Richtige

»Mit dem Richtigen wirst du Kinder wollen«, haben sie gesagt.
Ich habe den, oder einen, Richtigen gefunden. Er ist sanftmütig, mansplaint wenig bis gar nicht, jedenfalls erinnere ich mich nicht an eine bestimmte Geste, durch die ich mich übergangen fühlte. Er unterbrach mich nie, hörte sich ebenfalls bei hitzigen Kontroversen meine Argumente an und hatte kein Problem dreimal mehr um Entschuldigung zu bitten, wenn er meine Verletzung, war sie auch noch so gering, spürte. Mit ihm führte ich also nie Machtkämpfe, die die Gorillas unter dem Mannsvolk gerne ausfechten; solche, die in ihrem Y-Chromosom irgendeine Berechtigung sehen, mich zu bevormunden. Nein, er glich eher einem Leitwolf, manchmal einem Leitwelpen, kuschlig und respektvoll an meiner Seite. Und wenn ich erst richtig aufdrehte, mich in Theorien meines Hau-auf-die-Fresse-Feminismus verrannte, da schien er sich keineswegs bedroht zu fühlen. Seine blauen Augen strahlten und er lächelte einfach selig. War stolz neben einem so starken Temperament zu stehen, sich an meinem Feuer zu wärmen.
Nicht einmal wenn ich nackt unter ihm lag, fühlte ich mich unterdrückt.

Und dieses wundervolle Wesen hat nun den dringenden Wunsch, seine verständigen, gut gebauten Gene zu vererben. Ich konnte nicht anders, als ernsthaft darüber nachzudenken, ob sie vielleicht recht hatten, die Erwachsenen.
»Mit dem Richtigen wirst du Kinder wollen«, haben sie immer, andauernd gesagt.
Wie ich mein ganzes bewusst erlebtes Leben vermutet habe, ist das ... ausgemachter Bullshit!
Noch klarer, in strahlenderen Farben und lauteren Tönen vermittelte mir mein Innerstes: »Nein. Nein. Nein. NEIN!«
Angst, Empfängnis, Schwangerschaft, Gebären, Mutterschaft, Stillen, Sorgen, Verantwortung, Liebe, die tiefer geht, als alles andere, es nur falsch machen können, keine Dankbarkeit erwarten dürfen, Sorgen, Lektionen, Schmerzen, Sorgen, Sorgen, Sorgen. NEIN!
Auch mit oder für ihn nicht.

Ich habe den (oder einen) Richtigen gehen lassen, eine Frau zu finden, die seinen Kinderwunsch teilt.
Ihr Zweifler, ihr Mutterschaftsfanatiker, ihr Kern-Familienmenschen, seid ihr nun überzeugt, dass es mir ernst ist? War es wenigstens dazu gut?
Es gibt mir etwas Genugtuung, das muss ich zugeben, während ich »Geboren um zu leben« und »Dernière Danse« in Endlosschleife höre. Mich absurden und bemitleidenswerten Fantasien hingebe, in denen er zu mir zurückkommt und mir sagt, er brauche kein Baby, ich wäre seine Familie.
Wenigstens hatte ich recht. Wenigstens war ich fair zu uns beiden. Meine Aufrichtigkeit bleibt mir. Und die Gewissheit, dass ich einmal so dicht an dem Richtigen war. An dem, was sich einfach nur richtig anfühlt. Wie meine Entscheidung gegen Mutterschaft.
Auf die Fresse, ihr Zweifler!


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