Vegane Waffeln Outtakes 4

Diese Szene musste leider auch rausfallen, dabei mochte ich sie echt. Etwas männliche Wankelmütigkeit in Reinform gefällig? :) (Ihr kennt die abgeänderte Form von den Seiten 69/70)

Mit laut klopfendem Herzen bestieg ich am Mittwoch den Fahrstuhl zum Immobilienbüro Lindner. Doch ehe ich mehr als drei Schritte in den Empfangsbereich getan hatte, sprang mir Chris entgegen.
»Geben Sie her, ich mach das. Am besten gehen Sie gleich wieder ...«
Ich sah sie verständnislos an, während sie mir den Karton abnahm und hektisch nach dem Lieferschein griff.
»Aileen!«, rief es in diesem Moment vom langen Flur herauf. Sam stand auf der Höhe seines Büros, die Tür geöffnet, als hätte er mir aufgelauert.
Im Augenwinkel nahm ich Chris‘ unterdrückte Fluchtriade wahr.

»Aileen, wenn Sie einen Augenblick für mich hätten«, betonte er und verschwand in seinem Zimmer.
Sein Ton war undefinierbar, jedoch für alle zu hören. Ich schluckte und ging zu ihm. Er lehnte an seinem bombastischen Schreibtisch, die Arme verschränkt und fixierte mich.
»Schließ die Tür!«, bestimmte er.
»Nein danke!«, erwiderte ich.
Wie immer, wenn man ihm nicht gehorchte, zog er die Stirn kraus. Ich musste noch acht Schritte zurücklegen, um sein großflächiges Büro zu durchqueren. Dann stand ich eine Hünenlänge von ihm entfernt.
»Du weißt wohl wieder sehr genau, was du nicht willst«, stellte er fest und nickte zur sperrangelweit geöffneten Tür.
Sam streckte seinen Rücken durch, nahm vor mir Haltung an und kam einen Schritt näher. Instinktiv wich ich zur Seite, mein Körper spannte sich an, bereit jederzeit einen Verteidigungsgriff durchzuführen.
»Oh was, hast du Angst, ich falle über dich her?«, lachte er verächtlich, »ganz schön eingebildet, für so ein sprödes Ding.«
»Was willst du?«, gab ich zurück, ließ meine Betroffenheit nicht blicken.
»Ich wollte dir persönlich sagen, dass ich es mir anders überlegt habe. Es wäre doch ein Jammer, wenn wir uns ständig sähen und in Versuchung geführt würden, denkst du nicht?«
»Ich habe dich nie verführt, Sam, vergiss das mal nicht!«
Er schnaubte und grinste doof.
»Du willst den Vertrag also doch kündigen?«, schlussfolgerte ich.
»Erraten. Hast du ein Glück, dass dir wenigstens ein bisschen Grips mitgegeben wurde.«
Ich ging gar nicht darauf ein und erwiderte: »Die Lieferungen für diesen Monat wurden schon bezahlt, also werden wir die vornehmen.«
»Lass das besser. Ich will nichts in meinen Räumen haben, was mich an deine schlabbrigen Stelzen erinnert.«
Er spielte offenbar auf unsere Käsekuchen-Muffins an. Dem verwöhnten Jungen wurde ein Spielzeug vorenthalten und nun bockte er. Ich konnte mich nicht zurückhalten und konterte: »Um deinen dünnen Schwanz jederzeit hart zu machen, gereicht es offensichtlich ein bisschen Cellulitis.«
Auf dem Flur polterte es, jemand hatte vor Schreck einen Ordner fallen lassen. Mir fiel dann erst auf, dass sämtliche Stimmen aus den Nachbarbüros verstummt waren. Auch Sam wurde klar, dass wir belauscht wurden, was ihm die Stirn so krauszog, dass er an einen Faltenhundewelpen erinnerte.
»Das war‘s Aileen«, zischte er leise, »ich dachte, wir könnten das vernünftig klären, aber mit dir ist ja nicht zu reden.«
»Ach ...«
Ich verstand: Er hatte vor, die Wut über seine Mitarbeiter und die Demütigung, die er sich selbst zuzuschreiben hatte, an mir auszulassen. Das war natürlich eine sehr bequeme Lösung.
»Ich will dich nie wieder sehen. Und wenn ich jemals mitkriege, dass euer Unternehmen einen meiner Bekannten beliefert ...«


Mehr musste er nicht sagen. Trotz all der Wut über diese Ungerechtigkeit gelang es, mir darüber klar zu werden, dass sich sein Bekanntenkreis in etwa auf die gesamte obere Schicht dieser Stadt ausbreitete. Alle Immobilienunternehmen, Vermietungsbüros, Großgrundbesitzer, Fabrikeninhaber und deren Zulieferer. Ich schluckte schwer. Wie gerne hätte ich ihm jetzt seine perfekte Nase gebrochen. Stattdessen drehte ich mich um und verließ sein Büro. Draußen wäre ich fast mit Chris und den Assistentinnen zusammengestoßen. Auf der anderen Seite des Flurs lauerten einige Makler. Alle sahen mich mitleidig an. Mein Gesicht brannte vor Zorn und Beschämung. Den Blick geradeaus marschierte ich den langen Flur hinunter zur Tür.


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