Vegane Waffeln - Outtakes 1

NEUE MINI-SERIE: Teil 1

Der allerersten Kürzung vor dem eigentlichen Lektorat fielen ganze Szenen zum Opfer. Ich habe sie aber natürlich aufgehoben und werde euch ein paar davon vorstellen.

Aileen geht zum Wing Tsun: Diese Szene kennt ihr in stark verkürzter Form von  Seite 15 und 16 ^^

Im Auto lag immer eine gepackte Sporttasche bereit, mit Handtuch, kurzen Hosen, Shirt und Wing Tsun Schuhen; spezielle Slipper mit Stoffsohle.

Vor fünfzehn Jahren besuchten meine Freundin und ich zum ersten Mal eine Kung-Fu-Schule und wurden in einem Schnupperkurs auf Wing Tsun aufmerksam. Pami war aber schon immer gut darin. Erstens hatte sie als schwarzes Mädchen umgeben von Faschos erheblicheren Ansporn, Selbstverteidigung zu beherrschen, zweitens scheint ihr so gut wie alles zu liegen. Insofern nahm ich ihr also nicht viel weg, als sie mich heute mit der Sporttasche in der Meeraner Straße aussetzte, sie ihr Kind einlud und zu mir nach Hause fuhr, um die Einkäufe auszuladen. Sie würde sie in den Raum stellen, der früher das Wohnzimmer war, nun aber unser Lagerraum. Wenn meine Oma Susi das noch erlebt hätte!
Ich lief die schmale Treppe nach oben, begrüßte den Trainer am Schreibtisch im Eingangsbereich und andere Schüler mit dem speziellen Wing Tsun-Handschlag. Diesen Geheimgruß fand ich immer schon besonders cool. Wenn ich einen von meinen Mitschülern auf der Straße traf und wir uns lässig in unseren Schlag verknoteten, dachten Passanten bestimmt, wir würden zu einer Gang gehören.
Ich trollte mich in die Umkleidekabine und zog mich um. Pami und ich teilten uns die Sportsachen, da wir aus organisatorischen Gründen selten zusammen an einem Kurs teilnehmen können. Obenrum bin ich recht schlank, von meinem kleinen Bauch abgesehen. Ihr Körper ist viel kurviger und aufregender als meiner, deswegen schlabberte das Oberteil an mir. Aber die Shorts passten leidlich, denn meine Hüften und Schenkel sind fast so fett, wie Pamis Körperschwerpunkt prall und weiblich ist. Und wir tragen die gleiche Schuhgröße.
Nach der Erwärmung übten wir ein paar Befreiungsgriffe, dann knüppelten wir mit unseren Fäusten auf Schutzkissen ein, die ein Partner festhielt. Ein paar Mal boxte mein Gegenüber so kräftig gegen das Kissen, dass es hochsprang und mich am Kinn traf. Doch die Angst getroffen zu werden, verliert man ziemlich fix. Heute war eine Neue dabei, die später bei den Angriffsübungen einem kurz geratenen Typen zugeteilt wurde. Er sagte ihr nur, immer wieder, dass sie es falsch machte, kam aber nicht auf die Idee ihr überhaupt zu zeigen, wie es richtig ging. Ich konnte mir das nicht mehr anhören und tauschte, sodass ich mit ihr trainierte. Dankbar blieb die Neue den Rest des Unterrichts bei mir, ich erzählte ihr die Legende von der Nonne und dem schönen Mädchen namens Yim Wing Tsun, die heiterte Frauen meistens auf.
»Du bist eine viel bessere Lehrerin als er«, flüsterte sie mit Blick auf den Kurzen.
»Kleine Männer sind eben manchmal so drauf ... Zu mir war der am Anfang auch so. Dabei bin ich ja nun nicht so groß wie du!«
»Du bist so 1,70 oder?«
»1,74«, gab ich zurück. Ich wusste, dass ich durch meine fetten Schenkel gedrungener aussah.
»Na da hab ich ja gut geschätzt! Wenn du gerade laufen würdest, sähest du auch so groß aus.«
»Nein danke«, erwiderte ich höflich.
Sie war nicht die Erste, die monierte, dass ich mich kleiner machte. Aber warum nicht? Ich musste nicht gesehen werden.
Nach dem Training folgte das Cool down, ruhige, dem Atem angepasste Bewegungen. Der eigene Schweiß kühlte die erhitzte Haut und die geschundenen Körperstellen. Ich kam runter, entspannte mich und spürte das wohlige Vibrieren meiner Muskeln und Gelenke.

Nach dem Wing-Tsun-Training, als die anderen Kursteilnehmer noch in eine Bar weiterzogen, steuerte ich die Tram an und bestieg an der Kreuzung Rhinstraße / Allee der Kosmonauten die M 8. [...]


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