Vegane Waffeln -Outtakes 5

Diese komplette Szene entfiel vor Seite 71 :(

In den nächsten Tagen sprachen Pami und ich viel darüber, was zu tun sei. Wir wogen das Für und Wider ab, analysierten Kundenkreise, fragten uns, ob wir das wirklich nötig hätten, kamen zu dem Schluss, dass unser Unternehmen noch zu jung war, um alles zu riskieren, also ergründeten wir neue Kundenkreise.
»In drei oder vier Jahren, wenn Gras über die Sache gewachsen und wir uns einen Namen gemacht haben, ist es vermutlich egal, was so ein Endvierziger über uns erzählt. Bis dahin stürzen wir uns auf Familienfeiern, mittelgroße Firmen und Kleinunternehmergruppen.«
»So machen wir das!«, lächelte Pami, doch ich spürte, dass es arg an ihr nagte, diesen tollen Kunden verloren zu haben und sie nirgends mit ihrer Wut hinkonnte, wenn nicht zu mir.

Dank der Lieferung in die Montessori Schule waren zwei Bestellungen für Kindergeburtstage reingekommen und wir hatten Anfragen einiger kleiner Cafés erhalten, ihnen zuzuliefern. Es war nicht viel, aber das und etwas Erspartes würde die nächste Miete decken.

»Diesen Monat können wir euch leider keine Rate zurückzahlen«, gestand Pami am Kaffeetisch der Crusqs.
Lucrecia und Rhys nickten verständnisvoll, doch es war zu sehen, dass sie das Geld bereits eingeplant hatten und nun umdisponieren mussten.
Voll schlechtem Gewissen schleppte ich in meinen Sonntag. Eine Woche war es nun her, dass ich zuletzt von meiner Mutter gehört hatte. Nachdem sie mir auf meine liebestrunkene Nachricht nicht geantwortet hatte, hatte ich mich auch nicht getraut, am Mittwoch Laut zu geben. Ich kramte meinen Mantel hervor, wickelte mir einen Schal um und machte einen Spaziergang, um den Kopf freizukriegen. Die Sonne schien, kalter Wind pfiff um meine roten Ohren. Trotzdem lief ich weiter. Ich besuchte das Grab meiner Oma Susi auf dem Parkfriedhof. Doch bei dem Wetter waren dort so viele Menschen, dass ich keine Ruhe fand. So marschierte ich bis zum Bürgerpark Marzahn. Dort pflanzte ich mich auf eine Bank in der Sonne und stierte vor mich hin. Andere Spaziergänger kamen des Wegs. Verhutzelte Pärchen, die noch immer Händchen hielten, Jogger, eine Frau führte ihren Hund Gassi, auf die Bank neben meiner setzte sich ein Deutschvietnamese und las den neuen Tsokos, während KIZ in seine Ohren schrien. Ich rutschte tiefer in meinen Schal und lauschte dem Wind. Dann spürte ich meinen Magen knurren und beschloss mir Kekse zu kaufen. Ich lief den Bürgerpark hinunter, an dem stillgelegten Springbrunnen vorbei zu dem kleinen Asia-Shop, der sonntags bis 18 Uhr aufhatte. In der Tür wäre ich fast mit zwei Glatzen zusammengestoßen, die sich mit Frischeiwaffeln und Bier versorgt hatten und wie einem Klischee entsprungen dreckige Thor-Steinar-Pullover trugen. Ich war Anhängerin des Dönerverbots-für-Nazis - sie beim Vietnamesen zu sehen, passte also genau so wenig. So hielt ich mir demonstrativ die Nase zu und drückte mich an ihnen vorbei an den Tresen; sie guckten doof, schulterten ihr Feldgepäck und verschwanden endlich. Hörbar atmete der Verkäufer aus, als die Tür hinter ihnen zufiel. Ich lächelte ihm zu und holte mir eine Packung Kekse. Beim Bezahlen wurde mir klar, dass dieser Laden nun seit Jahren bestand und die Menschen, die ihn betrieben, gewiss vor krasseren Widrigkeiten gestanden hatten als ich. Das gab mir etwas Kraft für meinen weiteren Weg. Pami und ich würden das schon irgendwie schaffen, dieses Weitermachen!


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