben wollen, dass sie lernen muss geduldig zu sein, um sie haben zu können.
Und bald wird sie ihren Frieden mit ihnen schließen.“

BLOG: Mein Beitrag in der Federwelt | 112 / Juni+Juli 2015

Claudi Feldhaus | Autorin
Federwelt Nr. 112 Juni/Juli 2015 Seite 47 von Claudi Feldhaus | Autorin
Claudi Feldhaus | Autorin
Federwelt Nr. 112 Juni/Juli 2015 Seite 48 von Claudi Feldhaus | Autorin
Claudi Feldhaus | Autorin
Federwelt Nr. 112 Juni/Juli 2015 Seite 49 von Claudi Feldhaus | Autorin
Claudi Feldhaus | Autorin
Claudi Feldhaus | Autorin

 

 

 

Ganz besonders danke ich

Federwelt-Chefredakteurin Anke Gasch

für die fabelhafte Zusammenarbeit,

liebreiche Anleitung

und den kreativen Austausch.

 

Besser hätte ich es für meine erste Publikation in einer Fachzeitschrift nicht treffen können!

Überlistet


Zu Silvester hatte ich mir eine Liste für 2015 angelegt: Dinge, die ich dieses Jahr erreichen will.
Neben diversen, überaus wichtigen, hatte ich folgenden Punkt aufgeführt: »Mich verlieben und zurückgeliebt werden.« Dahinter kann ich wohl einen Haken machen.
Denn es hat mich arg erwischt! Ich habe jemanden ganz Besonderen getroffen ...
Er ist schön, er ist groß und auch klug. Und sehr ignorant. Der dümmste kluge Mensch, den ich kenne.

Das zu erkennen, hat wehgetan. Fast so sehr wie meine Konsequenz daraus zu ziehen. Und meiner Entscheidung Folge zu leisten.

Es geht nun wieder allein weiter. Das ist mehr als okay, vor diesem kurzen, intensiven Traum ging es mir auch ziemlich gut.
Hart ist der Verzicht auf geliebte Gimmicks, die zu zweit einfach schöner sind. Dass ich mich frage, ob ich nochmal so empfinden oder ob ich bei der nächsten, kontinentalverschiebenden Begegnung zu verkopft und restlos skeptisch sein werde. Dass ich wissen will, ob ich es früher hätte wissen müssen.
Ja, ich frage mich immerzu viele Dinge. Vorher wie hinterher - also eigentlich ist alles wie immer.

Naja, mein Herz sieht das vermutlich anders. Nur leider hat es irgendjemand ausgesperrt, einen großen Riegel vor sein Schloss gehängt mit einem Schild: Öffnen, wenn mal Zeit dafür ist. Und die ist halt gerade nicht.
Ehrlich: Trennung, wenn kurz zuvor bei der Haukatze ein Tumor gefunden wurde, zwei Bücher zu Ende geschrieben werden wollen und das mit Sommergrippe. Kann ich nur empfehlen! Jedenfalls bei mir macht das offenbar einen Overload und alles findet außerhalb von allem statt.
Außer das unsereins zu seinen Wurzeln zurückkehrt: Ein sarkastischer Miesepeter, der einfach funktioniert.

Dumm nur, dass auch solche Typen unter Frühlingsgefühlen leiden.

@SLEAZE-Magazin
@SLEAZE-Magazin

Letztens sagte meine Freundin: »Was wenn dich diese Enttäuschung jetzt so gebrochen hat, dass du zu viel Angst hast, wieder zu lieben?«
»Oha, wie theatralisch!«, entgegnete ich, »Liebe ... wie viel ich von romantischer Liebe weiß, zeigt ja sehr anschaulich meine bisherige Erfolgsquote!«
Und dann lachten wir herzlich, was bleibt uns anderes übrig?

Dinge, die ich im 2. Halbjahr 2015 erreichen will: »Meinen unerschütterlichen Wagemut wiederfinden«

Benetzt

 

Wie ein Insekt beginne ich, zu weben.
Fleißig spinnen meine dünnen Finger und langen, langen Arme ein Netz.
Aus Sehnsucht, Wünschen und Träumen.

Jene, die mich immer wieder weitertreiben.

Klein-Mädchenfantasien von Schutz, Wärme und bedingungsloser Liebe.
Mein Netz ist fertig und zu dicht, als dass ich mich nicht regelmäßig darin verfangen muss.
Dann kullern Tränen über die silbernen Fäden, sie glitzern.
In der Ferne höre ich mein Herz schlagen - weit weg.
Erinnerungen an die Momente, in denen ich diesen Durst gestillt dachte - sie lachen.
Ich drehe mich nach ihnen um. Zu weit weg.

Dann spüre ich unseren letzten Kuss auf meinen Lippen. Ganz nah.
Er war perfekt. Innig, frech und nur eine Ahnung davon, dass es der Letzte sein würde.
Denn du hattest kurz zuvor dafür gesorgt, dass ich mich dir näher nicht fühlen konnte.
Die Erkenntnis kam, als ich aus deinem Netz heraustrat,

das Licht sah,

bevor ich in meines, das so viel dichter ist, hinabstieg.

Und dann darin emporkletterte, bis es sich auch hier lichtete.
Mein Fall konnte nur tief sein.
Ich bin nicht unten angekommen. So weit ... werde ich nie mehr fallen.

Ich habe endlich geweint. Ich will schlafen. Ich will wieder meine Ruhe.

Immer noch hoffe ich, dass du mich eines Tages verstehst. Und dass du dann glücklich bist.

Neues (?) aus dem Fundus


Qieeeek! Das Foto habe ich gerade beim Aufräumen gefunden.
Sie sehen mich, wie ich mich hochkonzentriert durch Grumsiner Forst und Dickicht schlage, um die waldigsten Waldfotos für den Zimazans Trailer zu kriegen. Und offenbar hat mich meine Freundin/Fahrerin/treue Anhängerin dabei abgelichtet!

Claudi Feldhaus | Autorin
Claudi Feldhaus | Autorin

Das ist nicht mal ein Jahr her!

Ist es nicht verstörend, wie kurz (und irgendwie 5 Nuancen dunkler) mein Haar da noch war?!

Hier geht‘s zum Trailer auf You-Tube!

Blog: Schwof im SchwuZ

Klein-Claudi (28 aus Berlin) besuchte letzte Nacht zum ersten Mal einen Schwulenclub! Aller-1. Fazit: Es war sehr erholsam, mal nicht auf MEINEN Arsch achten zu müssen.


Mal ernsthaft: Wenn ich zum Tanzen ausgehe, werde ich fast immer in den Po gekniffen, angeschwänzelt bwz. früher oder später rammt mir irgendein Sack seine Erektion in den Rücken. Das ist mir gestern Abend nicht passiert!
Bis auf den Moment, als der großartige A. mir in den Po kniff und mich anrammelte in seiner ansehnlichen Tanzweise. Aber wir sind ja gute Freunde! Und dann pikte mich der Strohalm im Getränk vom geilen Franken in die Seite - obwohl feucht, nass und weich, war das um Längen angenehmer, als ein fremder Penis.


Außerdem ergab sich mehrfach folgende Situation. Soeben genannter, geiler Franke, den wir aus Gründen jetzt so nennen, ist offensichtlich sehr beliebt. Dementsprechend wurde er arg belagert, hatte allerdings wenig Interesse. Es reichten Blicke und automatisch cockblockte ich ihn vor den Interessenten. Irgendwann sagte ich ihm, dass es interessant ist, diesen Freundschaftsdienst mal für einen Jungen zu erbringen!


Und ja, es gab viele Dramen unter den lesbischen und schwulen Gästen zu beobachten, die fallen mir in Hetenclubs nicht so auf. Und hier wurde definitiv auch mehr und heißer rumgeknutscht!


Zwischendurch erlebten wir noch folgenden Zwischenfall: Der großartige A, meine Beste und ich saßen an der Seite, um zu reden. Dann kam ein Betrunkener dazu und laberte uns voll. Ja, ich finde so etwas bedrohlich, meine Erfahrungen lassen hinreichend entsprechende Gefühle anklingen. Zumal ich ihm sagte, er möge sich bitte verziehen, er mir aber nicht zuhörte bzw. es ihm egal war. Da erhob sich der großartige A, männlich und divenhaft zugleich flüsterte er mit ihm was, woraufhin der Typ sich sofort verzog. Und völlig cool, als hätte er gerade nicht eine dermaßen heroische Tat vollbracht, setzte A sich wieder neben uns á la: »Wo waren wir, Kinners?«
Ich will sowas von öfter mit ihm ausgehen, das kann ich euch flüstern!



Ach ja, und der Dom im Mai um halb 6 Uhr morgens ... (schwelgerischer Seufzer aus dem Off) Oh, der Dom um halb 6 morgens ...

Gut

Gut siehst du aus, sagte ihre Freundin und umarmte sie zur Begrüßung. Dann schnüffelte sie an ihrem Nacken. Du riechst nach ihm!

Ja, ihre Hände, ihr Gesicht, ihr Bett weisen seine Spuren auf. Die Kratzer von seinen Bartstoppeln, ehe er sich endlich rasiert hatte, leuchten rot an ihrer Mundpartie, ihren Schultern. Noch immer ist ihr Körper ganz heiß von seinem Gewicht auf ihr, von seinen Händen, die nicht von ihr lassen konnten, und davon, dass er bei ihr einfach nie die Hose anlassen kann. Sie fühlt sich verletzlich und zart, ob all der Überwältigung, die er in ihr auslöst. Doch ebenso ermächtigt und stolz, wenn sie sich seiner Verwirrung erinnert. Der Tatsache, dass ein ach so analytisches Hirn alle Kontrolle verliert, sobald sie ihre Kleider ablegt. Und dann die Wohligkeit, die sie beide fühlen, wenn er sie fest an sich zieht, ihre bloßen, erschöpften Leiber sich aneinander schmiegen.

Müde atmete sie aus, nahm einen Schluck Kaffee.

Gut siehst du aus, wiederholte ihre Freundin.

Danke, sagte sie und lächelte.

Schwestern ... nicht nur im Geiste


Seit Tagen plagt mich die Sehnsucht eine Schwesterngeschichte zu schreiben.

Da ich selbst keine leibliche Schwester habe, entschied ich mich bisher unterbewusst wohl immer für Helden mit Brüdern.
Nur Ankari und Helene aus Zimazans führen etwas in der Art - nur gleicht ihr Verhältnis anfänglich eher Mutter und Tochter, erst wenn Helene erwachsen wird, verlässt sie Ankaris Schatten.




Tja und dann kompensierte ich bis heute offensichtlich viel mit Figuren in der Rolle bester Freundinnen. BFFs sind nämlich ziemlich klasse!



Anhand von Geschichten, die über (familiär zugeteilte) Schwestern so mitbekomme, scheinen ohnehin die wenigsten Beziehungen so wundervoll, wie ich mir das denke. In den überwiegenden Fällen höre ich von Schwestermonstern, die man nicht mal seinem ärgsten Feind wünscht, die man jedoch trotzdem lieb hat. So ist das nun mal mit Familie, die sucht man sich nicht aus.


Nun ja, aber für mein (über-über)nächstes Werk plane ich eine richtige, innige, durchweg liebevolle Schwesternschaft!


tumblr_llh5scgk321qfidjk
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Das mach ich dann ... sobald meine zwei laufenden Großprojekte ein Ende finden ... lalala ...!

 

*seufz*


Begegnungen mit Menschen

 

Wie kommt es, fragte ich mich, dass die Menschen sich finden? Sie laufen umher, lungern in Cafés oder auf Bahnhöfen herum, tun eigentlich nichts und trotzdem finden sie sich.


Manchmal haben sie es leicht, dann ist da ein Bindeglied, das sie einander vorstellt. „Hey, das ist die K, die ist genauso ne Drecksau wie du“ und „Das ist der F, der umarmt gerne Leute – einfach weil er’s kann. Und ihr kennt euch jetzt, also macht was draus.“


Und dann gibt es solche, die übereinander stolpern, beispielsweise weil sie beim selbigen Arbeitgeber anheuern und künftig gezwungen sind, Teamwork zu leisten. Leiden, freilich, können sie einander eher nicht. Aber Menschenskind, ihr habt den gleichen Bildungsweg und ihr trefft euch alle zwei Stunden (an guten Tagen) an der Kaffeemaschine und beide steht ihr vorm Chef stramm, wenn was für ihn schiefgeht. Das verbindet. Also sei’s drum, dass einer von beiden vielleicht Kätzchen ertränkt, Bücher verbrennt oder Bayerisch spricht. Ist halt jetzt so, trag’s mit Fassung! Irgendwann mag man sich dann trotzdem irgendwie.


Und dann gibt es diese kontinentalverschiebenden Begegnungen. Du siehst den andern von weitem, denkst dir so: „Ja, das mussa wohl sein“, kommst entgegen und dann denkst du gar nix mehr. Und der andere auch nicht. Man macht dann trotzdem was zusammen und sagt sich: „Wir sollten öfter mal was zusammen machen.“ Jedenfalls gibt es diese Momente. Hab ich gehört, gesehen, erlebt.


Oder jene, die sich erst monatelang an das Bindeglied anbammeln und irgendwann dann neben dir rumhängen. Schleichen sich leise in dein Herz, und ehe du dich versiehst, sitzen sie auf deinem Sofa und du schenkst ihnen Tee nach.


Vielleicht ist jeder für manch einen von allem ein bisschen, ob Bindeglied, Schleicher oder Kontinent ... oder Kollege. Begegnungen mit Menschen - ein Stück weit begleiten sie uns alle, führen uns, werfen uns zurück, laufen an unserer Hand, vor uns davon, kriechen uns einstweilen hinterher oder in Kopf, Herz oder Hintern, gehen uns an die Nieren. Wir tragen sie mit Fassung oder auch nicht.


Was ich damit sagen will?

Es gibt noch andere Menschen – jetzt lass es halt so!

nächtliches Ostern!

Seht mein wundervolles Berlin-bei-Nacht-mit-Glitzer Osterei, das mir meine Freundin K gestern Abend geschenkt hat. Es ist so toll, es verdient einen Auftritt von allen Seiten!!

Reichstag mit Silbermond und natürlich: ein kleines Brandenburger Tor!

Aufbruchsstimmung ...

Hey, hörte des Öfteren über dies Thema zu bloggen, räumt den Kopf auf ...


Nachdem ich allerlei Dinge erledigte, die gemeinhin Hausarbeit heißen, habe ich soeben meine Waschmaschine gesäubert ... Brauche ich weitere Hinweise darauf, dass ich an einer Schreibblockade leide??


Einem sehr typischen Anfängerfehler bin ich auf dem Leim gegangen. Habe bis zu einer Stelle geschrieben, die noch nicht durchgeplottet ist. Alles Folgende ist zu schwammig und neblig in meinem Kopf, zudem kommt nun eine überaus wichtige Szene ... natürlich!


Deutsches Kaiserreich im Spätsommer 1918. Eine heiße Phase, gutes Kind! Das benötigt allerlei Vorbereitung, willst du kein Dilettant sein sondern ein fleißiges Frauenzimmer!!


Also: ich muss mich jetzt halt erst mal auf meinen Hosenboden setzen und ein bisschen Sönke Neitzel lesen! Vielleicht noch mal in der Kirschenkönigin nachblättern. Gucken, was die SPD in der Zeit trieb und allgemein, was in Berlin so los war.


Aber zunächst bringe ich den Müll raus, und drehe bei der Gelegenheit eine große Runde durch den Park vor meiner Haustür. Auf die Weise komme ich heute auch nochmal in die Sonne ... oder so!



(Oh, es räumt wirklich den Kopf auf!! Nun frisch ans Lesewerk ...)

Sönke Neitzel: Weltkrieg und Revolution 1914-1918/19 (be.bra verlag)
Sönke Neitzel: Weltkrieg und Revolution 1914-1918/19 (be.bra verlag)

Mein Karfreitag

[x] Fachgespräch mit Jordis Lank
[x] Spenden-Button auf Autorenseite integriert (!!)
[x] gelernt mit Calibre E-Books zu erstellen
[x] Testtierchen gefunden
[x] 6 Seiten geschrieben / editiert
[x] und es ist noch nicht mal 16 Uhr ...

Re: »Es kann immer was passieren«


Frei nach Renate Schmidt, Familienministerin a.D. aus dem SZ-Magazin 2015/13:

 

»Familie bedeutet (heute) nicht mehr nur Ehe. Familie heißt, sich um Kinder zu kümmern.«


Danke, liebe Frau Schmidt für diese fortschrittliche Ansicht. Könnten wir ein Stück weiter gehen?

 

                 ---- Familie bedeutet, sich um ANDERE zu kümmern! ----


Nachtrag 10.04.2015: Hier nun der Link zum vollen Text ->

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/42906/Es-kann-immer-was-passieren

Meine LBM 2015.

Claudi Feldhaus Autorin
Claudi Feldhaus | Autorin

 

 

 

Freitagmorgen zog ich mir den Blazer an, in dem ich so seriös aussehe und als meine Wirtin mich in der Kluft sah, sagte sie: »Claudi geht reiten!«, noch ehe ich die Stiefel angezogen hatte!

Also ging es für mich sehr pünktlich zum Hallenser Hauptbahnhof, wo ich mir erst einen Kaffee jagte, dann dank meiner aggroberliner Ellenbogen einen Sitzplatz in der total überfüllten S5X zum Leipziger Messegelände erkämpfte und mich dieses Jahr nicht ganz so damenhaft zum Messestand des Verlagshauses el Gato in Halle 2 durchdrängelte.

Dort gab es eine Lucie Müller zum Umarmen und den zweiten Band ihrer Kriegssinfonie zu bewundern. La Gata famosa trudelte (ohne Kaffee) ein, hatte noch ein paar einweisende Worte für mich übrig, ehe die ersten Kunden kamen und beraten werden wollten. Brav verkaufte ich (auch) die Bücher meiner Kollegen, pries Neuzugänge an, verteilte Leseproben, die wir dieses Jahr in großer Auswahl besaßen. Ebenso meine Ankari aus Zimazans hatte dieses Mal welche, und denen schenkte ich natürlich meine allergrößte Aufmerksamkeit. Besonders auffällig: Wegen meines seriösen Blazers wurde ich immer wieder für die Chefin gehalten und das nutzte la Gata gerne, um mal durchatmen und sich setzen zu können.

Unser Stand: Halle 2 K301
Unser Stand: Halle 2 K301
Lucie Müller; Andrea el Gato; Claudi Feldhaus Autorin
Lucie Müller, Andrea el Gato und Claudi Feldhaus | Autorin

Dann wurde es für mich äußerst aufregend: Ich zog in Halle 5 (!), wo ich Gespräche mit zwei Verlagen hatte!! (Was dabei herauskam, berichte ich an anderer Stelle, sobald alle meine Pferdchen im trockenen Stall sind.)

Sodann hieß es für mich auch schon fast wieder Abschied nehmen, da ich in meiner deutschen Pünktlichkeit natürlich rechtzeitig zurück nach Halle/Saale fahren wollte, um meine Lesung in der Stadtbibliothek anzugehen.

Claudi Feldhaus Autorin
Claudi Feldhaus | Autorin

Frau Borth begrüßte mich in der 360° die jugendmediathek mit einem perfekt vorbereiteten Raum. Man testete mit mir den Beamer, kochte mir Wasser, weil das am besten wirkt für meine Vorlesestimme, und war allgemein total lieb zu mir. Wohlig umsorgt und gepampert zeigte ich dem bunt gemischten Publikum zuerst den Trailer zu Zimazans und las ihnen dann eine ganze Weile aus ebendiesem Buch vor. Das machte ich offenbar so fein, dass ich von Frau Borth als Dankeschön ein wunderschönes Halloren Kugeln Geschenkset überreicht bekam, über das ich mich wie ein Schneekönig freute. Außerdem können sich Bibliotheksmitglieder nun Zimazans in der Stadtbib Halle ausleihen!!

Ich gab mir große Mühe, pünktlich ins Bett zu gehen, um für den folgenden bekanntlichen Großkampftag fit zu sein. Ratet, ob ich das geschafft habe!

Claudi Feldhaus | Autorin
Claudi Feldhaus' Lesung in der Stadtbibliothek Halle
Geschenke, Ankari und meine Heißwassertasse mit den Teufelchen drauf, die auf den ersten Blick wie Katzen aussehen ^^
Geschenke, Ankari und meine Heißwassertasse mit den Teufelchen drauf, die auf den ersten Blick wie Katzen aussehen ^^
Claudi Feldhaus Autorin
Die kenn ich!

Samstag: Dank meiner Berliner Ellenbogen ergatterte ich auch heute wieder einen Sitzplatz in der Express-Sardinendose zwischen Halle und Leipzig Messe. Auf aggro umzuschalten, war aber gar nicht so leicht, weil die nette Kaffeetante mich zuvor wortwörtlich gefragt hatte: »Und was bekommen Sie Schönes?«, und überhaupt in so feinem breiten Hallenser Deutsch geredet hatte, dass mir ganz warm um mein Herzelein wurde.

Die Glashalle des Messegebäudes war bereits um 11 Uhr überfüllt und schrill laut. Nur der hintere Tunnel führte in Halle 2, sodass ich mich zum Verlagsstand durchstehen musste - also schon genervt war, ehe ich ankam.

Blick auf die Glashalle
Blick auf die Glashalle

Aber Susanne Leuders war auch da, riss mich sofort in ihre Arme und da ging es mir besser. Sie hatte den dritten Band der Entenya Saga dabei, der gleichzeitig das Finale der Trilogie ist, und war verständlicherweise mächtig stolz.

Susanne Leuders; Claudi Feldhaus Autorin
Susanne und Claudi Feldhaus | Autorin
Lucie Müller; Claudi Feldhaus Autorin
Lucie und Claudi Feldhaus | Autorin

Insgesamt hatte ich mich am Samstag nur etwa 10 Minuten vom Stand K301 wegbewegt, Toilettenbesuche und Händewaschen inbegriffen. Wir hatten so viel zu tun (zu Hallesch: Gerammel), dass ich auch nur ein paar Fotos schießen konnte, kaum etwas aß und noch weniger trank. Um 17.30 Uhr leistete ich mir endlich einen Crêpe, meine erste warme Mahlzeit an dem Tag.

Mary Island, Kriegssinfonie, Entenya: Satinka
Mary Island, Kriegssinfonie, Entenya: Satinka
Kriegssinfonie, Entenya: Onida, Der Trompetenspieler
Kriegssinfonie, Entenya: Onida, Der Trompetenspieler

Kurz vor Schluss bekam ich einen Überraschungsbesuch von entfernten Verwandten, danach schoss ich abschließend mein Feierabend-Selfie.

Zimazans von Claudi Feldhaus auf der LBM15 Claudi Feldhaus | Autorin
Claudi Feldhaus | Autorin

Mein Fazit: Wie jedes Jahr war die Leipziger Buchmesse spannend, anstrengend und inspirierend. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse aller Nachwehen und freue mich selbstredend auf die LBM16.

Noch mehr Fotos?

 

Hängt seit gestern in Halle rum ...

Die Vorbereitungen auf meine Lesung nächste Woche Freitag, 13.3., laufen auf Hochtouren.

Wie zu erwarten, sind alle Mitorganisier jetzt schon total lieb und umsichtig mit mir. Da freue ich mich doch gleich noch mehr auf den Besuch!!

