Zum Tag der Jogginghose

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Ich zitiere mal nicht Lagerfeld, denn ich möchte meine Gehirnkontrolle behalten*


Es trug sich zu, dass mein Liebhaber mich zuhause besuchte. Wie so oft war ich zur Paarung bereit und in der typischen Manier des Homo sapiens putze ich mich und empfing ihn im anmutigen Federkleid. Er verhielt sich völlig gemäß seiner Spezies und verstand nicht, was das Weibchen begehrte. Stattdessen fraß er meine Vorräte auf, verunstaltete mein Nest und bettete sich schließlich unverrichteten Aktes zur Ruhe.

Mein Muttertier hatte mir allerdings früh beigebracht, dass unsereins etwas Geduld mitbringen möge, wöllte ich so ein Männchen halten. Ich muss zugeben seine alphatierartigen Eigenschaften (zu der wohl ebenso die Begriffsstutzigkeit zählte), ließen mich noch eine ganze Zeit in seiner Umlaufbahn verweilen.
Am folgenden Abend entschied er sich erneut zu einem Besuch. Wieder legte ich die engen Beinkleider an und platzierte mich geschickt auf seinem Schoße. Er amüsierte sich königlich über die kredenzten You-Tube-Videos und ließ sich gerne mit den Fingern füttern. Nach so viel handzahmem Stelldichein hoffte ich auf ein famoses Legdichhin. Doch er entschwand, ehe ihn die funkelnden Sternlein in meinen verliebten Äuglein hätten verzaubern können.
In meiner grenzenlosen Bockigkeit begrüßte ich ihn am Folgeabend in meiner Rumlümmelhose, meine Haut müffelte vom Schreibmarathon des Tages und ich hatte weder meinen Bau aufgeräumt, noch meine Vorräte aufgefüllt. Also bestellte er mir Pizza, wir hockten auf dem Fußboden und ich machte meiner schlechten Laune Luft.
Was geschah dann? Völlig hingerissen entledigte er mich meines ausgewaschenen T-Shirts, der ergrauten rosa Jogginghose, löste meinen Dutt in wallenden Wohlgefallen auf und bestand darauf mit mir das fast-eheliche Lager zu besudeln.

Ich lernte daraus also zweierlei:
1. Eine hübsche Verpackung ist offenbar keine Garantie, dass das Innere ähnlich interessant wirkt.
2. Rummaulen und schmarotzen plus Zickigkeit = aufgeheitert und gefüttert werden minus Arbeitsaufwand.
Bloß gut kapierte ich das schon mit Anfang 20 - meine Mutter hat das bis heute nicht begriffen!

 

Foto: FABIAN STÜRTZ I Photographer


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