Vegane Waffeln - Outtakes 2

NEUE MINI-SERIE: Teil 2

Der allerersten Kürzung vor dem eigentlichen Lektorat fielen ganze Szenen zum Opfer. Ich habe sie aber natürlich aufgehoben und werde euch ein paar davon vorstellen.

Die folgende fluffige Kinderei hätte sich zwischen Seite 52 und 53 zugetragen ;)

 

 

Am Morgen des Freitages stand ich mit Pami in der Küche, um eine Bestellung für einen Kindergeburtstag vorzubereiten. Eine Cupcaketorte mit Lieferung direkt in die Schule war gewünscht.
Also verbrachten wir drei Stunden damit, flache Muffins zu backen. Dunkelbraune für Schoko, karamellbraune für Zimt, helle für Zitrone und superhelle für Vanille. Pami befreite sie vorsichtig aus den Papierröckchen und ich stapelte sie mit Hilfe von Zuckerguss als Klebstoff zu einer runden Pyramide auf. Dann buken wir kugelige Muffins für die Fassade. Die wurden mit reichlich Puddingcreme, Streuseln und buntem Zucker verziert. Wir waren sehr stolz auf unser Werk.

Das Monstrum bestand aus fünfzig Cupcakes und war so hoch, dass wir es zu zweit anheben, auf das Vehikel stellen und eine von uns die Kiste festhalten musste, während die andere es zum Auto schob. Wir verluden es in den Transporter, fixierten die Kiste zu gut wir konnten, doch nichts konnte uns die Angst vor einer Muffinlawine nehmen. So also fuhr Pami den Wagen vorsichtig auf dem direkten Weg über Biesdorf und Mahlsdorf nach Köpenick und ich saß in der Ladefläche und hielt die Kiste fest. Da sie auch schön langsam fuhr und sich von den Hupern nicht aus der Ruhe bringen ließ, brauchten wir über vierzig Minuten von Helene-Weigel bis zur Köpenzeile.

Die Mutter des Geburtstagskindes wartete wie besprochen vor der Schule und wollte das Werk sehen, ehe wir es reinbrachten. Unser Plan war aufgegangen: Die Torte war heil und bombastisch. Über meine Mitfahrt im Kofferraum, um das Zuckerwerk festzuhalten, verlor die Dame kein Wort der Verwunderung.

Wir hoben das Riesending zu zweit an, platzierten es auf dem Vehikel, das wir geistesgegenwärtig mitgenommen hatten, und schoben es hinter ihr her. Ich war das erste Mal im Inneren einer Montessori Schule und musste mich zusammenreißen, nicht dumm herum zu starren.
Im Essenraum, in dem das Geburtstagsmädchen überrascht werden sollte, herrschte friedliches Durcheinander, die Kinder waren aufgeregt und verfielen in ein erstauntes Schweigen, als wir mit der riesigen Kiste hereinkamen. Dann hoben wir vorsichtig die Platte unter der Kiste auf einen Tisch und auf ein Kommando öffneten wir die Seiten, sodass die Torte in epischer Manier zum Vorschein kam. Sofort erfüllte Gejubel den Raum, das Geburtstagskind wurde besungen und durfte sich den Cupcake von ganz oben nehmen. Die Mutter wurde zum Dank geherzt und grinste über alle Backen: Sie hatte ihre Pflicht, die tollste Mama zu sein, erfüllt – für heute jedenfalls.

Und auch wir waren Helden. Die Lehrer fragten uns gar nach Flyern, die sie im Lehrerzimmer verteilen wollten. Als sich alle bedient hatten, war die Torte genug abgegrast, sodass wir die Platte vorsichtig unter dem Karton wegziehen und uns zum Gehen wandten.


»Lina wird bald 10«, sagte Pami, als sie auf den Beifahrersitz plumpste, »meinst du, wir schaffen es noch, sie vor ihrem Abschluss auf so eine Schule zu schicken?«
»Wirklich? Du musst zugeben, dass sie doch ziemlich gut mit dem klassischen Bildungssystem zurechtkommt.«
»Vielleicht würden die ja ihr Stottern in den Griff kriegen.«
Ich schwieg dazu und startete den Motor. Während wir die Köpenicker Straße hinauffuhren, dachte ich darüber nach. Wenn wir mit dem Kind bei der Logopädin waren, bestand sie alle Übungen mit Bravour. Auch Gedichte und Lieder rezitierte sie fehlerfrei. Pami, typisch Mutter, suchte immer wieder neue Wege, Lina zu helfen und war wegen ihres Sprachfehlers vermutlich verkrampfter als wir alle zusammen. Sie griff nach jedem erdenklichen Strohhalm, las alles, was sie in die Finger bekam und gab sich nicht damit zufrieden, dass sich das Stottern vielleicht von ganz allein geben würde. Ich glaubte, sie machte ihre Tochter dadurch wahnsinnig und blockierte somit den Erfolg. Doch das konnte ich ihr wohl kaum sagen!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Namimesa (Freitag, 09 Juni 2017 17:50)

    Ich kann gar nicht genug von vegane Waffeln kriegen. Diese Outtakes machen meinen Tag schöner und lassen mich immer wieder im Buch blättern. <3 <3 <3
    Und ich komm als Wessi dazu, den Osten kennenzulernen :)


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