Ein Tag im Leben eines Jungautoren

[x] Vorlesen für die Lesung geübt (öfter mal was Neues)
[x] den Goodreaders geschrieben
[x] Goodreads-Seite bearbeitet
[x] ein bisschen nervös geworden, hinsichtlich all der kommenden Ereignisse
[x] Büchertaxi für Lesung im DIM klargemacht
[x] Büchertaxi für Lesung in der Stadtbibliothek Halle angefragt
[x] Rückenschmerzen bekommen
[x] Rückenübungen gemacht
[x] Schmerzen im Rücken jetzt weg
[x] sich etwas um die Katze gesorgt, dann aber doch festgestellt, dass quietschfidel
[x] nochmal nervös geworden, hinsichtlich all der kommenden Ereignisse und sich gefragt, ob an alles gedacht
[x] ein wenig von einer sorgenfreien Zukunft geträumt, in der Schreiben Hauptverantwortung ist

...
[x] festgestellt, dass sehr verantwortungsvoll, umsichtig und vorausschauend geworden und deshalb stolz Liste á la Bridget Jones angelegt

Drachentöter

Geschichtenerzähler war ich seit Anbeginn meiner Zeit. Bevor ich zu schreiben vermochte, malte ich Bildergeschichten. Als ich noch nicht so gut im Wortfinden war, zeichnete ich Comics. Immerfort handelten sie von starken Mädchen.
So war das, ich konnte mit Jungs nicht so viel anfangen.
Die Mädchen waren in erster Linie klug, körperlich kräftig, ebenso schön und ja, Prinzessinnen. Sie hatten güldene Dinge, prächtige Kleider, epische Paläste, niedliche Tiere als Freunde. Und sie beherrschten die Kampfkunst, zumeist mit dem Schwert und töteten ihre Drachen selber.
Ich versuchte mich oft darin, auch Jungs zu zeichnen. Doch gelangen sie eher uninteressant. Im Verlauf einer weiteren Zeichnung ersann ich eines Tages einen Mann - es war klar, dass er neue Attribute mitbringen musste. Ich zeichnete den Kopf, gab ihm wuscheliges Haar, bedachte, wie ich es aus Mangas gelernt hatte, den dickeren Hals und dann folgen die Schultern. Die muteten auf einmal so breit an! Erstaunt blickte ich auf den die nicht mal halbfertige Skizze und liebte die Schultern jetzt schon. Das Stück Kerl, das ich da geschaffen hatte, gefiel mir besser als alle anderen männliche Figuren, die meinem Stabilo bis dato entsprungen waren. Den restlichen Körper anzupassen, erschein plötzlich so leicht.
Erst dann nahm ich die breitschultrigen Männer in der realen Welt auch als solche wahr. Da war ich fast vierzehn.
Es folgte die obligatorische Verwirrung der Pubertät und öfter als je zuvor flüchtete ich mich in meine Fantasie. Die starken Mädchen wichen nicht, sie wurden nur noch weiblicher in ihren Zügen. Es kamen Typen hinzu, die mit jedem Mal größer, ansehnlicher, muskulöser schienen. Doch keiner von ihnen musste je den Drachen töten. Ich stellte sie den Heldinnen wohl dekorativ zur Seite, sodass sie sich nach getaner Arbeit an ihnen laben konnten. Ja, ich weiß - ich war und bin ziemlich sexistisch.
Die Kerle durften also gerne stark sein, ich wollte mächtige Männer. Aber ich brauchte sie nicht, die Frauen schafften es auch allein.

Heute fiel mir auf, dass ich genauso bin: Mein Mann soll groß, schön, erhaben, bitteschön breitschultrig sein und im Zweifelsfalle in der Lage sein, den Drachen zu töten. Letztlich doch will ich das lieber selber tun.

passend dazu, gerade gefunden! 08.11.2014
passend dazu, gerade gefunden! 08.11.2014

 

Der Barmann und der Gitarrist


Seine Liebe war einfach zu grell - seine anhimmelnde Anhänglichkeit, wie er sie seine Sonne nannte. Sie mochte niemandes Zentrum sein! Lana wollte nur noch raus, verschwinden. Am besten gleich in einen tiefen Wald laufen und sich in einer schwarzen Höhle verkriechen. Doch schließlich wurde sie von der schummrigen Beleuchtung in der Bar an der Ecke angezogen.

Der Barmann lächelte verschmilzt, als sie sich an den kaffeefarbenen Tresen setzte. Eine einzelne gelbe Glühbirne leuchtete über der Zapfsäule, die digitale Kasse gab ein blaues Licht ab. Ansonsten brannten ein paar Tischleuchten auf den Fenstersimsen, die wenigen dunkelbraunen Tische mit den schwarzen Ledersesseln verschwanden im Dunkel.
Der Barmann reichte ihr eine angefangene Packung Zigaretten rüber. Weil sie so aussah, als bräuchte sie die jetzt, wie er meinte. Eher bereitwillig als dankbar nahm Lana sie entgegen und ließ sich gleich für die Erste Feuer geben. Tief inhalierend sah sie sich um. Nun bemerkte sie den dürren Brillenträger, der entfernt vom Tresen in einem der glänzenden Ledersessel saß und kaum merklich auf seiner Gitarre klimperte.
Sie bestellte ein Bier und stürzte es hinunter, ein zweites um sich daran festzuhalten. Wie ein Schluck Wasser hing sie bald auf dem Barhocker und fixierte die dunkle Arbeitsplatte vor sich.
„Willst du drüber reden?“, erkundigte der Barmann irgendwann.
Sie straffte langsam die Schultern und sackte dann wieder zu einem Häuflein zusammen. Der Gitarrist stellte sich neben sie und gab ein leeres Weizenbierglas ab. „Volltanken, Kollege?“, fragte ihn sein Gegenüber.
Nicht, dass es sie interessierte, wollte Lana wissen: „Ihr kennt euch?“
„Meistens“, antwortete der eine ohne sie anzusehen und deutete dem Barmann eine Flasche Wein zu öffnen. Dieser brachte zwei Gläser.
„Wozu?“, fragte er ihn.
„Teil mit ihr!“, gab er zurück.
Ihnen wurde dunkler Bordeaux eingeschenkt, im Glanz der blauen Kasse wirkte er nachtschwarz.
Daraufhin pflanzte der Gitarrist seinen nicht vorhandenen Hintern auf den Hocker zu Lanas Rechten.
„Du musst das nicht tun!“, sagte Lana. Auch sie vermied es, ihn anzusehen.
„Ich weiß“, wieder kein Blick.
Da reichte sie ihm die Schachtel rüber und er zog sich eine Zigarette daraus. In aller Ruhe steckte er sie an und nahm einen Zug. Dann hielt er ihr sein Glas hin und ohne die Glimmstängel von den Lippen zu nehmen, rief er: „Stoß an!“
„Ich vertrag keinen Rotwein!“, antwortete sie.
„Und ich rauche nie“, entgegnete der Gitarrist.
Jetzt erst merkte sie, dass sein Blick sie traf, und wandte den Kopf. Hinter seinen eckigen schwarzumrandeten Brillengläsern blitzte ein graues Augenpaar und es schien das einzig helle im Raum. Sie stießen unter einem dumpfen Klang an und tranken. Der Wein war süß, Lana nahm nur kleine Schlucke, die Umgebung drehte sich langsam.
Irgendwann stellte sich der Barmann dazu, der Gitarrist deutete ihm, sich auch ein Glas einzuschenken. „… oder wolltest du heute früher Schluss machen?“
„Hab niemanden der mich erwartet“, entgegnete der.
„Ich schon“, lachte Lana und zündete sich noch eine an.
„Es gibt jene, die warten und solche, auf die man wartet. Besser du bist Zweiteres“, sagte der Gitarrist, ohne dass ihm die Zigarette von den Lippen fiel. Dafür dass er kein Raucher war, bekam er das erstaunlich gut hin.

Jetzt stieß der Barmann mit ihr an. Seine Iriden waren dunkel wie die Möbel. Sie entging seinem Blick.
„Nana!“, rief er darauf, „Angucken! Sonst gibt‘s sieben Jahre schlechten Sex!“
Wie über hatte sie diesen Satz, doch brav sah sie ihm in die Augen und er lächelte erneut so schelmisch.
Bald war die Flasche geleert und sie bekamen wieder Bier, in das sie schweigen konnten. Der eine holte seine Gitarre und zupfte etwas an ihr herum.
„Singst du auch?“, fragte Lana.
„Nicht für euch.“
Die Zigaretten wurden leer, sie lauschten dem stimmigen Tönen und starrten dem Gitarristen auf die Klavierfinger.
Lanas Kopf wog schwer. Sie senkte die Lider, stützte das Kinn in der Handfläche und genoss das Dunkel. Hörte, wie der eine seine Melodie übte und die Noten immer feiner klangen. Im Takt schien der andere das Kleingeld zu zählen.

Irgendwann schloss der Barmann die Kasse ab und verschwand ins Hinterzimmer. Lana öffnete die Augen und wurde zum ersten Mal seit langem nicht von grellem Licht erschlagen. Sie fühlte sich in wohliger Düsternis. Erkannte nur die schönen Hände des Gitarristen vor sich.
Dieser hörte auf zu spielen, lehnte das Instrument an seinen Hocker, trank den letzten Schluck Bier, schließlich sah er sie an. Sie klimperte langsam mit den Wimpern.
Dann küsste er sie. Seine Zunge schmeckte immer noch wie der Wein. Süß, warm und dunkel. Sie standen auf, er nahm sie an die Hand, seine Gitarre in die andere. Der Barmann kam vor, löschte schweigend die Glühbirne und sie traten auf die schwarze Straße. Weit mussten sie nicht laufen, das Treppenhaus blieb duster.
„Licht kaputt?“, fragte Lana.
„Nein“, sagten sie gleichzeitig.
Während der Gitarrist eine Tür aufschloss, schmiegte der Barmann sich an ihren Rücken. Ein Schauer warm und süß wie der Wein durchdrang sie.
Die Stehlampe erleuchtete das kuschlige Wohnzimmer schemenhaft, von draußen wehte der Mitternachtswind herein. Der eine schloss die Fenster, aber nicht die Vorhänge. Der andere umfasste sie von hinten und zog ihr das Shirt über den Kopf. Dann versenkte er die Lippen in ihrem Nacken. Der Gitarrist sah ihnen vom Fensterbrett aus zu, und als sie sich auf das breite Sofa gelegt hatten, nahm er die Brille ab und kam zu ihnen herüber.

Lana weckte das weiße Sonnenlicht eines neuen Tages. Sie war allein. Die Scheiben waren noch immer geschlossen, in der Luft hing Zigarettenrauch und Biergestank. Jetzt erst erkannte sie, wie winzig das Zimmer war. Vollgemüllt, eng und muffig. Ihr Rachen schmeckte nach Galle und Salz. Sie taumelte zum Fenster, aber sie bekam es nicht auf. Mit zusammengekniffenen Augen suchte sie ihre Sachen zusammen und warf sie über. Sie tastete sich auf den schmalen Flur, zusätzlich beengt durch ein riesiges Bücherregal. Lana ergriff panisch die Türklinke und stolperte ins Treppenhaus. Endlich draußen schlug ihr wieder die Sonne in Gesicht. Doch die Luft war frisch und warm.

Der Begleiter

Stell dir mal vor, du hättest einen Begleiter, einen Freund. Ihr steht euch sehr nahe, seht euch eigentlich täglich und seine Meinung ist überaus wichtig für dich. Denn er erklärt dir jedes Mal, wenn er dich erblickt, wo deine Fehler sind. Was ist an deinem Körper falsch? Was ist zu dick, zu schwabbelig, zu faltig oder überhaupt komplett verkehrt? Unaufgefordert sagt er dir oft, dass du total scheiße aussiehst. Irgendwo gibt es da eine Sachlage, die du nicht kapierst, die dir wenig liegt und sofort ist der treue Freund zur Stelle, dir darzulegen, dass deine eigene Dummheit daran schuld ist. Dein Unwille zu lernen und deine Faulheit würden deine Unfähigkeit zu Erfolg nur noch verstärken. Du bist müde, aber du darfst gerade nicht schlafen, schließlich wartet so viel Arbeit auf dich. Warum magst du ausgerechnet jetzt spazieren gehen, wenn sich doch der Abwasch türmt? Und willst du dieses Stück Kuchen wirklich aufessen? Weshalb liest du zum hundertsten Mal dein Lieblingsbuch? Was hast du heute überhaupt wieder an? Kein Wunder, dass du dich unwohl fühlst in deiner Haut, immerhin machst du noch nicht genug Sport.
Andere Freunde? Ja, die mögen das vielleicht nicht so sehen. Finden dich ziemlich in Ordnung und unterhaltsam. Sagen, das Oberteil würde dir voll gut stehen und der treue Freund steht daneben, zieht die Augenbraue hoch und wirft ein: »Was, das alte Ding?« Perplex entgegnen sie nichts, verstummen, loben bald gar nicht mehr, solange dieser Kritiker dein Schatten ist. Jedoch ist es auch unmöglich, dich mal alleine zu erwischen. Vielleicht ist einer mutig und fragt dich eines Tages in seinem Beisein: »Warum lässt du dir sowas sagen?« Du zuckst nur mit den Schultern. Es gehört dazu. Du könntest doch wohl kaum so egoistisch sein und ihn aus deinem Leben verbannen. »Wieso nicht?« Ihr hättet euch schon ewig, wäret zusammen durch dick und noch dicker gegangen. »Aber er tut dir schlecht!« Wenn du ihn nicht hättest, dann würdest du deine Balance verlieren. Er sei immer da, dein Selbstbildnis gerade zu rücken. Stell dir vor, am Ende wärest du so ein selbstgerechter und eingebildeter Idiot wie diese Leute ... »Was für Leute? Die Glücklichen?«

Wenn die goldene Regel lautet: "Behandle jeden so, wie du selber behandelt werden willst", dann meint sie auch dich selbst!

Husinettenkätzchen hustet

Mal wieder hat mich die Seuche erwischt, sodass ich geschüttelt von Magenkrämpfen, Hustenanfällen und mit schwerem Schädel das Bett/die Couch hüte.
Jüngst wurde mir zugetragen, dass einige Arbeitskollegen (meines Clark-Kent-Jobs) meinen, ich würde aufgrund der Schreiberei meine Gesundheit vernachlässigen und auf Schlaf verzichten und deswegen so blass, dünn und kränklich sein ...
Tja: blass, dünn und kränklich bin ich, soweit ich weiß, schon immer. Nach den Erzählungen meiner Mutter war ich offenbar von jeher ein kränkelndes Kind!
Nun aber zieht euch das rein: Während eines intensiven Schreibflusses ähnle ich dem blühenden Leben! Ein Drogenrausch mitten in einer Frischverliebtheit an einem warmen Frühlingstag ist ein Scheiß dagegen!!
Es ist nicht so, dass ich meinen Clark-Kent-Job nicht mag. Daher finde ich es sauungerecht, wenn mir so etwas unterstellt wird. Mir ist auch bewusst, dass Nicht-Künstler dergleichen nicht nachvollziehen können und vielleicht liegt deren Erklärung nahe: Autor + Vollzeitjob = geht nicht ohne Abstriche.
Bisher kriege ich es allerdings echt gut hin und nutze tatsächlich meine Freizeit (außerhalb meiner Schlafphase) für die Abstriche. Ich betätige mich in keinem Verein, führe eine Fernbeziehung, habe wenige Freunde mit vielen Hobbys. Auf diese Weise funktioniert es ganz gut. Der Grund, weswegen ich öfter krank werde, liegt woanders: schwaches Immunsystem meinerseits + Kollegen mit kleinen Kindern, die jedweden Scheiß aus der Kita anschleppen, andererseits = Seitenstrangangina meinerseits!

Rechnet mal damit, liebe Leute!

Familiensache

Wahrscheinlich war das einzig wirklich positive Ereignis 1933 die Geburt meines Opas! Infolgedessen sah er sich am vergangenen Wochenende befähigt, seine reichhaltige Sippschaft um sich zu scharen und huldvolle Glückwünsche zu erhalten.
Auch meine Wenigkeit wurde eingeflogen und sah sich einer ganzen Reihe wiedererkennenswerter Gesichter gegenüberstehen, die mich mehrfach mit meiner großen, gebildeten, strebsamen, fröhlichen, schlanken, hübschen, brünetten, grünäugigen Cousine verwechselten, welche ebenfalls anwesend war, mir aber abgesehen von alledem kaum ähnlich!
Des Weiteren wurde ich an diesem Tag so oft herzlich umarmt, dass ich mit ziemlicher Sicherheit behaupten darf: Ja, es macht süchtig! Vor allem meine Oma griff immer wieder gerne auf dieses Mittel zurück, mich an sie zu binden. (War das schön!)
Belustigt sah ich den Leutchen dabei zu, wie sie herumhüpften, gar anrüchige Witze zum Besten gaben und stets erstaunt feststellten: »Ach, du bist die Autorin!«


Mein Vater, welcher Opas Sohn ist, hatte einige Fotos zu einer Diashow zusammengeschnitten, die Lebenshöhepunkte aufzeigten und mit schwungvollem Swing hinterlegt. Ich sah zum ersten Mal Kinderfotos von meinem Großvater und ihn als Anfang Zwanzigjährigen in Badehose. Ha, daher also kam meine Vorliebe für schöne, riesige, schlanke Männer mit Schultern so breit wie der Horizont! Ich bin bloß ein Opfer meiner Erbanlagen!!
Auf dem nächsten Bild erblickten wir dann meine kess lächelnde, achtzehnjährige Oma in Shorts am Strand und alle so: »Uuuuuuuh!«
Die Diaschau fanden wir so schau, dass sie gleich nochmal lief und Opa zu dem Badehosenfoto sagte: »Meinen Gesichtsausdruck nach, war mir da kalt!«
Und als wieder die kesse Lolita folgte, rief er: »Da nicht mehr!«

»Wie lange haben wir uns nicht gesehen?«, fragte mich mein großer, schlanker, breitschultriger Cousin.
»Fünfzehn Jahre, vielleicht auch zwanzig?!«, antworte ich grübelnd.
»Ich werde doch gerade gleich zwanzig!«, behauptete er überzeugend.
Ein bisschen Neid schwang mit, als er mir gestand, dass er sein Ding, wie ich meine Schreiberei, bis heute nicht hatte finden können. Oder wie in meinem Fall, es ihn bisher nicht gefunden hatte. Vergnügt und flink wuselten in dem Moment unsere Großeltern an uns vorüber, die schon über ein halbes Jahrhundert länger lebten und nach wie vor glücklich schienen und wir blickten ihnen grinsend nach. Ich konnte ihn beruhigen – offenbar hatte er allein von den Genen her noch viel Zeit, sich finden zu lassen!

Die Nacht verbrachte ich im vollen Heim meines Bruders und lag bis drei Uhr morgens wach. Teils, weil ich die Eindrücke des Tages sortieren musste. Andernteils, da ich an Wochenenden selten vor vier Uhr nach Hause komme. Das rächte sich, als in der Früh eines der Kinder die schwere Schrankwand, die ich vor die Tür gerückt hatte, ignorierte, mit großer, in unserer Familie reichlich vorhandener Dickköpfigkeit beiseiteschob und in mein Bett krabbelte. Ich linste auf die Uhr – Sieben!
»Du biss ja harnäkich«, nuschelte ich, das verstand mein Gast offenbar als eine Aufforderung, loszuplappern. Im Nebel der Fähigkeiten meiner umnachteten Ohren erkannte ich die Stimme meiner Nichte und versuchte den einzigen Babyeinschlaftrick, den ich kannte, (der früher immer bei ihr funktioniert hatte (beide Male!)) aber diesmal natürlich ob ihrer Euphorie kaum glücken konnte. Sie spielte mit meinen Fingernägeln, kletterte mehrfach über mich drüber, fummelte an meinem glitzernden Schmuck rum, fand mein mitgebrachtes Lieblingsbuch langweilig, zwirbelte meine Locken, fragte mich mehrmals, ob ich schlafen würde, ehe sie irgendwann tatsächlich an meine lackierten Zehen gekuschelt eindöste. Der Duft nach frischgebackenen Brötchen weckte uns kurz darauf endgültig.

Als ich in meine geliebte, ruhige Wohnung zurückkam, nahm ich in ihr einen schwächeren Duft nach mir selbst wahr, als sonst. An meiner Haut haftete ein Geruch, der Konzentrat meiner Gene zu sein schien und nun unweigerlich in meine übrige Atmosphäre eindrang.
Aufgrund etlicher Missstände in meinem bisherigen Leben werde ich mich auch künftig nicht als Nonplusultra-Familienmensch bezeichnen, aber ich kann sagen, dass die Begegnungen in den wenigen Stunden mit so vielen Omas, Opas, Onkels, Tanten, Neffen, Cousins und Cousinen, ja mit meiner Geschichte, meinen Wurzeln, unweigerlich Spuren hinterließ. Und brachte eine Saite in meinem Herzen zum klingen, derer ich mir bis gestern gar nicht bewusst gewesen sein konnte. Das klischeehafte Bild einer Familiengeschichte dargestellt als ein Baum, passte nie zu mir. Ich weiß heute, ich bin eher eine Orchidee – pflegeaufwendig, sonnenanbetend und mit Luftwurzeln.

Schließen möchte ich mit dem Refrain der obligatorischen Polonaise zu der ich mich dieses Mal freudig hatte nötigen lassen. Obgleich mein Großvater extra eine kurze Familienhymne zu seinem 80. ersonnen hatte (die wir m.Er. ausreichend schmetterten), gefällt mir dieser Text für die beiden besser:

Jetzt geht es los,
denn heute woll’n wie feiern!
Alle Gäste wer’n es laut beteuern.
So fit mit 80 - Gerd, das ist wunderbar!
Und auch Sieglinde die kriegt 'ne Ehrenrunde
Als Powerfrau in aller Munde
Mit 75! Ihr seid ein tolles Paar!

Es macht mich rasend vor Wut und trunken vor Ohnmacht.


Meine Pubertät gehörte offenbar in die Ära: Alles kann, nichts muss! Und das erklärte man mir in den einschlägigen Mädchenmagazinen sehr oft. Ist es heutzutage nicht in, dass Jugendmedien über die verzerrten Bilder in der Öffentlichkeit aufklären?
Wird aufgrund der Pornoindustrie und der übersexualisierten Gesellschaft eine Schar enthaarter Lustsklavinnen herangezogen?
Nachdem wir Frauen Jahrhunderte brauchten, nicht mehr gar nichts zu dürfen, heute alles zu müssen?
Sind wir wirklich von
»Generation nimm es selbst in die Hand und sag ihm, was du brauchst - wenn du magst«,
zu
»Generation, nimm den Schwanz in den Mund und lass dich in den Arsch ficken - auch wenn du nicht magst«,
übergetreten?
Andererseits: Mögen junge Männer es denn tatsächlich, der Partnerin keinen Tribut für ihre Hingabe zu zollen? Nur weil es im Großteil ihrer Wichsfilmchen so dargestellt wird?

Ich frage mich also unweigerlich: Leute, was lasst ihr euch da nur entgehen?

... mein zweites Buch erscheint im Mai 2014!

 

Eine düstere Zukunftsvision der Welt von morgen – morgen, wenn die Evolution eine neue Spezies Mensch hervorgebracht hat. Der Homo Pennatus erhebt sich als letztes Glied in der Kette über den Homo Sapiens. Die geflügelten Menschen, Krone der Schöpfung, unterdrücken die Schwachen, versklaven sie oder zwingen viele von ihnen wie die Urvölker der Steinzeit in den Wäldern zu leben. Fern jeder Annehmlichkeit oder dessen, was ihr weiser Erfindungsreichtum in den Jahrtausenden schuf, führen sie ein Schattendasein. Einzig die Legende von der baldigen Ankunft Endyvees ist ihnen Trost und Zuversicht.

 

Inmitten der Wälder vor der Metropole Zimazans gebärt eine Sapiensfrau einen Halbling: Ankari. Schnell wird klar, dass sich dieses Mädchen nicht nur durch Intelligenz, Tapferkeit und Schönheit auszeichnet. Etwas ganz Besonderes haftet ihr an und so soll sie schließlich Anführer der  Revolution werden.
 
Aber Ankari ist Kristian begegnet, und obgleich er Sohn und Erbe eines Pennatus-Oberhauptes ist, verbindet sie von Anfang an etwas Unbeschreibliches, dass ihrer beider Weltsicht aufs Ärgste erschüttert. Egal, wie viel sie übereinander erfahren, nie gelingt es ihnen, den anderen zu hassen. Doch jedes Aufeinandertreffen verdeutlicht zunehmend, dass sehr bald eine Entscheidung getroffen werden muss und keine davon eine glückliche Zukunft für das Paar beinhalten kann, ohne die eigene Spezies zu verraten.

 

 

 

An F.G.

Dass du fort bist, habe ich eben erfahren. Zum Glück von dem Menschen, der mir am allernächsten steht.
Sofort spürte ich, wie meine Seele alles an Schutzschilden aufbegehrte, was ihr zur Verfügung stand. Uns Irdischen hilft es in solchen Momenten, sich tröstenden Weisheiten ins Hirn zu rufen: Zu irgendwas war es gut. Du hattest deine Aufgabe bereits erfüllt. Du bist nur nach Hause gegangen.
Ich hoffe es so sehr für dich!

Ich weiß nicht einmal, ob du etwas von all dem Glauben hältst, den ich nun aufbringe, um mir Ferne nahe zu machen. Überhaupt wusste ich nicht so viel von dir. Selten trafen wir in diesem Leben wirklich physisch aufeinander, eigentlich war es wohl nur das eine Mal vor einigen Jahren - Nur wir zwei, leckere Speisen und sehr viel Alkohol. Ich war so euphorisch, inspiriert und geladen und wollte mehr von davon dir.
In all der Zeit habe ich darauf gewartet, dass sich so ein Treffen wiederholt. Mich auf dich gefreut. Doch das war unmöglich alles, dass uns verband. Ich maße mir an, dass auch ich dir eine nahestehende Freundin war, denke, dass du kaum leichtfertig Geheimnisse beichtest.

Als ich später die Kerze anzündete und höhere Mächte darum bat, dir einen sicheren Weg zu ebnen, bricht es aus mir hervor. Ich stottere beim Beten, flenne Sturzbäche und bringe es doch zu Ende. Danach ist Leere. Fragen bleiben. Woher? Wann?
Die Tränen der Trauer brennen auf meinen Wangen. Das habe ich vergessen, also wird mir bewusst, dass ich in den letzten Jahren wegen Nichtigkeiten geheult haben muss. Überhaupt, was ist wichtig? Ich bin keine 30 und jetzt schon verlassen mich Freunde derselben Generation. Einfach so.
Trotzdem ich dieses Thema von mir schob, hielt ich mich bis eben für erwachsen, ernsthaft und ausgeglichen. Da tritt die nächste Reifeprüfung in mein Leben und ich will mich ängstlich zusammenkauern, wie ein getretener Hund. Wehklage wie ein Kind mit aufgeschlagenem Knie.

Ist es witzig, dass ich in den letzten beiden Tagen an dich gedacht habe? Es hilft mir ein wenig, bei dem Gedanken, dass du ganz allein in der Wohnung warst. Denn ich werde nicht die Einzige gewesen sein, bei der du dich in Erinnerung riefst.

Du hast mir damals gesagt: »Tu es! Verschwende dein Talent nicht!« und ich sagte: »Das gilt auch für dich, Madame!«
Du lachtest es weg, aber du warst ein Grund, warum ich es getan habe. Weißt du das überhaupt?
Warst du dir deiner Weisheit eigentlich bewusst?
Hat dir je jemand gesagt, wie klug, wertvoll und witzig du bist?
Ich hasse mich ein bisschen, weil ich denke, ich habe es dir nicht oft genug gesagt.
Ich bewundere dich!

Du bist der erste Mensch, dem ich so etwas wie einen Nachruf schreibe. Und ich lerne gerade: Es hilft tatsächlich. Ein wenig jedenfalls.
Ich will ihn in die Welt entlassen, damit er vielleicht von Menschen gefunden wird, denen häufigere Treffen mit dir vergönnt waren.

Ich glaube übrigens auch an Wiedergeburt und flüstere zu deiner Seele: »Tu es! Verschwende dein Talent nicht!«
Ich hoffe, eines Tages wird sie mir antworten.

Schokogeschenke von Verehrern haben keine Kalorien.

Traurige Musik läuft im Hintergrund, während ich sein Fach im Bad leere. Auch als ich mich zu den Schubladen im Schlafzimmer begebe und schweren Herzens seine Kleider zusammenpacke, singt noch immer jemand etwas von vergangenen so romantischen Abenden. Schließlich hänge ich Fotos ab, die ich überall in der Wohnung direkt an die Tapete geklebt hatte, und stelle hinterher fest, dass ich mal wieder streichen müsste. Zum Schluss verputze ich die letzte Schachtel Pralinen, die ich von ihm geschenkt bekam.

Ich fühle mich überzuckert und frei.

Sehr geehrte Frau Schwarzer,

wann immer ich Sie unter den Linden entlangflanieren sah, erstarrte ich zur grinsenden Salzsäule und war nie fähig, Sie anzusprechen und meine tiefe Dankbarkeit für das was Sie in Ihrem Leben bisher vollbracht haben, auszudrücken. Vermutlich würde es mir auch gar nicht gelingen, dermaßen spontan Ausdrücke dafür zu finden.

Die jüngste Debatte zwingt mich nun aber regelrecht, doch einmal das Wort an Sie direkt zu richten. Ich bin erschüttert, als ich Ihr Essay las.
Sie sagen, Prostitution und Pädophilie seien gleichzusetzen.
Sie meinten des Weiteren, Prostituierte hätten in den meisten Fällen als Kind sexualisierte Gewalt erlebt und wären daher nicht in der Lage, sich davor zu schützen.
Außerdem denken Sie, jede Form der Prostitution betreffe den Handel eines Mannes, der eine Frau für erzwungenen Sex bezahlt.
Ich habe dazu einige Fragen:
Wussten Sie, dass die wenigsten Menschen, die sich an Kindern vergreifen, tatsächlich pädophil sind?
Sprechen Sie Menschen auf Grund derer Vergangenheit einen freien Willen und einen funktionierenden Verstand ab?
Und haben Sie schon von Männern gehört, die andere Männer für Sexdienste bezahlen? Oder um das weiterzuführen: Frauen, die für Sex bezahlen? Ist dies keine Prostitution?
Ich denke, zu behaupten jede Form der Sexarbeit sei Zwangsprostitution, ist genauso kurz gedacht, wie die Aussage, Fellatio allgemein käme Unterdrückung des Aktiven gleich.
Auch ich habe in meinem Leben Gewalt erlebt. Bin ich deswegen nicht in der Lage, für mich selbst zu entscheiden? Wissen Sie: ich finde gerade darum, bin ich diejenige, die weiß, was am besten für mich ist.

Bitte bedenken Sie, dass wir keinen Fortschritt erzielen, indem wir die vermeintlichen Opfer entmündigen.
Leider scheinen Sie genau das zu tun. Ähnlich christlicher Fundamentalisten oder fanatischen Islamisten unterstellen Sie außerdem, dass der Körper der Frau gleich ihrer Sexualität ist. (Ist dies bei Ihnen selbst etwa der Fall?) Und weiter, dass der Verkauf dessen, einem Seelenhandel gleichkommt. Wie wenden Sie das dann auf die Freier oder im generellen auf Männer an? Funktioniert nur der männliche Körper getrennt von seiner Sexualität und seiner Seele?

Ich muss sagen: Ich bin so viel mehr als mein Venushügel. Außerdem teile ich diesen nur mit Menschen, die ich ebenso liebe. Und was Fellatio angeht: Mir ist durchaus klar, dass wenige sich darüber bewusst werden, dass der Penis dabei sprichwörtlich im Maul des Löwen platziert wird - Ihnen hätte ich das aber nicht zugetraut!
Was ich hingegen verkaufe, sind meine Kreativität, meine Ideen, meine Worte, die ich unter großen Anstrengungen meines Körpers nächtelang niederschreibe - also zweifelsohne ein riesiges Stück meiner Seele. Ergo gehe ich mit jedem Buch, das ich veröffentliche, mit jeder Lesung, die ich abhalte, einen Seelenhandel ein und verkaufe Energie, die mein Körper aufbringen musste. Macht mich das zu Hure? Ist somit nicht jede Frau, die in irgendeiner Form Geld verdient eine? Auch Sie, die damals für 3 Franc die Stunde putzen gingen? Und heißt das wiederum, Frauen können alles versuchen, am Ende sind sie sowieso nur Ware? Vermutlich schweife ich ab, denn für dermaßen sexistisch würde ich Sie niemals halten.

Sie werden hoffentlich nicht aufhören, für die Rechte der Frau zu kämpfen. Das machen Sie richtig - genau wie ich wollen Sie Menschenrechte weiterhin verbessern.
Ich bitte Sie nur inständig, die wahren Anliegen derer die Sie schützen möchten, auch ernst zu nehmen. Bevor Sie etwas für jemanden fordern, machen Sie sich die Mühe und setzen Sie sich mit demjenigen an einen Tisch. Die Politik hat dies offenbar versäumt. Warum gehen Sie dann nicht mit gutem Beispiel voran?
Vertrauen Sie mir. Gerade, weil diese Menschen früher eventuell sexualisierte Gewalt erlebt haben und heutzutage mit intimer körperlicher Arbeit ihr Geld verdienen, wissen sie sehr genau, was für sie richtig ist.

Ich verbleibe in tiefer Verbundenheit und mit hochachtungsvollen Grüßen.
Ihre Claudi Feldhaus

Verdrossen

Ich bin mir selbst gerade viel zu viel.
Ich brauche Nahrung, weiß aber nicht was ich essen soll.
Und ich stehe vor den Möglichkeiten und habe keine Ahnung, was ich wählen werde.

Appetitlosigkeit macht mich dünn - überall.
Ich bin mir in der letzten Woche zuvorgeeilt.
Ein großer Teil von mir, ich glaube, es ist mein Versand, steht hinten zurück und schreit: »Oh mein Gott, wo willst du denn hin?«
Und ich denke, mein Geist ist es, was nach vorne prescht, der mich drängt, mich unter Zugzwang setzt.
Er hat die Warterei satt - wer kann es ihm verdenken?
Unweigerlich frage ich mich: »Habe ich mich zu weit hervorgewagt?
Mir selbst Zugeständnisse gemacht, für die ich noch nicht reif genug bin?
Wird es letztlich erneut nur ein Ärgernis für mich?«
Und mein depressiver Rest stimmt ein: »Ja, natürlich!«
Dabei spüre ich genau, dass ich ein Bäumchen bin, das viel zu schwere Früchte trägt.

Ich musste etwas unternehmen, abwerfen, ehe meine Äste brechen!
Ich möchte mich momentan keinem zumuten und die ganze Zeit mit mir alleine sein, aber ich ertrag‘s einfach nicht mehr.
Ich will immer nur laufen und weiß nicht wovor weg.
Mein Körper ist müde, so elendig müde. Ich merke, dass ich an meine Grenzen stoße.
Und auch mein Geist ist erschöpft und dennoch darf ich wegen ihm nachts nicht schlafen.
Ich hatte mir schon so lange gewünscht, das sich der Mensch werde, der mich am glücklichsten macht.
Doch momentan bin ich diejenige, der mir keine Ruhe lässt und wie soll das weitergehen?
Ich habe mich so satt.
Satt auf eine Art des Überglücks.
Deswegen weiß ich auch nicht, was ich noch essen könnte.
Ich bin so hoch oben, dass mein Runterkommen nur tief sein kann.
Vielleicht wage ich mich darum so weit vor, weil ich mir selbst irgendwas beweisen will.
Ein großer Teil von mir muss ausbrechen.
Ausbrechen aus diesem Leben, aus diesem Körper, aus den irdischen Grenzen, die ihn einsperren.
Mein Herz ist schon so viel weiter, sehnt sich danach meinem Geist zu folgen.
Ich brauche jemanden, der in meinem Kopf aufräumt, denn ich weiß nicht mehr, wo ich anfangen soll und schon gar nicht, wann es aufhört.
Jetzt weiß ich, warum ich meine Stimme so lange nicht mochte -
Ich bin schlecht darin, mich selbst zu ertragen.
Weil ich einfach nicht aufhören kann, mich zu fragen, was ich mir sagen will.

Zum Tag der Jogginghose

*

Ich zitiere mal nicht Lagerfeld, denn ich möchte meine Gehirnkontrolle behalten*


Es trug sich zu, dass mein Liebhaber mich zuhause besuchte. Wie so oft war ich zur Paarung bereit und in der typischen Manier des Homo sapiens putze ich mich und empfing ihn im anmutigen Federkleid. Er verhielt sich völlig gemäß seiner Spezies und verstand nicht, was das Weibchen begehrte. Stattdessen fraß er meine Vorräte auf, verunstaltete mein Nest und bettete sich schließlich unverrichteten Aktes zur Ruhe.

Mein Muttertier hatte mir allerdings früh beigebracht, dass unsereins etwas Geduld mitbringen möge, wöllte ich so ein Männchen halten. Ich muss zugeben seine alphatierartigen Eigenschaften (zu der wohl ebenso die Begriffsstutzigkeit zählte), ließen mich noch eine ganze Zeit in seiner Umlaufbahn verweilen.
Am folgenden Abend entschied er sich erneut zu einem Besuch. Wieder legte ich die engen Beinkleider an und platzierte mich geschickt auf seinem Schoße. Er amüsierte sich königlich über die kredenzten You-Tube-Videos und ließ sich gerne mit den Fingern füttern. Nach so viel handzahmem Stelldichein hoffte ich auf ein famoses Legdichhin. Doch er entschwand, ehe ihn die funkelnden Sternlein in meinen verliebten Äuglein hätten verzaubern können.
In meiner grenzenlosen Bockigkeit begrüßte ich ihn am Folgeabend in meiner Rumlümmelhose, meine Haut müffelte vom Schreibmarathon des Tages und ich hatte weder meinen Bau aufgeräumt, noch meine Vorräte aufgefüllt. Also bestellte er mir Pizza, wir hockten auf dem Fußboden und ich machte meiner schlechten Laune Luft.
Was geschah dann? Völlig hingerissen entledigte er mich meines ausgewaschenen T-Shirts, der ergrauten rosa Jogginghose, löste meinen Dutt in wallenden Wohlgefallen auf und bestand darauf mit mir das fast-eheliche Lager zu besudeln.

Ich lernte daraus also zweierlei:
1. Eine hübsche Verpackung ist offenbar keine Garantie, dass das Innere ähnlich interessant wirkt.
2. Rummaulen und schmarotzen plus Zickigkeit = aufgeheitert und gefüttert werden minus Arbeitsaufwand.
Bloß gut kapierte ich das schon mit Anfang 20 - meine Mutter hat das bis heute nicht begriffen!

 

Foto: FABIAN STÜRTZ I Photographer

Metamorphose!!

BBF fragte mich am Wochenende: „Ab wann wolltest du eigentlich wieder romantische Dates haben?“

Ich guckte auf die Uhr und sagte: „Also nicht vor Mai …“

 Gerade läuft alles ziemlich klasse. Ich lerne neue spannende Menschen kennen, verbringe qualitativ Zeit mit lieben Menschen, lebe gesund und sportlich, die Sonne scheint und meiner Katze geht es auch blendend. Wenngleich ich all diese sozialen Interaktionen immerfort genieße, freue ich mich am meisten darauf, nach Hause zu gehen und mich möglichst bald wieder meinen laufenden Projekten zu widmen. Im Mai kommt schon mein zweites Buch raus - hätte mir das vor drei Jahren irgendjemand prophezeit, hätte ich ihm gesagt: „Ja genau, so seh‘ ich aus!“

 

Zimazans ist schon so weit vorangeschritten. Kürzlich schrieb meine Verlegerin (la gata famosa), dass wir ihres Erachtens mit dem Satz beginnen können – auf anderer Ebene würde das heißen: „Wir bekommen nächste Woche das erste Ultraschallbild!“ Ergo – alles dran, muss nur noch wachsen.

Und wie es wächst! Momentan liegt mir zwar keine gesamte Ausgabe vor, nur viele Versionen und Einzelstücke. Da ich mich in Geduld übe (doch, ehrlich!), greife ich auch nicht vor, sondern warte brav, was La Gata mir basteln wird.

 

Mein anderes Projekt Rosenduft und Orchideen genießt auch Zuwendung von allen Seiten. Ich unterscheide neuerdings in passive und aktive Arbeit. ‚Eigentlich‘ ist das allermeiste passiv einzuteilen: Plotten, Recherche, bilateraler Austausch und schließlich editieren.

Exakt meine ich hier aber das bloße Überarbeiten des vorhandenen Textes, den ich zuvor aktiv erstellt habe. Ich formuliere hier noch was um und hänge da noch was dran, tausche hier ein Wort mit einem hochtrabenden, erkläre dort noch ein paar Gefühlsregungen oder beschreibe zuvor ein wenig die Umgebung und am Ende sitze ich vor etwas, von dem ich denke: „Das ist von mir? Ernsthaft?“

Wie bei ´nem Ultraschallbild, nur dass sich an der Herstellung keine realen Y-Chromosomen beteiligen.

 

Womit wir wieder beim Daten wären …

Ich hätte zu dergleichen Zwecken momentan ein Zeitfenster vom 5. – 25. Mai. Bis dahin konzentriere ich mich auf Messe, Lesung, deren beider Vorbereitung und vor allem den Expertenaustausch mit Kollegen (ihr seid ein Traum!).

O.g. BBF fährt zwischenzeitlich noch mit mir nach London (auf unserer immerwährenden Suche nach Balls).

Und wieder denke ich: Hätte mir das jemand vor ein paar Jahren vorausgesagt, hätte ich geantwortet: „Ja genau, so seh‘ ich aus!“

Wohn- & Lebensgemeinschaft

Patienten, die unter Reaktiver Depression leiden, fühlen sich die meiste Zeit des Tages wie ein Tier im Käfig.

Ich weiß noch ganz genau, wie ich als kleines Mädchen vor den Tigergehegen des städtischen Zoos stand und die Raubkatzen an den Gittern nervös auf- und abhuschen sah. Als sich unsere Blicke trafen, dachte ich nur: „Ich verstehe dich so gut.“

Warten, darin war ich so schlecht und gerade deswegen immerzu dazu verflucht. Geduld hieß mein Gegner, der mich fragte: „Wann geht das Leben endlich los?“

 

Dass dieses Gefühl einen Namen hat, Verhaltensmuster und Behandlungsmethoden erfuhr ich fast 20 Jahre später. Was für eine Offenbarung! Die basiserschütternde Umstrukturierung meines Lebens folgte unweigerlich. Ich wütete - wie ein Tiger der aus dem Käfig ausbricht. Mit meinem langjährigen Liebhaber machte ich Schluss, suchte Trost in den Armen eines anderen, trennte mich wenige aber bewegte Monate später. Ich drehte völlig durch, krempelte mein Leben um, entrümpelte meine Wohnung, meinen Alltag, meinen Freundeskreis. Dann schrieb ich das Buch zu Ende, dass ich anderthalb Jahre davor vergraben hatte. Kurz darauf fand mich ein Verlag.

 

Seither existiert kaum noch diese Langeweile in meinem Leben, die fast die ersten 24 Jahre stetig mein Bewusstsein beherrschte. Neue Bekanntschaften kamen und gingen, bestehende blühten auf. Meine langjährige Freundschaft zu Sophie erlebt Jahr für Jahr mehr Tiefe. Diana, die Frau meines Bruders, nenne ich mittlerweile meine Schwester im Geiste.

 

Ich lernte zudem andere Autoren kennen und sofort lieben. Nachdem ich sie en persona traf, platzte ein Knoten in meinem Kopf und mir nichts-dir nichts war ich dazu fähig, das andere Buch zu Ende zu schreiben, das ich vor fast sieben Jahren vergraben hatte. Derselbe Verlag fand es.

 

Ich erlebte schließlich jene Beschleunigung, auf die ich so sehr gewartet und offenbar hingearbeitet hatte!

Dennoch ereilen mich einstweilen Rückfälle. Bisher gab es zwei lange Phase, die alte Dämonen aufscheuchten, ohne dass ich sie als solche wiedererkannte – darum erschien mir diese Zeit auch so zermürbend. Hartnäckige Selbstzweifel kamen zurück und das auf viel höherem Niveau. Immerhin jammere ich nicht nur auf Erste-Welt-Ebene sondern in der Premium-Klassifizierung: Hat begonnen, ihren Traum zu leben.

 

Mein Feind scheint noch immer die Geduld zu sein, doch mittlerweile bezeichne ich das zwischen uns gerne als Hassliebe, die oftmals die Muse zu einer Menage a trois anlockt – und ich dachte lange Zeit, die sei eine zutiefst launische Geliebte! Dabei fühlt sie sich genauso von Chaos, Drama und gutem Essen angezogen wie ich. Nur mit der Depression verträgt sie sich eben nicht so gut. Doch Geduld fand ein Arrangement zwischen den beiden, was uns vier gütlich stimmte.

 

So leben wir also, meine Depression, Geduld, Muse und der Rest, der dann nach von mir übrig ist.

 

(Fortsetzung folgt ...)

Und jetzt alle singen ...!

Zum Glück habe och kürzlich Bäume geübt ^^

Für meinen historischen Roman Rosenduft & Orchideen recherchierte ich heute Vormittag deutsche Volkslieder. Ich muss zugeben, ziemlich überrascht gewesen zu sein, wie viele ich davon kannte. Mein Vater hatte sie mir als Dreikäsehoch auf zahlreichen Wanderungen durch Wald und Flur beigebracht.
Spätestens bei ‚Und im Schneegebirge‘ und ‚Wenn alle Brünnlein fließen‘ erwachten all die bildhaften Erinnerungen an die langen, langen Märsche durch hohe Nadelwälder. Mein Großstadtpflanzencharakter entwickelte sich offenbar erst später, denn ich hatte diese anstrengende Prozedur damals sehr geliebt. Eindeutig erhielt ich daher die starken Beine, geübte Ohren für musische Klänge und das Durchhaltevermögen immer weiter zu laufen. Noch heute bekomme ich am besten den Kopf frei, wenn ich mit Musik im Ohr umherstreife und die Szenen für mein derzeitiges Projekt, wie ein Film vor meinem inneren Auge ablaufen.
Die Einzige, die da freudig mithält, ist meine liebste Freundin. Alle anderen - vornehmlich Männer - maulen schon nach drei Stunden, nur weil wir irgendwo in Wedding weit und breit keine U-Bahnhofstation sehen.
Ich müsste mal wieder mit meinem Vater wandern gehen - mal gucken, ob wir altes deutsches Liedgut immer noch so rocken!

Gespräche mit neuen Freunden

... oder: Wird das jetzt normal?

Beispiel 1.
»Bist du mit jemanden zusammen?«
»Nein, ich bin Single.«
»Warum, noch nicht den Seelenverwandten gefunden?«

Beispiel 2.
»Bist du mit jemanden zusammen?«
»Ja.«
»Und wie läuft es - wollt ihr heiraten?«

Beispiel 3.
»Bist du mit jemanden zusammen?«
»Ja, ich bin verheiratet.«
»Cool, was sind deine Hobbys?«

Neues von Adele und Basti

Es mag ja Leute geben, die sich ein zusätzliches Loch in den Arsch über Alltagsgegenstände freuen. Zum Beispiel über Radiergummis.
Kürzlich erst gesehen - so was von peinlich! Eine volljährige, ausgewachsene Frau im Schreibwarenladen: prüft die Radiergummis wie ein Vollprofi - ja ganz so als hätte sie früher massenhaft Comics gezeichnet! Und dann trägt sie stolz wie Bolle zwei Modelle zur Kasse und schließlich erhält nach fast 8 Jahren wieder ein professioneller Radiergummi Einzug in ihren Haushalt.
Warum? Weil die Frau nämlich in letzter Zeit wieder öfter zeichnet.

Dabei fing das recht harmlos an: Für ihren Romantasyroman (Zweitlingswerk) fertigt sie ein paar Skizzen, um ihren Verfolgern auf den einschlägigen Plattformen ein Schmankerl zu bieten und merkt dabei: »Hey, ich kann‘s ja noch ... nur ohne richtigen Razzafummel macht das irgendwie keinen Spaß! Hab nur so nen Schmierfink, Erbstück vom Ex, zuhause und meinen Stiftradiergummi ... der is nur für die ganz kleinen Sachen.«
Sodann zieht ein halbes Jahr ins Land. Die Frau zeichnet immer öfter und kehrt fast schon zur alten Qualität zurück.

All dies bildnerische Darstellen löst offenbar irgendeine Blockade in ihrem Hirn und BAM: Idee zum Buchtrailer ihres Erstlingswerkes! Wenn das mal kein Vorwand ist, einen neuen Radiergummi zu kaufen.
Das ist zwei Tage her:

Sie, lieber Leser, werden sicher trotz meiner verheimlichenden Attitüde (nicht Alditüte, ungebildeter Leser!) kapiert haben, dass ich mich selbst meine.

Jahaaaa! Claudi Feldhaus aka Kakaobuttermandel aka Feldmaus aka ... ok ich hör auf!
Also, ich habe meine grippale Bettlägerigkeit genutzt, um mich mit der großen weiten Welt des Videomachens auseinanderzusetzen und ein feines kleines Filmchen produziert, um Ihnen Adele und Basti aus Familie, Liebe und andere Sorgen vorzustellen! Jetzt fühl ich mich gerade so wie:

»Iiiiiiich habe Feuer gemacht!!«

So! Und warum Sie das jetzt noch nicht zu sehen bekommen? Nuja, vermutlich, weil ich ein kleiner Sadist bin! (Als ob Sie das nicht geahnt hätten!)
Offiziell begründe ich das aber natürlich damit, dass La Gata famosa erst gucken kommen muss, ob Claudi feindemat hat! Da sie mitten in den Vorbereitungen zur Leipziger Buchmesse steckt, sollten Sie sich vorerst nicht allzu große Hoffnungen machen. *zwinkersmiley*
Und vor allem und das ist das Wichtigste: Das Video ist noch gar nicht richtig fertig und wie bei einem Festbraten, darf erst geguckt werden, wenn alles fertig ist! Ich bin nämlich immer noch ziemlich verschnupft. Eine erkältete Stimme aus dem Off mag zwar niedlich klingen, ist aber m.Er. nichts für die Ewigkeit.

Außerdem ist es total goldig und Gold wird auch künstlich verknappt.

Aber hey - Sie haben jetzt solange darauf warten müssen, ohne überhaupt zu wissen, ob es überhaupt noch was geben wird. Dann können sie das bisschen auch aushalten!

(Und ja, der o.g. Radiergummi hatte essentielle Anteilnahme an der Fertigung.)

Zitate von der Messe:

Eine kleine Auswahl der denkwürdigsten Sprüche der LBM 2014! Immer diese Messeerscheinungen ...

 

»Ich mag keine taffen Heldinnen!«

»Sehr selbstbewusst von Ihnen, Ihren eigenen Stil gut zu finden.«
»Das Buch ist zu pink!«
»Weil du brünett bist und lange Beine hast!«

»Du bist doch schon ein alter Messehase!«

»Hmm, Genre ... X-Men meets Troja?« (Lucie Müller über ihr Werk Kriegssinfonie)
»Ist wohl eher ein Männerbuch: Viel Sex, wenig Liebe.« Darauf sagt Lucie: »Als ich es schrieb, hatten wir beide uns noch nicht kennengelernt - sonst wäre es andersrum!« (streicht ihrem Mann über die Wange)
... und Platz 1: »Nein danke, ich lese nicht!«

LBM 2014

In strahlenden Sonnenschein erreichte ich Freitagmorgen das Messegelände, prügelte mich meiner damenhaften Natur folgend durch die Glashalle und überraschte Andrea (Zerbrochenes Glück) pünktlich am Verlagsstand el Gato in Halle 2. Sie führte in ihrer leitenden Position eben noch ein Interview, so hatte ich Gelegenheit unsere Nachbarn (u.a. Stänkerfritze Schemajah Schuppmann vom Papierverzierer Verlag) zu besuchen und mir eine Jordis Lank (Raukland Trilogie) zu fangen. Letzteres war ein lautstarkes Wiedersehen, haben wir doch seit der vergangenen Buchmesse ein intensives, digitales Verhältnis aufgebaut. Als nächstes trudelte die herzige Lucie Müller (Kriegssinfonie) auf ihren Stöckelschuhen herein und sofort befanden wir drei uns mitten im allerschönsten Fachgespräch. Um 13 Uhr hatte die kleine Jordis eine Lesung und ihr Herzlein schien dolle zu bubbern. Dafür wuppte sie den Termin allerdings glänzend, sodass wir kurz darauf die allerletzten Exemplare von Rauklands Sohn verkauft hatten. Zwischendurch kam auch Jonathan Philippi (Mary Island Reihe) an und hatte als kundenerfahrener Profi Einiges zu erzählen.
So verging der Freitag wie im Flug, wir hüpften zwischen Kundschaft, Bloggern, Besuchern und Ordnern hin und her, brabbelten uns den Mund fusslig und als der 18 Uhr Gong erklang, zuckten wir überrascht zusammen.
Traurig und mit wunden Füßen verabschiedeten wir uns von Jordis, die leider am selben Abend nach Hause reiste.

Der Samstag startete etwas gediegener, doch wieder gelang es mir, den Messestand kurz nach 10 Uhr zu erreichen. Susanne Leuders gesellte sich dazu und begrüßte zum ersten Mal ihr Erstlingswerk (Etenya Saga), welches auf dieser Messe übrigens unser absoluter Verkaufsschlager war. Am Nachmittag kam auch Leo Pinkerton (Luftpost zwischen Tag und Nacht) an. Wir verstanden uns alle prima und repräsentierten unseren Verlag (wie erwartet) glänzend. Pünktlich um 16 Uhr startete Jonathan mit seiner Lesung. Da ich selbst so lange unsere Bücher bewachte, hörte ich nur gerüchteweise, wie bravourös er sich geschlagen hatte. Andrea el Gato betreute derweil die Kinderschutzengel in einer anderen Halle, weswegen ihr bunter Haufen (also wir) bis zum 18 Uhr-Gong sturmfrei hatte. Wir nutzen die Gelegenheit, uns sehr erwachsen zu geben und noch  etwas für den Verlag zu glänzen.
Müden Fußes trat ich sodann meine Reise in meinem Unterschlupf an, und obwohl ich die Müdigkeit kaum spürte, bettete ich mich gegen 22 Uhr zur Ruhe und schlief sofort ein. Dabei bin ich doch so eine Nachtigall.
Wieder einmal also hat die Leipziger Buchmesse mir vieles abverlangt, der Austausch mit Gleichgesinnten mich beflügelt und am Ende blicke ich wehmütig auf das Jahr, das vergehen muss, ehe ich all dies wiederholen darf.

 

16.03.2014  Fotos?

 

Fliegenfalle als Finderlohn (von 2010)

Als Dank, ihm beim Finden des gewünschten Muttertagsgeschenks geholfen zu haben (eine englische Geranie) bekam ich eine Babyvenusfliegenfalle. Die standen fast neben den Geranien und sahen so putzig aus.
»Sowas findest auch nur du putzig!«, stelle der Kapitalist schief grinsend fest. Zur Kasse tragen, durfte ich sie selber. Wohlbemerkt war es wahrscheinlich ein vielsagendes Bild von uns beiden. Er mit dem 60 cm hohem und buschigem Gewächs mit dicken rosa Blüten für seine Mutter und ich daneben mit dem kleinsten Blumentopf der Welt, darin ein giftgrünes Pflänzchen mit spitzen Zähnen. Er erklärte mir, dass ich auch richtige Blumen zum Muttertag bekomme, wenn ich eine bin. Dabei wäre ich wirklich keine gute Mutter.

Zuhaue stellte ich mir mein neues Haustier ans Küchenfenster, sammelte Regenwasser für sie und wartete, dass sie sich bald eine Fliege oder Mücke fing. Bedauernswerterweise für die Venusfliegenfalle wohne ich im 18. Stock, was ich natürlich toll fand, doch dorthin verirrte sich nur selten ein Insekt. Erschwerend hinzu kam, dass ich Fliegennetze angebracht hatte, um auch nachts in Ruhe lüften zu können. Dass mein Hirn dies beim Aufnehmen der Venusfalle nicht beachtet hatte, ist ganz allein seine Schuld.
Vor 2 Tagen entdeckte ich einen dicken Käfer auf meinem Balkon, der während der anhaltenden Regenperiode wohl Schutz dort gesucht hatte und elendig verhungert war. Mein Hirn hatte den tollen Einfall (wohl als Wiedergutmachung) das tote Etwas aufzulesen, sobald es nicht mehr regnete und der Kapitalist nicht guckte. Die Chance ergab sich, als er mal wieder seiner ehelichen Pflicht nachgekommen war und seelig im dazu passenden ehelichen Lager schlummerte.
Ich holte das Käfergetier also in die Küche und stellte dort fest, dass er sich noch bewegte. Schweren Herzens ließ ich ein Pflaumenmusglas auf ihn fallen. Dreimal. Dann konnte ich sichergehen, dass er tot war. Ich legte ihn neben den Babyblumentopf und stellte wiederum fest, dass er sogar größer war als dieser. Zu groß für die Babyfliegenfallenmünderchen. Und es war eine Sie. Eine Art Hummel oder so. Ich fing an sie zu sezieren und begann mit den Beinen. Die warf ich der Fliegenfalle in die Mäulchen, doch sie schlossen sich nicht. War sie vielleicht schon verhungert? Ich versuchte es mit dem Kopf, da schnappte sie gleich zu. Genau so beim Oberkörper. Den Torso und die Flügel nahm sie dann aber auch nur streikend auf. Ich stopfte sie ihr einfach in den Schlund und trat mit einem Zahnstocher nach. Auch wenn sie nicht zubiss, die konnte sie eben später essen. Ich wäre wohl wirklich keine gute Mutter...

»Du fütterst nicht gerade deine Venusfliegenfalle!?«, rief perplex der Kapitalist von der Küchentür aus.
»Beine mag sie nicht!«, antworte ich. Was antwortet man da sonst? Er drehte sich schweigend um und ging duschen. Ich stellte das Babygewächs wieder an seinen Platz und spürte dessen böse-bohrenden Blicke im Rücken als ich hinaus ging. Hätte es Augen gehabt hätten diese Funken gesprüht. Ich wäre wirklich keine gute Mutter!

Schreib- und Leidensgemeinschaft


Fortsetzung …

Da Depression mein ständiger Begleiter war und Aufputschmittel mich nur noch trauriger machten, konnte mich nur ein selbstausgeführter Arschtritt heilen. Offenbar bin ich damit auch noch nicht fertig, aber zumindest schon etwas empor geklettert.

 

Nachdem ich ein viertel Jahrhundert die Qualen des Stillstandes erlebt hatte, brach auch schriftstellerisch plötzlich alles los und die Idee in meinem Kopf, den historischen Roman zu schreiben, der seit Ewigkeiten in mir umhergeistert, nahm Gestalt an. Doch was rede ich von Stillstand? Eine Sünde das zu behaupten, bedenke ich, wie viel ich trotz der vielen Bremser (intern und extern) in meinem Leben geschaffen hatte. Doch all das war nichts Besonderes für mich, schließlich kam es nur von mir.

 

Und so eine ungebildete depressive Kuh wie ich wollte sich hinstellen und etwas kreieren wozu sie doch ihres Erachtens gar nicht den Schulabschluss hatte? Ja, genau so habe ich eine Zeitlang über mich gedacht. Dekadent, nicht wahr?

 

Mir war also bewusst, dass ich mir massig Wissen anzueignen hatte, um letztlich eine Arbeit abzuliefern, die mich dann auch selbst überzeugt. Da haderte ich ewig mit mir, hielt ich mich doch schlichtweg nicht für klug genug.

 

Als ich mich schlussendlich aber durchgerungen hatte und im Sommer letzten Jahres tatsächlich damit begann, mich geschichtlich ein wenig umzuschauen, wie ich es nannte, merkte ich schnell, wie sehr mich die erwählte Thematik fesselte.

 

Daten, Fakten, Namen, Auswendiglernen – wie ein Schwamm sog ich alles auf. Wusste gar nicht, dass ich das kann!

 

Auch hatte ich in der Schule nie verstanden, weswegen der 1. Weltkrieg ausbrach. Heute maße ich mir an, das Zeitgefühl soweit nachfühlen zu können, dass ich es zumindest nachvollziehen kann. All das ist für mich vor allem ein Auseinandersetzen mit der Geschichte meines Volkes, mit dem worunter wir seit Jahrzehnten leiden, uns aber die Trauer nicht erlauben. Doch dahinter, auch das habe ich gelernt, muss ein jeder selbst kommen.

 

Die Recherche machte Spaß, ich fand Unterstützung von Experten, fühlte mich sicher, wagte es schließlich mal zu schauen, welche Namen in dieser Zeit vergeben wurden. Und Alvine kam zu mir. Meine Heldin, der Blaustrumpf. Die tapfere, ungeduldige, eloquente Elfe. Nachdem das Kind einen Namen hatte, wollte es auch geboren werden. Ich verliebte mich (genau wie der männliche Held), schon während ich die Einleitung verfasste, in sie.

 

Sie hat eine wichtige Aufgabe von mir bekommen: lernen, der Liebe zu vertrauen und die Geduld zu üben. Ich habe die Hoffnung, mir da Einiges von ihr abschauen zu können.

 

(Fortsetzung folgt ...)

Zum Tag der Geschwister

Anders als bei meinen Eltern hatte ich gegenüber meinem Bruder nie das Gefühl, dass seine Liebe zu mir an Bedingungen geknüpft war.
Egal ob, ich ihm seine Schokolade wegaß, einschlief, wenn er mir völlig enthusiastisch aus seinem Physikbuch vorlas oder ob ich richtig, also so richtig Mist gebaut hatte! Die für mich bestimmte Zärtlichkeit in seinen Augen nahm niemals ab, stets konnte ich mir seiner innigen Zuneigung sicher sein. Ich hatte nicht einmal das Gefühl, ungenügend zu sein, obwohl ich in den Fächern die ihm liegen, regelmäßig mangelhafte Noten bekam. Das ist sonst noch niemandem geglückt.
So kann ich heute guten Gewissens behaupten: Mein großer Bruder hat mich für weniger kluge Männer, deren Liebe zu mir nicht gleichwertig intensiv ist, verdorben.
Und ich liebe ihn dafür!

Lesungsbericht

Amethyst + Glückskäferfingernägel = was kann da noch schiefgehen?
Amethyst + Glückskäferfingernägel = was kann da noch schiefgehen?

17.04.2014, morgens halb zehn in Berlin, Deutschland.
Klein-Claudi entsteigt ihrem Bettchen und freut sich auf ihren ersten Osterurlaubstag. Ohnehin ist dieser Tag etwas ganz Besonderes. Denn am Abend wird sie ihre allererste Lesung in der Heimat begehen.

Doch bis dahin sind noch allerlei Dinge zu erledigen: Behördengänge, Essen einkaufen, Edelstein gegen Lampenfieber (ernsthaft!) besorgen, dem Autorenrücken sportlich entgegenwirken. So Krams, den man halt macht an seinem ersten Urlaubstag.

 

 

 

In guter preußischer Pünktlichkeit fällt sie dann eine Stunde zu früh im Café Tasso ein, um eventuell einen Kaffee zu schnorren und beim Aufbau ihrer eigenen Bühne zu helfen (Doppelcheck!)

 

SinneWerk gGmbH

Frau Diste zeigt mir wie ich das Mikro zähmen kann
Frau Diste zeigt mir wie ich das Mikro zähmen kann

 

 

17.04.2014, 19.59: Heroisch moderiert Frau Diste sie an und Claudi wagt sich kampfunerfahren ans Mikrofon, das ihr leider während der Lesung immer wieder abhaut.

Doch ansonsten vergeht das erste Drittel, das sich mit dem Erstlingswerk ‚Familie, Liebe und andere Sorgen‘ beschäftigt, mit ohne viel Lampenfieber, kurzen Hustern aus den Zuschauerreihen und verhaltenen Verhasplern ihrerseits.

... indem ich's festhalte :)
... indem ich's festhalte :)

Sodann legt sie eine Pause ein, stellt fest, dass ihre Gäste recht unterhalten aussehen, und ist mit sich zufrieden!


Im Laufe des zweiten Teils setzt dann plötzlich ein wenig Aufregung ein. Aber eher, weil sie sogleich eine Passage vorliest, die ihr emotional sehr nahegeht und hinterher auch kurz etwas über die Beziehung zu ihrem großen Bruder sagt.

Ob das Publikum merkt, dass sie vor Rührung weinen könnte?

... Wenn ein Buch nach all der Zeit immer noch derartige Gefühle hervorruft, dann hat jemand seine Arbeit gut gemacht, oder?

Im letzten Drittel findet die offizielle Vorpremierenlesung von ‚Zimazans‘ statt (Juhu-Ruf aus dem Publikum).

»Oha, gleich muss ich brüllen - markerschütternd bitteschön!«, denkt sie.

Zuhause beim Üben und später Probevorlesen mit der Tschordis und der Diana via Skype ging das ganz gut - aber hier?

Schon kommt sie an der Stelle an und ... brüllt ins Mikro (kollektives Zusammenzucken in den Zuschauerrängen - ja das war so geplant)!!


Und plötzlich ist die Zeit rum. Waren das echt 90 Minuten? Zuhause beim Üben kam ihr das immer so ewiglich vor, aber hier behauptet sie mit Recht: »Ich hoffe, ihr hattet so viel Spaß wie ich!«


Während der Lesung piepste übrigens das Handy. Die Lektorin war nämlich im Publikum - wusste Dinge zu verbessern ... wie könnte es anders sein?

Für den nächsten Auftritt im Café Tasso (ca. November) wird Claudi das natürlich berücksichtigen und hofft auf zahlreiches Erscheinen!

Puschelplüschwolke

»Wie immer?«, fragte Anja meine Friseurin des Vertrauens.

Wie immer heißt: Spitzen so weit kürzen wie nötig, aber so wenig wie möglich! Ich versuchte nämlich, meine Haare bis zum Arsch wachsen zu lassen - und das seit etwa zwanzig Jahren. Die längste Strähne ging bisher bestenfalls bis zum Bauchnabel - danach splissten sie so fröhlich vor sich hin, dass sie nicht mehr länger wurden - und sahen an den Enden scheiße aus!

Während ich jüngst im Zug von Tottenham nach Stansted Airport saß und mit meinen gespaltenen Spitzen spielte, fiel der Entschluss: Etwas musste sich ändern!


Es ging mir bei alledem übrigens mal nicht um die weibliche Emanzipation!
Das Haar der Frau gilt gemeinhin als sekundäres Geschlechtsmerkmal. In weiten Kreisen dieser Erde haben sie es zu bedecken, in noch weiteren bestimmt der Mann einfach so über das Haar seines Weibes. Wie sonst erklärt es sich, dass sogar in unseren Breitengraden Friseure angehalten sind, ihre Kundin bei einem Raspelkurzvorhaben zu fragen, was denn der werte Gatte dazu sage. Schließlich sei es schon oft genug vorgekommen, dass ein aufgebrachter Ehemann am nächsten Tag das Geschäft aufsuchte und einen riesen Terz veranstalte.

Seit meiner Einschulung habe ich niemals wirklich einen Kurzhaarschnitt gehabt. Immer konnte ich die Pracht wenigstens zu einem Zopf zusammenbinden. Je älter ich wurde, desto dunkler (meistens half ich nach) und lockiger (von allein) wurde es. Viele neideten mir die volle schwarzbraune Mähne. Ich liebte es, mein Haar zu bürsten, ihm pflegliche Produkte und Kinkerlitzchen zu kaufen. Zwei bis drei Mal die Woche wusch und föhnte ich es - eine Prozedur, die mindestens eine Stunde in Anspruch nahm. Je länger es wurde, desto schwerer wogen die Locken. Beim Schreiben störten sie, wuselten schließlich überall hin bei leichtem Wind, fielen ins Gesicht - also zähmte ich sie durch etliche Bänder und Spangen - die Matte wog noch schwerer.
Und irgendwann splissten die Spitzen schließlich so sehr, dass sie ganz dünn und blond aussahen, dazu kräuselten sie sich, wirkten ungepflegt. Ich musste also erneut zum Schneiden zu Anja:

Soweit kürzen wie nötig, aber so wenig wie möglich!

Um wieder warten zu müssen, hoffen zu müssen, ob sie denn eines Tages bis zum Hintern gingen. Doch das würde nicht passieren. Und war meine Eitelkeit denn so groß, der Neid der anderen mir denn so teuer, all die Umstände denn nicht widrig genug, meine Zeit denn nicht kostbarer?

Deswegen kam der Tag, an dem ich schlussfolgerte, dass mein Haar niemals die (utopische) Länge erreichen würde, die ich mir wünschte und meine Geduld nicht ausreichte, ich den Preis nicht länger zahlen wollte. Dieser Tag war gestern.

Also antwortete ich Anja heute: »Nein, schneid ab!«
»Janz ab?«
»Ja!«
Sie umfasste meinen Zopf, zückte die große Schere. »Sicher?«
»Ja!«
Schnapp!
Mein Kopf war plötzlich so leicht. Anja nahm sich die kleine Schere, ihren Kamm und Hocker und ließ sich nieder, um meinen Schädel innerhalb von zwanzig Minuten in ein kurzes wuscheliges Löckchengewühl zu verwandeln.
Ich krähte begeistert: »Und ich will nen Pony! Nen puschligen!«
»Wie, nen puschlijen?«
»Na keine halben Sachen heute!«
»Dit hab ik jemerkt! Also nen Vollpony!«
»Nen Puschelvollpony!«
Ratsch! Ratsch!
»Jut so?«
»Jupp!«
Sie drückte mir den Föhn in die Hand. Ich zog ihn einmal um meine neue Frisur herum, dann war sie trocken!


Ich erkannte sofort einen der ersten Vorteile dieser kurzen Locken:

 

Ich werde SOVIEL mehr Zeit zum Schreiben haben!!

verlockend

Vorhin, als ich unter den Linden entlangflanierte, ging mir auf, dass ich mich immer mehr von Störfaktoren trenne: langem Haar, Schminke, Kinkerlitzchen, Kleidung die gebügelt werden muss, festen Freunden – alles was zeitaufwendig war und mich so vom Schreiben abhielt. Da verwende ich lieber meine Zeit darauf, mich mit inspirierenden Menschen zu treffen, meine Muskeln zu stärken oder Kultur zu schaffen. Nie hätte ich geglaubt, dass mir meine Eitelkeit so wenig fehlen würde – momentan existiert sie nur in meinem Kleidungsstil, doch mehr noch und vor allen Dingen in meiner Wortwahl und hat dort offensichtlich Einiges zu kompensieren. Und wie bei den letzten Trennungen (z.B. Blusen, die ich bügeln muss; Liebhabern) stelle ich auch bei der fehlenden Haarlänge fest: Mit jedem Tag fühle ich mich freier, kraftvoller und mutiger.

 

Und ihr müsstet mal sehen wie quirlig die kleinen Locken herumspringen, wie die Wellen im Zug meines Laufes wirbeln und wie gerne der Wind – die Luft mein Element - mit ihnen spielt, jetzt da sie frei sind. Sie sind kein Störfaktor mehr, der mir ins Gesicht oder in den Mund fliegt, der geschlossen und schwer auf meinem Haupt wiegt. Da ist kein Verheddern mehr, wenn mir jemand meinen allzu empfindlichen Kopf krault. Ich werde keine geliebte Person mehr davon abhalten müssen, mir leidenschaftlich ins Haar zu fassen, weil ich das Ziepen fürchte!

 

Ich hatte nicht vermutet, dass die Reaktionen auf meinen neuen Kurzhaarschnitt so durchweg positiv ausfallen würden – vor allem von meinen männlichen Mitmenschen. Mit der überschwänglichen Begeisterung meiner Freundinnen und Kolleginnen hatte ich aber schon gerechnet: mir wurde Bewunderung ausgesprochen für meinen Mut; Neid, weil ich nun ja so viel Zeit und Mühe sparen würde und schließlich, dass mir diese Frisur viel ähnlicher sähe: fröhlich, natürlich, energiegeladen und vor allem verspielt.

 

Entweder sagen die Herren meines Kreises, ich sähe so frecher und nach wie vor schön aus oder sie warten ihre Äußerung noch ab, da sie die Erfahrung machten: „Wenn eine Frau sich das Haar von so lang auf so kurz schneiden lässt, ist irgendwas im Argen!“

Da nutzen keine Versicherungen meinerseits: „Nein, ich hab wirklich niemanden erschossen, keine Bank überfallen, kleine Tiere gequält oder so etwas in der Richtung!“

„Aber warum dann?“

„Mir war danach!“

Und zuhauf kam die Bemerkung: „Das wird aber ewig dauern, bis diese Länge wieder hergestellt ist!“

 

Ich entgegne dann: „Ich hab doch gar nicht vor, wieder so lang zu werden!“

 

Daran müssen wir uns wohl alle erst gewöhnen.

Sophistication

Caroline hält Maxens Arme fest und sagt zu ihr: „Max, believe me – You! Are! Smart!“

 

Das war der Moment in dem ich 2 Broke Girls zum ersten Mal tatsächlich pausieren musste. Obgleich die Serie mich an vielen Stellen an meine beste Freundin und mich erinnert (Ja, es ist nie richtig absehbar, wer von uns Max und wer Caroline ist – sie wechseln sich da ganz gut ab!), war das definitiv DIE Szene bei der wir zwei offensichtlich beobachtet, ins Englische übersetzt und verwertet wurden!

 

Denn als ich vor der fetten Recherche für meinen Traum einen Roman über den Ersten Weltkrieg zu schreiben stand (oder darunter lag) und beteuerte, ich würde das niemals wuppen, also könnte ich es gleich vergessen und eigentlich brauchte ich es nicht zum Existieren, genau wie Max ihren Schulabschluss nicht (übertragenderweise fehlte ihr nur die Geschichtsnote!!), nahm Phie meine Hände und sagte:  „Du schaffst das – ich helfe dir!“ „Aber …“ „KEIN ABER! Glaub mir, du bist sehr schlau!“

 

Ein paar Monate später besuchten wir den Berliner Dom und nahmen an einem Vortrag über ihn teil. Hinterher löcherte ich die nette Dame mit gezielten Fragen, die ich vom Internet nicht beantwortet bekommen hatte. Sie leuchtete auf und erklärte mir alle Zusammenhänge, während ich mir Notizen machte. Als sie weg war, fing ich Phie gegenüber an zu klugscheißen, sie ertrug es erfreut und beendete meinen Vortrag mit: „Dass ich mal irgendwo mit dir bin und DU bist der Geschichtsnerd, war absehbar, oder?“

das Cover für Zimazans

Ich zeige das Cover noch nicht voll, weil ich Sadist bin, sondern weil es der allererste Entwurf ist - klein-Claudi und la Gata also natürlich noch rumkritteln. Außerdem ist es an dem wunderbaren "Bildversorger" es freizugeben!
Ich zeige das Cover noch nicht voll, weil ich Sadist bin, sondern weil es der allererste Entwurf ist - klein-Claudi und la Gata also natürlich noch rumkritteln. Außerdem ist es an dem wunderbaren "Bildversorger" es freizugeben!

 

Änderungen im Satz, Stressstressstress, Hiobsbotschaften aus dem Familienkreis, Streit mit der besten Freundin, Grafikerin springt ab, dicker Ärger im Büro … meine letzten Tage waren geprägt von Entsagungen, schlaflosen Nächten und Zitterpartien …
Doch als mich eben das erste Farbfoto meiner Ankari erreichte, fühlte ich mich in der Lage durchzuatmen und einfach nur mal wieder: „Wie rotzdonnerwetterriesengranatenobergeil ist das denn bitte?“ zu sagen.
Für euch gibt es einen kleinen (und so hoffe ich doch viel versprechenden) Ausschnitt, denn diese (awesome) Schriftart will ich auf jeden Fall behalten!
… Vielleicht hört ja jetzt auch mein Augenlid auf zu zucken und ich bekomme wieder Appetit

 

Rohentwurf für Zimazans

 

Hallo allerschönste Fangemeinde der Welt,

 

wie ich euch vor einigen Monaten mitgeteilt habe, bot la Gata famosa mir an, das Cover für Zimazans zu zeichnen und es dann durch einen Grafiker kolorieren zu lassen. In Kürze werden wir euch das Ergebnis präsentieren. Um euch den krassen Unterschied zu verdeutlichen, seht ihr hier meinen s/w Entwurf. Wie gefällt er euch?

 

Das ist es!

Zimazans erscheint am 04. Juni 2014 im Verlagshaus el Gato!
Zimazans erscheint am 04. Juni 2014 im Verlagshaus el Gato!

Sie ist unterwegs!!

 

Meine Ankari ist heute endlich in die Druckerei gefahren! Sooft habe ich an der Armen rungebastelt, so häufig drübergelesen. Wie auch die Adele damals kann ich sie momentan rückwärts im Kreis klatschen. Das tut meiner Liebe zu ihr allerdings keinen Abbruch und in einem Jahr werde ich sie mir aus dem Regal nehmen und zutiefst genüsslich durchlesen - genau wie die Adele.


D.h. Ich darf nun aber damit beginnen, mein Leben nach und nach wieder aufzunehmen.
Mit Erleichterung stellte ich die Existenz der irdischen Welt außerhalb meines Arbeitsplatzes fest. Es gibt so viele Dinge, die mein Herz erfreuen und mich offenbar erwarteten: singende Vögel, das Erwachen des Sommers in der Stadt, blinkende Fußgängerampeln. Auch nehme ich nun wieder alltägliche Freuden wahr: den neuen Haarschnitt meiner Kollegin, Rezessionen für mein Erstlingswerk, Blogartikel von Freunden, den Verkäufer im Cuccis am Ostbahnhof. Und die Veränderungen bei mir: Ich muss das Entrümpeln meiner Wohnung von vor drei Wochen beenden ... Autorenbauchi ist zurück. Und scheiße, was bin ich froh, dass meine Haare abgeschnitten sind - die Wallemähne zu pflegen, dazu hätte ich momentan einfach nicht den Nerv.

 

Malerarbeiten

 

Als ich die Ankari erfand, war ich etwa 17 Jahre alt. Mit dem »richtigen« Schreiben an ihr begann ich mit 19. Dann zogen fast 7 Jahre Pause ins Land, ehe ich sie Ostern letzten Jahres wiederfand und zu Ende schrieb. Von Anfang an hatte ich ein genaues Bild für das Cover im Kopf ... und auch Zeichnungen, die im Text auftauchen sollten.

 

Als la Gata mir vor zehn Monaten die Zusage für Ankaris - Zimazans - Veröffentlichung erteilte, hatte ich diese Idee vergessen. Sie kam erst während des Lektorats wieder auf, genau wie meine Übung im Zeichnen. Als die erste Satzfahne fertig war, quälte mich regelrecht der Wunsch das Büchlein mit selbstgezeichneten Bildern zu versehen. Doch ich hielt mein Verlangen unter Kontrolle, schließlich durfte ich schon das Cover gestalten und fürchtete, ich träte jemandem mit diesem Vorschlag auf den Schlips. (Ja dachte ich wirklich!) Um mich aber weiter in meinem Wünschen zu bestärken, schickte das Universum mir wie so oft Zeichen. Mir fiel Pride & Prejudice in die Hände, in dem sich Radierungen befanden. Meine Schwägerin fragte mich eines Abends aus der Kalten, warum Zimazans eigentlich nicht mit Bildern von mir bemalt wird. Und schlussendlich schlug sogar la Gata vor: »Könntest du dir vorstellen noch so drei oder vier Bildchen fürs Buch zu zeichnen, wo du das doch so schön kannst?« Ich antwortete: »Ich hatte so an 10 gedacht ...«

 

Tja, was soll ich sagen? Es wurden ein paar mehr ...

Sodass die arme Andrea el Gato für die gebührende Formatierung eine Sonderschicht einlegen musste. Denn eigentlich sollte ‚Zimazans‘ im gleichen Format wie die Adele - Familie, Liebe und andere Sorgen - herauskommen, wenngleich es etwa 80 Seiten mehr gehabt hätte. Mit den vielen Zeichnungen kämen nochmal welche drauf und das hätte dann vermutlich ziemlich doof ausgesehen. Also wird meine Ankari eine hohe Schlanke.

 

2 Meter 50 große Frauen brauchen nun mal Platz! :)

 

Recherchequalen (letzter Teil)

Pro forma: Erben darf jeder. Aber durfte eine Frau im Jahre 1912 auch über ihr Erbe verfügen, wenn es sich in den Dimensionen eines Großunternehmens bewegte?
So begann mein harter Weg, Dokumente zu finden, auf die ich mich stützen konnte. Frauen durften damals nicht einmal ohne Mann ein Konto eröffnen. Gebaren sie ein uneheliches Kind, konnte sich der Vater allein über die sogenannte Mehrverkehrseinrede vor den Unterhaltszahlungen drücken. Und doch gab es wie zu jeder Zeit ausgefuchste Geschöpfe, die aus den gängigen Regeln das Beste machten, sich durchbissen und dann doch völlig selbstverständlich Unternehmen leiteten, Konten besaßen, Kinder bekamen, ob nun mit Vater oder ohne.


Ich wälzte Gesetzestexte, bis mir der Schädel rauchte, die Verzweiflung mich zermarterte und Depression wieder zurück in mein Herz kroch, um Minderwertigkeitskomplexe zu pflanzen.
Dann tat ich, was mir im Studium geraten wurde: Frag jemanden, der es weiß!
Innerhalb eines Tages telefonierte ich wegen dieses Anliegens mit dem Justizministerium; Abteilung Erbrecht, die mich an das Geheime Preußische Archiv verwiesen, von wo aus ich über das dem Landesarchiv Berlin zum Helene-Lange-Archiv gelangte und dort bei der Leiterin höchst selbst rauskam. Die Dame stellte schließlich einen Kontakt zu einer Koryphäe auf dem Gebiet Preußisches Frauenrecht her, die mir liebevoll ihre Hilfe versprach. Sodann fiel ein Gewicht von meinem Herzen, von dem ich schon befürchtet hatte, als würde mich auf ewig hinunterziehen.
Zudem wurde ich einmal mehr in meinem Vertrauen auf die Menschlichkeit bestärkt. Und waren Geduld und Liebe, nicht das was zu lernen, ich mir vorgenommen habe?


Ich fand also letzten Endes heraus, dass Alvine von ihrem Vater zur geschäftsführenden Gesellschafterin berufen werden konnte, aber nicht als Erbe, sondern über einen Gesellschaftervertrag. Diesem mussten die übrigen Teilhaber zustimmen.
Sie konnte demnach über die Firma verfügen, frei schalten und walten. Aber: Ihr Mann hätte ihr all das auch verbieten dürfen. Er hätte aus einer Laune heraus sagen dürfen: »So meine Süße, geh du mal schön in deine Küche, ich übernehm den Laden jetzt!« Dann hätte er das gesamte Guthaben verspielen, versaufen, verspekulieren können, wie es ihm gepasst hätte!
Zum Glück hatte sie kein Arschloch geheiratet!

Alvine 1917
Alvine 1917

klein-Claudi hatte ein Date ...

Da ist sie!!

Claudi Feldhaus Autorin

Es heißt, Neugeborene werden der Mutter auf den Bauch gelegt - Bücherkinder gehören demnach eindeutig auf den Kopf!
Willkommen auf der Welt, meine wunderzauberschöne Ankari!
Sie ist wirklich ein properes Mädchen ^^

Neuer Buchtrailer!!

Pam-Pam!!

 

Das Verlagshaus el Gato eröffnet heute stolz seinen Fanshop! Natürlich ist auch meine Ankari vertreten:

 

Fanshop Zimazans

 

Generalprobe!

 

Das Urteil meiner langjährigsten Freundin: »Wenn du am Donnerstag nur halb so gut vorliest wie mir eben, ist es immer noch richtig gut!«

*Grinsekuchen*

Macht euch also auf was gefasst!!

 

Sie sagte auch: »Also ... dass die Evolution ja weitergeht und du denkst, dass die Menschen irgendwann Flügel haben, davon hast du uns schon mit 14 erzählt! Zimazans' Thema war für mich deswegen jetzt nicht so überraschend. Ich dachte nur - Ach, das kenn ich doch!«


Solange treiben mich die Pennatus also schon um ...^^

Fräulein Feldhaus lernt sprechen

Ich habe in den letzten Wochen viel gelernt. Zum Beispiel festen Bodenkontakt herzustellen. Deswegen sicher zu stehen. Die Knie angewinkelt, immer angriffsbereit zu sein. Laut zu sprechen. Deutlich zu artikulieren. Zu verzweifeln, weil ich dachte, ich könne all das schon. Ich habe gelernt, in meine Nieren zu atmen. Weich zu sein, vor mich hin zu wabbern.
Frau E, mein Coach, schreit mich an, ich soll mich breiter machen, vor allem größer, noch stärker, herrlicher. Sie ist gewiss die Erste, die das von mir verlangt.
Ich bin etwa 1 Meter und 80 Zentimeter lang und ihr zu kurz – könne ja so viel mehr. „Mach dich nicht so klein, das hast du nicht nötig!“
Ich mache mich klein? Seitdem ich ein zweistelliges Alter erreicht habe, hat mich niemand mehr klein genannt.
„Lass den Bauch los!
Lass die Schultern locker.
Zieh dich nach oben.
Rücken gerade!
Spring!!“
Und wieder: „Mach dich breiter – nimm dir Raum.“
Sie bewirft mich mit Gegenständen, während wir Zungenbrecher und komplizierte Wörter aufsagen.
„Wie weit geht deine Zunge raus?“ … Erschreckend weit, meine Zunge ist riesig, wie ich sehe.
„Greif die Wörter! Du neigst dazu, Silben zu verschlucken.“
Verdammt das weiß ich schon lange, hatte aber nie eine Ahnung, wie ich dagegen vorgehen kann.

Also sprach ich erst langsamer. Dann las ich wieder Bücher. Mein Wortschatz duplizierte sich.
„Hast du am Wochenende aufm Duden gesessen?“, fragt meine Freundin V.
„Nein, mir gelingt es neuerdings, meiner Worte Herr zu sein. Spreche ich dir zu langsam? Bin ich nicht authentisch?“
„Machst du Witze?“

In der nächsten Unterrichtsstunde verlangt Frau E von mir, zwei Seiten meines Buches mit entspannter Zunge vorzulesen. Das heißt so viel wie: Sie hängt fast komplett raus!

Natürlich müssen alle Wörter trotzdem klar artikuliert werden, Frau E macht es fehlerfrei vor. Ich hänge bei den Ks und Ss, ärgere mich, weil ich es nicht schaffe.
Frau E sagt: „Du zahlst mir eine Menge Geld, dafür, dass ich dich fordere, bis du mich hasst. Wenn du dich quälst, mache ich meine Aufgaben richtig.“
Hass? „Wophon träumpfzt tu nachfffs?“

ein Logbuch

Mein erster Tag in Brüssel!
Belgien begrüßte mich auf der Dienstleistungsebene erst mal mit einem saftigen Schlag in meine deutsch-verwöhnte Fresse - ich stellte einmal mehr fest, auf wie hohem Niveau ich bisher jammerte. Nachdem es mir aber schlussendlich gelungen war, vom Flughafen in die Innenstadt zu kommen, einen Arbeitstag abzuleisten, mein Hotelzimmer zu beziehen, mein W-LAN und dann die belgische Dusche zum Laufen zu bringen, suchte ich mir einen winzigen Lebensmittelladen. Können Sie sich vorstellen, wie sehr sich unsereins über u.a. deutsch beschriftete Packungen freuen kann? Und über Körnerbrot? Im Radio lief Diskomusik - französisches Geschrammel - sodass meine Hüften von allein begannen zu schaukeln. Mit meiner Beute ging ich an die Kasse, wo sich sogleich drei männliche Kassierer drängten, mich zu bedienen. Sie sahen meine Tasche (berlinbeschriftet, was sonst) und Noé fragte darauf, ob ich kürzlich in Deutschland im Urlaub war. Ich stotterte erschrocken zurück, dass ich von dort komme und eine Woche in Brüssel bin, um hier zu arbeiten. Erst hatte ich Angst, sie würden jetzt irgendwas Beleidigendes sagen (die intensive Recherche europäischer Geschichte der letzten 100 Jahre geht an niemandem spurlos vorbei). Doch ich wurde eines Besseren belehrt, denn offenbar galt ich für sie als hoch-exotisch.
Marcel schnalzte nämlich mit der Zunge (!!) und sagte irgendetwas, was sich verdammt nach Flirten anhörte. Die anderen beiden stimmten ein, machten mir schöne Augen und vergaßen mein Brot (echtes Roggenmisch!) zu bonieren. Ich glaube, sie wollten mit mir tanzen gehen (meine Hüften erstarrten vor Schreck), aber ich windete mich in aller Bescheidenheit heraus.

Völlig verdattert verließ ich das Geschäft und schwebte ins Hotel zurück.

Bruxelles

Buchgesuch

Ich wurde nominiert, meine 10 Bücher aufzuzählen, die mich am allermeisten geprägt haben. Bevor ich das tue, will ich euch von dem ersten Buch berichten, das mich offenbar unwahrscheinlich beeinflusst hat. Meine Mutter musste es mir immer wieder vorlesen. Leider habe ich es vor langer Zeit verloren und bisher nicht finden können. Nun will ich euch davon erzählen!

Das eiskalte Herz oder der Eisprinz
Ich weiß gar nicht mehr, wie das Buch heißt. Die Heldin heißt (glaube ich) Heilo und lebt im bitterkalten Winterland, das von einem grausamen Prinzen regiert wird, dessen Eisherz schmelzen würde, bräche der Sommer aus. Als einmal Heilos Opa ausgeht, singt sie trotz Verbot das Lied vom Sommer. Der Prinz hört es, aber weil sie so schön singen kann, bestraft er sie nicht, sondern befielt sie zu sich ins Schloss, um das Lied vom Winter vorzusingen. Das will sie jedoch gar nicht, weswegen ihr Opa ihr zur Flucht verhilft. Leider fängt sie der Handlanger des Prinzen ein und sperrt sie ein. Seine Frau rettet sie und läuft mit ihr weg. Sie finden Freunde (Das Schreinerehepaar, die Fischer und den Jäger), die ihr helfen wollen, denn Heilo beschließt, die Sonne zu suchen. Zuhause findet sie ihren Opa zur Eissäule erstarrt - das Werk des bösen Prinzen. Alle Freunde bis auf den Jäger kommen in ihr Haus, machen Feuer, singen und lachen - davon taut Opa auf! Sie bereiten Heilos Reise vor. Der Jäger ist eher ein stiller Beobachter und hilft Heilo immer nur aus der Ferne. Er ist es auch, der den Eisprinzen und seinen Handlanger überrascht, als sie die Hütte stürmen wollen. Er fesselt sie an einen Baum, dann macht er ein großes Feuer auf dem Hof, in dem der Prinz und sein Gesell versinken (ziemlich makaber, nicht wahr?). Schließlich bricht Heilo mit einem Schlitten voller Geschenken ihrer Freunde auf und sucht den Sommer.

Die wunderschönen Illustrationen sind mir noch sehr deutlich in Erinnerung und das Buch befand sich offenbar schon ewig im Familienbesitz.
Leider ging es auf einem der vielen Umzüge verschütt, und da ich nichts Genaues über Titel oder Verlag weiß, konnte ich bis heute kein Neues finden. Kennt ihr es vielleicht?


UPDATE!! MAMA hat's gewusst!!! :D

Diese 10 Werke prägten mich am meisten:

1. Das Eiszapfenherz (Kahlau/Oelschlaeger)
Meine Eltern haben mir von klein auf tausendmal daraus vorlesen müssen. Die zauberschönen Bilder, die mutige Heldin, Freundschaft, die in Rebellion gegen das System gipfelt - wie konnte all das winz-Claudi nicht begeistern?
Es heutzutage zu lesen ist noch immer ein Fest: Überall finde ich mich wieder.

2. Hirsch Heinrich (Rodrian/Klemke)
Das hatten wir als Schallplatte und als Buch.
Ich liebte das Knistern des Tonträgers. Als Heinrich in den winterlichen Wald entflieht und Sturm, Eis und Einsamkeit beschrieben werden, wurde das Knacken der Schallplatte zu reiner Magie. Je abgenutzter sie wurde, desto verzauberter erschien die Geschichte. Als ich den Text selbst lesen konnte, hörte ich noch immer dieses Knacken in meinen Ohren. Heute nur noch, wenn ich mich arg anstrenge.

3. Kishons Hausapotheke für Gesunde
Schon als Kind las ich Kishon, und dieses Werk wann immer ich krank zuhause im Bettchen lag. Ich musste bereits damals schallend lachen, vermutlich aber auf einer anderen Ebene von Humor. Ich bin allerdings überzeugt, mein Sarkasmus hat sich nur wegen ihm so früh herausgebildet.

4. Ranma ½ (Takahashi)
Der Plot: absolut absurd, voller Tempo, stumpfen und bizarren Humor, dazu Kampfsport und trainierte Männer mit langen Haaren. Die schemenhafte Romantik, die Unverträglichkeit der Geschlechter ... mein 12-Jähriges Ich konnte nur jubilieren.

 

 

5. Die Kirschenkönigin (Pfaue)
Mein absolutes Lieblingsbuch!! (wenngleich ich dank meiner Eigenrecherche auf einen völlig überflüssigen Fehler stieß)
Wir haben hier eine Heldin die durch Gewitztheit, Tapferkeit und einer ganze Menge Wumms ihre Ziele verfolgt, egal wie finster die Zeiten sind. An wen erinnert euch das?

6. Sag was (Flix)
Eine Beziehungs- und Trennungsgeschichte, mehr aber faszinierte mich der Umgang des Helden mit seinen Dämonen. Mich quälten lange genug ähnliche dunkle Geister und zum ersten Mal fühlte ich mich so wunderschön verstanden.

Innenseite: Ich gezeichnet vom Flix!!
Innenseite: Ich gezeichnet vom Flix!!

7. Persepolis (Satrapi)
Das erste Werk, bei dem ich endlich in der Lage war, zu weinen, als es abgrundtief traurig wurde. Bis dahin glückte es mir offenbar ziemlich gut, meine Gefühle zu ignorieren. Doch diese eine Szene sprach meinen Gerechtigkeitssinn an, meine Daddy-Issuses und meine Angst vor dem Tod. Ich muss an dieser Stelle immer wieder weinen, egal ob ich die Graphic Novel lese oder den wundertollen Film anschaue.

 

 

8. Deutsch für junge Profis (Schneider)
Dieser Ratgeber gab mir wohl endlich den Tritt, den ich brauchte, meinen ersten Roman anzugehen. Ferner glückte es dem Autor am erquicklichsten, mir die Empfehlung »Tu nicht so etepetete - schreib simpel!« denn in effectu schmackhaft zu machen. (...)

9. Jane Fairfax (Aiken)
Ja, ich liebe alle Regency-Romane von der genialen Joan Aiken. Aber dieses Werk erlaubte mir zum ersten Mal, mich tatsächlich völlig in die Handlung reinzusteigern. Und das so sehr, dass ich es im Original lesen WOLLTE. Somit legte sich der Grundstein für das Abenteuer englische Sprache, der ich zuvor ziemlich abweisend gegenüberstand. Doch dieses Buch schlug dermaßen mächtige Brücken, dass die Worte mich ebenso verzauberten, wie die meiner Muttersprache. Ich heulte an den gleichen Stellen Rotz und Wasser und war von den Gedichten genauso ergriffen, wie in der deutschen Ausgabe. Seither bin ich ernsthaft für Englisch bereit - selbst mein Lehrer sagt mir, dass sich etwas geändert hat.

 

 

10. Liebesdienst (Jacobsen)
War es das Thema Ehe? Eifersucht? Einvernehmlicher Ehebruch? Die Tatsache, dass sich der Held genussvoll demütigen lässt und all das eloquent beschreibt? Könnte es die Faktizität sein, dass ich dieser oberen Bildungsschicht nur zu gerne lauschte? Oder de facto, dass ich das Buch beendete, es zuklappte und dachte: »Meine Fresse, ich bin erwachsen geworden!«

Das geschriebene Wort - eine Kurzgeschichte

In ihrer kleinen Wohnung erlaubte Amira sich, unvorsichtig zu sein, obwohl sie höchst brennbares Material ihr eigen nannte. Ihr e-book lag an den Strom angeschlossen auf dem Bett und würde den Aufsehern durchgeben, was sie gerade las. Etwas Triviales hatte sie ausgewählt. Zum Glück besaß sie ein älteres Gerät, denn die neuen teilten auch mit wann und ob man umblätterte. Sie drehte sodann das Smartphone um, sodass es mit dem Bildschirm auf der Tischplatte auflag - das tat sie möglichst gleichmütig und schritt dann in einen anderen Raum. Die antike hölzerne Kommode ihrer Großmutter stand neben dem gläsernen Nachttisch. Man könnte Amira fehlenden Geschmack vorwerfen Derbeiden im Zimmerstil zu kombinieren, aber sie hatte sich ihre Ausrede dafür zurechtgelegt: »Ich sein arm und Erbstücke gratis!«
Sie entnahm dem Geheimfach das Material und steckte es unter ihre Kleider. Da es dünn und leicht war, schmiegte es sich an, obgleich sie immer fürchtete, dass sie sich an den Kanten schnitt - das konnte nämlich saumäßig wehtun!

Aufruhe durchfuhr sie. Denn was sie da bei sich trug, war verdächtiger, als sein Smartphone auszuschalten. Amira ging zurück in den Flur zum Tisch und ihre zuckte Hand in Richtung Smartphone. Stopp! Konzentrier dich! Es war zu sehr drin, es stets am Leib zu tragen. Mehr als ein ungeschriebenes Gesetz - es wurde als liebevolle Empfehlung des Staates gehandelt. Immerhin war es unter anderem Ausweis, Kompass, Geldbörse, Zeitmesser, Stimmungsbarometer und schließlich auch Notfalltelefon in einem. Wenn du es dabei hattest, brauchtest du dich nie zu sorgen, da es der Polizei anzeigte, wo du dich aufhältst, ob du einen erhöhten Stresspegel, Hunger, Angstzeichen aufweist oder eventuell in Gefahr warst.


»Zu deiner Sicherheit - Smartphone! Denn dein Staat sorgt für dich«, prangte auf den Bildschirmen in den Straßen. Die Menschen liefen mit gesenkten Köpfen, wischten über ihre Geräte - e-books oder Smartphones - hielten im Gleichschritt an den Ampeln. Überwachungskameras glühten über ihnen, waren gleichzeitig Straßenlaternen. Jetzt im Feierabendverkehr der Nachtschicht ging Amiras rostbrauner Schopf in der Masse unter. Auch sie tat, als würde sie auf ihr Gerät gucken, aber es war eine Tafel Schokolade. Tollkühn hatte sie ihres tatsächlich zuhause gelassen.


Doch dann durchkreuzte ein Bedürfnis ihren Plan. Durst! Es würde auffallen, wenn sie jetzt mit Bargeld bezahlte, das tat man generell mit dem Smartphone. Ihr blieb jedoch nichts anderes übrig, denn zu Sahmis Wohnung war es noch weit.
»Warum haben Münzen für mich?«, fragte der Verkäufer misstrauisch.
»Hatte halt da. Was sollen sonst damit?«, entgegnete Amira. Diesen Satz hatte sie sich für solche Fälle zurechtgelegt. Möglichst unauffällig zückte sie die Tafel Schokolade, als würde sie eine SMS checken und so wirkte sie weitaus unverdächtiger.


Dann huschte sie in Richtung U-Bahn ... Stopp! Konzentrier dich!
Ohne Smartphone, auf dem ihre digitale Fahrkarte gespeichert war, kam sie ja nicht weit. Doch bis zu Sahmis Wohnung musste sie nur ein paar Blocks laufen. Ungewohnt folgten ihre Füße dem Weg. So lange Gänge war sie nur von den Einheiten auf Laufbändern gewöhnt, nicht aber Beton unter den dünnen Sohlen ihrer Schuhe zu spüren.
Sahmi wohnte perfekt: so zentral, dass es schon wieder unauffällig war. Hier trafen sie sich einmal die Woche.
Amira klingelte und hörte sodann Lexis Stimme: »Wer da?«
»Amira da!«, sagte sie möglichst laut, weil zwei Passanten vorbeikamen.
Die Tür sprang auf und sie schnellte in den Hausaufgang. Fahrstuhl oder Treppe? Im Treppenhaus gab es weniger moderne Überwachungskameras ... Sie steuerte darauf zu. Stopp! Konzentrier dich! Das wäre doch allzu auffällig. Also betrat sie den Lift und mit einer geübten Handbewegung tat sie, als würde sie gerade noch eine Sofortnachricht checken und sodann ihr Smartphone in der Tasche verschwinden lassen.
Sahmi öffnete ihr. »Sein spät!«, sagte er betont laut, falls Nachbarn mit dem Glas an der Wand standen.
»Sorry.«
Dann schlossen sie ruhig die Tür hinter sich und beide atmeten durch. Amira fiel ihrem Freund um den Hals und auch er erwiderte die herzliche Begrüßung.
»Wenn ich euch nicht hätte, würde mein Verstand gewisslich bald eingehen«, säuselte sie.
»Das wäre äußerst verdrießlich«, grinste er.


Sie kamen ins Wohnzimmer und Amira umarmte Lexy, Naomi, Carl und Lui auf ebenso innige Art.
»Hast du uns Erquickliches mitgebracht?«, fragte Carl schüchtern, nachdem sie sich alle im Kreis auf den Boden gesetzt hatten.
Amira nickte verschwörerisch und holte das Material unter ihrem Pullover hervor. Ihr Bauch hatte es erwärmt, doch im Gegensatz zu einem elektrischen Gerät, schadete es ihm nicht. Es handelte sich um die letzte Bastion, seine freien Gedanken festzuhalten: Papier.
Die Gruppe hielt den Atem an. Sie waren in einer Welt aufgewachsen, in der ein Monopolist festlegte, was für Bücher geschrieben und angeboten wurden. Es gab keine Autoren mehr, es gab bestenfalls Komitees, die ein paar Ideen sammelten, um dann Schlagwörter in Schreibprogramme einzupflegen. Genre, Handlungsbogen, Seitenzahl, Wortwahl wurden festgelegt, ja sogar, auf welcher Seite der Held zum ersten Mal einen Kuss bekam. Solche Texte lasen alle Menschen auf ihren Smartphones, e-books oder Zuhause auf dem Computer. Jeder Roman folgte demselben Muster, alle Ratgeber empfahlen letztlich das gleiche, jedwedes Kochbuch glänzte mit Appetitlosigkeit. Und es war nicht nötig, dass die Grammatikregeln von früher beachtet wurden. Vereinfacht konnte man sich genauso verständlich machen. Wozu ein umfangreicher Wortschatz? Dem Volk ging es gut, solange es unterhalten wurde - nicht, wenn es selbst denken musste.
Amira beugte sich über ihren Schatz. Die Blätter waren dicht mit Bleistift beschrieben, sie musste sich anstrengen, ihre eigenen Worte zu entziffern, denn das Papier war schon mehrfach genutzt worden und der Radiergummi von minderer Qualität. An Stifte, Radierer und vor allem Papier heranzukommen, gestaltete sich schwierig und kostspielig. Genau wie reisen. Doch ihre Sätze festzuhalten, kleine Geschichten zu schreiben, in denen es um früher ging, um eine Welt, von der ihr ihre Oma Nele noch erzählt hatte, war ihre Flucht, ihre Reise.

Sie las vor, von dieser Nele, die damals erkannt hatte, in welche Richtung die Monopolisten gehen wollten. Dass sie gemeinsam mit Staatsoberhäuptern einer alten Weisheit folgten: Meinungsvielfalt und Bildung konnten äußerst hinderlich für Machthaber sein.
Mit Nele hatten sich so einige zusammengetan und aufbegehrt. Aber es war zu spät. Ihre Generation hatte immerfort das gleiche Buch gelesen, verlernt nachzufragen, sich zu bilden. Bat schon lange nur noch um konventionelle Literatur.
Und je weniger Bildung desto mehr verlangten Menschen nach Beschäftigung, Konsum, Unterhaltung. Sie mochten Medien, die sie berieselten, wollten die gleiche Geschichte wieder und wieder hören, lesen, sehen. Und so kamen mehr e-books und noch mehr allwissende Smartphones. Dinge zu Ende zu denken wurde überflüssig, die Antworten lagen nur wenige Wische entfernt. Ein unterhaltenes Volk ist ein zufriedenes Volk.
Somit sahen so viele Menschen nicht, was Nele und ihre Freunde gesehen hatten. Die Gruppe machte dennoch weiter, gab die Hoffnung nicht auf. Wollte Vielfalt, Literatur, selbst denken. Sie hatten genug von den immergleichen Büchern, den Schreibprogrammen auf den Computern und Smartphones, die ihre Sätze automatisch umstellten und zum Wohle der Allgemeinheit »berichtigten«. E-Books und Smartphones unterhielten die Menschen, formten ihre Interessen, ihren Geist, ihre Meinung. Der Kreis um Nele wurde kleiner, doch sie hörte nicht auf, ihr Smartphone auszuschalten, ihre Ansichten laut zu sagen, die Missstände auszusprechen, Leute zu irritieren.
Dann kamen Aufseher zu Nele. Denn die Frau hatte eine Schwäche, ein Ding, was ihr wichtiger war, als ihre Meinungsfreiheit: ein Kind.
So fügte sie sich schlussendlich doch. Und als Amira viele Jahre später geboren wurde, war die Welt eine andere. Von klein auf aber wusste das Mädchen, dass es mehr geben musste, hinter den Texten, die ihr in der Schule gegeben wurden oder die es zu kaufen und auf e-books zu laden gab. Und dass ihre Oma Nele so anders redete, weil sie einer anderen Zeit entstammte. Amira mochte den Satzbau ihrer Oma, auch wenn diese nur so sprach, sobald sie allein zuhause waren. Die Enkelin kopierte sie.
Eines Tages zeigte Nele ihr die Kommode und wie man ihr Geheimfach öffnete. »Vermutlich wirst du es einmal brauchen. Für deine Schätze.«
Ihre Schätze waren Worte, Sätze, Geschichten. So vieles geisterte in ihrem Kopf umher, das sie aufschreiben wollte. Doch dafür reichte ihr Papier nicht.

Die Wangen der Zuhörer glühten, ob der wohlüberlegten Worte, ob der Thematik, der Amira sich angenommen hatte. Ihre Pulse rasten, ihre Herzen klopften, ihr Hirn rumorte heftig - wie jedes Mal wenn sie sich trafen, um zu denken, zu diskutieren, zu lernen.
Mitten in ihre Gedanken hinein schlug plötzlich jemand in die Tür. Grob, wuchtig, wütend. »Polizei! Sofort öffnen!«, kläffte es von draußen.
Sie zuckten zusammen, starrten einander betreten an.
»Scheiße, was ist los?«, flüsterte Lui.
Auf einmal surrte Naomis Hosentasche. Sie hatte vergessen, ihr Smartphone zuhause zu lassen! Es hatte ihren Zustand gemessen und die Aufseher verständigt.
Was nun folgte, hatte die Gruppe hundertmal geübt: Sahmi ging an die Tür, schindete Zeit. Lexy startete wie vorbereitet den Actionfilm, Amira lief auf dem Balkon, um schweren Herzens das Papier zu verbrennen, der Rest lümmelte sich aufs Sofa als sie nie etwas gewesen. Die Polizisten waren vollvermummt, als hätten sie es mit Terrorristen zu tun ... in dieser Welt hatten war es wohl auch so.
Sie durchsuchten alle Gäste, dann kam Amira vom Balkon wieder, hatte vorsichtshalber tatsächlich geraucht, während sie mit den Tränen kämpfend die Blätter vernichtet hatte. Die Polizisten filzten sie ebenso, fanden aber nichts. Nur ein paar verdächtig dünne Schrammen an ihrem bloßen Bauch.

Blog: Göttliche Recherche ... oder von netten Kirchenmenschen und eifrigen Autoren

Höchst verehrte Leser,
vor ein paar Monaten saß ich nichts böses plottend in meinem Büro und browste so vor mich hin, als auf dem Flur vor meiner Tür Gedränge entstand. Die übrigen Kollegen machten sich gleich auf zum Mittagessen in die Kantine. Zuvor sammelten sie sich immer im Empfangsbereich unserer Abteilung und wie sooft spaßten sie herum.
Thema war heute: Die baldige Hochzeit von Kollegin C.
C ist evangelisch, vernahm ich aus dem Gespräch, und plante in einer nicht unerheblich prächtigen Kathedrale der Berliner Umgebung zu heiraten. Mein anderer Kollege M (katholisch) ereiferte sich sodann über die Tatsache, dass in evangelischen Kirchen Hochzeitsküsse üblich waren.
C: »Bei euch nicht?«
M: »NATÜRLICH NICHT! Eine Hochzeit ist und bleibt eine heilige Messe!«
Klein-Claudi fragt sich so: Moment! Heißt das, ein Hochzeitskuss ist nix Christliches?

Meine Helden aus Rosenduft und Orchideen sind evangelisch und ich hatte mich besonders darüber gefreut, sie im Berliner Dom heiraten zu lassen. Jene Szene war bereits fertiggestellt mit Kuss und allem Pipapo. Nun musste ich feststellen, dass das historisch vielleicht so nicht korrekt war.

Ich kontaktierte also meinen lieben Freund, den Archivar des Berliner Doms. Nachdem seine Grippe und sein Urlaub vorüber waren, sprachen wir 5 Wochen nach jenem Ereignis telefonisch und ich erläuterte ihm mein Debakel. Er überlegte und fragte dann: »Wie kommen Sie eigentlich immer auf sowas?«
Seit wann ein evangelischer Hochzeitskuss üblich war, konnte er mir demnach nicht sagen und meinte stattdessen: »Das ist sogar eine theologisch-historische Angelegenheit - da sollten Sie unsere Pröpstin kontaktieren!«


Klein-Claudi fasste sich also ein Herz, nahm all ihren Mut zusammen und atmete tief durch, ehe sie im Büro der Pröpstin von Berlin-Brandenburg anrief. Ihre Sekretärin fing mich ab, ich erläuterte ihr mein Anliegen. Sie leitete es an den theologischen Grundsatzreferenten des Konsistoriums weiter. Dieser ging mir zuliebe in sich und konnte mir mitteilen, dass Hochzeitsküsse in Kirchen tatsächlich erst in den 70er, 80er Jahren mit der Hollywoodwelle nach Deutschland kamen! Und er wies mich außerdem darauf hin, dass das Führen der Braut zum Altar durch ihren Vater auch eine neumodische Erscheinung sei. Wie hätte ich DAS denn ahnen sollen?

 

Der Altar des Berliner Doms, Fensterbilder: Glaube, Liebe und Hoffnung
Der Altar des Berliner Doms, Fensterbilder: Glaube, Liebe und Hoffnung


Ich benötigte also eine genaue Agenda darüber, wie vor 100 Jahren bei uns geheiratet wurde. Die bekäme ich vielleicht im evangelischen Zentralarchiv, wurde mir gesagt.
So suchte ich mir also dort den Zuständigen und nach weiteren Warte-Wochen fand er Agenden, die mir helfen könnten. Eine von 1895 und eine aus dem Jahr 1928, und nachdem die beiden zwei Weltkriege miterlebt hatten, wusste ich, wie froh ich sein konnte, dass diese Schätze überhaupt noch irgendwo lagen!


Letzten Donnerstag war ich im Lesesaal des Archivs, stiftete Unruhe, u.a., weil ich die hübschen Buchdeckel der Agenden fotografierte, und die vielen Verbotsschilder dazu geflissentlich übersehen hatte, sprach noch mit Archivar und Bibliothekarin und sammelte mir mein Material.
Mir fiel auf: An meinen Hochzeitsszenen muss eine ganze Menge geändert werden!

Meine künstlerische Eitelkeit verbietet es mir aber, den geschriebenen Text einfach zu vernichten. Daher meine Idee: Sobald die neue Version existiert und eingepflegt ist, veröffentliche ich die zwei noch völlig unveröffentlichten Textstellen hier auf meiner Webseite! Dann können Sie, wertgeschätzte Leser, gleich noch etwas mehr von meiner Arbeit kennen lernen und meine geliebten neuen Helden erleben!

Davor blogge ich aber ein bisschen über diese Recherche! Viel Spaß und bis die Tage.

Ihre Claudi Feldhaus

Blog: Göttliche Recherche ... oder ALLES ist Auslegungssache

 Aus der Luther-Bibel 1912
Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei. Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen [hebr.: kleben], und sie werden sein ein Fleisch.

 Agende der evangelischen Gemeinde zu Berlin von 1928
Nicht aufgenommen haben wir den Gedanken Eph. 5 23ff., weil wir den Vergleich* für fremd halten für unser deutsches Empfinden. Auch ist das nur auf die Frau bezügliche Untertan weggelassen bzw. ersetzt, gleichfalls gemäß unsrem christlich-deutschen Ehegedanken. In diesem Sinn haben wir auch den biblischen Vorhandlungen nach dem Kolosserbrief und den Petrusbriefen S. 240 und 245 für „Untertan“ „zugetan“ ersetzt.

    *das Einssein wird mit Bildern vom Weinstock und den Reben …von der Ehe zwischen Christus und den Gläubigen gefasst (Eph. 5 23ff.)

Ich konnte bisher leider keine früheren oder weiteren Aufzeichnungen finden, entnehme der Wortwahl allerdings, dass die Textzeile im Trauspruch: „… wirst du ihm Untertan sein, …“ 1928 erstmals getilgt wurde, jedenfalls in der Berliner Gemeinde. (Unterstelle Berlin außerdem in meinem Lokalpatriotismus erstrahlend eine Vorreiterposition!)
Demnach also sei die Frau dem Manne zugetan. Nicht die schlechteste Voraussetzung für den Bund der Ehe!

Ich hatte diese Untertan-Klausel im Trauspruch bisher völlig außen vorgelassen, wohl denn, da ich sie schlichtweg verdrängt hatte. Umso mehr grüble ich derzeit, wie sich das mit meiner blaubestrumpften Heldin vereinbaren lässt. Die Texte lieferten mir zum Glück Antworten … Ich fand Anregungen für meine Antworten in der Bibel!

Im Epheser 5,23 ff. heißt es da: »So wie Christus die Gemeinde geliebt und sich für sie hingegeben hat«, so sollen auch die Männer ihre eigenen Frauen lieben (Epheser 5,25). Jesus hat seine Gemeinde gleichwertig geliebt und respektiert – er ging die Liebesbeziehung zu Maria-Magdalena nicht ein, da er sie mehr geliebt hätte, als die übrigen Menschen, was seinem Gerechtigkeitsgefühl widerstrebte. (Das hab ich mir vor langer Zeit jedenfalls so angelesen.)

Der Mann galt als Haupt, die Frau unterlag seinem Schutz. Ein Missbrauch des Hauptseins, etwa zur Misshandlung oder Unterdrückung, gilt als ausgeschlossen. Ein solches Verhalten würde der Liebe Christi völlig widersprechen. Die fürsorgende Liebe des Mannes zu seiner Frau geht mit deren dankbarer und freiwilliger Unterordnung gegenüber ihrem Ehemann einher (Epheser 5,23) zum Segen für beide, ihrer Kinder und der Gemeinde.

Demnach obliegt der Frau die Freiheit dem Mann seinen guten Willen zuzutrauen. Ist er in der Lage sie zu führen und zu schützen, ist es an ihr, die Verantwortung abzugeben – sie muss aber nicht. Zuallererst ist sie seine Gehilfin, d.h. gleichwertig und weisungsbefugt. Jedenfalls lege ich das jetzt so aus und wie oben zu sehen, ist ALLES Auslegungssache!

Das geht nämlich mit meinen ursprünglichen Denkansätzen für die Glaubensfragen in meinem Roman konform bzw. mit dem inneren und äußeren Konflikt meiner sich liebenden und respektierenden Helden, die um 1912 eine gleichberechtigte Ehe beginnen.

PS. Ich gebe es zu: Momentan schreibe ich mehr übers Schreiben, als tatsächlich zu schreiben ...

Der Berliner Dom um 1950
Der Berliner Dom um 1950

Blog: Göttliche Recherche ... oder endlich: Der Ablauf einer evangelischen Trauung um 1912 in Gotteshäusern***

Das Brautpaar kommt gemeinsam an die Pforte der Kirchentür und wird vom Pfarrer begrüßt.

Sie schreiten hinter ihm zum Altar, derweil die Orgel spielt und die Gemeinde bereits auf den Kirchenbänken versammelt ist.

Das Jubelpaar nimmt auf den bekränzten Stühlen vor dem Altar Platz. Sodann wird das Eingangslied gesungen (z.B. Bis hierher hat mich Gott gebracht).

Es folgt der Eingangsgruß des Pfarrers, dann sein Eingangswort, ein Gebet und schließlich die Traufragen.

 

Zuerst an den Mann: „Vor Gott dem Allwissenden und in Gegenwart dieser christlichen Zeugen frage ich dich (N.N.): willst du diese Frau* als deine Ehefrau [Ehegemahl] aus Gottes Hand hinnehmen, sie lieben und ehren, in Freud und Leid nicht verlassen und den Bund der Ehe mit ihr heilig und unverbrüchlich halten, bis das der Tod euch scheidet? Ist dies deines Herzen Wille und Meinung, so sprich: Ja.“

Dann an die Frau: „Vor Gott dem Allwissenden und in Gegenwart dieser christlichen Zeugen frage ich dich (N.N.): willst du diesen Mann als deinen Ehemann [Ehegemahl] aus Gottes Hand hinnehmen, ihn lieben und ehren, ihm untertan sein**, in Freud und Leid nicht verlassen und den Bund der Ehe mit ihm heilig und unverbrüchlich halten, bis das der Tod euch scheidet? Ist dies deines Herzen Wille und Meinung, so sprich: Ja.“

 

Es folgt seine Aufforderung zum Ringtausch, zum Mann: „Rein wie das Gold sei eure Treue.“

Zur Frau: „Ohne Ende wie der Ring sei eure Liebe.

Und reicht euch die rechte Hand [und kniet nieder].“

 

Der Pfarrer spricht sodann seine Einsegnung: „Da ihr nun solches allhier öffentlich vor Gott und diesen christlichen Zeugen bekannt habt und euch darauf die Hand gegeben [und auch die Ringe gewechselt] habt“ und legt dabei seine rechte Hand auf die vereinten Hände des Paares „so segne ich als Diener unserer Kirche euren Ehebund als einen christlichen [oder: so traue ich euch als christliche Eheleute] im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen“

 

Er spricht ein weiteres Gebet für sie, das ihre Zukunft einmal mehr segnen soll (da gibt es viele verschiedene) und überreicht dem Mann schließlich eine Traubibel als Traugabe.

 

 

*hatte das Paar noch nicht oder erst kurz zuvor seine standesamtliche Trauung abgehalten (üblich war einen Tag zuvor bzw. am selben Tag), und der Pfarrer wusste, dass sie ihr eheliches Leben noch nicht aufgenommen hatten, bezeichnete er die Braut auch als Jungfrau.

 

**in der Berliner Kirchenagenda von 1928 wird davon abgesehen, der Frau das Untertan-sein zuzusprechen, da sich dies nicht mit der christlich-deutschen Gesinnung der evangelischen Kirche Berlin vertrug. Stattdessen konnte der Pfarrer die Frage folgendermaßen abwandeln: „Willst du ihm zugetan sein“ oder den Halbsatz komplett wegfallen lassen.

 

*** Evangelische Trauungen durften offiziell nur in Kirchen oder Privatwohnungen abgehalten werden. Allerdings verheirateten einige Berliner Pfarrer Paare auch in Gasthäusern oder gar in Parks. Dies wurde in den Rundschreiben des Pfarramtes immer wieder moniert, stieß aber offenbar auf wenig Beachtung. Am Ende wurde mehrfach erklärt, dass dergleichen geschlossene Ehen ungültig waren!

 

 

Vielen Dank an dieser Stelle an die lieben, geduldigen Kirchenmenschen und vor allem an Dr. Eckhard Zemmrich und Florian Kohlrusch

 


Nachtrag von Dr. Zemmrich vom 04.11.2014:

"Ein kleiner Hinweis noch: „Brautpaar“ ist etwas anderes als „Jubelpaar“. Letzteres ist ein Ehepaar, das den Jahrestag seiner Hochzeit feiert (Silberne, Goldene, …)."

Ich: "Ich habe das Wort Jubelpaar tatsächlich aus einer der Agenden entnommen. Hat sich die Bedeutung des Wortes in den letzten 100 Jahren abgewandelt oder haben Sie einen uralten Tippfehler aufgedeckt?"

Er: "Auch das also hochinteressant: Die Wortbedeutung ist heute eindeutig die, die im Wort „Jubilar“ zum Ausdruck kommt. Mit Tippfehlern war man damals noch recht sparsam, so dass ich eher von einem Bedeutungswandel ausgehe."

Die Hochzeit - Entwurf von 2013 (VOR der göttlichen Recherche)

(Dies ist Auszug aus meinem Werk Rosenduft & Orchideen, welchen ich nach intensiver Recherche stark ändern musste - siehe vorhergehende Blogartikel. Der Text den Sie gleich zu lesen bekommen werden, existiert also in dieser Forn im Buch nicht mehr.)

 

 

Die Hochzeitskutsche stand auf dem Hof bereit, geschmückt mit blutroten und schneeweißen Rosen. Das gesamte Hauspersonal befand sich vor dem Haus, als die junge Dame in den strahlenden Sonnenschein hinaustrat. Die Herrin folgte ihr, sie trug ein königsblaues Seidenkleid mit silberner Röschenverzierung, dazu einen riesigen weißen Hut, der von einem silbernen Schal an ihrem Kopf gehalten wurde. Alvine begutachtete die Hochzeitskutsche, nickte zufrieden und wandte sich dann in Richtung Stall.
Alle waren zu schockiert, um sie aufzuhalten. Der jüngere Stallbursche hatte ihr wie heimlich vereinbart ihr Pferd bereitgemacht und sie zwinkerte ihm zu, als sie sich gekonnt auf ihrem Damensattel niederließ. Strumpf scharte ungeduldig mit den Hufen, sie wendete ihn und versicherte sich einmal mehr, als sie ihre Mutter passierte: »Papa wartet dort schon auf mich, nicht wahr?«
»Kind, zu Pferd? Muss das denn sein?«
»Die Kutsche will ich erst mit meinem Mann besteigen, also folgt mir einfach!«
Sie schnalzte mit der Zunge und Strumpf galoppierte fröhlich davon. Die Hochzeitsgemeinde setzte sich daraufhin hektisch in Bewegung.


Mit dort hatte Alvine den Dom gemeint. Hoheitsvoll ritt sie unter den Linden entlang, ignorierte den garstigen Verkehr, der sich auch nicht von ihrem Anblick beruhigen ließ. Einzig die Fußgänger standen still, als sie eine Braut mitten auf der Straße entlangreiten sahen, und verfolgten sie mit aufgerissenen Augen.
Alfred sah seine Tochter von weitem kommen. Eduard und Karl standen mit ihm vor dem Dom Spalier und mussten sich einen Lachanfall verkneifen.
»Die Wilde! Warum war das klar?«
Der Brautvater half ihr galant vom Sattel und flüsterte: »Kind, zu Pferd? Musste das denn sein?«
Alvine lächelte nur beschwichtigend und hakte sich bei ihrem Vater unter.
»Du siehst wundervoll aus!«, grinste Karl, der ihr zärtlich den Schleier vor das Gesicht zog. Eduard bekam vor Faszination keinen Ton heraus.


Sie warteten wenige Minuten, da war auch die restliche Hochzeitsgemeinte eingetroffen, die Familie des Bräutigams und alle weiteren Gäste erwarteten sie bereits im Dom.
Elisabeth Effern trug ein hellrosa Seidenkleid, das ihre aufregenden Kurven betonte. Blumenmädchen liefen vor ihr den Gang entlang, dann schritt sie als Brautjungfer ein und lächelte selig. Ihr Verlobter saß in der achten Reihe und ihre verzückten Blicke trafen sich.
»Letzte Gelegenheit!«, knurrte Alfred plötzlich, »Wenn du ihn doch nicht willst!«
»Papa, ich bitte dich!«
»Ich sag ja nur. Was Gott eint, kann nicht mehr geschieden werden.«
»Erstens unterstützt Gott meine Entscheidung und zweitens redest du Unsinn! Eines Tages wird es auch völlig legitim sein, dass kirchliche Ehen geschieden werden. Des Weiteren liebe ich meinen Mann!«
»Gewiss doch Kind, wenn du das sagst«, brummte er nur, dann setzten sie sich in Bewegung.
Die Gemeinde erhob sich vor der Braut. Nur künstlich ließ Alvine die Augen über sie schweifen, denn all ihre Neugier gebührte ihrem Bräutigam, den sie endlich erblickte.
Theodor stand am Altar, trug einen pechschwarzen Anzug, sein weiches Haar fiel wie immer keck ins Gesicht, als er den Kopf wandte und zu ihr rübersah.


Ihre Blicke trafen sich und je näher Alfred sie an ihn heranführte, desto aufgeregter klopfte ihr Herz. Der Brautvater zwang sich ein Lächeln ab, als er seine Tochter übergab und sich zurückzog. Keine Sekunde hatte sich das junge Paar aus den Augen gelassen. Theodor nahm ihre Hände, beide atmeten tief durch und sahen dann den Pfarrer an, der nickte und den Trauspruch begann. Er redete von Liebe, von Treue, Barmherzigkeit, Ehrfürchtigkeit und der Heiligkeit der Ehe. Davon, dass Gott zusammenführt, was zusammengehört und jedwede Verbindung reiche Früchte zu tragen hat. Und das nichts das Band trennen kann, wenn es einmal geschlossen worden war. Einzig der Tod bedürfe es, zu scheiden.

 

So in etwa stelle ich mir meine Alvine als Braut vor <3
So in etwa stelle ich mir meine Alvine als Braut vor <3


Theodor hielt immer noch ihre Hände und strich geistesabwesend mit dem Daumen über ihren Handrücken, während sie alles um sich herum nur mit einem halben Ohr wahrnahmen. Alvine musste nicht aufsehen, um zu wissen, dass sie genau unter Deckenskulpturen zweier Engel standen, die ihre Heirat segneten. Die Sonne fiel durch die buntbemalten Fenster über ihren Köpfen und Glaube, Liebe und Hoffnung schienen auf sie herab.
»Ich erkläre euch hiermit zu Mann und Frau!«
Theodor seufzte, als er daraufhin noch breiter lächelte, und hob endlich vorsichtig den Schleier. Ehe der Pfarrer die Erlaubnis ausgesprochen hatte, schnappte Alvine sich Theos Gesicht und zog ihn zärtlich zu sich runter. Ihre Lippen trafen sich zum Hochzeitskuss, der Saal atmete aus und als Nächstes erhoben sich alle und jubelten.


Die jüdischen Gäste hatten sich von dem Dom positioniert, um das Paar traditionell mit fruchtbarkeitsbringenden Walnüssen zu bewerfen. Von jeher war der Bräutigam das beliebte Ziel. Er ließ es selig lächelnd über sich ergehen, hatte ohnehin nur Augen für seine schallend lachende Braut, die ihm immer wieder tröstende Wangenküsse schenkte. In der offenen Kutsche fuhren sie durch die Stadt, gefolgt von der Kolonne an Hochzeitsgästen, ihr Weg gesäumt von Schaulistigen. Alvines Gönnerin hatte es nicht übers Herz gebracht, die Einladung anzunehmen, aber sie stand am Straßenrand, bei ihrer Partnerin untergehakt, bereit um ihrem Schützling zuzuwinken. Als ihre Blicke sich trafen, formte die Dame ein langsames alles Gute mit den Lippen und es kam aus ihrem tiefsten Herzen.

 

Frau Feldhaus flirtet

Offensichtlich hat es mich erwischt!

Monatelang lebte ich in meiner Blase aus Schöpfung, Lyrik, Weltfremdheit und Fandom munter vor mich hin. Registrierte von außerhalb nur wenig, hatte nur Aufmerksamkeiten für meine engsten Freunde oder manchmal auch für Familienmitglieder übrig.

Doch dann geschah es: Eine männliche Person trat unverhofft in mein Leben! Und der laufe ich gezwungenermaßen mehrmals täglich über den Weg. Wie so oft wurde mir klar, dass etwas mit mir nicht stimmte, als ich unbewusst seine Hände betrachtete. Die waren wirklich sehr hübsch, also schlug mein Handfetisch an. Sofort setzte uns mein romantisches Autorenhirn in Szene: Wir liegen in einem lichtdurchfluteten Raum auf einem zerwühlten Bett, ich spiele mit seinen muskulösen Fingern, sein verliebter Blick ruht auf meinem Gesicht (...) Okay, dachte ich mir – der Teil an mir funktioniert offenbar nach wie vor prima und trollte mich. 

Nun ja aber wie gesagt begegne ich jener gutangezogenen, wie es scheint gebildeten Person fast jeden Tag. Ich erwische mich also nahezu täglich dabei, dass ich unbewusst meine Amateurverführungskünste spielen lasse.

Wie wenig ich doch meinen Körper, meine Signale zu kontrollieren weiß. Seitdem ich mir - nach intensiver Recherche für ein Buch - über die Abläufe des menschlichen Flirtverhaltens klar bin, merke ich aber wenigstens, was ich dabei so tue. Ich gebe mein Bestes in seiner Gegenwart immer besonders witzig, selbstbewusst und gewandt rüberzukommen. Mühe mich etwas mehr als nötig, ihm eine Hilfe zu sein, ohne mich aufzudrängen. Versuche ihn mit meinem gesunden Appetit zu beeindrucken. Trumpfe mit findigen Wortspielen auf. Gebe mich so stark und klug, wie ich sein will.

Nachdem ich massig theoretisches Wissen über das Verhalten geschlechtsreifer Großstädter während der Paarungszeit* gelernt hatte, weiß ich, dass ich da wohl eher männliches Gehabe von mir gebe. Kein Wunder, denke ich im Nachhinein, zog ich bisher immer charakterlich schwächere Männchen an!

Meine Freundin K teilte mir passend zum Thema jüngst in ihrer freimütigen Art mit: »Ich verbringe so gerne Zeit mit dir zusammen, denn ich suche immer nach Menschen, die stärker sind als ich. Bei dir weiß ich, ich kann mich richtig fallen lassen!«

»Ach K«, sagte ich, »K, ich würde mich auch gerne mal fallenlassen, mit jemandem zusammen sein, der stärker ist als ich.«

»Na dann viel Glück, beim Suchen!«, entgegnete K freundlich.

 

Zum Glück aber hat mein Autorenhirn auch andere Superkräfte inne. Realitäten anerkennen z.B. Es half mir dabei, jenen schlanken, bassstimmigen Mann zu entzaubern und ihn als das anzuerkennen, was er ist: Niemand, der fähig wäre, meine weltfremde Schwebeblase platzen zu lassen. Und so kehre ich bald unbescholten dorthin zurück, bereit der Welt noch mehr Bücherkinder zu schenken und noch mehr zu erstarken. Das Schicksal des Herzblut-Autoren, Romantischstes und Edelstes von allen!

 

 

*Das bot sich gerade an, den Film hab ich nie gesehen.

1 von 3

Diese Woche stehen mir insgesamt 3 Lesungen bevor!

Gestern Abend besuchte ich zum zweiten Mal das Café Tasso in F-Hain, um eine große Lesung zu geben. Dieses Mal aus meinem Zweitlingswerk, der dystopischen Romantasy Zimazans.

Da mich in der Woche zuvor eine leichte Grippe heimsuchte, konnte ich mich leider nicht so intensiv darauf vorbereiten, wie ich gerne gewollt hätte. Aber lest selbst!

 

Es war kalt - scheißkalt - in Deutschland!

Ich hatte mir den ganzen Nachmittag eingeredet, dass sich meine Nervosität offenbar in Grenzen hält. Schließlich bubberte mein Herzlein nicht wie doll und verrückt, ich schien zurechnungsfähig und aß auch normal (in Anbetracht meiner Erkältung sogar mit viel Appetit).

Dann aber fuhr ich zum Café Tasso ohne meine warmen Kniestrümpfe anzuziehen (es war wie gesagt scheißkalt draußen!) und vergaß meine Taschentücher zuhause.

Im Café Tasso angekommen wurde mir die wundertolle Anouk zugeteilt, meine Lesung zu betreuen. Wir sprachen kurz über meine Wünsche, während ich einen wärmenden Ingwertee schlürfte. Anouk nahm sich mein Buch und sagte: »Dann sage isch disch an. Etwa so? Eute ört ihr Clödie Feld-aus … nein, isch sollte das lieber deutsch ausspreschn!«

»Bitte nicht! Das klang doch zauberschön!«, glühte ich sie an.

Sie lächelte huldreich und baute dann mein Plätzchen auf, wobei ich ihr nicht helfen durfte. Vor lauer Verzückung vergaß ich, sie darum zu bitten, während der Lesung Fotos zu machen. Oder war es meine unterdrückte Nervosität? Bestimmt beides!

Ich bekam diesmal ein Tischchen, wieder die kleine grüne Bibliothekslampe und zum Glück ein Mikrofon. Kurz nach 20 Uhr begann ich mit meiner Vorstellung, und während ich vor meinem Publikum saß und schon fröhlich plapperte, fiel mir ein, dass ich mir kaum Gedanken gemacht hatte, wie ich die bisherige Geschichte vor dem zu lesenden Text zusammenfasse. Das war natürlich äußerst peinlich. Hinzu kam, dass ich meine erkältete Stimme durch das Mikrofon hörte und sie in meinen Ohren unGEMEIN erkältet klang. Meine Freundin M, die im Publikum saß, sagte dann aber, dass sie das gar nicht mitbekommen hatte, dass die Zusammenfassung okay war und meine Stimme auch gut klang.

Aber ich war in dem Moment irritiert und holperte dementsprechend etwas. Beim nächsten Mal kommt wieder ein Notizzettel mit, so!

Das Lesen funktionierte schließlich super. Ich konnte nur leider nicht so lange lesen, wie ich gerne gewollt hätte, da mein Hals immer noch etwas muckte. Ich las zweimal 25 Minuten, gab dann eine Fragerunde und signierte brav Exemplare von Zimazans. M und ich saßen danach mit anderen Gästen zusammen, schlürften unsere heißen Getränke leer, bis wir uns schlussendlich hinaus in die Kälte trollten, um den Café Tasso Damen einen pünktlichen Feierabend zu gestatten.

Als ich dann später allein war und auf meine Bahn wartete, setzte mein sonst so apathisches Hirn Glückshormone frei, was es normalerweise nur tut, wenn es mit meiner Leistung zufrieden ist. Diese Hormone erfüllten und wärmten mich; selig fuhr ich nach Hause und alle Bedenken über meine Fehler wurden erst mal klein. Das nenne ich ein gutes Zeichen.

1 Lesung von 3 geschafft!

Ankari über offenkundig charmanter Gesellschaft - das kennt sie ja nicht anders ;)
Ankari über offenkundig charmanter Gesellschaft - das kennt sie ja nicht anders ;)

2 von 3

2. Lesung von 3 geschafft!
Ich habe toll gelesen, etwas genetzwerkt, konnte Susanne mal wieder drücken, meine Freundin M hat ein heißes Date mit einem süßen Autorenkollegen klargemacht, Andrea hat uns gelobt, ich habe bei der After-Fair-Party ordentlich am Buffet reingehauen ... alles in allem ein gelungener Messetag!

3 von 3

3. Lesung von 3 geschafft!
Puh, mir tun die Füßchen weh! Zuerst habe ich heute einen Crêpes gefrühstückt, mit ein paar Bloggern geplaudert, als nächstes Mal mal eben die 3. Lesung diese Woche gehalten und sodann meine Zeit dafür genutzt, um zu netzwerken. Und BÜCHER ZU KAUFEN!!!
Meine Freundin M (die jüngst auf der romantischen Ebene so erfolgreich agierte) hat alle in ihr Auto geladen und fährt sie erst mal ein bisschen spazieren, ehe ich euch ein Foto zeigen kann. Meine Kamera war nämlich auch im Bücherbeutel ...
Danke für die aufregende Zeit und die interessanten Begegnungen. Jetzt heißt es Füßchen hoch und ausruhen. Und seelisch und moralisch auf die LBM im März einstellen - denn nach der Messe ist vor der Messe!

Meh!

Meine Verlegerin letztens so: „Überlegt euch mal was Schönes für unsern Adventskalender! Gedichte, Rezepte, Bastelanleitungen, Geschichten, Bilder, Rätsel … lasst eurer Fantasie freien Lauf.“

Ich so: „Meh!“

Zwei Wochen später … Obwohl ich mir krampfhaft den Kopf zerbrochen hatte, wollten mir beim besten Willen keine Ideen kommen. Immerhin bin ich ein Gefühlskrüppel was Weihnachten angeht. Zudem könnte mein Nichthandeln daran liegen, dass ich u.a. Buchmessen, Lesungen und vorweihnachtlichen Stress zu wuppen hatte, aber das bleibt natürlich nur zu vermuten. Jedenfalls trudelte eine Erinnerungsmail von besagter Verlegerin ein. Und ich bin sonst NIE bei den zu Erinnernden dabei!! Gedemütigt und voller Reue antwortete ich erstmal: „Meh!“ und dann: „Mir fällt ums Verrecken nix ein!“

Darauf bekam ich von ähnlicher Stelle die Frage: „Wie feiert denn Ankari Weihnachten?“

Ich so: „Na nicht wirklich. Weihnachten wird von den Sapiens verteufelt, weil von den Pennatus geheiligt und für Zweitere ist es superstressig, weil konsumbehaftet und kalt. Dagegen muss in Ankaris Dorf ja geradezu himmlische Ruhe herrschen … soll ich dazu was schreiben?“, fragte ich und legte mich schlafen.

Aus irgendeinem Grund erwachte ich um 5 Uhr morgens und sah die Antwort-SMS. „Mach das, klingt gut!“

Ich so: „Meh!“ und kochte mir Kaffee.

Zwei Stunden später sandte ich dies Resultat an den Verlag, d.h. immer noch zum Abgabetermin!! … Und das kann heute im 4. Kalendertürchen bewundert werden!

 

Mit etwas Glück gewinnt ihr das

Buch über Ankari

von der hier die ganze Zeit die Rede ist!!

 

Weiblich, zielstrebig, kinderlos

Heute erschien übrigens ein Leserartikel von mir - in der ZEIT!!
Was für ein Meilenstein!!


Es könnte auch heißen: "OMG, eine Frau will ihre eigenen Entscheidungen treffen - schnell skalpieren wir sie und brennen ihr Haus nieder und bestätigen damit genau das, was sie in ihren Artikel angeprangert hat!!"

(Hab jedenfalls gehört, die Kommentare seien ziemlich heftig. Die bitte NICHT lesen ;))


BlaBla-Meter



Lucie Müller (Kriegssinfonie)

hat mich auf www.blablameter.de aufmerksam gemacht.

(Geeks unter sich ...)


Natürlich konnte auch ich nicht widerstehen und habe einen Bullshit-Index von 0.17 für ‪Zimazans‬ bekommen - das ist doch gar nicht mal schlecht! ^^




Und

"Familie, Liebe und andere Sorgen" bekommt eine 0.21!

Soviel hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Normalerweise nimmt die Adele nämlich kein Blatt vor den Mund!

Weihnachten!

redhair-woman-reading-book-on by Cheschhh,–51202726
redhair-woman-reading-book-on by Cheschhh,–51202726





















Zum 2. Mal heißt es für mich: Wahre Berliner bleiben HIER!
Ich genieße die leeren Straßen, sehe dabei mal ob's im Supermarkt noch was gibt, räume auf, koche mir einen deftigen Eintopf ... und dann wird's weihnachtlich gemütlich!

... Immer dieser deutsche Hang zur Perfektion ^^
Ich wünsche euch eine wunderzauberhafte Festzeit und danke heute schon für das großartige Jahr, das hinter uns liegt.

CF

Für 2015

Ich wünsche euch allen einen wundervollen Jahresausklang und einen großartigen Start ins kommende Jahr.

CF

Auf ein Neues!

Seltsame Träume verfolgten mich an meinem Neujahrsmorgen. Unmöglich da weiterzuschlafen. Also krabbelte ich aus dem Nest und begann schon wieder geschäftig Dinge zu tun. Mein Besuch maulte aus dem Gästezimmer, noch schlafen zu wollen, deshalb bin ich ganz leise.
Wie mein Silvester war? Mit sehr viel Kuchen, danach Sushi und dabei einen Serienmarathon warteten wir auf Mitternacht. Pünktlich um Countdown standen wir auf dem Sofa und sprangen folgend einer dänischen Tradition, von der ich gestern gehört hatte, ins neue Jahr. Mein Glückskeks sagte mir, dass künftig Donnerstage gute Tage für Entscheidungen seien. Das lasse ich einfach mal so stehen ^^
Uns allen einen zauberwunderfunkeltolles 2015 - vor allem denen die 2014 ganz nah bei mir waren, sei es geografisch oder im Herzen.

Foto: blog.expedia.de
Foto: blog.expedia.de

jährliche LBM-Vorfreude

Ich pflege mein Leben immer in kommende Meilensteine zu unterteilen. Jedes Jahr ist die Leipziger Buchmesse mein unangefochtener Höhepunkt. Wie sich das in etwa auswirkt, habe ich mal eben veranschaulicht:
Bürokollege: »Puh, is das warm heute! Is bald wieder Sommer!«
Ich im Stillen: »Wusss? Es ist Mitte Januar. Vorher ist erstmal Buchmesse!!«
Inneres ich: »Näää, erstmal kommt die Mama zu Besuch!«
Ich: »Jaaa, aber dann is Buchmesse.«
Inneres ich: »Äh nee, danach hast du Geburtstag!«
Ich: »Jaaa, aber dann is Buchmesse.
Inneres ich: »Nee, dann feiert die Böste ihren Burzeltag!«
Ich: »Jaaaaaaa, aber dann ist Buchmesse.«
Innerer Kritiker: »NEIN, davor ist noch die Lesung im DIM!!«
Ich: »Maaaah, jaaaaa. Und DANN ist Buchmesse.«
Innerer Kritiker: »Ja, dann ist Buchmesse! Wenn davor nicht noch spontan was ist.«

LBM2013: der Flix und ich ... Manmanman, war ich da aufgeregt ^^
LBM2013: der Flix und ich ... Manmanman, war ich da aufgeregt ^^

Acht und Zwanzig

Ich binde mein Haar streng zurück, nehme die Brille ab und sehe etwas genauer hin als sonst. Im Spiegel blickt mich eine 28-jährige Frau an. Müde sieht sie aus, abgekämpft, aber zufrieden. So als hätte sie alles in allem eher siegreiche Kämpfe ausgetragen.
Vielleicht ein bisschen dünn würde ihre Mutter sagen. Es stimmt: Statt des ovalen Kuchengesichts, wie ich es immer genannt habe, sehe ich relativ dominante Wangenknochen, ernste Züge, kluge Augen. Eine Denkfalte teilt ihre Stirn. Das viele Lesen, Arbeiten, Nachdenken hat ihren Blick etwas trübe gemacht und feine, rote Äderchen neben den hellgrünen Iriden gezeichnet. Oft grübelt sie, spielt dabei mit ihren zumeist geradegezogenen Lippen, was dem Ganzen offenbar einen ziemlich ernsthaften Gesamteindruck verschafft. Wenn sie lacht, umrahmen Fältchen, gleich einem Feuerwerk, ihre Augen, sehr weiße Zähne kommen zum Vorschein. Mit der Nase, sehr gerade, der Haut recht hell, dazu grüne Augen, sieht sie typisch mitteleuropäisch aus.
Zwei weiße Haare sind mittlerweile in ihrer braunen Lockenmähne erschienen - mehr nicht. Für jedes publizierte Buch eines - behauptet sie gerne.
Zusammengenommen ergibt das offenbar eine attraktive Erscheinung. Eine erwachsene Frau.
Als solche bezeichne ich sie erst seit Kurzem. Vielleicht wollte ich sie gerne hinter der Tatsache verstecken, dass sie doch noch ein verspieltes Mädchen ist. Hatte gehofft, so würde sie größeren Schutz von außen erfahren. Aber das Leben hatte andere Pläne. Die Prüfungen summierten sich mit jeder gerade erst bestandenen; ihr wurde schon lange keine richtige Ruhe gewährt. Irgendwie hat sie es immer geschafft.
Ihre Freunde schätzen sie für ihre Stärke, ihre Erfahrung, dass sie »da einfach durchgeht«.
Was noch?
Sie schminkt sich nicht mehr die Augenringe weg.
Sie hat eine Hauskatze und volle Bücherregale.
Ihr Rücken und ihre Schultern sind recht athletisch.
Sie hat eine Lieblingsapfelsorte.
Der Ring, den sie sich mit 16 von ihrem ersten Lehrlingsgehalt gekauft hat, der ist ihr so weit geworden, dass sie ihn eher auf dem Zeigefinger trägt.
Sie trinkt zu viel Kaffee, verdrückt mehr Kuchen und Schokolade, als man ihr zutrauen würde.
Sie hat eine Schwäche für Stöckelschuhe, Lob und muskulöse Männerhände.
Sie gibt nicht auf.
Sicherlich gibt es viel über sie zu sagen, aber das, was ich bis hierher sehe, reicht mir.

Ich bin zufrieden mit ihr, sie macht das echt gut.
Ich bin zufrieden mit mir, ich mache das echt gut.
So gerne würde ich mein nur 5 Jahre jüngeres Ich - noch lieber mein 15 Jahre jüngeres Ich - in den Arm nehmen. Ihr genau das sagen. Und dass es besser wird, dass sie das schafft.
Also greife mich mal vor, stelle mir vor, es sei 10 bis 12 Jahre später. Mein 40-jähriges Ich wüsste es ganz genau. Bestimmt wird sie mir bestätigen, dass es jeden Tag ein bisschen leichter wird. Zu ihr ist es zweifelsfrei ein weiter Weg, aber ich freue mich darauf, sie kennen zu lernen.
Sicher ist sie ziemlich klasse! Und sie wird mir sagen: Ich bin glücklich mit dir, du machst das großartig.

Claudi VS Klappentext

gewidmet Claudia L., meiner allerschönsten Lektorin

*kreisch*

Auch dieses Jahr hatte ich wieder Geburtstag. Ich lud also zu Kuchen, Kaffee und Sushi. Einer der Nachzügler unter meinen Gäste war der kleine Alex, mit dessen Ankunft sich folgendes zutrug ...


Alex: *klingel*

Claudi: *hüpf* Ich mach auf. Ich mach auf. *in den Flur renn* *Tür auf mach*

Alex: *kreisch* Nein, du darfst noch nicht gucken! Du darfst noch nicht gucken!

Claudi: *kreisch* *Tür schließ* *Dicke Lippe mach*

Phie: *in den Flur komm* Was los?

Claudi: Gemein. Voll gemein!

Alex: *von draußen schrei* So jetzt darfst du, jetzt darfst du!

Phie: *zur Tür geh*

Claudi: *kreisch* NEIIIIIIN! Ich will, ich will! *an Phie vorbei drängel* *Tür aufmach*

Phie: Ihr seid solche Diven – ALLE BEIDE!!!!! *wütend wegstapf*

Claudi & Alex: *Phie ignorier*

Alex: *kreisch* Alles Guuuuuute, alles Guute!

*hat drei Röschen im Arm, die er aus der Tasche gezaubert hat*

Claudi: *kreisch* Awwwww, wie süß, wie süß, DU BIST SO SÜSS!!

Erwachsen werden

Ich schreibe an einer Szene, meine Heldin hat einen superanstrengenden Tag hinter sich und sich soeben durch den Feierabendverkehr auf die A2 durchgekämpft. Es ist Nacht, sie ist verschwitzt und hungrig. Kurzerhand hält sie an einer Raststätte, geht hinein und sieht, dass am Buffet gerade frische Spaghetti und Tomatensoße aufgefüllt werden und denkt GEIL!!
Und ich denke ... Omnomnomnom, Spaghetti und Tomatensoße!
Also gehe ich in die Küche und mache mir welche!!
Ja, auch ich kann mich unheimlich über kleine Dinge freuen ^^

Ein Tag im Leben eines Jungautoren

[x] Vorlesen für die Lesung geübt (öfter mal was Neues)
[x] den Goodreaders geschrieben
[x] Goodreads-Seite bearbeitet
[x] ein bisschen nervös geworden, hinsichtlich all der kommenden Ereignisse
[x] Büchertaxi für Lesung im DIM klargemacht
[x] Büchertaxi für Lesung in der Stadtbibliothek Halle angefragt
[x] Rückenschmerzen bekommen
[x] Rückenübungen gemacht
[x] Schmerzen im Rücken jetzt weg
[x] sich etwas um die Katze gesorgt, dann aber doch festgestellt, dass quietschfidel
[x] nochmal nervös geworden, hinsichtlich all der kommenden Ereignisse und sich gefragt, ob an alles gedacht
[x] ein wenig von einer sorgenfreien Zukunft geträumt, in der Schreiben Hauptverantwortung ist

...
[x] festgestellt, dass sehr verantwortungsvoll, umsichtig und vorausschauend geworden und deshalb stolz Liste á la Bridget Jones angelegt

Hängt seit gestern in Halle rum ...

Die Vorbereitungen auf meine Lesung nächste Woche Freitag, 13.3., laufen auf Hochtouren.

Wie zu erwarten, sind alle Mitorganisier jetzt schon total lieb und umsichtig mit mir. Da freue ich mich doch gleich noch mehr auf den Besuch!!

Meine LBM 2015.

Claudi Feldhaus Autorin
Claudi Feldhaus | Autorin

 

 

 

Freitagmorgen zog ich mir den Blazer an, in dem ich so seriös aussehe und als meine Wirtin mich in der Kluft sah, sagte sie: »Claudi geht reiten!«, noch ehe ich die Stiefel angezogen hatte!

Also ging es für mich sehr pünktlich zum Hallenser Hauptbahnhof, wo ich mir erst einen Kaffee jagte, dann dank meiner aggroberliner Ellenbogen einen Sitzplatz in der total überfüllten S5X zum Leipziger Messegelände erkämpfte und mich dieses Jahr nicht ganz so damenhaft zum Messestand des Verlagshauses el Gato in Halle 2 durchdrängelte.

Dort gab es eine Lucie Müller zum Umarmen und den zweiten Band ihrer Kriegssinfonie zu bewundern. La Gata famosa trudelte (ohne Kaffee) ein, hatte noch ein paar einweisende Worte für mich übrig, ehe die ersten Kunden kamen und beraten werden wollten. Brav verkaufte ich (auch) die Bücher meiner Kollegen, pries Neuzugänge an, verteilte Leseproben, die wir dieses Jahr in großer Auswahl besaßen. Ebenso meine Ankari aus Zimazans hatte dieses Mal welche, und denen schenkte ich natürlich meine allergrößte Aufmerksamkeit. Besonders auffällig: Wegen meines seriösen Blazers wurde ich immer wieder für die Chefin gehalten und das nutzte la Gata gerne, um mal durchatmen und sich setzen zu können.

Unser Stand: Halle 2 K301
Unser Stand: Halle 2 K301
Lucie Müller; Andrea el Gato; Claudi Feldhaus Autorin
Lucie Müller, Andrea el Gato und Claudi Feldhaus | Autorin

Dann wurde es für mich äußerst aufregend: Ich zog in Halle 5 (!), wo ich Gespräche mit zwei Verlagen hatte!! (Was dabei herauskam, berichte ich an anderer Stelle, sobald alle meine Pferdchen im trockenen Stall sind.)

Sodann hieß es für mich auch schon fast wieder Abschied nehmen, da ich in meiner deutschen Pünktlichkeit natürlich rechtzeitig zurück nach Halle/Saale fahren wollte, um meine Lesung in der Stadtbibliothek anzugehen.

Claudi Feldhaus Autorin
Claudi Feldhaus | Autorin

Frau Borth begrüßte mich in der 360° die jugendmediathek mit einem perfekt vorbereiteten Raum. Man testete mit mir den Beamer, kochte mir Wasser, weil das am besten wirkt für meine Vorlesestimme, und war allgemein total lieb zu mir. Wohlig umsorgt und gepampert zeigte ich dem bunt gemischten Publikum zuerst den Trailer zu Zimazans und las ihnen dann eine ganze Weile aus ebendiesem Buch vor. Das machte ich offenbar so fein, dass ich von Frau Borth als Dankeschön ein wunderschönes Halloren Kugeln Geschenkset überreicht bekam, über das ich mich wie ein Schneekönig freute. Außerdem können sich Bibliotheksmitglieder nun Zimazans in der Stadtbib Halle ausleihen!!

Ich gab mir große Mühe, pünktlich ins Bett zu gehen, um für den folgenden bekanntlichen Großkampftag fit zu sein. Ratet, ob ich das geschafft habe!

Claudi Feldhaus | Autorin
Claudi Feldhaus' Lesung in der Stadtbibliothek Halle
Geschenke, Ankari und meine Heißwassertasse mit den Teufelchen drauf, die auf den ersten Blick wie Katzen aussehen ^^
Geschenke, Ankari und meine Heißwassertasse mit den Teufelchen drauf, die auf den ersten Blick wie Katzen aussehen ^^
Claudi Feldhaus Autorin
Die kenn ich!

Samstag: Dank meiner Berliner Ellenbogen ergatterte ich auch heute wieder einen Sitzplatz in der Express-Sardinendose zwischen Halle und Leipzig Messe. Auf aggro umzuschalten, war aber gar nicht so leicht, weil die nette Kaffeetante mich zuvor wortwörtlich gefragt hatte: »Und was bekommen Sie Schönes?«, und überhaupt in so feinem breiten Hallenser Deutsch geredet hatte, dass mir ganz warm um mein Herzelein wurde.

Die Glashalle des Messegebäudes war bereits um 11 Uhr überfüllt und schrill laut. Nur der hintere Tunnel führte in Halle 2, sodass ich mich zum Verlagsstand durchstehen musste - also schon genervt war, ehe ich ankam.

Blick auf die Glashalle
Blick auf die Glashalle

Aber Susanne Leuders war auch da, riss mich sofort in ihre Arme und da ging es mir besser. Sie hatte den dritten Band der Entenya Saga dabei, der gleichzeitig das Finale der Trilogie ist, und war verständlicherweise mächtig stolz.

Susanne Leuders; Claudi Feldhaus Autorin
Susanne und Claudi Feldhaus | Autorin
Lucie Müller; Claudi Feldhaus Autorin
Lucie und Claudi Feldhaus | Autorin

Insgesamt hatte ich mich am Samstag nur etwa 10 Minuten vom Stand K301 wegbewegt, Toilettenbesuche und Händewaschen inbegriffen. Wir hatten so viel zu tun (zu Hallesch: Gerammel), dass ich auch nur ein paar Fotos schießen konnte, kaum etwas aß und noch weniger trank. Um 17.30 Uhr leistete ich mir endlich einen Crêpe, meine erste warme Mahlzeit an dem Tag.

Mary Island, Kriegssinfonie, Entenya: Satinka
Mary Island, Kriegssinfonie, Entenya: Satinka
Kriegssinfonie, Entenya: Onida, Der Trompetenspieler
Kriegssinfonie, Entenya: Onida, Der Trompetenspieler

Kurz vor Schluss bekam ich einen Überraschungsbesuch von entfernten Verwandten, danach schoss ich abschließend mein Feierabend-Selfie.

Zimazans von Claudi Feldhaus auf der LBM15 Claudi Feldhaus | Autorin
Claudi Feldhaus | Autorin

Mein Fazit: Wie jedes Jahr war die Leipziger Buchmesse spannend, anstrengend und inspirierend. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse aller Nachwehen und freue mich selbstredend auf die LBM16.

Noch mehr Fotos?

 

Re: »Es kann immer was passieren«


Frei nach Renate Schmidt, Familienministerin a.D. aus dem SZ-Magazin 2015/13:

 

»Familie bedeutet (heute) nicht mehr nur Ehe. Familie heißt, sich um Kinder zu kümmern.«


Danke, liebe Frau Schmidt für diese fortschrittliche Ansicht. Könnten wir ein Stück weiter gehen?

 

                 ---- Familie bedeutet, sich um ANDERE zu kümmern! ----


Nachtrag 10.04.2015: Hier nun der Link zum vollen Text ->

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/42906/Es-kann-immer-was-passieren

Mein Karfreitag

[x] Fachgespräch mit Jordis Lank
[x] Spenden-Button auf Autorenseite integriert (!!)
[x] gelernt mit Calibre E-Books zu erstellen
[x] Testtierchen gefunden
[x] 6 Seiten geschrieben / editiert
[x] und es ist noch nicht mal 16 Uhr ...

Aufbruchsstimmung ...

Hey, hörte des Öfteren über dies Thema zu bloggen, räumt den Kopf auf ...


Nachdem ich allerlei Dinge erledigte, die gemeinhin Hausarbeit heißen, habe ich soeben meine Waschmaschine gesäubert ... Brauche ich weitere Hinweise darauf, dass ich an einer Schreibblockade leide??


Einem sehr typischen Anfängerfehler bin ich auf dem Leim gegangen. Habe bis zu einer Stelle geschrieben, die noch nicht durchgeplottet ist. Alles Folgende ist zu schwammig und neblig in meinem Kopf, zudem kommt nun eine überaus wichtige Szene ... natürlich!


Deutsches Kaiserreich im Spätsommer 1918. Eine heiße Phase, gutes Kind! Das benötigt allerlei Vorbereitung, willst du kein Dilettant sein sondern ein fleißiges Frauenzimmer!!


Also: ich muss mich jetzt halt erst mal auf meinen Hosenboden setzen und ein bisschen Sönke Neitzel lesen! Vielleicht noch mal in der Kirschenkönigin nachblättern. Gucken, was die SPD in der Zeit trieb und allgemein, was in Berlin so los war.


Aber zunächst bringe ich den Müll raus, und drehe bei der Gelegenheit eine große Runde durch den Park vor meiner Haustür. Auf die Weise komme ich heute auch nochmal in die Sonne ... oder so!



(Oh, es räumt wirklich den Kopf auf!! Nun frisch ans Lesewerk ...)

Sönke Neitzel: Weltkrieg und Revolution 1914-1918/19 (be.bra verlag)
Sönke Neitzel: Weltkrieg und Revolution 1914-1918/19 (be.bra verlag)

nächtliches Ostern!

Seht mein wundervolles Berlin-bei-Nacht-mit-Glitzer Osterei, das mir meine Freundin K gestern Abend geschenkt hat. Es ist so toll, es verdient einen Auftritt von allen Seiten!!

Reichstag mit Silbermond und natürlich: ein kleines Brandenburger Tor!

Begegnungen mit Menschen

 

Wie kommt es, fragte ich mich, dass die Menschen sich finden? Sie laufen umher, lungern in Cafés oder auf Bahnhöfen herum, tun eigentlich nichts und trotzdem finden sie sich.


Manchmal haben sie es leicht, dann ist da ein Bindeglied, das sie einander vorstellt. „Hey, das ist die K, die ist genauso ne Drecksau wie du“ und „Das ist der F, der umarmt gerne Leute – einfach weil er’s kann. Und ihr kennt euch jetzt, also macht was draus.“


Und dann gibt es solche, die übereinander stolpern, beispielsweise weil sie beim selbigen Arbeitgeber anheuern und künftig gezwungen sind, Teamwork zu leisten. Leiden, freilich, können sie einander eher nicht. Aber Menschenskind, ihr habt den gleichen Bildungsweg und ihr trefft euch alle zwei Stunden (an guten Tagen) an der Kaffeemaschine und beide steht ihr vorm Chef stramm, wenn was für ihn schiefgeht. Das verbindet. Also sei’s drum, dass einer von beiden vielleicht Kätzchen ertränkt, Bücher verbrennt oder Bayerisch spricht. Ist halt jetzt so, trag’s mit Fassung! Irgendwann mag man sich dann trotzdem irgendwie.


Und dann gibt es diese kontinentalverschiebenden Begegnungen. Du siehst den andern von weitem, denkst dir so: „Ja, das mussa wohl sein“, kommst entgegen und dann denkst du gar nix mehr. Und der andere auch nicht. Man macht dann trotzdem was zusammen und sagt sich: „Wir sollten öfter mal was zusammen machen.“ Jedenfalls gibt es diese Momente. Hab ich gehört, gesehen, erlebt.


Oder jene, die sich erst monatelang an das Bindeglied anbammeln und irgendwann dann neben dir rumhängen. Schleichen sich leise in dein Herz, und ehe du dich versiehst, sitzen sie auf deinem Sofa und du schenkst ihnen Tee nach.


Vielleicht ist jeder für manch einen von allem ein bisschen, ob Bindeglied, Schleicher oder Kontinent ... oder Kollege. Begegnungen mit Menschen - ein Stück weit begleiten sie uns alle, führen uns, werfen uns zurück, laufen an unserer Hand, vor uns davon, kriechen uns einstweilen hinterher oder in Kopf, Herz oder Hintern, gehen uns an die Nieren. Wir tragen sie mit Fassung oder auch nicht.


Was ich damit sagen will?

Es gibt noch andere Menschen – jetzt lass es halt so!

Schwestern ... nicht nur im Geiste


Seit Tagen plagt mich die Sehnsucht eine Schwesterngeschichte zu schreiben.

Da ich selbst keine leibliche Schwester habe, entschied ich mich bisher unterbewusst wohl immer für Helden mit Brüdern.
Nur Ankari und Helene aus Zimazans führen etwas in der Art - nur gleicht ihr Verhältnis anfänglich eher Mutter und Tochter, erst wenn Helene erwachsen wird, verlässt sie Ankaris Schatten.




Tja und dann kompensierte ich bis heute offensichtlich viel mit Figuren in der Rolle bester Freundinnen. BFFs sind nämlich ziemlich klasse!



Anhand von Geschichten, die über (familiär zugeteilte) Schwestern so mitbekomme, scheinen ohnehin die wenigsten Beziehungen so wundervoll, wie ich mir das denke. In den überwiegenden Fällen höre ich von Schwestermonstern, die man nicht mal seinem ärgsten Feind wünscht, die man jedoch trotzdem lieb hat. So ist das nun mal mit Familie, die sucht man sich nicht aus.


Nun ja, aber für mein (über-über)nächstes Werk plane ich eine richtige, innige, durchweg liebevolle Schwesternschaft!